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Markt Eschlkam
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Eschlkam – ein Blick in alte Protokolle

Obwohl wir in einer den neuesten technischen Errungenschaften sehr ergebenen  Welt leben – gerade ist die vernetzte Digitalisierung aktuell, ein Thema das im beruflichen Alltag mittlerweile alle angeht – erwächst von selbst - offenbar als ein Gegenpart dazu - in uns Menschen immer mehr das Interesse an der Geschichte unseres Volkes, unserer Heimat. Nicht nur die großen, geschichtliche Abläufe prägenden Ereignisse stehen im Vordergrund, täglich dargeboten in einzelnen Kulturprogrammen des TV, sondern in erster Linie auch die regionale Geschichte: dort wo man seine familiären Wurzeln hat, wo man arbeitet und lebt.

Deshalb möge diese kommende Artikelreihe – ergänzend zu den bisherigen chronikalen Publikationen – beitragen, den Bewohnern im Hohenbogen-Winkel Einblick darin geben, was sich vor langer Zeit, an die die Erinnerung nicht mehr reicht,  im Gemeindebereich von Eschlkam vor mehr als 100 Jahren abspielte, welche Probleme des Alltags zu bewältigen waren. Wohn- und Lebensverhältnisse sind ebenso interessant wie nicht alltägliche Vorkommnisse.  

Hinweis: der zuletzt veröffentlichte Artikel ist stets oben eingefügt.

  • Als Rittmeister Bertenhammer das Landgericht um Hilfe bat

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    Eschlkam. Im Marktarchiv findet sich ein Vorgang, der thematisch und auch inhaltlich außer der Reihe der herkömmlichen Archivalien steht und eine besondere, nicht alltägliche Situation aufzeigt: Am 12. Juni 1828 wendet sich der bereits pensionierte Rittmeister (entspricht dem Rang eines Hauptmanns bei den Fußtruppen) und Ritter der französischen Ehrenlegion, Joseph Bertenhammer an das Königliche Bayerische Landgericht zu Kötzting mit der Bitte um „Zurechtweisung des Betragens seines in Eschlkam in Urlaub befindlichen Stiefbruders“. Das Landgericht antwortete unmittelbar und bat Bertenhammer „auf das dringenste, seinen beim Königlichen Infantrieregiment zu Passau stehenden, dermal aber zu Eschlkam in Urlaub befindlichen Stiefbruder Anton Wolf, den ihm eingeräumten Urlaub alsbaldigst auflösen zu lassen“.

    Der um seinen nahen Verwandten offenbar sehr besorgte ehemalige Rittmeister erwähnt als „dringende Veranlassung“, dass Wolf „im Lande und in seiner heimatlichen Gegend gleichsam wie ein Landstreicher herumzieht, Schulden auf Schulden täglich macht, und sich so im allgemeinen aufführt, daß er unsere ganze Familie zu (in) Schande und Spott herumgeht (bringt), und die größten Ausschweifungen ausübt, wo die Verwandtschaft nicht zahlen genug kann, überdies so grob sich benimmt, daß er oft meine Schwester die Frau Oberzollbeamtin zu Eschlkam damit (be)droht, daß wenn sie seinen Wünschen und Begehren um Geld oder andere Sachen nicht willfahrt, werde er das Haus in Brand stecken und so anderes“. Insgesamt betrachtet zeitigte der wohl vorhandene Alkoholismus seines Stiefbruders bereits üble und auch nicht ungefährliche Folgen.

    Weiter bringt Bertenhammer vor, der Gatte seiner Schwester, der königl. Oberzollbeamte Ruesch „ist ein alter Mann und kränklich“. Gerade in dieser Lage habe Wolf diesen „durch sein widriges Betragen so beleidigt, daß er es nicht länger mehr auszuhalten im Stande ist, und es mir zur Pflicht obliegt nicht allein für meine Schwester, sondern auch mich für meinen H. Schwager in dieser Hinsicht zu verwenden“.

    Umgang mit liederlichen Leuten

    Mein Bruder, so der Schreiber des Bittbriefes, sei bisher brav, fleißig und ordentlich gewesen. Allein „liederliche Leute“ hätten ihn auf Abwege gebracht. Daher sei „es das Beste wenn er stets in königl. Diensten fest verbleiben würde“. Dazu könne das Landgericht „das maiste beytragen“. Berthammer unterbreitete den Vorschlag, den Stiefbruder in den Dienst wieder „einzuberufen“. Letztlich bat er noch, es möchte seinem Stiefbruder untersagt werden, „solange vom Wald, nehmlich vom Holztheile, welcher meiner Schwester mit ihrem Haus seinem Mädchen zu kaufen gab, nichts abhauen dürfe bis er das Haus bezahlt, (er) vom Militär frei, und es förmlich und gerichtlich, allein, oder mit seiner haben sollenden (künftigen) Braut übernohmen hat. So (dürfe er) auch vom Pachtgeld des Hauses nichts einnehmen, sondern meiner Schwester vorabfolgen zu lassen. Ich getröste mich einer hochgerichtlichen Willfahrung meiner Bitte respectvoll und ergebenst Joseph Bertenhammer, pens. Rittmeister und Ritter der französischen Ehrenlegion“.

    Das Landgericht leitete das Bittschreiben Bertenhammers an das Königliche Infanterieregiment in Passau weiter. Diese Behörde antwortete, „in Betracht der Einberufung wegen schlechter Aufführung und in Eschlkam ständig beurlaubten Soldaten Joseph Anton Wolf könne hier nicht eingegangen werden. Vielmehr wolle das Landgericht (Kötzting) über die Aufführung des abgedankten Soldaten selbst nähere Kunde einziehen und dem Regiment über die Notwendigkeit der Einberufung das Weitere mitteilen, woran dann nicht gesäumt werden wird, das geeignete hiernach zu verfügen“.

    Unmittelbar darauf wurde der Magistrat von Eschlkam gebeten, all die von Bertenhammer „gegebenen Umstände zu erforschen“ und das Resultat dann „mit Vorlage an das Regiment“ weiter zu leiten, oder „wenn die Anzeige der Erforschung zum Besten ausfällt“, dies „dem H. Rittmeister zu seiner Beurteilung geschweige (zur) Notiz zu geben“. Hiermit schließt der Akt. Wie das ganze Verfahren ausging ist nicht überliefert. Anzunehmen aber ist, dass Wolf wieder beim Infantrieregiment seinen Dienst als Soldat antreten musste.  

    Das Rueschhaus

    Interessant in dieser Angelegenheit ist die Frage um welches Anwesen es sich in der Schilderung Bertenhammers handelt. Bei Erarbeitung einer Chronik für die Eschlkamer Bürgerhäuser konnte diese Frage verhältnismäßig leicht gelöst werden:

    Am 6. September 1828 schlossen Therese Wolf, Auditorentochter (Auditor ist ein Prüfer), geb. 1802 in Neumark in Böhmen und Karl Anton Ruesch, geb. am 22. Juli 1758 in Eschlkam und „kgl. Quieszierter Oberzollbeamter“ (in Ruhestand) einen Heiratsvertrag ab. Beide wohnten in Anwesen Nr. 30, heute Waldschmidtplatz 3. Bereits 1805 wird dieses Haus als Wohngebäude des „königlichen Beymautners“ Karl Anton Ruesch erwähnt. Ruesch stirbt bald und seine Witwe heiratet noch einmal und das Haus, bisher Wohngebäude ohne Ökonomie (nur) für Zollbeamte, wird sozusagen privatisiert und im Jahr 1846 an den Häusler Anton Späth veräußert. Das Haus verblieb bis heute bei der Familie Späth.  Zwei Hausnamen sind von diesem Anwesen bekannt, einmal das „Rueschhaus“, erinnernd an die nun erwähnte gleichnamige Zöllnerfamilie; dann, bezogen auf die Familie Späth: „beim Späth’n Andredl“. Angeführt sei noch, dass auch Adalbert Schmidt, Zollbeamter und Vater des Literaten Maximilian Schmidt, genannt „Waldschmidt“, dieses Haus um 1835 angemietet hatte. Vorher wohnte er als Leiter des örtlichen Zollamtes in dem 1827 von dem Wirt und Metzger erbauten sog. „Mauthaus“, wo sein Sohn Maximilian am 19. Februar 1832 das Licht der Welt erblickt hatte.

     

    Werner Perlinger

  • Der vergebliche Versuch eine Geschmeide-Warenhandlung zu eröffnen

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    Eschlkam. „Gesuch des beabschiedeten Grenzaufsehers und bereits ansässigen Bürgers Wolfgang Riederer um Verleihung einer Geschmeide-Warenhandlung betreffend“ titelt ein Akt aus dem Jahreszyklus 1852/53. Insgesamt geht es in den einzelnen Vorgängen um die Eröffnung eines Geschäfts im Markt. Unwillkürlich denkt der Leser bei dem Wort „Geschmeide“ zunächst an Schmuck. Dem war früher nicht so, denn unter dem Wort >Geschmeide< verstand man vielerlei geschmiedete Gegenstände, meist Werkzeuge jeder Art. Erst später, in neuerer Zeit verstehen wir darunter Arbeiten aus Gold oder Silber, bzw. Schmuck allgemein, daher auch die Berufsbezeichnung Gold-oder Silberschmied.

    Wolfgang Riederer, geb. 1815, übernahm im Jahr1852 das Anwesen Nr. 61/Großaigner Straße 1 seines Vaters, des Metzgers Anton Riederer. Am 12. Oktober gleichen Jahres erschien er als ansässiger Bürger vor dem Marktrat, legte ein Zeugnis „über erstandene Prüfung für das Geschmeidewarenhandelsgewerbe“ vor und bat, ihm dafür eine „Concession (Zulassung) nach Eschlkam“ zu erteilen, „da sich dahier weder ain Geschmeidehändler noch ein Geschmeidemacher befindet“.

    Riederer hatte vorher bis 1851 als Grenzaufseher gearbeitet. In dieser Berufsphase besorgte er für den Geschmeidehändler Alois Zierhut aus Furth, damals auf Anwesen Pfarrstraße 2, dessen Bedarf aus den „Geschmeidewarenhandlungen zu Passau“, da er dort seinen Dienst versehen hatte. In einem am 22. September 1852 eigens ausgestellten Zeugnis bestätigte Zierhut dem Riederer beste Arbeit geleistet zu haben u.a. mit dem Hinweis, dass er „sich so viele, sowohl theoretische als praktische Kenntnisse erworben (hatte), daß er zur selbstständigen Führung eines solchen Gewerbes vollkommen qualifiziert ist“. Daher sprach sich der Marktrat mit Bürgermeister Moreth an der Spitze für eine „Dispensation (Befreiung) von den Handlungs- Lehr-und Servirjahren behufs Erlangung ainer Geschmeidewarenhandlungs-Concession“ aus. Auch sei er aufgrund des vorgelegten Zeugnisses dazu fähig. Ferner besitze er zur „Betreibung fraglichen Geschäftes das nötige Betriebs-Capital“. Außerdem befahl der Marktrat, das „Concessionsgesuch an der Rathaustafel zur allenfalsigen Mitbewerbung zu affigieren (anschlagen)“ Nach vierwöchigen Aushang, dieser geschah ab 12. Oktober, sollte dann über das Gesuch entschieden werden.

    Nun schaltete sich in die Angelegenheit das Hauptzollamt ein, das seinen Sitz damals in Eschlkam hatte. Am 13. Oktober stimmte diese Behörde dem Vorhaben Riederers umso mehr zu, als dem Schmied Michl Dachauer (Nr. 6/Kleinaigner Straße 1) bereits am 7. April gleichen Jahres der Handel mit Eisenwaren bewilligt worden war. Nur durfte der „Pedent“ (Bittsteller) Riederer seinen Warenbedarf künftig nicht „unmittelbar aus dem Auslande, sondern nur von vereinsländischen (inländischen) Handlungen beziehen“. Außerdem habe er sich den im Zollverein geltenden Kontrollbestimmungen zu unterwerfen.

    Die Konkurrenz schläft nicht

    Wenige Tage später, am 20. Oktober, meldete sich der Schlossermeister Joseph Römisch (Nr. 68/Großaigner Straße 6) als „Mitbewerber um (die) fragliche Concession“. Auch er bat um „Dispensation“ von der herkömmlichen Lehrzeit. Der Marktrat stimmte zu, „weil zwischen dem Geschäfte eines Schlossers und dem eines Geschmeidehändlers  eine Gewerbsverwandtschaft in Wirklichkeit besteht“ und er als „tüchtiger Schlossermeister ein fürs bürgerliche Geschäftsleben genügend gebildeter Mann“ ist.

    Am 4. November beantragte der Eisenhändler Dachauer – er hatte bereits am 7. April 1852 die „Eisenhandlungs-Concession“ erhalten – das Gesuch des Riederers abzuweisen, „da das Bedürfnis nach einer zweiten Geschmeidewarenhandlung für den Markt Eschlkam nicht besteht und sein ordentliches Auskommen gefährdet werden würde“.

    Einen Beschluss gefasst

    Der Magistrat fasste am 13. November in einer ausführlichen Stellungnahme den Beschluss, „daß dem W. Riederer die nachgesuchte Geschmeidewarenhandlungs-Concessionun bedingt zu ertheilen sei“. Ferner sei das Gesuch des Mitbewerbers Römisch „nicht zu berücksichtigen und der concessionierte Eisenhändler Dachauer sei mit seiner Erinnerung zurückzuweisen“. Es unterschrieben Bürgermeister (Simon) Moreth (damals Nr. 42/Blumengasse 7) und die Markträte Schmirl, Pohmann und Forster. Am nächsten Tag mussten Riederer, Römisch und Dachauer im Rathaus diesen Beschluss entgegennehmen und signieren. Auch wurde den Betroffenen 14 Tage für eine „Berufungsergreifung“ eingeräumt.

    Die Monate vergingen. Am 16. Juni 1853 erklärte die Regierung von Niederbayern als dafür höchste Instanz den Beschluss vom 13. November wegen eines eklatanten Formfehlers des Magistrats „als nichtig“, nachdem Dachauer dagegen eine „Nichtigkeitsbeschwerde“ erfolgreich eingelegt hatte. Doch bereits Wochen vorher, am 21. April, hatte die Marktführung erkannt, dass der Beschluss vom November des Vorjahres „ohne Mitwirkung der gesetzlich erforderlichen zwei Drittheile der Magistratsmitglieder geschah“. In der gleichen Sitzung entschied der gesamte Rat, dass es hinsichtlich der Entscheidung vom 13. November „lediglich sein Verbleiben habe“, jedoch mit der Einschränkung, dass Riederer keine gleichen Waren wie Römisch anbieten dürfe.

    Die höchste Instanz entscheidet

    Der Streit war jedoch noch nicht zu Ende: Am 28.  April 1853 hatte zusätzlich das Hauptzollamt Eschlkam die Regierung in Niederbayern gebeten, die für Riederer erteilte „Concession nicht gewähren zu wollen“, da dieser sich an zollrechtlichen Vorgaben, wie z. B. die verbotene Einfuhr von Waren aus dem Auslande, nicht gehalten habe. Am 8. Juni schließlich entschied „im Namen seiner Majestät des Koenigs von Bayern“ die Regierung in Niederbayern, die Berufung Dachauers abzuweisen. Ebenso wurde das Gesuch Riederers wegen „der vorgebrachten Bedenken, die umso mehr eine besondere Würdigung verdienen, als auch vom gewerbspolizeilichen Standpunkte aus ein Bedürfnis zur Verleihung dieser Concession als nicht gegeben erachtet werden kann.“ Riederer musste sein Vorhaben vorläufig aufgeben. Erst ein erneuter Versuch im Jahr 1857 hatte Erfolg, wobei er nur die Waren verkaufen durfte, die gegenüber Römisch und Dachauer keine Konkurrenz darstellten.

     

    Werner Perlinger

  • Aus der Tätigkeit der Kirchenverwaltung im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts

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    Eschlkam. Über die Kirchenverwaltung erschien bereits der Artikel "Wahl der Kirchenverwaltung in Eschlkam im Jahr 1845". Nun sollen einzelne schriftlich festgehaltene Inhalte aus der Tätigkeit dieses Gremiums – wenn auch 30 Jahre später - angeboten werden.

    Zunächst einführend: Das Kirchenrecht bestimmt, dass in jeder Pfarrei ein Vermögensverwaltungsrat bestehen muss, in dem ausgewählte Gläubige dem Pfarrer (der die Pfarrei bei allen Rechtsgeschäften vertritt) bei der Verwaltung des Pfarrvermögens helfen. Zu den Aufgaben des Pfarrverwaltungsrates bzw. der Kirchenverwaltung (in Folge: KV) zählen u.a. die Genehmigung des jährlichen Haushaltsplanes der Pfarrgemeinde sowie Miet- und Pachtangelegenheiten. Zu seinem Zuständigkeitsbereich gehört auch die Verantwortung für die zur Kirche gehörenden Gebäude und Personal, beispielsweise das der von der Pfarrgemeinde betreuten Kindergärten. Der jeweils wirkende Pfarrer ist kraft seines Amtes stets der Vorsitzende des Pfarrverwaltungsrates. Grundsätzlich ist der Aufgabenbereich der KV von dem des Pfarrgemeinderates zu trennen.

    Wir schreiben das Jahr 1875. Am 6. Juni tagten die Mitglieder der Kirchenverwaltung und legten wegen des Friedhofs fest, „es sei an das königliche Bezirksamt in Kötzting (heute das Landratsamt) die Bitte zu richten, es wolle genehmigen, daß der amtliche Auftrag erst bei Beginn des nächsten Jahres vollzogen werde, da gegenwärtig zur Herstellung von dauerhaften eisernen Gittern keine verfügbaren Mittel vorhanden sind“. Die Niederschrift unterzeichnete an der Spitze des Gremiums Pfarrer (Joseph) Ludwig, er amtete von 1871-1877.

    Ein Jahr später, 1876, wurde am 18. Februar im Beisein auch von dazu delegierten Gemeinderäten für den Zeitraum 1876 bis 1882 der Kirchenpfleger gewählt. Dieses Amt übernahm nun der Bierbrauer und Realitätenbesitzer Alois Neumaier (damals Inhaber des heutigen Gasthofes Penzkofer). Nach Annahme der Wahl wurden „demselben der Cassenschlüssel sowie die (bar) vorhandenen Gelder im Betrage von 638 Gulden 47 ½ Kreuzer ausgeantwortet“. Neumaier erklärte schließlich, dass er die Verantwortung über die Kirchengelder laufenden Ausgaben und Einnahmen vom heutigen Tage an übernehmen wolle“. Bereits am 4. März bemühte man sich um die „Richtigstellung des Capitalienstandes bei der Kirchenstiftung Eschlkam“. So fanden sich nach Öffnung der Kasse „die im beiliegenden Verzeichnisse aufgeführten Wertpapiere im Gesamtwert von 20.300 Gulden“. D.h. die Kirche Eschlkam war damals, fünf Jahre nach dem deutsch-französischen Krieg, vermögend. Wenig später, am 26. April befasste sich die KV mit der „Ablassung der sog. Heiligen Schupfe“ an die Gemeinde. Manchmal wurden diese Gebäude, die ausschließlich zum damaligen Ökonomiepfarrhof gehörten, auch als „Heiligen Stadel“ bezeichnet. Beschlossen wurde „die sog. Heiligen Schupfe der Feuerwehr zur Benützung als Requisitenhaus“ nur unter der Bedingung zu überlassen, wenn innerhalb des Gebäudes für die Kirche ein Raum zur Unterbringung von Geräten ausgewiesen werde und sämtliche künftige Bau- und Reparaturkosten die Marktgemeinde übernehme. Bereits 1849 waren die Feuerwehrrequisiten in diesem Stadel untergebracht. Da aber die für Löscharbeiten nötigen Leitern mittlerweile bei den Reparaturen an der Kirche abhandengekommen waren, wurde schon damals eine andere Unterbringungsmöglichkeit gesucht.

    Ein Platz am Oratorium?

    Am gleichen Tag des Jahres 1876 fasste die KV auf Initiative des Bezirksamtes noch folgenden Beschluss:

    „Es sei den Bediensteten der hervorragenden Bürgerschaft, deren Frauen, sowie den im Aufenthalte dahier sich befindlichen anständigen Fremden der Besuch des Oratoriums (von lat. „orare“ - beten – kirchenlat. für: Bethaus, Andachtsraum) zu gestatten“. Zur Bestätigung der Beschlüsse unterzeichneten die Mitglieder der KV das Protokoll, wie Alois Neumaier als Kirchenpfleger, dann die damaligen Mitglieder Franz Dachauer, Franz Pfeffer, Sebastian Lechermaier und nochmals ein Franz Pfeffer. Lediglich der „Herr Vorstand verweigert die Unterschrift“, so der Eintrag im Protokoll. Gemeint ist damit der Pfarrer, der sich dafür wohl für zu befangen erklärte. Verfügt wurde zudem: „obiger Beschluß ist den Gesuchsstellern respektive den Betheiligten gegen Nachweis zu eröffnen“. In der Niederschrift  sind diese jedoch nicht genannt. Der Aufenthalt in den Oratorien war früher nur besonderen Personen vorbehalten. Oratorien befinden sich meist logenartig auf einer Empore des Chores oder des Langhauses mit Fenstern zum Hauptraum.

    1882 wurde für die Periode bis 1888 eine Neuwahl der KV durchgeführt; ebenso 1888 bis 1893. Als Kirchenpfleger bewährte sich in dieser Zeit stets der schon genannte Alois Neumaier.

    Am 1. Juni 1887 wurde unter Pfarrer Johann Baptist Braun (1877-1897) von der KV beschlossen, „daß aus den Mitteln der Kirchenstiftung ein neues Velum im Preise von 120-130 Mark angeschafft werde, da das einzige vorhandene durch langjährigen Gebrauch ganz defekt und unbenützbar geworden ist“. Das „Velum“  ist ein meist kunstvoll gesticktes Tuch, mit dem die Monstranz  z. B. während der Fronleichnamsprozession bedeckt ist und dann vor Segnung der Gläubigen abgenommen wird.

    Bau einer Kapelle

    Ein Jahr später, am 11. April 1888, erklärte „sich die KV bereit, die von dem Bauern Franz Wurm von Neuaign (vulgo „Stodlbauer“) wegen Erbauung einer Feldkapelle zu erlegende Kaution von 100 Mark in Verwahrung zu nehmen und zu verwalten“. Die Kapelle steht heute noch im Bereich des Anwesens. 1889, am 10. April, wurde von der KV das „dringende und unabweisbare Bedürfnis anerkannt“ den Friedhof zu erweitern. Die Kosten dafür wurden aus dem gerade aktuellen Kirchenvermögen“ bestritten. Zugleich wurde das Bezirksamt ersucht, „daß für 2 Jahre von einer Schuldentilgung  Abstand genommen werde“. Der Erweiterung diente ein Teil des sog. „Mirtlgartens“.  Drei Jahre später, am 17. Juli 1892, beschloss die KV, dass „ein Kelch neu vergoldet werde, ferner die Reparatur des Kirchturmdaches und die Erneuerung des Putzes an der Kirche selbst. Um für diese Maßnahmen die Mittel bereitzustellen, wurde wiederum das Bezirksamt ersucht, dass von der „Einhaltung des Refundierungsplanes Angang genommen (= die Art der Zurückerstattung erlaubt werde) bzw. auf 2 Jahre Nachsicht gewährt werde.“

     

    Werner Perlinger

  • Bei Grabarbeiten für einen Bierkeller tödlich verunglückt

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    Eschlkam. Das Brauen von Bier hat in unserem Markt eine althergebrachte Tradition. Demnach wurde in Eschlkam als Sitz eines Gerichtes der bayerischen Herzöge in deren Auftrag sehr wahrscheinlich noch im 13., nachweislich aber bereits im frühen 14. Jahrhundert, Bier gesotten und vertrieben. Wie Archivalien uns mehrmals berichten, konnten später im Kommunebrauhaus 61 brauberechtigte Bürger das Jahr über ihre „Suden“ von einem eigens dafür angestellten Braumeister herstellen lassen. Deshalb weisen die Wohnbereiche des Marktes unter den einzelnen Anwesen zum Teil stattliche Kelleranlagen auf, einst gegraben in den örtlichen Fels. Der Anlass für ihre Erbauung war die Umstellung der Bierherstellung. Schrittweise wurde begonnen von der oberen warmen auf die untere kalte Gährung überzugehen. Damit erzielte man ein süffigeres, vor allem aber länger lagerfähiges Getränk. Die Temperatur durfte bei diesem innovativen Gährprozess 10 Grad Celsius nicht überschreiten - klimatische Bedingungen also, die diese tief angelegten Felsenkeller noch heute bieten. Gerade das Graben und Anlegen von Kellern geschah stets in der kalten Jahreszeit, weil dafür die Tagelöhner, auch die Knechte und Mägde kaum Arbeit hatten und so dafür zur Verfügung standen. Für diese nicht ungefährlichen Arbeiten wurden sie meist mit „Bier und Brot“ entlohnt.

    Uns beschäftigt ein besonders tragischer Vorfall vom Februar des Jahres 1851, als der Gastwirt Anton Baumann von Anwesen Nr. 21 (das Haus, einst gelegen zwischen dem Anwesen Wanninger und dem heutigen Ludwig Weber- Haus, existiert schon lange nicht mehr) seine bestehende, aber zu kleine Kelleranlage vergrößern wollte. Über das für die Eschlkamer Bürger furchtbare Geschehen unterrichtet uns im Detail zunächst ein außenordentlicher Eintrag im Totenbuch der Pfarrei. Der damalige Pfarrer Karl Pittinger – er amtete von 1843-1859 – schrieb zunächst in der herkömmlichen Sterbeliste: „Anna Schreiner, Bürgerstochter von Nr. 18, ledige Dienstmagd bei Anton Baumann, verunglückte im Keller durch Einsturz der oberen Wand am 13. Februar um 4 Uhr nachmittags, 19 Jahre alt, beerdigt am 16. Februar“.

    Nur der Knecht überlebte

    Den Eintrag ergänzte Pittinger am Rand der Matrikel mit folgender ausführlicher Schilderung: „Der bräuende Bürger und Tanzmusikhalter Anton Baumann, vulgo Schmauß, hat bei Vergrößerung seines Kellers keine Pelzbodenhölzer (sofort einzubauende Stützen mit Bohlenbretter darüber um das neue Gewölbe abzusichern) anwenden lassen, u. in Folge dieser Unvorsichtigkeit stürzten große Abrisse des Erd- und Streugrundes herab, begruben diese Magd, welche Anfangs halb verschüttet war und zu welcher nur ihr Bruder sich hergetraute, aber auch er davon eilte, weil ein ansehnlicher Erd-Steinfall sein Leben bedrohte. Der Knecht Andreas Hartl, geboren von Kleinaign, war auch dem Tode nahe, konnte jedoch noch mit den hl. Sakramenten versehen werden und genaß doch wieder so ziemlich“.

    Das Unglück meldete der Magistrat tags darauf am 14. Februar an das Landgericht Kötzting: Demnach hatte der Gastwirt Anton Baumann vor zwei Jahren hinter seinem Wohnhaus Nr. 21 einen Bierlagerkeller gegraben, ohne dass er das Kellergewölbe bisher habe ausmauern lassen. „Am Tag zuvor, den 13. Februar“, so die Niederschrift, „schickte er nachmittags um 4 Uhr seine Dienstmagd Anna Schreiner, Hausbesitzerstochter von Eschlkam (Eltern: Mathias Schreiner und Barbara, geb. Gregori von Nr. 18/Further Straße 8) und seinen Dienstknecht Andreas Hartl, Häuslerssohn von Kleinaign, in den fraglichen Keller um das auf dem Boden dieses Kellers befindliche Gestein wegzuräumen. Kaum hatten die beiden Dienstleute im Keller mit der Wegräumung des Schuttes begonnen, als das Kellergewölbe einstürzte“. Andreas Hartl, so der Bericht, „wurde wiewohl schwer verletzt gerettet und wird an seinem Aufkommen nicht gezweifelt, aber die Anna Schreiner verschüttete es ganz und zwar so stark, daß sie bisher noch nicht ausgegraben werden konnte“. Unmittelbar nach dem Unglück schickte der Magistrat „um sachverständige Werkleute, nämlich um den Maurermeister Anton Großer und Zimmermeister Roßberger (beide) von Furth, damit zur Verhütung weiteren Unglückes die Ausgrabung der verunglückten Anna Schreiner unter Leitung dieser Männer geschehen kann“. Beigefügt ist dieser Stellungnahme als Makulatur die Schilderung der Auffindung von Anna Schreiner: „Nach mühevoller angestrengter Arbeit gelang es, die Verunglückte heute Nachmittags (am 14. Februar) 3 Uhr aus dem Schutte herauszubringen. Nach Angabe des Baders Herzog (damals praktizierend in Anwesen Großaigner Straße 3) ist die Brust der Verunglückten ganz eingedrückt, daher die Anna Schreiner unmittelbar nach der Verschüttung das Leben geendet haben dürfte“.

    Weiterbau zunächst eingestellt

    Infolge dieser Katastrophe reagierte das Landgericht sofort. Als Sachverständiger wurde Maurermeister Wilhelm aus Kötzting als Unparteiischer angewiesen, alle Vorkehrungen zu treffen, damit der Kellerbau weiterhin vorschriftsmäßig erfolge. Der beigezogene Fachmann zeigte an, „daß er in diesen seinen Verfügungen gehindert werde, und zwar nur durch den dortigen Marktschreiber“. Es war dies Joseph Anton Beutlhauser, der seit 1847 im Dienste war. Sollte dies stimmen, erhielt der Magistrat den Auftrag, „das obwaltende Hindernis zu beseitigen“. Auch rügte Meister Wilhelm, dass ohne Rücksicht auf das Geschehene der Kellerbau von Baumann „schon wieder in Accord (Bezahlung nach Leistung) gegeben worden sei“. Sofort wurde der Weiterbau eingestellt. Zugleich betonte die Behörde, „gegen den dortigen Marktschreiber bleibt die Einleitung der Untersuchung wegen ungeeigneten Benehmens vorbehalten“. Nach längerem Hin und Her – Baumann hatte in der Zeit vor dem Unglück schon gewisse Baumaßnahmen an seinem Anwesen ohne Bauplan vorgenommen, wie die Erhöhung des Hauses um ein Stockwerk sowie den Bau eines Stadels über dem Keller – erhielt der Gastwirt nach mehreren erfolgten Sicherungsmaßnahmen am 24. Februar die Erlaubnis den Bierkeller fertig zu bauen. Damit war das landgerichtlich verfügte „Bauinhibitorium“ (Bauhindernis) aufgehoben. Wie lange aber mag infolge des Unglücks das Verhältnis zwischen den nahezu benachbart wohnenden Familien Schreiner und Baumann belastet gewesen sein?

     

    Werner Perlinger

  • Als Eschlkam von durchfahrenden Wägen den „Deixlzoll“ abverlangte

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    Eschlkam. Der „D(T)eixlzohl“ (eine Zollabgabe für die einen Ort passierenden Wagen und Karren) für die durchfahrenden Fuhrleute betrug beispielsweise im Jahr 1640 in Eschlkam mit den dazu gerechneten Ausgaben 3 Gulden (f); so dass 1 f 30 Kreuzer Gewinn übrigblieben. Jahrzehnte später erfahren wir im Jahr 1706 aus der Kammerrechnung des Marktes, dass an „Deichslzohl“ über 29 f verbucht werden konnten, so zwei Nachrichten aus früher Zeit über eine Einrichtung, die heute genauer vorgestellt werden soll. Wie alle kommunalen Abgaben des Mittelalters entstand diese Art Zoll aus Regalien (im Mittelalter diejenigen Hoheitsrechte, deren Ausübung dem Inhaber der Staatsgewalt hinsichtlich der Regierung und Verwaltung des Staates zustanden) des jeweiligen Landesherrn. Er verlieh das Recht, Abgaben zu erheben, an Gemeinden, um sie für Leistungen zu belohnen oder allgemeine Aufgaben aus den Einnahmen zu finanzieren. Und das traf für Eschlkam als Durchgangsort zwischen Bayern und Böhmen zu.

    Wie schon angedeutet, handelt es sich hierbei um eine Abgabe, die in einem Ort vom sog. Durchgangsverkehr erhoben werden konnte und staatlicherseits auch musste. In bezeichnender Weise wurde sie bei uns über Jahrhunderte hinweg als „Deichselzoll“ tituliert, da sie erst dann erhoben werden konnte, wenn die „Deichsel“ eines mit Waren beladener Wagen von der überregional verlaufenden Straße kommend in einen Ort einfuhr und der Wagen oder Karren so erstmals auf der der Kommune gehörenden Straße weiterfuhr. Mit diesen Abgaben, deren letztlicher Erlös sich je nach der Frequentierung einer Ortsdurchfahrt ausrichtete, waren von der jeweiligen Gemeinde die Straßen in einem guten Zustand zu halten.

    Wir schreiben das Jahr 1813. Am 26. Juli wendet sich die „Königliche Ober Bauinspection Straubing“ an die damals titulierte „Königliche Communal Administration in Eschelkam“ und forderte zu melden, „wie viel das jährliche Erträgniß des Pflaster = Wege und Brücken Zolles betrage, nach welchen Tarif die Erhebung geschehe, wozu und namentlich für welche Brücken, Wege und Pflaster diese Gelder verwendet werden“. Die Marktgemeinde wurde „höflichst angegangen bald gefällige (hier: zutreffende) Angaben“ dazu an die Regierung zu liefern. Das Schreiben unterzeichnete als damals hoher Beamter der Oberbauinspektor Amman.

    Die Marktführung, in diesem Fall nur der Marktschreiber Bach als der für die Führung der politischen Marktgemeinde seit 1808 eingesetzte  „Kommunaladministrator“, listete bereits einen Tag später die Einnahmen von den Jahren 1801 bis 1812 auf und meldete einen jeweiligen Jahresdurchschnitt von 62 Gulden 59 Kreuzer (1 Gulden entsprach 60 Kreuzer)

    Verwalter der Gemeinde

    Zu dem amtlichen Titel von Bach sei erneut erklärt: Sämtliche bisherige Aufgaben wurden ab 1808 bis 1819 landesweit allein nur eigenen von der Regierung aufgestellten „Kommunaladministratoren“ übertragen. Für Eschlkam war, wie in anderen Gemeinden auch, für diesen neu geschaffenen Posten der entsprechend dafür verwaltungsjuristisch gebildete Marktschreiber als „Komunaladministrator“ bestimmt. Er führte die Rechnungsbücher der Marktgemeinde und bestimmte allein den Verlauf der für den Markt wesentlichen Initiativen.  

    Am 4. August erklärte Bach, „es bestehe ein Zoll, sog. Deichselzoll mit der Verwilligung, daß von einem beladenen Wagen 4 Kreuzer, von einem unbeladenen 2 Kreuzer und von einem Karren ebenfalls 2 Kreuzer zu erheben (seien), und (dieses Geld) auf die durch den Markt gehende Landstraße zu verwenden ist“. Im Jahre 1808 sei „beim Eintritt in die neue Marktorganisation die Existenz dieses Zolls bestätigt worden. Da es aber der Kommune an Mitteln mangelt, da die Erträgnisse desselben sich nach zehnjähriger Durchsicht (etwa nur) auf  62 Gulden 59 Kreuzer belaufen, die Reparatur der Straße (aber) in Anbetracht dessen (des geringen Betrages) der Bürgerschaft nach allerhöchster Verordnung aufgebürdet worden ist“.

    Gleichwohl aber „befaßt (beträgt) das Kommunalvermögen selbst bisher so viel, daß die mit 2 Vicinalwegen (die zwei Handelsstraßen nach Neuaign und nach Neukirchen)  ohnehin belästigte (stark belastete) Bürgerschaft von diesem Frohndienst immer befreit bleiben und von dem eingenommenen Gefäll (die geleisteten Steuern) so manche jährliche Reparatur bestritten werden kunte und erst der Überrest der Communal Cassa zu Gute kam“. Ferner informiert das Schreiben, dass vom Landgericht Kötzting von der Kommunaladministration zusätzlich „Überschläge über die allenfalls vorhandenen Straßenreparaturen einbefördert worden sind“. Aus dem Schreiben des Marktes geht eindeutig hervor, dass die Einnahmen an „Deichselzoll“ kaum reichen, davon die jeweils nötigen Reparaturen an den beiden Straßen zu bezahlen.

    Bürger als Zolleinnehmer

    Ergänzend sei erwähnt, dass in der Regel zwei Bürger als „Zolleinnehmer“ bestimmt wurden. Sie hatten die manchmal undankbare Aufgabe an dem die Straße sperrenden „Schrankbaum“ von den Fuhrleuten den Zoll zu kassieren. 1803 erfüllten diese Aufgabe der Hufschmied Michael Schamberger (Hsnr.6/Kleinaigner Straße 1) und Michael Schmotz (Hsnr. 20/Marktstraße 1). Der Schmied, sein Anwesen lag direkt an der Straße, musste bei jenen Wägen, die (von Furth kommend) „herein passieren“ und Schmotz bei denen, „die bei ihm vorbey und hinab (in Richtung Furth) führen“ die Steuer abverlangen, dies eigens protokollarisch vermerken und „die Zeichen (als Quittungen für die erfolgte Bezahlung) austeilen. Deren sicher nicht immer leicht zu verrichtenden Dienste wurden jährlich mit 6 Gulden abgegolten. Ausbezahlt wurde dieser Lohn, insgesamt 12 Gulden, vom damaligen Amtsbürgermeister Anton Prückl. Er war Eigentümer des Anwesens Nr. 60, heute Marktstraße 15. An diese damaligen Zolleinrichtungen erinnert noch der Name „Schrankbaumgasse“ im neueren Teil des Marktes.

     

    Werner Perlinger

  • Interessante Inhalte aus den „Verlöbnisprotokollen“ des Marktarchivs

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    Eschlkam. Bürger, die über ein gewisses Besitztum verfügten, ließen ihr Vorhaben, eine Ehe eingehen zu wollen, im Magistrat der Städte oder Märkte notariell niederschreiben. Damit wurden noch vor der kirchlichen Trauung feste Absprachen zwischen dem Bräutigam und seiner Braut getroffen. Es seien solche Vorgänge nun vorgestellt:

    „Aus 61 Köpfen der hiesigen Bürgerschaft haben 44 (bereits am 12. April 1801) die Einwilligung erteilt, daß Franz, Sohn des Andrä Meidinger, gewesten Bürgermeisters und Schneidermeisters allhier, dann Elisabetha, dessen Frau Eheconsortin, beide nun seelich (+) ehelich erzeugter Sohn“, von Beruf auch ein Schneider, „sich mit der tugendsamen Katharina, Tochter des ebenmäßigen Schneidermeisters Johann Denzl und seiner Frau Margaretha in eine eheliche Verbindnis einlaßen darf“. Zwei Schneidermeister, nämlich Meidinger und Denzl waren bereits verstorben. Der junge Meidinger will das Handwerk seines Vaters weiterführen und deshalb wurden sämtliche hausansässigen Bürger, es waren damals 61, befragt, ob sie gegen diese Verbindung Einwände hätten. Wie die Zählung ergab, war mit über 70 % der Befragten eine satte Mehrheit dafür „Franz Meidinger auf so eine Art als Meister ordentlich an- und aufzunehmen“, so dass am 19. Mai 1801 das „Verlöbnis“, eine Ehe eingehen zu wollen, „obrigkeitlich ratifizieret und zur Legitimation (ein) Extrakt (Auszug) erteilt (wurde) im Beisein der Zeugen Paul Pach, Schreiber und Joseph Hölzl, Hafner.     

    Wir schreiben das Jahr 1802. Am 5. Februar erschien im Rathaus „Joseph Schöppel, als des Michael Schöppel gewesnen burgerlichen Fleischhackers allhier, und Theresia dessen Eheweib, beide seelig (verstorben) ehelich erzeugten Sohn, der heute als Bürger und Metzger (von Nr. 34/Marktstraße 5) an- und aufgenommen worden ist, mit der tugendsamen Jungfer Theresia, des Herrn Michael Grauvogel, gewesenen Baders und Bürgermeisters seelig; dann Rosalia dessen Hausfrau noch in vivis (am Leben) ehelich erzeugten und unter Beistandsleistung von Herrn Michael Schamberger, Hufschmieds, gegenwärtigen Tochter mit Einverständnis der beiden nächsten Anverwandten getroffenen Eheverlöbnis wird, nachdem die Teile das obrigkeitliche Handgelübd (mit Reichung der Hände versprochen) abgestattet, notificiert (angezeigt) und zur Legitimation (ein) Extrackt (Auszug) erteilt in Beisein der Gezeugen Franz de Paula Pach, Schreiber und Herr Joseph Hastreiter des Innern Rats Bürgermeister“. Insgesamt kostete die Niederschrift an Verwaltungsgebühr 1 Gulden und 36 Kreuzer. Diese wurde – so eigens vermerkt – „ad fundum pauperum“ (an den Armenfond) weitergeleitet.

    Amtlich festgehalten

    So und ähnlich lauten eine ganze Reihe von überlieferten sog. „Verlöbnisniederschriften“. Die Absicht zu heiraten war somit nicht nur privat sondern auch amtlich festgehalten. Einen ebenso gleichen Vertrag schlossen am 6. September gleichen Jahres der Hutmacher Jakob Fischer aus Oberrappendorf und die „verwitwete bürgerliche Hutmacherin Magdalena Lipplin“ (von Nr. 55/Blumengasse 7). Der gleichen amtlichen Prozedur unterzogen sich  im Jahr 1803 am 28. Januar „mit Einverständnis der nächsten Anverwandten der ehrbare Andrä Kilger, Bürger und Weißbäcker allhier“, Sohn des Bäckers gleichen Namens (von Nr. 58/Blumengasse 2) und die „tugendsame Magdalena“, Tochter des bereits (+) und vorher genannten Baders Grauvogel. Am 8. November versprachen sich der Seifensieder Johann Georg Schreiner, Sohn des Schweinehändlers  Michael Schreiner (von Nr. 35/Marktstraße 7) und dessen Frau Josepha und die „tugendreiche Jungfer“ Katharina, Tochter des Hufschmieds Michael Schamberger und seiner „Eheconsortin“ Magdalena. Zeugen waren  hier Franz de Paula Pach, Schreiber und der Riemer Anton Hausladen. Im Gegensatz zum obigen Fall Meidinger war in den weiter geschilderten „ehelichen Verlöbnissen“ eine Befragung der Bürgerschaft nicht nötig, da der jeweilige Bräutigam im Gegensatz zum Schneider Meidinger hausansässig war.

    Das „Kranzlgeld“ als Anspruch

    War erst einmal ein solches „Verlöbniß Protokoll“ niedergeschrieben und angelegt, stand der in absehbarer Zeit folgenden Heirat eigentlich nichts mehr im Wege. Dennoch, wurde ein solcher sog. „Erstvertrag“ von einer Seite mutwillig oder aus welchen Gründen auch immer gebrochen bzw. aufgehoben, konnten von der Gegenseite meist Schadensersatzansprüche geltend gemacht werden. Dies waren Ansprüche, die sich beispielsweise aus bereits getätigten Ausgaben für den künftigen Ehestand ergaben. Mit herein spielt auch das früher in der Regel gegen den männlichen Partner erhobene „Kranzlgeld“. Als >Kranzgeld< bezeichnete man in Deutschland eine finanzielle Entschädigung, die eine „unbescholtene“ Frau von ihrem ehemaligen Verlobten einfordern konnte, wenn sie auf Grund eines Eheversprechens mit ihm Geschlechtsverkehr hatte und er anschließend das Verlöbnis löste. Gleiches galt auch für neuverlobte Witwen.

    Betrachten wir diese amtlichen Vorgänge, so ist zu erkennen, dass bereits vor über 200 Jahren erste Ansätze entwickelt waren, aus denen später sich die Institution „Standesamt“ entwickeln sollte, so wie wir es heute kennen.

    Keine Heiratserlaubnis

    Von diesen Darlegungen ist hier jedoch scharf die behördliche oder dienstherrliche Heiratserlaubnis zu trennen, die bis in die lehensherrliche Zeit des Mittelalters zurückgeht. Sie allein war früher ein allzu oft ausgeübtes Druckmittel auf die kleinen, besitzlosen Leute – vor allem Knechte und Mägde  – die sozial und wirtschaftlich abhängig waren. Mit dem Gemeindeedikt von 1818 wurde im Königreich Bayern derHeiratkonsens“ den Gemeinden übertragen. Grund- und Hausbesitz, Steuerabgabe, Heimatrecht, ein einwandfreier Leumund waren unter anderem Voraussetzung für eine Heiratsgenehmigung. Erst ein Gesetz von 1868 brachte wesentliche Erleichterungen, die im Zweiten Reich unter dem Reichskanzler Otto von Bismark im Reichszivilehegesetz vom Februar 1875 fortgesetzt wurden.

     

    Werner Perlinger

  • Als die „Grenzfähnler“ den Schießübungen oft gerne fernblieben

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    Eschlkam. In Fortsetzung der Inhalte aus dem ältesten Ratsprotokoll des Marktes sei folgendes angeführt: 1696, am 11. April „seint gesessen“ Johann Lährnbecher als Amtsbürgermeister, Wolf Sighardt Altmann, Andre Hastreiter und Peter Lährnbecher, Mitglieder des Inneren Rats, sowie Hans Fleischmann und Hastreiter als Mitglieder des Äußeren Rats. Anfänglich wurde der versammelten Bürgerschaft das „Steuermandat“ zur Information vorgelesen. Anschließend wurde der in „der Bürgerschaft eingerissenen schendlichen Mißbrauch, daß nemblich etwelche Burger in Nachtszeit umbgehen oder (ge)sehen werden, es habe dan die Tabakh Pfeifen im Maull“. Da dies eine „schendliche Gewohnheit (ist), also wird dies bei Androhung einer Geldstrafe in Höhe von 1 Pfund (= 1 Taler) verboten. Zum Ende des 17. Jahrhunderts machte sich allerorten die Gewohnheit breit in der Öffentlichkeit zu rauchen. Zigaretten gab es damals noch nicht. Man musste sich mit dem Pfeifenrauchen begnügen. Viel hat es wohl nicht geholfen, denn die „Sucht“ des Rauchens wurde - wie bekannt - im folgenden 18. Jahrhundert und danach immer beliebter.

     

    In einem weiteren Punkt der Tagesordnung mussten sich die Ratsherren mit dem Schützenwesen beschäftigen: So wurde von Amts wegen befohlen, dass der Weißbäcker Hans Vogl, der Schmied Hans Stephl, der Müller Hans Penzkover, Wolf Späth, der Bäcker Georg Tenzl und der „Wöber“ Paulus Fritz beim nächsten „Zihl Schiessen sich als Schützen einfünden, und damit 3 Jahr continuiren sollen“.

    Im Hohenbogen-Winkel waren damals sämtliche wehrfähigen Männer in der sog. „Grenzfahne“ militärisch organisiert. Dazu gehörte es, dass sämtliche Mitglieder in Eschlkam, so auch in Neukirchen b. Hl. Blut und in der Stadt Furth an den regelmäßig festgesetzten Schießübungen zu beteiligen hatten, um gute Schützen „heranzuziehen“. Bei vorsätzlichem Fernbleiben gab es Strafen, meist in Geld. Die Protokolle berichten häufig von solchen Verstößen. Das hatte seinen Grund darin, dass die Schießübungen meist an den Sonntagen nach dem Gottesdienst stattfanden. Und mancher Schütze blieb fern, um sich mehr den sonntäglichen Vergnügen hinzugeben.

     

    In der gleichen Ratssitzung wurde ein Michael Stich aus Neuhaus „aus dem Königreich Böhmen, seines Handtwerks ain Strimpf strickher“ nicht als Bürger, jedoch als „Insass“ (nur in Miete wohnend und nicht als Hausbesitzer) aufgenommen, da ein solches Handwerk im Markte noch nicht vorhanden war, aber ein Bedarf dafür bestand. Damals gehörten zur Tracht der Männer wie auch der Frauen meist blaue oder weiße gestrickte Strümpfe, wie uns beweislich heute noch viele Votivbilder aus dem 17. und 18. Jahrhundert zeigen.

     

    1697, im Oktober, wurde der Markt von einem schweren Gewitter heimgesucht. Dessen ungeachtet erlaubte der Gastgeber Wolf Späth (Nr. 4/Waldschmidtstraße 6) für die Leute, „welche seinen Flax ausgeprecht (den Flachs „gebrochen“ bis zu einem spinnfähigen Faden), den sogenanten alten Man / gleichsamer Gunkhel / nachtlicher Weill bei dem am Himmel gehabten Hochgewitter zu halten“. Dabei nahmen teil „etwelche Manspurschen“ (wie die Schneider) Wolf Zilkher, Stephan Meidinger, dann die Brüder Andre Fridl, Weber und Christian, Hafnergeselle. Deshalb wurden am 29. Oktober zur Strafe der Wirt Späth „6 Stundt ins Markhthaus, (die) übrigen aber in das Kellerl (kleiner Gefängnisraum im UG) condemniert“ (hier: verurteilt bzw. gesperrt).

    Eine „Kunkel“ oder „Gunkel“ ist ein Spinnrocken. Die Kunkel- oder Spinnstuben waren früher Treffpunkte meist für die Frauen im Ort. Gewöhnlich wurden Handarbeiten verrichtet, aber auch magisches Frauenwissen weitergegeben. Oft trafen sich dabei auch die unverheirateten Männer und Frauen zu Tanzveranstaltungen, die aber die Kirche gar nicht gerne sah und sie stets zu verhindern suchte.

     

    Georg Vaist, Mitglied des „Äußeren Rates“ hatte an den Sattler Wolf Cramer sein Haus (Hsnr. 50/Blumengasse 20) verkauft. Aber weil „bei hiesigen Markt von alters Herkommen, daß kein unangesessener (hausansässiger) Burger für ain Ratsfreindt zugelassen werden solle“, musste Vaist seinen Sitz im Marktrat abgeben. Für seine bisherige „aufrichtige Ratsverrichtung“ dankte ihm die Bürgerschaft. Im neuen Jahr 1698 wurden von der aufgerufenen Bürgerschaft am 31. Januar für Hans Fleischmann der Weißbäcker Hans Peter Thirankh und für Georg Vaist Hans Späth in den „Eyssern Rhat erwöhlt“.

     

    Am 8. Mai 1699 klagte der Bader Stephan Mauser, damals auf Anwesen Nr. 7/Kleinaigner Straße 3, gegen den Bürger Wolf Zilkher (es war dies wohl der Schreiner „in der Paindt“, Nr. 9/Kleinaigner Straße 7). Dieser habe am Palmsonntag im Gasthaus des Wolf Späth (siehe oben) ihm „beim Pier“ vorgeworfen, „er seye ihm nit gleich, wann heint ain Paur herein khombt und Bürger wirdt, ist er so guett als wür“. Als dann der beklagte Zilkher dem Mauser „ain Glas Pir ins Gesicht geschidt“, haben beide mit einander ein „Haargereif gehalten“ (eine eher harmlose Rauferei). Dem Ganzen ging ein Kartenspiel voraus, wobei Mauser den Zilckher öfter „einen alten Mahn hin- und her gehaißen“ hat, dann „weil du derzeit ein Viertelmaister (Ortsteilsprecher) bist, soll man auch was auf dich geben“. Und obwohl Zilckher bereits als ein „50.jähriger Mann“ und der „Cleger als ain junger Burger, zum Rauffen- und schlagen nit gleich sei“ habe er das Restbier in seinem Glas, „so (nur)bei 2 Löffel voll geschidt“, dabei aber den Mauser nicht getroffen. Vielmehr habe der Bader dem Zilckher „ainen solchen Maulstraich (Watschen) versezt, daß dieser „über die Panckh hinab gefallen und ihm also das Blut starkh aus der Nasen geflossen ist“.

    Der Streit ging in den Aussagen hin und her, und das Marktgericht erkannte, dass beide sehr „bezecht“ gewesen, und das zur „österlichen Communions Zeit: und (weil das) in so spätter Nacht nit gebührt hat“, wurden beide „zu besserer Beschaidenheit ermahnt“ und zu gleichen Teilen mit einer Geldstrafe in Höhe von 1 Pfund Pfennige (1 Reichstaler) belegt, was für jeden ½ Taler bedeutete.

     

    Werner Perlinger

  • „Instrumente sehr nothwendig“ - aus dem Sessionsprotokoll des Marktes von 1848/49

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    Eschlkam. Im Archiv des Marktes Eschlkam finden sich neben Ratsprotokollen auch sog. „Sessionsprotokolle“ aus der Mitte des 19. Jahrhunderts. Der Name ist für den Leser vielleicht nicht sofort verständlich. Protokolle mit diesem Titel sind nichts anderes als sog. Sitzungsprotokolle oder Niederschriften. Dabei wurden – wie in den herkömmlichen Ratsprotokollen auch – die in den Sitzungen der Markträte gefällten Entscheidungen niedergeschrieben bzw. protokolliert. Wir wählen den Jahreszyklus 1848/49. Dabei fällt ein Vorgang ins Auge, der am 21. Dezember 1848 abgehandelt wurde. Thema war „die Bitte des Baderlehrlings R. Kleebauer um Ankauf chirurgischer Instrumente“. Einen Beschluss darüber fassten der Magistrat mit Bürgermeister Sämmer an der Spitze und auch Mitglieder der Lokalarmenpflege, wie Pfarrer Karl Pittinger. Gerade in diesem nur kurz geschilderten Vorgang kommt bereits soziales Denken der Entscheider zum Tragen: Demnach war R. Kleebauer, der Vorname ist nur abgekürzt erwähnt, bei dem Chirurgen (Anton) Schoepperl in Furth in der Lehre. Dieser übte den Beruf eines Baders und Chirurgen (Wundarzt) um die Mitte des 19. Jahrhunderts im Anwesen Kreuzkirchstraße 1aus, dem heutigen Thomas-Morus-Haus. Kleebauer stellte als „gänzlich unbemittelt“ an die „Localarmenpflege Eschlkam“ die Bitte, „ihm ein halb Dutzend Rasiermesser mit einer Scherr, ein Aderlaßzeug, einen Schröpf- apparat, einen Zahnschließl mit einer Zange, einen Rasiermesserstein zum Abziehen (des Bartes) und ein Aderlaßlanzett“ insgesamt im Wert von etwa 15 Gulden aus den Mitteln der Armenpflege zu finanzieren. Er betonte, dass diese „Instrumente während der Lehrzeit nach Zeugnis seines Lehrherrn sehr nothwendig“ seien.

    Da die Mittel des Armenfonds sehr beschränkt waren, beschloss das Gremium dennoch, dem Kleeberger aus dem Fond wenigstens „3 Rasiermesser, einen Rasiermesserabzugsstein und ein Aderlaßzeug anzuschaffen“. Er durfte diese Gegenstände „während seiner Lehrzeit (so lange) gebrauchen, als er bei dem Chirurgen Schoepperl in Furth verbleibt und sich ordentlich daselbst aufführt“. Die so vorfinanzierten Gebrauchsgegenstände hatte er am Ende seiner Lehrzeit an die Lokalarmenpflege zu geben. Als soziale gemeindliche Einrichtung war sie tätig geworden, weil Kleeberger nach Feststellung des Magistrats „gänzlich unbemittelt sei, da ihm seine Mutter, welche nur so viel hat, als sie durch Händearbeit sich verdient, nicht das minderste geben kann“. Insgeheim hofften die Entscheider, dass Kleeberger sich im Markte als Bader niederlassen könnte, nachdem die sog. Baderei im alten „Badhaus“ (Kleinaigner Straße 3) bereits einige Jahre nicht mehr existierte (siehe dazu Artikel: Das ehemalige „Badhaus“ im Markte).  Anzumerken wäre noch, dass Kleeberger vor Beginn der Lehre offenbar beste schulische Noten vorweisen konnte, denn die Möglichkeit den Beruf eines approbierten Baders zu erlernen, der zugleich auch als „Wundarzt“ (Chyrurgus) tätig war, stand nicht jedem offen.

     

    Heirat des Marktdieners

    Wenig später genehmigte der Magistrat mit Bürgermeister Sämmer an der Spitze die Verehelichung des Marktdieners Franz Pinzinger mit der Häuslerstochter Anna Prantl aus Stachesried. Dabei wurde festgestellt, dass Pinzinger als „Markt- u. Polizeidiener“ vorerst wohl nur „provisorisch angestellt“ ist, (ferner) über „ein Besitzthum an Gründen laut Übergabscontract vom 23. Jänner 1848 verfügt, daß sich von den Erträgnissen derselben eine Familie allein schon ernähren kann“. Auch bezieht Pinzinger als „Markt-, Polizei- und Kirchenverwaltungsdiener u. als Hauptzollamtsbote einen jährlichen Gehalt von 200 Gulden“. Somit sei der „Nahrungsstand nachgewiesen“. Die Bewilligung zur Verehelichung sei somit zu erteilen. Ebenso erhielt am 2. April der bereits seit zwei Jahren als Marktschreiber in der Gemeinde tätige Joseph Anton Beutlhauser die Erlaubnis, Anna Serve, Glashüttenverwalterstochter von Herzogau, zu heiraten. Gelobt wurde die Dienstpflicht des Antragsstellers, wie auch, dass sein jährliches Gehalt genüge, eine Familie zu ernähren.

     

    Keine Brauerlaubnis

    Am 9. Mai stellte Joseph Neumaier, damals Besitzer des „Hoamater“-Anwesens Nr. 1 (heute Gasthof Penzkofer) den Antrag, ihm den „Austritt aus dem dortigen Communbräuhause (zu erlauben) und (zugleich) um die Conceßion zu einer (eigenen) Braunbierbrauerei“. Das Gesuch wurde vom Magistrat rundweg abgelehnt, „weil die Errichtung eines Bräuhauses an dem beabsichtigten Platze als feuerpolizeiwidrig erscheint, da in der Nähe herum hölzerne Gebäude stehen, weiters, weil Neumaier die vorgeschriebene Gewerbskunde nicht besitzt und drittens, weil durchaus keine Nothwendigkeit zur Errichtung eines neuen Bräuhauses vorhanden ist, da der Gesuchsteller so viel in dem Communbräuhause brauen kann, als er nur immer will“. Es sollte noch sehr lange dauern, bis sich im Markte eine private Brauerei etablieren konnte (siehe dazu ausführlich in „Eschlkam in alter Zeit – von den Anfängen bis zur Moderne“, Band I, S. 323 den Absatz: Eine neue Brauerei im Markte?).

    Die Erntezeit ging ihrem Ende, da beschloss der Marktrat, „auf dem der Gemeinde gehörigen Platzl zunächst der Behausung des bürgerlichen Bäckermeisters (Franz) Rötzer (Further Straße 4 u. 6) und des Hausbesitzers Georg Weber (Marktstraße 1) eine Feuerrequisitenhütte“ im Wert von 10 Gulden aufzustellen. Gründe für den Bau waren, dass die Feuerleitern und die Feuerhaken bisher in der sog. „Heiligenschupfe“ (d.h. zum Ökonomiepfarrhof gehörig) lagern. Da aber bisher die Leitern beschädigt (wurden), ja sogar „abhanden kamen, da die bei dem Kirchenumbau beschäftigten Arbeiter die Leitern ohne Anfrage zu ihrem Gebrauche nahmen“, war es nötig geworden, einen Ort für eine sichere Aufbewahrung zu suchen. Dafür wurde nun der damals noch der Gemeinde gehörende Platz unmittelbar neben dem Anwesen des Bäckers Rötzer ausgesucht. Noch dazu musste die Gemeinde dafür nicht bezahlen. Mit ein Grund dafür war auch die zentrale Lage des Platzes innerhalb des Marktes und die „leichte Zugänglichkeit“. An Stelle dieser Einrichtung für die damalige Feuerwehr steht heute die Doppelhaushälfte Further Straße 6.

     

    Werner Perlinger

  • Der Stadelbau des Joseph Lemberger ohne baurechtliche Genehmigung?

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    Eschlkam. Der Bäckermeister Joseph Lemberger hatte im Jahr 1847 eine größere Baumaßnahme in seinem Hausbereich Nr. 37/38, heute Marktstraße 11, getätigt. Am 16. Juli schreibt das Landgericht Kötzting an den Magistrat von Eschlkam, dass Lemberger „an seinem Stadel eine Hauptreparatur vorgenommen hat, indem er denselben um 8 Schuh (ca. 2,5 Meter) erhöht und neue Säulen gesetzt hat, und gab derselbe am 2. Juli dahier zu Protokoll, daß der Magistrat ihm die polizeiliche Bewilligung zur Vornahme dieser Reparatur ertheilt habe“. Mit diesem Verwaltungsakt der Gemeinde – die Erteilung der Baugenehmigung - gab sich die dem Magistrat übergeordnete Behörde nicht zufrieden; sie fühlte sich übergangen, da der Magistrat „zur Ertheilung einer solchen Bewilligung und überhaupt in Bausachen nicht kompetent ist“, so die scharfe amtliche Rüge. Daher wird der Magistrat, insbesondere der Bürgermeister, „welcher hiermit haftbar erklärt wird, beauftragt, sich binnen acht Tagen schriftlich hierüber zu verantworten“.

    Der Bürgermeister antwortete „gehorsambst“, dass der Bäcker Lemberger „nur bei seinem Stadel eine etwas einwärts hängende Säule gerade stellen und dann zugleich den Stadel ein wenig höher machen wolle“. Da der von Lemberger vorgebrachte Bauantrag vom Magistrat fälschlicherweise nicht „als Hauptreparatur erkannt wurde, ebenso nicht als ein Neubau und in solchen Fällen auch kein Bauplan nothwendig ist“, habe man das Landgericht „mit diesem Gesuch nicht behelligen“ wollen. Offenbar gab sich das Landgericht mit dieser Stellungnahme letztlich zufrieden.

    Den Rechtsweg eingehalten

    Am 26. August erschien Lemberger erneut vor dem Magistrat, übergab einen vom „Maurermeister von Furth (der Name ist nicht genannt) ausgefertigten Plan gemäß welchen er beabsichtigt, sein altes neben dem Hauptgebäude stehendes Häuschen niederzureißen und neu aufzubauen.“  Hierbei handelte es sich um die Nummer 38, das als Austragshaus zu Nr. 37 diente.

    Der Magistrat zeigte sich mit dem Wunsche des Lemberger zufrieden, forderte aber in seiner gegen ihn gerichteten Verfügung, unterzeichnet vom damaligen Marktschreiber Beutlhauser, die „Adjacenten“ (Anlieger) zu fragen, ob sie dagegen Einwände hätten. Es kam aber nur einer in Frage. Das war der Bürger Georg Forster von Haus Nr. 36, heute Marktstraße 9. Er hatte gegen das Vorhaben keinerlei Einwände, ebenso nicht auch das Landgericht Kötzting, das nun entsprechend der gesetzlichen Vorgaben befragt worden war. Vom Magistrat wurde lediglich gefordert, „die planmäßige Bauführung, welche unter Leitung eines konzessionierten Werkmeisters zu geschehen hat, zu überwachen“. Lemberger konnte sein Vorhaben, nämlich „Neubau eines Stalles mit darüber befindlicher Wohnung“ nun verwirklichen. Bei Durchsicht einzelner dieser und ähnlicher Akten sehen wir, dass bereits im 19. Jahrhundert der Bereich >Bauwesen< langsam den rechtlichen Normenkatalog erhielt, wie er heute bei Bauvoranfragen und Genehmigungen amtlicherseits in entsprechenden Variationen zur Anwendung kommt.

     

    Alte Hausnamen

    An dieser Stelle sei ergänzend einiges zur Geschichte dieses doch stattlichen Anwesens angeführt: Gelegen direkt an der Abzweigung der Blumengasse,  trägt es heute noch den Hausnamen „beim Lichtseiderer“, erinnernd an den ehemaligen Besitzer, den Elektromeister Xaver Seiderer. Älter jedoch ist der Hausname „beim Brücklbäck“. Das erklärt sich daraus, dass der Bäcker Joseph Lemberger im Jahr 1822 durch Einheirat in den Besitz dieses Anwesens kam. Er selbst stammte aus dem Haus Nr. 61, Großaigner Straße 1. Von dort brachte Lemberger den Hausnamen mit, denn dieses Anwesen war von 1758 bis 1804 in Besitz einer Familie Brückl, die dort zeitweise auch eine Bäckerei betrieb. Noch älter sind bei dem hier behandelten Anwesen in der Markstraße die Beinamen „im Hof“, oder auch „Hoamater“, da das gesamte Anwesen Nr. 37/38 wohl noch im 17. Jahrhundert durch eine „Wegteilung“ von einem der „Hoamater“-Höfe an der Waldschmidtstraße entstanden ist.

     

    Ein Ersatz für den Pfarrhof

    Eine interessante Geschichte weist auch das unmittelbar benachbarte Anwesen des Forster auf:

    Im Jahr 1634 fallen die schwedischen Völker von der mittlerweile niedergebrannten und ausgeplünderten Stadt Furth kommend in Eschlkam ein, plündern und brennen den Markt zum Großteil nieder. Dabei wird die nach den Hussitenkriegen wieder erbaute Kirchenburg stark zerstört und damit auch die darin enthaltenen Wohnbereiche für den Pfleger und den Pfarrer. Letzterer zieht daraufhin in das wahrscheinlich einigermaßen heil gebliebene Anwesen Marktstraße 9 um. Es diente dann für längere Zeit bis 1679 als Ausweichquartier für die am Ort tätigen Pfarrer. Erst ein Hans Hauser, Weißbäcker, kauft für 240 Gulden „des Gottshaus oder Pfarrers Behausung, so ein Burgersgut ist“. Aus dieser knappen Formulierung ist zu erkennen, dass Jahrzehnte vorher dieses Haus sich in privatem Besitz befand. Von 1660-1682 wirkte in Eschlkam als Pfarreiprovisor der Pater Johann Altmann. Er kam vom Kloster Windberg. Ihm war es vergönnt in den letzten Jahren seiner Tätigkeit in den neuen Pfarrhof einziehen zu können, nun erbaut in der Mitte des Marktes.

     

    Werner Perlinger

  • Wahlen zum Armenpflegschaftsrat in Eschlkam im Jahr 1842

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    Eschlkam. Im 19. Jahrhundert spielte in den Städten, Märkten und auch in den Dörfern die Organisation der Armenpflege eine nicht unbedeutende Rolle. Dieses Thema, das im politischen Geschehensablauf einer Gemeinde eine Nebenrolle zu spielen schien, gehörte dennoch zu einem wichtigen Bereich bei der Führung einer Gemeinde. Die Tradition der Armenpflege und die damit befasste Organisation sind weit älter als man zunächst vermuten möchte.

    Dazu folgende allgemeine Erörterung: Im Mittelalter wurde die Armenpflege ausschließlich von der Kirche organisiert und durchgeführt. Klöster, Stifte und Spitäler waren die federführenden Einrichtungen. Im Spätmittelalter verlagerte sich die Finanzierung auf die Städte und Gemeinden, da diese beim Volke ein größeres Vertrauen genossen. Von den Landesherren wurde mitunter angeordnet, dass die ärztliche Betreuung der Armen kostenfrei war, wie es beispielsweise bereits in der „Heidelberger Apothekerordnung“ von 1471 niedergelegt worden war. Die Erbauung städtischer und öffentlicher Badehäuser sollte das unentgeltliche Baden von Armen und Hilfsbedürftigen ermöglichen, wobei diese Angebote auch mit städtischen oder staatlichen Hygiene- und Gesundheitspraktiken in Verbindung zu bringen waren.

    Die Organisation der Armenpflege war zur Zeit der Reformation, zwischen 1517 und 1648, auf eine grundlegende Regelung festgelegt, sie war als allgemeine Bürgerpflicht fest verankert. Neben der öffentlichen Armenpflege entwickelte sich parallel ein genossenschaftliche Zweig, der sich als eine wichtige Rolle zur späteren Sozialversicherung entwickelte. Berufliche Organisationen, Verbände und Gemeinschaften übernahmen die Unterstützung von kranken und notleidenden Mitgliedern.

    Mit der wirtschaftlichen und industriellen Revolution in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts entwickelte sich ebenfalls eine soziale Revolution. Die großbetrieblichen Werkstätten und Fabriken brauchten viele Arbeitskräfte. Das Landvolk wanderte in die Städte. Es entstanden dort bisher nicht gekannte soziale Probleme. Die Armenpflege in den ländlichen Regionen verblieb bei der Familie, bei der Kirche oder letztlich bei der Gemeinde.

    Einen Wahlausschuss gebildet

    Und so war es auch im Markte Eschlkam, gelegen nahe an der Grenze zu Böhmen. Ein ganzer Fundus von Akten berichtet den Archivbenützer über dieses Thema. So musste beispielweise um die Mitte des 19. Jahrhunderts wieder ein „Armenpflegschafts-Rath“ gewählt werden, so für die Periode der Jahre 1842/45. Befasst damit war ausschließlich der Magistrat.

    Am 3. Dezember 1842 wurde eigens ein Protokoll über die „Kostituierung des Wahlausschusses zur vornehmenden Wahl des Armenpflegschaftsrathes im Markte Eschlkam“ angefertigt. Anwesend dazu waren Pfarrer (Wolfgang) Kolbeck (er leitete die Pfarrei von 1828-1843), Bürgermeister Michel Kaufmann und der Marktschreiber (Franz) Bach, letzterer, bereits in hohen Jahren stehend, war der Vater des Genre-, Tier- und Landschaftsmalers Alois Bach. Laut Inhalt dieses Protokolls wurden zunächst die 12 Gemeindebevollmächtigten auf das Rathaus vorgeladen und gemäß der vorgegebenen Wahlordnung der Wahlausschuss, einmal aus zwei Abgeordneten des Magistrats und dann zwei aus der Reihe der Gemeindebevollmächtigten bestimmt. Vom Magistrat wurden dafür Joseph Römisch und Mathias Späth bestimmt, von den Gemeindebevollmächtigten Ignaz Koller und Joseph Neumaier. Ihr nunmehriges Amt bestätigten die vier Bürger mit ihrer Unterschrift.

    Im Anschluss wurde „dem ¾ Theile der erschienenen 9 Gemeindebevollmächtigten eröffnet, dass die Wahl schriftlich mittels Wahlzettel vor sich zu gehen habe und daß jeder Gemeindebevollmächtigte 6 Individuen zu wählen hat, von denen 4 als Armenpflegschaftsräthe und 2 als Ersatzmänner vorbehalten bleiben“. Anschließend wurden von diesem Gremium die nummerierten Wahlzettel „gehoben“ und zur Wahl geschritten. Diesen Vorgang bekräftigten mit ihrer Unterschrift Bürgermeister Kaufmann und der Marktschreiber Bach. Es folgte „die Ausscheidung (Zählung) der Wahlstimmen“. Als Ergebnis ergab sich, dass „Michael Meidinger, Schneider, Franz Vogl, Bäck; Alois Schmirl, Schuster; Ignaz Schmirl, Schuhmacher und Anton Joseph Schöppl, Metzger, „alle fünf mit 9 Stimmen, dann Anton Baumann, bräuender Bürger mit 8 Stimmen durch absolute Stimmenmehrheit als Armenpflegschaftsräthe gewählt worden sind“.

    Das Los entscheidet

    Da nun von den „6 Individuen 4 als Armenpflegschaftsräthe bestimmt sind, und 2 als Ersatzmänner vorbehalten bleiben, so wurde zwischen den obigen fünf mit 9 Wahlstimmen Gewählten zum Lose geschritten“. Dieser Vorgang ergab, dass der Metzger Joseph Schöppl „zum Rücktritt als Reserverath das Los getroffen hat“. Er wurde somit mit Anton Baumann als Ersatzmann aufgestellt, sollte bei Beratungen einer der vier anderen aus welchem Grund auch immer ausfallen. Das Ergebnis wurde mittels öffentlichen Anschlags bekannt gemacht und die vier neu gewählten Räte „ins Handgelibd genommen“. Sie mussten also eine eidesstattliche Erklärung abgeben, „ihrer Verantwortung bei den sensiblen Entscheidungen über ihre armen Mitbürger gerecht zu werden“.

    Letztlich nennt uns der Akt die Namen der wahlberechtigten Gemeindebevollmächtigten. Es waren dies folgende Bürger: Simon Moreth, Lederer von Nr. 42; Georg Meidinger, Hafner von Nr. 51; Andreas Pohmann, Schuster von Nr. 51; Wolfgang Korherr, Kufner von Nr. 10; Anton Riederer von Nr. 61; Joseph Lemberger, Bäcker von Nr. 37/38; Georg Leutermann, Oekonom von Nr. 2; Ignaz Koller von Nr. 12 und Joseph Neumaier, Ökonom von Nr. 1. Am 15. Dezember forderte das Landgericht Kötzting als übergeordnete Behörde den Magistrat auf, nach Bestätigung des Wahlergebnisses, das „Verpflichtungsprotokoll binnen 8 Tagen abschriftlich vorzulegen“, was auch geschah.

     

    Werner Perlinger

  • Über die „Biersuden“ wurde ordentliche Rechnung geführt

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    Eschlkam. Das Brauen von Bier hat in unserem Markt eine althergebrachte Tradition. Demnach wurde, in Eschlkam als Sitz eines Gerichtes der bayerischen Herzöge, sehr wahrscheinlich noch im 13., nachweislich aber bereits im frühen 14., Jahrhundert Bier gesotten und vertrieben. Es dürfte dies im Winkel hinter dem Hohenbogen, dem damals eigentlichen Gerichtsbezirk, die einzige Braustätte gewesen sein. Nächste Braustätten für diese Zeit finden sich erst wieder in Cham, Chammünster und Kötzting. Im Gegensatz zu den anderen Orten im Winkel hinter dem Hohenbogen besaß der Markt bereits zu Anfang des 14. Jahrhunderts ein eigenes Brauhaus.

    Das Kommunebrauhaus

    Wie Archivalien uns mehrmals berichten, konnten im Brauhaus von Eschlkam in der Regel 61 brauberechtigte Bürger das Jahr über ihre „Suden“ von einem eigens dafür angestellten Braumeister herstellen lassen. Bis in die neuere Zeit herein gab es für die Marktbürger das Kommunbrauhaus an der Westflanke des Berges unmittelbar gegenüber dem Gasthaus Späth/Binder und hinter dem „Bruihausschreiner“ Wanninger (Bräuhausgasse 1). Es hatte die alte Hausnummer 14. Im Plan der Erstvermessung des Marktes vom Jahr 1831 sind sein Standort und seine Dimension im Grundriss eingezeichnet. Das Gebäude steht schon lange nicht mehr. Nach dem gänzlichen Niedergang des kommunalen Brauwesens wurde es noch vor 1931 ersatzlos abgebrochen. Der letzte Braumeister war Heinrich Stauber vom Anwesen Kleinaigner Straße 3.

    Gemeinschaftssinn gepflegt

    Die Zahl der „Suden“, auch „Preu“ genannt, war verschieden groß und abhängig vom Umfang des jeweiligen Hauswesens des brauberechtigten Bürgers, seines Vermögens, auch von den vorhandenen Kelleranlagen. Oft taten sich mehrere Bürger für eine einzelne „Sud“ zusammen. Diese umfasste etwa 48 Eimer, wobei der damalige Eimer Bier auf 64 Liter gerechnet wurde. Für jedes Jahr wurde vom jeweiligen „Kesselverwalter“ eine Brau- oder Kesselrechnung erstellt. Diese Rechnungen geben uns vielfältige Einblicke in das Brauwesen, so z. B. auch die Rechnung des Jahres 1800, die den Zeitraum Georgi (23. April) 1800 bis ebenfalls Georgi 1801 abdeckte.

    In dieser Rechnung wird anfangs eigens der Status „Commun-Bräuhaus“ vermerkt, das der „bräuenden“ Bürgerschaft gehört. Der in diesem Jahr tätige und für die Einnahmen und Ausgaben verantwortliche Kesselverwalter war der Weißbäcker Franz Rötzer (damals in Further Straße 4/6).

    Unter den Einnahmen ist anfänglich vermerkt, dass im abgelaufenen Geschäftsjahr ganze 93 „Bräubier“ (Suden) gebraut wurden, wobei die daran beteiligten Bürger insgesamt 372 f (f = Symbol für Gulden) zu entrichten hatten; pro Sud also 4 f als sog. „Keßlgeld“. Jeweils 1 f als „Zugabung“ hatten der Stiftwirt Michael Aunzinger (Großaigner Straße 1), der Lederer Peter Leutermann (Blumengasse 7) und Johann Bomann (Blumengasse 12) zu leisten. Um in diesem Jahr die Ausgaben insgesamt bestreiten zu können, hat „der Keßtlverwalter aus eigenem Säckel 100 f (vorerst) hergeschossen“ (geliehen),  so dass sich die gesamten Einnahmen auf 511 f Gulden beliefen.

    Vielfältige Ausgaben

    Die über das Jahr entstandenen und in „einer Rubrik“ eigens zusammengefassten Ausgaben betrugen 517 Gulden. So wurden für die aus den brauberechtigten Bürgern gebildete „Grenadier Compagnie“, die an der Fronleichnamsprozession teilnahm, 12 f ausgegeben. Der Marktdiener Franz Pinzinger wurde für die herkömmliche „Einsagung“ der bräuenden Bürgerschaft mit 1 f entlohnt.

    Neben vielen kleinen Ausgaben für Dienste und Leistungen der am Ort ansässigen Handwerker, stellte der Maurer Georg Altmann „mit 2 Gesellen ein neues Biergewölb“ her, ferner besserte er Schäden aus auf der „Malzthenn“ (Malztenne, um dort das Getreide zum Keimen zu bringen), am „Schwelchboden“ (temperierter Trockenboden für nasses Malz), am „Bräuofen“ und im Bräustübel, wo meist der Bräumeister und seine Mitarbeiter eine Ruhepause einlegen konnten. Insgesamt erhielt Altmann 98 f. An Ausbesserungsarbeiten war mit 75 f Lohn auch der Zimmermeister Erhard Siebenhärl aus Furth beteiligt. 25 f erhielt der Hufschmied Michael Schamberger für seine im Bräuhaus über das ganze Jahr geleistete Schmiedearbeit. Auch wurden um 7 f für den Bräumeister und den Bräuknecht zwei „Bölster“ und zwei „Strohsäck“ für eine angenehme Nachtruhe gekauft. Der Kufner Andrä Korherr wurde für seine jährlich geleistete Arbeit mit 36 f entlohnt. Dafür schuf er, wenn nötig, neue Fässer und besserte die schadhaften auch aus. In der Endabrechnung überstiegen die Ausgaben mit 517 f die oben genannten Einnahmen um 6 Gulden. Im Vergleich zu den Rechnungen anderer Jahrgänge hatte Franz Rötzer als Kesselverwalter gut gewirtschaftet. Am 4. Mai 1801 wurde im Rathaus im Beisein der versammelten „Bräubürgerschaft“ die Jahresrechnung öffentlich verlesen. Einwendungen wurden nicht vorgebracht. Erwähnenswert sei noch, dass Franz Rötzer selbst, der Leinenweber Michael Weß und Michael Schreiner dem „Kesselamt“ in letzter Zeit einmal je 100 Gulden geliehen hatten. Nach heutigem Wert entspräche 1 Gulden (f) etwa dem Wert von 10 Euro.

    Keine Ausnahme geduldet

    In diesem Zusammenhang erwähnenswert ist, dass im Jahr 1818 der Wirt Johann Adam von Warzenried (heute Gasthof Altmann, „beim Weiß’n“) von dem Bürger und Mitglied des Kommunbrauerverbandes, dem Hafner Joseph Hölzl (Hsnr. 51/Blumengasse 18), das auf dessen Haus liegende Braurecht kaufen wollte. Adam beabsichtigte, in Eschlkam das eigene Bier brauen zu lassen. Sein Wunsch wurde entschieden abgelehnt mit dem Hinweis, kein auswärtiger Wirt dürfe im Kommunbrauhaus eigenes Bier brauen lassen. Noch hielt die Vereinigung der brauenden Bürger eng zusammen, was sich Jahrzehnte später aber ändern sollte.

     

    Werner Perlinger

  • Als Eschlkamer Bürger einer verfehlten „Gußführung“ bezichtigt wurden

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    Eschlkam. Zunächst einführend allgemeine Erklärungen zum Brauwesen im Markte: Bis in die neuere Zeit herein gab es für die Marktbürger das Kommunbrauhaus, gelegen an der Westflanke des Berges unmittelbar gegenüber dem Gasthaus Späth/Binder und hinter dem „Bruihausschreiner“ Wanninger. Es hatte die alte Hausnummer 14. Im Plan der Erstvermessung des Marktes vom Jahr 1831 sind sein Standort und seine Dimension im Grundriss eingezeichnet. Nach dem gänzlichen Niedergang des kommunalen Brauwesens wurde es noch vor 1931 ersatzlos abgebrochen.

    Wie Unterlagen uns mehrmals berichten, konnten im Brauhaus an die 61 brauberechtigte Bürger das Jahr über ihre „Suden“ von einem eigens dafür angestellten Braumeister herstellen lassen. Wie anderorts auch blieb die Zahl der brauberechtigten Bürger meist konstant. Die Zahl der Suden, auch „Preu“ genannt, war verschieden groß und abhängig vom Umfang des jeweiligen Hauswesens des brauberechtigten Bürgers, seines Vermögens, auch der bei ihm vorhandenen Kelleranlagen. Oft taten sich mehrere Bürger für eine einzelne „Sud“ zusammen. Diese umfasste etwa 48 „Eimer“, wobei ein Eimer Bier auf 64 Liter gerechnet wurde.

    Aus dem Jahr 1827 datiert ein Akt, niedergelegt im Archiv des Marktes, mit dem Titel: „Tarifwidrige Gußführung bey Erzeugung des braunen Bieres“. Dazu für das Verständnis folgende Erklärung: „Haupt“- und „Nachguss“ bezeichnen das in zwei Teilmengen aufgeteilte Brauwasser beim Maischen. Der Hauptguss ist der Teil des Wassers, in den das geschrotete Malz eingemaischt und anschließend während der Rasten verzuckert wird. Der Nachguss ist dagegen der Teil des Brauwassers, der nach dem Abläutern zum Ausschwemmen des in den Trebern noch enthaltenen Extraktes dient. Der Nachguss wird üblicherweise in mehreren Teilmengen vorsichtig auf die Treber aufgebracht. Die Größe der Güsse und deren Verhältnis ist abhängig von der Biersorte und der Größe der Schüttung, so eine amtliche Erklärung zum Brauvorgang. Die damalige Zollbehörde prüfte daher beim Brauvorgang wie viel Wasser und Malz im Verhältnis zueinander sein dürfen, bzw. müssen.

    Gerade hinsichtlich der Vermeidung einer möglichen tarifwidrigen Gußführung (= die Überprüfung des richtigen Verhältnisses von Wasser und Malz) bei Erzeugung des Braunbieres wurde am 25. Juni 1827 sogar ein „höchster Regierungsbefehl“ erlassen, um im Lande für die Erzeugung des gesunden braunen Bieres zu sorgen. Mehrere inhaltlich gleiche „Circulare“ (amtliche Rundschreiben) dazu wurden immer wieder an die Kommunen verschickt. Galt doch damals gut erzeugtes (eingebrautes) Bier als ein täglich genossenes Nahrungsmittel. Nicht umsonst gilt heute noch der Spruch: „Bier ist flüssiges Brot“. So bestand früher eine Brotzeit oft nur aus „Bier und Brot“.

    1828, am 27. Oktober, zeigte die „koenigliche Unteraufschlags Stell Neukirchen (b. Hl. Blut)“ beim Magistrat Eschlkam an, dass der bräuende Bürger Joseph Lemberger (HsNr. 37/38-Marktstraße 11) am 24. Oktober eine „Pollete“ (Palette) auf 3 Schäffel 3 Metzen auf eingesprengtes (nach der Keimung aufgesprengt-heute sogar geschrotet) Malz erholte und gleich am Tag darauf frühmorgens versott. Bei der Visitation im Kommunbrauhaus traf man auf 1 Sch(effe)l eingesprengtes Malz 10 Eimer ohne Hinzurechnung des Nachbieres. So war dies nach dem strengen Gesetz vom 25. April 1811, die Qualität des Bierquantums, das aus dem Malz gewonnen werden durfte betreffend, ein „taxmäßiger Überschreitungsguß“, da das „quantitaxe (das zu versteuernde mengenmäßig zugelassene) Verhältnis der wesentlichen Ingredenzien (Zutaten), aus welchen das „Braune Bier“ erzeugt wird, zur Produktion des Bieres bestimmt und auf 6 Eimer Sommerbier und 7 Eimer Winterbier mit 1 Schäffel trockenen Malz festgesetzt ist.“

    Grob und protestierend verhalten

    Folgende polizeiliche Maßregel und Strafen wurden angeordnet: „Da sich Lemberger gegen den königl. Unteraufschläger (der prüfende Zollbeamte) protell (protestierend) und grob betragen hat“, und der Prüfer feststellte, dass er zu viel Bier „gemacht“ habe, sagte Lemberger, „das geht Ihnen nichts an, sondern (nur) den Magistrat“. Auch sagte Lemberger, „wenn sie mein Bier abeichen, so müßen sie es allen bräuenden Bürgern thun, aber kein Bräuer hat mir weder Lekus (eine Lektion) zu geben noch Gesetz vorzuschreiben, besonders von einem solchen“. Als „Defraudant“ (Betrüger) bekannt, gebe es schon seit dem 6. Juni 1825 den Auftrag, „auf diesen verdächtigten bräuenden Bürger Joseph Lemberger ein vorzügliches wachsames Aug zu haben“, so der aktenmäßige Inhalt.

    Die gleiche Behörde aus Neukirchen meldete am 31. Januar 1829 den Bürger Joseph Späth (HsNr. 5/Further Straße 3) wegen eines „Überschreitungsgußes von 23 Eimer“ gegen die amtlich festgelegte Brauordnung. Eine weitere Anzeige folgte am 30. Oktober gleichen Jahres gegen Joseph Pfeffer (HsNr. 59/Marktstraße 13). Da bei seinem „Bräu“ 5 Scheffel „trockenes Malz genommen wurden, so ist 5 mal 7 = 35 Eimer, so ergibt sich eine tarifwidrige Gußführung von 10 Eimer, so dass das erzeugte Produkt kein pfennigvergeltliches (sein Geld wertes) Bier ist“, somit auch ein Betrug gegenüber dem „Publikum“ (den Biertrinkern) vorliege. Abhilfe wurde gefordert und auch vollzogen. Zuständig für die Ahndung dieser Verstöße war vorerst der Magistrat.  

    Die „koenigliche Unteraufschlags Stell Neukirchen“ (die damalige Steuerbehörde) war zuständig, dass „die bräuenden Bürger das hergestellte Bier nur gemäß den gegebenen Vorschriften“ versteuerten. Die sog. gesetzlich einzuhaltende „Gußführung“ diente staatlicherseits zur Festsetzung der Steuer auf die Bierproduktion. Gerne versuchte daher so mancher brauende Bürger für den Eigennutz diese streng geregelten Vorschriften zu umgehen, was aber – wie hier geschildert - nicht immer gelang.

     

    Werner Perlinger

  • Attesttatenbücher informieren über frühere Bürger

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    Eschlkam. Im Marktarchiv befindet sich eine nicht geringe Anzahl sog. „Attestatenbücher“. In zeitlicher Abfolge besteht ihr Inhalt aus sog. Bescheinigungen, wie der Name „Attest“ schon erklärt, die einzelne Bürger immer wieder benötigten, um z. B. als Bürger aufgenommen zu werden, eine Heiratserlaubnis zu erhalten, für übergeordnete Behörden den Besitzstand erklärend, um den Beruf oder eine gewisse Tätigkeit ausüben zu können oder auch als Beweis im Besitz eines guten Leumunds zu sein. Aus diesem Fundus berichtet auch schon Artikel "Attestatenbücher geben Einblick in frühere bürgerliche Verhältnisse".

    Aufgrund der für den Leser wirklich interessanten Inhalte wenden wir uns dem Jahreszyklus 1855/56 zu. So wird am 12. Oktober 1855 – es ist dies in der uns überlieferten Niederschrift der erste Eintrag - dem Glasermeister Anton Lamecker (Hsnr. 49 ½/Steinweg 2) amtlich attestiert, dass gegen die von ihm beabsichtigte Vergrößerung seiner Schupfe weder von seinen 3 Nachbarn Alois Stauber, Joseph Rötzer und Michl Hastreiter, noch vom unterfertigten Magistrate eine Erinnerung bestehe.

    Das herkömmliche Badehaus (Nr. 7/ Kleinaigner Straße 3) war schon seit 1845 nicht mehr in Betrieb. Dennoch wird am 6. November 1855 dem approbierten Bader Jakob Herzog, „welcher sich seit 10 Jahren zu Eschlkam befindet, auf Verlangen amtlich attestiert, daß er während des genannten Zeitraumes seine Badergerechtsame mit allem Fleiße und zur vollsten Zufriedenheit des Publikums ausgeübt und in moralischer Beziehung sich stets so verhalten habe, daß er sich des besten Leumundes (Rufes) erfreut“. 1845 hatte Herzog, zugezogen aus Deggendorf, die „Badergerechtsame“ von Haus Nr. 7 gekauft, übte dann seinen Beruf in Anwesen Nr. 34 (heute Ludwig Weber-Haus) aus und findet sich dann als Bader von 1854-58 in Anwesen Nr. 61 ½, heute Großaigner Straße 3.

    Heiratserlaubnisse vergeben

    Der Bürgerstochter Anna Riederer wird am 6. Januar 1856 vom Magistrat wegen „ihrer vorhabenden Verehelichung auf Verlangen hiermit amtlich attestiert, daß sie durch ihr stets gepflogenes ordentliches Betragen“ sich einen ausgezeichnet guten Leumund erworben habe“. Zugleich wird erwähnt, dass sie „ein Elterngut von 150 Gulden“ und ein erspartes Vermögen „von ebenfalls 150 Gulden nebst 3 Betten, Leinwäsche u. sonstige Hauseinrichtung“ habe. Somit stand einer Heirat nichts mehr im Wege. Ein ebenso für eine Eheschließung vorausgesetzter guter Leumund wurde wenig später am 24. Januar der Bürgerstochter Anna Maria Hausladen für die geplante Heirat bestätigt.

    Mit dem Gemeindeedikt von 1818 wurde in Bayern der „Heiratkonsens“ den Gemeinden übertragen. Grund- und Hausbesitz, Steuerabgabe, Heimatrecht und vor allem ein einwandfreier Leumund waren unter anderem Voraussetzung für eine Heiratsgenehmigung. Erst ein Gesetz von 1868 brachte wesentliche Erleichterungen, die im Zweiten Reich unter dem Reichskanzler Otto von Bismark im Reichszivilehegesetz vom Februar 1875 fortgesetzt wurden. Demnach wurde von den Gemeinden darauf geachtet, dass bei Heiratswilligen beim Eintritt in das Eheleben „der Nahrungsstand“ gesichert war. Man wollte so vorsorgen, dass die Kommune von armen Familien, die sie letztlich zu unterhalten hätte, so weit wie möglich verschont blieb.    

    1856, am 6. März wird „dem vormaligen Studenten und Bürgerssohn Alois Meidinger, welcher sich nach Altötting begeben will, um im dortigen Kapuzinerkloster die Aufnahme als Frater nachzusuchen auf Verlangen attestiert, daß er sein Heimatrecht in der Markt-Gemeinde Eschlkam anzusprechen habe“. Dieses Attest diente dazu, sollte Meidinger dem Kloster wieder den Rücken kehren, er im Notfalle von seiner Heimatgemeinde Eschlkam unterstützt werden musste.

    Bestand des Heimatrechts

    Das Heimatrecht beschreibt die Zugehörigkeit einer Person zu einer bestimmten Gemeinde. So hatte der Wegzug aus einer Gemeinde in eine andere nicht den Verlust des Heimatrechts zur Folge, vielmehr musste die Heimatgemeinde später den verarmten Heimatberechtigten notfalls wieder an- und aufnehmen und versorgen. In Bayern galt das „Heimatrecht“ noch bis zum Jahr 1917.

    Am 5. Juli wird dem Bürger Joseph Schmauß „auf Ansuchen amtlich hiermit attestiert, daß gegen die von Ihm beabsichtigte Untermauerung seines Wohnhauses Nr. 40 weder von seinen Nachbarn Alois Schmirl und Anna Seidl, noch vom unterfertigten Magistrat eine Erinnerung (Einwand) gemacht werde“. Am 20. Januar 1854 hatte Schmauß von seinem Vater das Anwesen übernommen. Es war wohl noch aus Holz als sog. Waldlerhaus erbaut. Nachdem der Wohnbereich „abgewohnt“ war, ersetzte er den ehemaligen Blockbau als Mauerwerk aus Stein.

    Der Bürgersohn und Säcklergeselle Sebastian Lechermeier will sich selbstständig machen. Dazu waren verschiedene Formularien zur Vorlage nötig wie ein tauf- und Religionszeugnis, der Entlassungsschein aus der Werk- und Feiertagsschule, ein Leumundszeugnis, das nur die Gemeinde ausstellen konnte, ein Impfschein gegen die Blatternkrankheit, der Lehrbrief sowie das Wanderbuch, versehen mit den Einträgen über die drei Jahre andauernde Wanderschaft außerhalb seines Heimatortes und letztlich die Urkunde, beinhaltend seinen Abschied vom Militärdienst. Nachdem diese Voraussetzungen von Lechermeier erfüllt waren, erhielt er vom Magistrat den „Zulaßschein zur Prüfung für das Säcklergewerbe“. Der Wunsch Lechermeiers ging in Erfüllung. Er konnte sein Handwerk als Säcklermeister in Anwesen Hsnr. 39/ Blumengasse 1 ausüben. Ergänzend sei erwähnt, dass im 17. Jahrhundert der „Säckler“ als Hersteller von stabilen Mehlsäcken zuständig war, für die man vorwiegend gegerbtes Leder verwendete. Mit dem Aufkommen des Leinens wurde dann der „Säckler“ zum Bekleidungsschneider bzw. Lederbekleidungserzeuger. Der alte Begriff „Säckler“ wird aber von den renommierten Betrieben in Österreich und Bayern heute noch aufrechterhalten.

     

    Werner Perlinger

  • Ein Rausch am "Fasnachtsdienstag" blieb nicht ohne Folgen

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    Eschlkam. Wurde im Beitrag "Aus einem alten Sitzungsbuch des Marktrates" die doch schwere Körperverletzung an einer Bürgersfrau durch einen sehr erzürnten Bürger im Jahr 1696 als ein Inhalt des Ratsprotokolls vorgestellt, so sei an dieser Stelle ein Vorkommnis geschildert, das im gleichen Protokoll erstmals in einer Ratssitzung am 16. Juli behandelt wurde. Über den Fall verhandelten die in diesem Jahr sich abwechselnd amtierenden Bürgermeister Wolf Sighardt Altmann, Andre Hastreiter und Peter Lährnbecher; als Mitglieder des sog. „Eissern Rathes“ die Bürger Hans Fleischmann, Georg Vaist, Wolf  Korherr und Hans Hastreiter. „In puncto verursachten Wundtschaden, und also begehrten Satisfaction“ klagte der Bürger und Marktschreiber Veith Adam Wurzer. Letztere Person lernten wir bereits im Artikel "Dem Marktschreiber Veith Adam Wurzer wird der Dienst aufgekündigt" kennen. Darin werden am 4. Juni 1698 seine unverzügliche Entlassung als Marktschreiber aus dem Dienst und deren Ursachen behandelt.

    Was war geschehen? Wurzer, der damals Inhaber des Anwesens Nr. 17/Kleinaigner Straße 4 war, klagte gegen den Hufschmied Hans Stephl (damals in Hsnr. 6/Kleinaigner Straße 1), dieser sei am „verwichenen Vasnachts Erchtag“ (Faschingsdienstag) zwischen „12 und 1 Uhr nach mitternacht in sein Clegers Würths Behausung ohne Begehrung eines piers“ laut schreiend zur Stubentüre „herein gelaufen, da er doch den ganz(en) Tag in einem andern Würths Haus getrunkhen“, und Stephl rief: „Seids auch Bürger, das ist schön, ließt mich umpringen, kam mir kheiner zu Hilf, da gleich vor Eurer Thür seint die Reitter, haben mich tractiert, (so) daß ich mich nicht getraue alleinig nach Haus zugehen.“ Der Kläger Wurzer antwortete, wir hätten nichts gehört, wir wollen euch in euer Haus „belaitten“ (geleiten). Zur Sicherheit nahm Wurzer „einen Degen in die Handt“, ging vor die Tür in der Meinung Stephl werde nachfolgen. Dieser aber blieb „erweislich zurück“, in der Stube bis endlich das „Weib“ Wurzers „mit üppigen und zohrnigen Wortten“ sagte: „Geht mein Mann wegen euch aus dem Haus, so schauet gleichwoll daß ihm nichts geschieht“. Darüber lachte Stephl und ließ sich zur Haustüre hinaus stoßen.

    Verwundet durch Säbelhiebe

    Als Wurzer zum Hause Stephls kam, „ist in der Fünstern an einem Haus öckh der Reiter Neyner mit blossen (blanken) Säbl gestanden und gleich auf (den) Cleger (Wurzer) unvergebens (unversehens) einen Hib in den andern (mehrere) solang gefiehrt, bis Cleger einen starkh gefehrlich(en) Hib auf die rechte Axl, und (der) Reiter Neyner einen Stoß durch den rechten Armb bekhommen. Darbey (habe) der Beklagte (Stephl) ainige Abrettung (Hilfe geleistet) gethon, und wehre gahr gewiss ainer auf dem Plaz gebliben“, wäre nicht der Knecht Wurzers mit „ainen Körz Leicht in ainer Lathern khomen“. Daraufhin sei der Reiter, „welcher sich nit mehr wöhren khönen“ davon gelaufen. Der sog. „Reiter“ dürfte einer Gruppe bayerischer Soldaten angehört haben, welche wegen einer gerade in Böhmen grassierenden pestähnlichen Seuche als Tag und Nacht reitende Stafette zur Grenzabriegelung im Markt stationiert waren

    Da nun Stephl ihn, den Kläger „aus seiner Behausung und wer waiß aus wessen Anstüfftung, so mithin (ihn) auf die Fleischpankh zu führen gedenkt hat“, wodurch Wurzer durch die „Falsch- und Vermessenheit ainen solchen Hib bekhommen (hatte), den er zeitlebens empfünden werde“. Wurzer forderte daher, dass Stephl als Beklagter „nit allein den Pader des Arzterlohnes befriedige, sondern auch alle Schmerzen und 6 Wochen lange Versaumbnus (Arbeitsausfall, berufliche Versäumnis)“ erstatte, sowie auch die weiteren angefallenen Unkosten.

    Der beklagte Stephl wollte sich aus der ganzen Angelegenheit herauswinden. Er sagte, er habe sich „zwar in des Clegers Behausung salviert (gerettet)“, aber daß Wurzer gleich aus dem Hause gelaufen sei und dadurch solche Hiebe erhalten habe, dafür könne er nichts. Er bitte daher „umb Absolution“ (Freisprechung). Wurzer erklärte, er habe den ganzen Tag über mit keinem der Reiter „khein Handl“ (Auseinandersetzung) gehabt. Auch habe er nicht mehr vor das Haus gehen wollen, „sondern es haben die in der Stubn gewesenen (Gäste), und schon bei der Stubn Thür gestandene haimb und ins Pett gehen wollen“, da sei Stephl zur Stubentüre hereingekommen.

    In einem ersten Bescheid stellte noch am gleichen Tag, den 16. Juli, das Marktgericht fest, „weillen dem Beklagten nit gebührt hat, solchen Tumult in des Clegers Haus nächtlicher Weill anzufangen, also wollen Bürgermeister und Räte, dass sich Wurzer und Stephl innerhalb 14 Tagen „vergleichen“ (sich gütlich einigen).

    Wochen später, am 21. August bat Wurzer um eine endgültige Entscheidung. Das Marktgericht urteilte: „weillen dem beklagten Hans Stephl, Hufschmiedt nit gebührt hat, so spatt und mitternachtszeit aus einem anderen Würtshaus hergegangener und in des Marktschreibers Behausung mit solcher Tumult gelauffen, als wann ihn die Reitter gleichsamb ermortten wollen, dadurch so viel verursacht, daß sich (der) Marktschreiber seiner angenommen und dessentwegen so gefehrlich verwundet worden; also wollen Bürgermeister und Rhäte hirmit erkhennen, daß er Stephl die Helfte des Arzterlohnes und solche Gerichtsgebühren neben dem Marktschreiber abgestattet schuldig sein solle“.

    Damit war die Angelegenheit für den Schmied Stephl noch nicht ausgestanden. Am 25. August stellten der Bürgermeister und seine Räte weiterhin fest, dass Stephl sich darüberhinaus den obrigkeitlichen Anordnungen widersetzt habe, und so wurde er „nit nur hochgehörigen Orts angewissen, sondern wegen seiner gebrauchten Unmanier und Vermessenheit wieder seiner vorgesezten Obrigkheit 4 stundt lang in (den) Stokh condemniert“; d.h. Stephl musste öffentlich meist vor dem Rathaus sitzend und eingespannt mit den Armen und Füßen in einem prangenähnlichen „Stock“ zur allgemeinen Schau ausharren und damit auch den Spott der Vorübergehenden ertragen.

     

    Werner Perlinger

  • Als Joseph Pfeffer sich als Sattler und einziger seines Handwerks niederließ

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    Eschlkam. Der Magistrat der Königlichen Stadt Straubing bezeugte am 3. Januar 1831 dem Fuhrmannssohn Joseph Pfeffer von Eschlkam „auf Grund des vorliegenden Protokolls des hierortigen Sattler Gewerbs Vereines, daß derselbe bey Joseph Lehner b. Sattlermeister dahier die Sattler Profeßion mit Pünktlichkeit ordnungsmäßig erlernte und untern 1. Februar 1830 von der Lehre frey und zum Gesellen gesprochen worden sey“. Unterzeichnet hatte dieses Patent der damalige Bürgermeister von Straubing, Kolb.

    In der nächsten Zeit begab sich Pfeffer als Geselle auf Wanderschaft – so wie es damals vorgeschrieben war – um in anderen Handwerksbetrieben dazuzulernen. Zwei Jahre später, am 4. April 1833 stellte der Marktmagistrat Eschlkam ein Zeugnis aus. Darin wird einleitend vermerkt, dass bereits im Jahr 1806 Wolfgang Lehrnbecher, Sattlermeister (Nr. 32/Waldschmidtplatz 1) verstorben ist und seitdem „besteht hierorts kein Sattler mehr und hat sich auch um Verleihung dieses Gewerbes niemand eingefunden“. Die Wichtigkeit eines Sattlers im Markt betonte der Magistrat mit dem Hinweis, dass sich hier viele Ökonomen und Fuhrleute befinden, „als auch in der ganz weitsichtigen Pfarrei kein Sattler vorhanden ist“. Gerade deswegen erlernte der Bürgersohn Joseph Pfeffer dieses Handwerk. Sein Vater besaß das Anwesen Nr. 59/Marktstraße 13 und betrieb ein Fuhrgeschäft, und der Vater wusste was ein gutes Geschirr für seinen Beruf wert sein konnte. Letztlich sagte der Magistrat dem Joseph Pfeffer, geb. 1813, zu, dass ihm „nach Wunsch und Willen der Bürgergemeinde die Sattlerprofession magistratsseits ertheilt werde“.

    Am 9. August 1833 beschloss der Magistrat mit Zusicherung der Gemeindebevollmächtigten – insgesamt zehn Bürger – unter Bürgermeister Michael Meidinger dem Pfeffer die „personale Sattler Conceßion“ zu verleihen, wenn er ein Zeugnis über die nötige „Gewerbsfähigkeit“ vorlegt; dann einen Ausweis über die geleistete Militärpflicht und schließlich – da er die drei Jahre Wanderschaft nicht voll erfüllte – ein ärztliches Zeugnis wegen „körperlicher Unfähigkeit“. Dazu legte Pfeffer sein Prüfungszeugnis vor, ausgestellt am 13. September 1833 von der Prüfungskommission in Amberg. Demnach hatte er „zum Behufe seiner dortigen Ansässigmachung die Fähigkeitsprobe, bestehend in der Verfertigung eines Fuhrmannssattels hierorts abgelegt. Derselbe erscheint nach einstimmigen Urtheile der Prüfungs Mitglieder zur selbstständigen Ausübung des Sattlergewerbes vollkommen tüchtig“.

    Gesundheitlich angeschlagen

    Eine Woche später, am 20. September, informiert der Magistrat, dass die Wanderschaft des Pfeffer nur vom 18. Februar bis 15. November 1831 „wegen körperlicher Unfähigkeit“ andauerte, wobei betont wird, dass er „von seinem Knabenalter an Masern litt, gleich darnach mit einer chronischen Hautkrankheit an beiden Ober- und Unterschenkeln befallen wurde, so daß er öfters schon im Gehen verhindert wurde“. Das sollte aber kein Hindernis sein, da diesbezüglich auch die „einschlägige Polizeibehörde“ eine „theilweise Dispensation ertheilen kann“. Noch einmal wurde betont, die „Concession“ zu erteilen, da in der Gemeinde seit 1806 „ein Sattler umsomehr nothwendig ist“.

    Bürokratische Hürden

    Monate später, am 24. April 1834, schaltet sich das Landgericht Kötzting ein. Diese Behörde bedeutete dem Pfeffer, dass er nach „der  hierher gediehene Regierungs Entschließung die beantragte Caution durch Deponierung seiner Hypothek-Urkunde genehmigt werde, und es ihm nunmehr freistehe seine Ansässigmachung geeigneten orts einzuleiten“. Zugleich wird ihm vom Landgericht „ein Zertifikat zur Verehelichung ausgestellt“. Am 28. Mai schließlich verleiht der Magistrat von Eschlkam dem Joseph Pfeffer, da er „zur selbständigen Ausübung des Sattlergewerbes vollständig tüchtig befunden worden ist“,   die „Concession“, nun in eignener Verantwortung tätig zu werden.

    Jahre später, 1841, befand sich Pfeffer auf Freiersfüßen. Seine Auserwählte war die Bäckerstochter Franziska Rötzer vom „Kreigerbäckhaus“. Am 22. Juli werden beide vom Magistrat als zugleich amtierende  Lokalpolizeibehörde angewiesen, sich beim Landgericht Kötzting die „Sponsalienverbriefung und Sigelung der ihnen zugestellten Zeugnisse gehorsambst zu erbitten“. Diese Zeugnisse bestanden jeweils aus einem Taufschein für Franziska Rötzer, geb. am 7. Mai 1812 als Tochter der Bäckerseheleute Franz Rötzer und Anna geb. Hastreiter (von Nr. 19/Marktstraße 4 u. 6), und Joseph Pfeffer, geb. am 22. Februar 1813 als Sohn des Joseph Pfeffer und der Theresia, geb. Späth. Dazu musste Pfeffer nur einen sog. „Blattern-Schein“ vorlegen, da er bereits am 18. April 1830 daran erkrankt war „und daher von aller fernern Schutzblatter-Impfung frey gesprochen worden ist“. Dagegen konnte die Braut Franziska einen „Schutzpocken-Impfungs-Schein“ vorlegen, da sie bereits 1815 gegen diese Krankheit erfolgreich geimpft worden war. Unwillkürlich erinnern wir uns an die derzeit herrschende Covid 19-Pandemie, wenn es gilt Impfnachweise vorzulegen.

    Weitere vorzulegende Unterlagen waren die jeweiligen schulischen Enlassungszeugnisse, wobei anzumerken ist, dass beide fleißige und gute Schüler waren. Für Joseph Pfeffer stellte am 12. Oktober 1835 der „oberste Rekrutierungsrath des Unterdonaukreises“ in Passau eine Urkunde aus, nach der er  offenbar aufgrund seiner schon geschilderten Krankheiten als „militärdienstuntauglich“ befunden wurde.

    Nachdem beide geheiratet hatten, bezogen sie das elterliche Anwesen des Bräutigams, wo Pfeffer zunächst als Sattler arbeitete. Einige Jahre später, 1847, erwarb der junge Pfeffer als selbstständig arbeitender Sattlermeister käuflich das Anwesen Nr. 65/ Großaigner Straße 13. Noch ist auf diesem Haus der Hausname „beim jungen Soadla“ bekannt; während das Elternhaus Nr. 59/Marktstraße 13 den Hausnamen „beim alten Soadla“ führt.

     

    Werner Perlinger

  • Hilfe für den Bau einer Brücke bei Kreuzbach über den Schwarzen Regen

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    Eschlkam. „Dem von Seite des Königlichen Landgerichts Koetzting bey Kreuzbach über den schwarzen Regen begonnenen Brückenbau, um die hierzu aufzubringen seyende Kösten betreffend, Anno 1822“, so tituliert ein Archivale im Marktarchiv. Der Titel klingt verwirrend, befindet sich doch der Ort Kreuzbach als Ortsteil von Blaibach, gelegen am Schwarzen Regen, weitab vom Eschlkamer Gemeindebereich. Die Brücke dort in Kreuzbach ist heute noch vorhanden, jedoch als ein späterer, moderner, für die heutigen Verkehrserfordernisse ausgerichteter Bau.

    Interessant dazu ist, dass für den dortigen Brückenbau vor 200 Jahren abgabenmäßig auch die Region hinter dem Hohenbogen beigezogen wurde. Der alleinige Grund liegt wohl in der Tatsache, dass in diesem Bereich des Schwarzen Regen seit Urzeiten ein Fernweg den Fluss quert, der das Land Böhmen sowie das Grenzgebiet zwischen Furth im Wald und den Hohenbogen-Winkel nicht nur topografisch sondern auch wirtschaftlich mit dem Donauraum um Straubing verbindet. Dieser Wegeabschnitt ist ein wichtiges seit jeher bedeutendes Teilstück des sog. „Baierweges“– eines alten, seit Urzeiten genutzten Völkerwegs zwischen Bayern und Böhmen; davon aber später genaueres.

    Am 27. März 1822 erging an alle Gemeinden der Auftrag, sich an dem Bauvorhaben zu beteiligen. Der Kostenvoranschlag für diese Brücke bei Kreuzbach belief sich auf stattliche 3964 Gulden, wobei diese Summe durch „unentgeltlichen Handlang“ die Kosten um 781 Gulden gemildert werden könnten. Am 26. Juli schlug der Magistrat vor, wegen der Kosten des Brückenbaus „die gesamte Bürgerschaft zu vernehmen“. Eine Woche später, am 29. Juli, wurden die Bürger „auf das Rathaus berufen“. Gegen das Vorhaben „erinnerten“ die Eschlkamer Bürger, dass die geplante Brücke „hiesig wenig, oder gar nichts nützt, vielmehr für als nachtheilig anzusehen ist, indem das Fuhrwesen nicht mehr hier durchpaßiert, sondern den nechst gelegenen Weg dafür nimmt und (so) einen Abtrag verursacht“. Unterschrieben haben Bürgermeister Joseph Bartl (Nr. 25/ Waldschmidtplatz 8) und vier Markträte im Namen der Bürgerschaft.

    Brücke bereits gebaut

    Am 4. November informiert den Markt das Landgericht Kötzting (heute wäre es das Landratsamt in Cham), die Brücke sei bereits gebaut. Die Gerichtsdiener der einzelnen Gemeinden wurden beauftragt, „jede gegen 1 Gulden täglich zu exeguieren (dort einzutreiben), bis sie die anerpartierten (zugeteilten) Leistungen zur Brücke bezahlt haben“. 1823, am 29. Januar wurden sämtliche für den Brückenbau infrage kommenden Gemeinden, die noch nicht gezahlt haben, angewiesen, innerhalb von drei Tagen „die rückständigen Executionsgebühren dem Gerichtsdiener sogleich zu bezahlen, ansonsten würden die Gemeindevorstände sogleich um den fälligen Betrag der Executionsgebühr (Gebühr für Zwangsvollstreckung) und des Bothenlohnes ausgepfändet“.

    Der Markt fügte sich

    Die Bürger „bissen in den saurern Apfel“, sie fügten sich und am 6. Februar 1823 erstellte der Marktmagistrat ein Register, in dem sämtliche Hausbesitzer mit ihren geleisteten Beiträgen aufgelistet sind, je nach gegebener wirtschaftlicher Lage aufgeteilt in sog. „Portionen“. Demnach leisteten die wenig vermögenden Bürger, ausgewiesen als „1 Portion“, je 28 Kr. (Kreuzer - 60 Kr. galt 1Gulden). Mit Abstand den höchsten Betrag von allen gab mit 4 f (Gulden) 12 Kreuzer (9 Portionen) der Gutsbesitzer Joseph Weber (Nr. 1/Waldschmidtstraße 14); der Krämer und Bürgermeister Joseph Bartl (Nr. 25/Waldschmidtplatz 8) 1 f 24 Kr.(3 Portionen). Eigens wird am 23. Januar 1825 nachträglich bestätigt, dass Pfarrer Alois Wagner bereits am 7. Oktober 1822 seinen Beitrag in Höhe von 3 f 19 Kr. 8 Heller dem Magistrate im Voraus eingehändigt habe. Insgesamt brachten die Bürger einen Betrag von 65 Gulden 20 Kreuzer zum Brückenbau auf. Abzüglich der Nebenkosten verblieben so für die Staatskasse 57 Gulden 38 Kr.  Eine weitere Auflistung informiert letztlich, dass Neukirchen 191 f , Rittsteig 76 f, Zenching 102 f, Sengenbühl 105 f, Schwarzenberg 156 f, Kleinaign 67 f und Großaign 132 f aufzubringen hatten.

     

    Ein alter Fernweg

    Zur Geschichte des Baierweges sei folgendes angeführt: Der Name >Baierweg< sagt es deutlich aus: Er ist einer der alten bedeutenden Saumwege, der von Böhmen aus in das Nachbarland Bayern führt. Sein Name gibt die Zielrichtung und damit auch seinen Ausgangsraum an. Dieser Baierweg ist eine Fernwegtrasse, die eine wohl mindestens jungsteinzeitliche, wenn nicht bereits frühere, dann keltische und schließlich  andauernde Nutzung bis ins 8./10.-13. nachchristliche Jahrhundert wahrscheinlich werden lässt.

    Ich beginne bewusst in der umgekehrten Richtung. Im Süden nimmt der Baierweg seinen Anfang unmittelbar unterhalb der Donau bei Stephansposching, überquert dann den Strom und führt von Mariaposching über Loham, Niederwinkling, Perasdorf, Sankt Englmar nach Markbuchen.

    Von dort erreicht er vorbei an der Kollnburg Viechtach um dann die Stadt durchquerend  vorbei an der Rugenmühle den Schwarzen Regen zu überqueren. Über Pirka und Höllenstein führt die Trasse vorbei an den Altsiedlungen Wettzell und Sackenried und erreicht vom Ludwigsberg kommend Bad Kötzting. Als sog. >alte Kötztinger Straße< führt der Weg über das Bachmeierholz, Ramsried, Kettersdorf und Thenried nach Madersdorf am Fuße des Hohen Bogen und der ihm vorgelagerten Burg Lichteneck. Dort, nahe dieser Wehranlage gabelt sich die Trasse. Während die eine Wegführung am Fuße des Hohen Bogen über Oberdörfl nach Schwarzenberg und - sich dort erneut abzweigend - einmal nach Neukirchen b. Hl. Blut führt, verläuft der andere Zweig nach Eschlkam bis an den Grenzwald nach Neumark/Všeruby. Die Hauptwegeführung aber verläuft als Teil des grün-weiß markierten europäischen Fernwanderwegs durch die Gruber Waldungen nach Grasmannsdorf um dann Furth zu erreichen. Von der Stadt aus führt der Baierweg über die alte Hochstraße nach Domažlice/Taus. Von Taus/Domažlice verläuft der in Richtung Prag zielende Weg bis zum Ende des 13. Jahrhunderts über Crastavice, Koloveč, Podevousy, Merklin, Dnešice, Clumčany, Šternovice nach Stary Plzenec und von da über Rokycany, Myto nach Prag.

     

    Werner Perlinger

  • Aus einem alten Sitzungsbuch des Marktrates

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    Eschlkam. Im Archiv des Marktes, wohlgeordnet sich dem forschenden Besucher anbietend, finden sich unter den älteren Vorgängen neben den Kammerrechnungen auch Rats- und Verhörsprotokolle. Ein reichhaltiger Fundus, der uns teils sehr anschaulich das Leben der Bürger im Markt vor über 300 Jahren vor Augen führt.

    Das älteste Protokoll des Marktes, in dem die Thematik und der Verlauf von Ratssitzungen von 1683-1695 verzeichnet sind, stellt sich dem Leser als ein dicker in Schweinsleder gebundener Foliant vor, der die Niederschriften mehrerer Jahre beinhaltet. Das nächste Ratsprotokoll beginnt mit dem Jahr 1696. Aus diesem Fundus seien anschließend an ähnliche frühere Veröffentlichungen einige Inhalte vorgestellt, um so in das Leben der Marktbürger und die Alltagsprobleme vor über 300 Jahren einen Einblick zu erhalten. Zugleich werden wir dabei über die Wechsel der einzelnen Amtsbürgermeister, auch über die Mitglieder des inneren- und äußeren Rates informiert.

    In der Ratssitzung vom 22. März werden wir über ein besonders heikles, zugleich aber auch brutales Vorkommnis informiert:

    Hans Georg Vischer, Bürger, klagt im Namen seiner Frau gegen den Weißbäcker Hans Peter Thirankh wegen sehr schwerer Körperverletzung – so würde man heutzutage die folgend geschilderte Gewalttat beurteilen. Thirankh selbst hatte mit der Ehelichung der Witwe Magdalena Hauser in das Anwesen Nr. 36, heute Marktstraße 9 im Jahr 1685 eingeheiratet. Er war der Sohn eines „wellischen Crambhandlers“ (Krämer aus Südtirol oder Norditalien). 1706 taucht er zeitweilig als Bürgermeister von Eschlkam auf. 1709 verkauft er das Anwesen an seinen Berufskollegen Hans Georg Hastreiter.

    Im März ließ sich der Bäcker Thirankh zu folgender Tat hinreißen: Er habe die Klägerin unvermittelt in ihrer Wohnung „überloffen (überrumpelt), und ihr ohne Ursach in höchster Verbitterung (Zorn) mit einer Riedhauen ins Angesicht aine gefehrlich sichtige Wunde gehauen, sye auch  durch solch vermerkhten Kopf straich halb todter zur Erde geschlagen“. Ergänzend sei angeführt, dass Vischer seit 1691 Mieter einer Wohnung im wieder hergestellten Rathaus (Nr. 33/Waldschmidtplatz 2 u. 4) war und dies somit auch der Tatort war.

    Damit nicht genug. Thirankh schlug die am Boden „halber Todter unwissend“  (bewußtlos) und hat auf die gelegene Frau mit einem Fuß noch „in mediate (mitten) auf den schwangeren Leib ainen solchen gross nachdenkhlich furi (wilden) Stoss versezt“, wovon das Kind im Mutterleib „leuchtlich auf dem Platz bleiben khönde“. Hätte seine dazu gekommene Frau, sich nun einmischend, nicht zu schreien begonnen, hätte er die Bedauernswerte „noch weiters tractiren wollen“.

    Ehemann Vischer kam nun, jedoch „zu spatt hinzu“, nachdem der Täter „entwichen“. Er hob seine Frau auf und hat sie „ganz verblütten (stark blutend) in sein Stüffts wohnung geschlept“, sie so lange mit Wasser besprengt, bis wie „widerumben in etwas zum Verstandt khommen, und so kreftig worden ist, daß er sye zum H. Ambts Burgermaister führen“ konnte, um „disse grausamme Unthat anzaigen (zu) khönnen“.

    Ärztliches Gutachten eingeholt

    Auch wurden durch den „de novo brauchenten (eigens hinzugezogenen) Wundarzten und andre unpartheyische Bürger“ die Verletzungen begutachtet. Der „gefehrliche Leib Stoß“ wurde von der dafür beauftragten „aufgestölten Hebam ordentlich besichtigt“. Auch wurden acht Tage Bettruhe verordnet. Wegen der „empfündlichen Straich, (und der) gehaute Wundten“ sollte der Beklagte sofort 30 fl (Gulden) „erlegen, auch absonderlich des Arzterlohn und aller anlaufente Unkosten“.

    Die ganze Angelegenheit nahm seinen rechtlich herkömmlichen Verlauf. Die einzelnen Einlassungen der Parteien wurden protokolliert. Letztlich wurde die ganze Angelegenheit vom Marktgericht, wohl aufgrund der schwerwiegenden, blutenden Verletzungen und den daraus resultierenden rechtlichen Folgen, aus Kompetenzgründen an das kurfürstliche Pfleggericht zur „Abwandlung“  (Verhandlung) verwiesen mit dem Hinweis: „die Abwandlung hat kheineswegs dem Markt- sondern dem churf(ürstlichen) Pfleggericht gebührt, und dahin der Abstraffungs willen remittiert (zurückgeschickt) werden sollen“. Letztlich wurde die ganze umfangreiche Niederschrift durchgestrichen.

    Seit 1654 hatte dieses Gericht seinen Sitz in Neukirchen b. Hl. Blut. Wie für den Bäckermeister Thirankh die ganze Sache letztlich ausging, kündet uns deshalb das Protokoll nicht. Auffällig ist nur der äußerst brutale Verlauf der Auseinandersetzung. Bei Thirankh muss sich vielleicht über längere Zeit ein entfesselter Zorn gegen die Frau des in der Nachbarschaft lebenden Bürgers Vischer aufgestaut haben. Es wird einmal nur von „diffamoser“ (verleumderischer) Handlung der Gegenseite gesprochen, was aber keine direkt schlüssige Erklärung zulässt.

    Damit die Parteien in den drei Wochen bis „zum Austrag ordenlichen Rechtens (nun durch das Pfleggericht) in Fridt und Sicherheit leben“, wurden zum „Poenfall 6 Reichsthaler obrigkeitlich gesezt“; d. h. bei nochmaliger Straffälligkeit in dieser Zeit hatte der Friedensbrecher diese Geldstrafe zu entrichten.

    Erwähnenswert sei noch, dass am 8. Juni vom Marktrat der Bürger und Hufschmied Hans Stephl, damals wohnend und arbeitend in Anwesen Nr.6/heute Kleiaigner Straße 1, mit 2 Talern Strafe belegt wurde, da „bei ihm neben dem Rauchfange bei hellem Tage das Feuer ausgeschlagen, (so) daß die Schindl aufm Tach angezündet worden…woraus leichtlich aine grosse schedliche Feuers prunst hette entstehen khönnen“. Hier handelt es sich um einen sog. Kaminbrand. Damals trugen sämtliche Häuser, ausgenommen vielleicht die der kirchlichen Einrichtungen, Schindeldächer. Gerade über diese setzten sich bei günstigen Windverhältnissen Großbrände walzend und oft kaum löschbar fort. So brannte am 29. Juni 1863 die Osthälfte der Stadt Furth völlig nieder, da sich das Großfeuer hauptsächlich über die hölzernen Schindeldachungen verbreitete. Einzig das 1862 erbaute Amtsgericht blieb verschont. Es trug bereits Ziegeldach.

     

    Werner Perlinger

  • Das Hausierwesen des 19. Jahrhunderts im Hohenbogen-Winkel

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    Eschlkam. Auch für Eschlkam mussten Bestimmungen erlassen werden, damit die Wanderhändler – wenn gegeben – erfasst werden konnten.

    Als „Hausierer“ werden noch heutzutage von Haus zu Haus gehende Händler bezeichnet. Sie bieten im Gegensatz zum Handelsvertreter oder Handelsreisenden, die im Auftrag eines Unternehmens unterwegs sind, ein eigenes Warensortiment auf eigene Rechnung an. In der heutigen Zeit gelten für Hausierer in Deutschland die Bestimmungen für ein Haustürgeschäft und sie benötigen eine Reisegewerbekarte. Früher galt die Bezeichnung „Hausierer“ auch für Anbieter von Dienstleistungen, z. B. Kesselflicker und Scherenschleifer, die früher häufig noch ihre Dienste anboten. Während der Ausübung seiner Tätigkeit transportierte der Hausierer seine Ware aus eigener Kraft mit dem Schubkarren oder Handwagen, in einem Rückentragekorb oder einem übergeworfenen Quersack, oder er bot sie in einem Bauchladen an. Als sozialer Aufstieg galten ein Hundegespann, Fahrrad, Pferdefuhrwerk und in der Zeit zunehmender Technisierung das Automobil. Sie waren fester Bestandteil insbesondere der ländlichen Sozialstruktur. Vor allem die Bauern und auch deren Bedienstete, die Ehehalten, richteten sich auf ihr durchaus erwünschtes, oft herbeigesehntes Kommen ein. Ihr Warenangebot umfasste nämlich meist die Artikel, die in ländlichen Gegenden nicht erhältlich waren und auch nicht selbst hergestellt werden konnten. Eine ihrer wichtigsten Nebenfunktionen war auch, dass sie Nachrichten und Informationen aus dem weiteren Umfeld überbrachten und das in einer Zeit als das Radio oder die Tageszeitung im ländlichen Haushalt noch nicht üblich waren. So viel zu einer Berufsgattung, die es heute so nicht mehr gibt.

    Wie viele andere Kommunen im Lande auch musste sich der Markt Eschlkam im Jahr 1847 eingehend mit dem „Hausier- und Kleinhandel“ beschäftigen. Um eine organisatorische, vor allem aber eine rechtliche Hilfe den Gemeinden anbieten zu können, gab für den Hohenbogen-Winkel das Königliche Landgericht für den Hausier- und Kleinhandel zu erfüllende Richtlinien vor:

    Stutzig wird der Leser wenn es dazu einleitend heißt, „Der Hausier- und Kleinhandel ist im Allgemeinen und aus Rücksicht der Gewerbe, der Zollverhältnisse und der allgemeinen Sicherheit verboten“, und doch kommt dazu noch eine Einschränkung: „Nur ausnahmsweise dürfen Hausier- und Kleinhandelsbewilligungen ertheilt werden“. Um eine Übersicht über die sog. Hausierer zu erhalten „und um Unterschleife zu verhüten, erachtet man es für angemessen alljährlich im Monate Oktober die Gesuche zum Hausier- und Kleinhandel aufzunehmen“ und zwar mit folgender Anordnung:

    1. Alle bisher erteilten Genehmigungen für diese Art Handel werden eingezogen.
    2. Ein Gesuch müsse erneut gestellt werden.
    3. Dabei müsse jeder Gesuchsteller vorlegen den bisherigen „Handelsbewilligungsschein“, sowie ein Zeugnis der Gemeindeverwaltung. Dieses musste enthalten die genaue Adresse, das Alter, den Familienstand, ein Leumundszeugnis, bisherige „Erwerbsart“, die genaue Bezeichnung seiner Handelsware sowie bei „Gegenständen der Handarbeit die bestimmte Bezeichnung und dass der Gesuchssteller den Artikel selbst verfertigt“.

    Mit letzterem Hinweis wollte man in erster Linie das heimische Handwerk vor unliebsamer Konkurrenz schützen. Das Landgericht appellierte weiter, „man erwartet von den Bürgermeistern, daß sie bei Ausfertigung der Zeugnisse gewißenhaft verfahren und insbesondere keinem Individuum ein Zeugnis ausfertigen, welches zu anderartigen Gewerbe die physischen Kräfte oder auch nur den geringsten getrübten Leumund hat und überhaupt nicht Personen, von denen zu befürchten ist, daß sie die ihnen dargebotene Gelegenheit statt zu einem ehrlichen Fortkommen zu einem unehrlichen Gewerbe, zum Vagieren (herumstreunen), zum Betteln, zum Schwärzen (Schmuggel) und sonstiger Belästigung des Publikums mißbrauchen.“

    Termine festgelegt

    Für die Aufnahme der Gesuche wurde für die Gemeinden, die „zum Gebiete Hohenbogen und Haidstein gehören, der Mittwoch, 13. Oktober 1847 festgelegt; für die Gemeinden, die „zum Gebiete in der Lam u. in Zell u. am Regen gehören, auf Donnerstag den 14. Oktober l(aufenden) J(ahres), was in der Gemeinde auf gehörige Weise bekannt zu machen ist“. Unterschrieben hat diese Anordnung der damals amtierende Landrichter von Paur.

    Eigentlich war der Staat grundsätzlich gegen den Hausier- und Kleinhandel. Leicht hatten es die Bewerber für diese Berufssparte nicht eine Konzession zu erhalten. Andererseits versuchte der Staat mit den (strengen) Auflagen zu verhindern, dass vielleicht Kleinkriminelle sich um diese Tätigkeiten bemühten, um andererseits so die Möglichkeiten zu erhalten Straftaten zu begehen.

    Dementsprechend wurden Hausierer auch mit Misstrauen betrachtet, man unterstellte ihnen Diebstähle oder ein Auskundschaften für Diebe; auch Betrügereien mit minderwertiger oder überteuerter Ware wurden immer wieder weiter erzählt, nicht zuletzt weil der Hausierer nach dem Verkauf weiterzog und daher, anders als ein ortsansässiger Händler, nicht für Reklamationen erreichbar war. Im 20. Jahrhundert wurden verschiedene Vorschriften erlassen, die den Hausierhandel reglementierten. Pflicht ist es letztendlich eine Reisegewerbekarte mitzuführen. Heutzutage und das darf gesagt werden, ist der Hausierhandel völlig ausgestorben.

     

    Werner Perlinger

  • Die Türkenkriege - eine mögliche Verbindung zu Eschlkam?

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    Eschlkam. Vorerst ein kleiner Blick in die Geschichte des Abendlandes:

    Im Jahre 1453 eroberten die Türken Konstantinopel, das heutige Istanbul. Somit stand dieses Volk, eine im Mongolensturm nach Kleinasien verschlagene Gruppe von muslimischen Turkmenen, auf dem endgültigen Sprung in das Abendland, nachdem die Osmanen das europäische Hinterland von Konstantinopel schon seit 1354 besetzt und im Jahr 1389 in der Schlacht auf dem Amselfeld die Serben entscheidend besiegt hatten. So setzte die kriegerische Bedrohung des christlichen Europas ein. Der Expansionswille der Sultane nach Westen war gewaltig.  Die härteste Situation für das Abendland entstand im Jahr 1683, als die Türken erneut vor Wien standen. Nur mit Hilfe von Truppen aus dem gesamten Reich, dann päpstlichen und in der Endphase polnischen Kontingenten konnte dieser zweite Angriff auf Wien entschieden abgewehrt werden.

    Die darauffolgende Vertreibung der Türken aus Ungarn und Siebenbürgen ist das militärische Ergebnis der österreichischen Heldenepoche unter Herzog Karl von Lothringen, Kurfürst Max Emanuel von Bayern und dem Feldherrn Prinz Eugen von Savoyen. Im Sommerfeldzug des Jahres 1688 unternahmen die bayerischen Kontingente unter Führung von Kurfürst Max Emanuel einen tollkühnen Sturm auf Belgrad, der den Ruhm Max Emanuels als „Blauen Kurfürsten“ durch ganz Europa trug.

    Es mag bei diesen letzten Ereignissen geschehen sein, dass durch einen oder vielleicht auch mehrere Männern aus dem Raum Eschlkam als Teilnehmer an diesem letzten Feldzug bei der Heimkehr im Gefolge zwei Frauen türkischer Herkunft mitgebracht wurden. Denn in der Taufmatrikel des Marktes, niedergeschrieben von dem damaligen Pfarrer Adam Muck, finden sich auf einer eigenen Seite des Buches als eine Besonderheit und nicht in der üblichen tabellarischen Aufreihung der Taufen folgende Einträge, die bei erster Betrachtung dem Leser rätselhaft erscheinen mögen. Die originale Schilderung lautet jeweils, gefolgt von der Übertragung in unsere Sprache:

    „Anno 1690 die 7. May, incidente in dominicam Exaudi; ego Adamus Muck S: Th: Lcts p.b: parochus Eschlcambensii solemniter baptizavi turcam Sufficienter instructam, Mariam Franciscam Theresiam, tringinta ciciter annorum, nata ex Patre Mustapha Smeil de Belgrado et matre Einon Euscha eius uxore. Matrina erat Praenobilis domicella Anna Maria Francisca Ungelterin de Theissenhausen, adhuc soluta.“

    Übertragung: Im Jahre 1690, es geschah am 7. Mai, am Sonntage Exaudi („höre oh Herr“ = der 6. Sonntag nach Ostern), dass ich Adam Muck, Sancte Theologie Licentiat, Pfarrer von Eschlkam feierlich eine Türkin als Maria Franziska Therese getauft habe, ungefähr 30 Jahre alt, genügend eingewiesen (in den katholischen Glauben). Der Vater (ist) Mustapha Smeil aus Belgrad und Einon Euscha, seine Frau. Patin war das adlige Fräulein Anna Maria Franziska Ungelter von Teissenhausen (Deisenhausen, Landkreis Günzburg), (diese) bisher frei und ungebunden.

    Ein bildlicher Abschnitt im Ortswappen von Deisenhausen stammt aus dem Wappen der Ulmer Familie Ungelter, die sich auch Ungelter von Deisenhausen nannte und von 1409 bis 1554 in Deisenhausen belegt ist. Eine Beziehung dieser Patin zur Familie Altmann dürfte im befreundeten Bereich zu suchen sein.

    Muck schreibt weiter: „Eodem anno, die vero 16. May, incidente in feriam tertiam Pentecostes idem ego Adam Muck eadem solemnitate baptizavi aliam Turcam, pariter in Sufficientis fidei Catholica instructam, Mariam Rosinam 30 circiter annorum, prognata ex Padre Mustapha mercatore quondam Belgradi et uxore eius Saligabola. Matrina erat domina Anna Rosina Altmannin, domini Wolfgangi Sighardi Altmann, Consulis in Eschlcamb uxor.“

    Übertragung: Im gleichen Jahr, am 16. Mai, am 3. Tage nach Pfingsten, habe ich Adam Muck ebenso feierlich getauft eine andere Türkin, in gleicher Weise eingewiesen in den katholischen Glauben, als Maria Rosina, ungefähr 30 Jahre alt, abstammend von dem Kaufmann Mustapha, ehedem von Belgrad und seiner Frau Siligabola. Patin war Frau Anna Rosina Altmann, Gemahlin des Herrn Wolfgang Sighardt Altmann, Ratsherr in Eschlkam.

    Die bisherige, einmal geäußerte Meinung, der Gutsbesitzer Wolf Sighardt Altmann (heute Gasthof Penzkofer) selbst habe diese beiden türkischen Frauen aus dem erfolgreich verlaufenen Krieg sozusagen als „Beute“ mit nach Eschlkam gebracht, kann insoweit nicht stimmen, als besagter Altmann laut Inhalt der Ratsprotokolle in den fraglichen Jahren von 1685 bis einschließlich 1690 stets an allen Ratssitzungen in seiner jeweiligen Eigenschaft als Bürgermeister oder Ratsherr teilgenommen hatte. Er war demnach nicht außer Landes gewesen. Auch die Meinung, dass Altmann eine der beiden geheiratet hätte, ist aus folgenden Gründen zu revidieren: Seine Frau tritt bei der zweiten türkischen Frau als Patin auf. Sie stirbt erst viel später. Das zweite Mal heiratet der Witwer Altmann am 11. Februar 1721 die Tochter des Schusters Anna Zilckher von Nr. 18, heute Further Straße 8. Elf Jahre später, 1732 stirbt Altmann im Alter von 73 Jahren.

    Man könnte in diesem Fall auch von sog. „Beutetürkinnen“ sprechen. Der anfängliche Status als Sklaven - wenn es wirklich so gewesen sein sollte - wandelte sich - wie bei vielen Beispielen landesweit bekannt - schnell in Patronage-Beziehungen von quasi-familiärem Charakter. Der Entlassung in die Freiheit und Einbürgerung der damals vielen nach Bayern verschleppten Türken war landesweit ein Integrationskonzept vorgeschaltet, welches nach Erlernen von der „Teutsche(n) Sprache und Haubtstücke der Christlichen Lehre“ in die Konversion vom Muslimen zum Christen mündete. In unserem Fall ist daher zu vermuten, dass die beiden Frauen, betrachtet vom Status der Patinen her, vielleicht zu deren Dienerinnen wurden. Das weitere Schicksal der beiden Frauen, ob sich die eine in Eschlkam oder die andere im schwäbischen Bereich verheiratete, kann vorerst nicht in Erfahrung gebracht werden. Tatsache ist vielmehr, dass sich bei gründlicher Nachschau bis zum Jahr 1690 kein Heiratseintrag fand, der auf eine der beiden Frauen auch nur annähernd zutreffen könnte.

     

    Werner Perlinger

  • Maul- und Klauenseuche in Eschlkam

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    Eschlkam. Die Maul- und Klauenseuche (MKS) ist eine hoch ansteckende, nicht immer aber tödliche Viruserkrankung bei Klauentieren wie Rindern, Ziegen, Schafen und Schweinen. Sie ist und war schon früher eine anzeigepflichtige Tierseuche. Pferde sind nicht und Menschen nur selten für MKS anfällig.

    „Die so genannte Klauen- und Maulseuche unter dem Hornvieh und die vorgeschriebenen Mittel zur Unterdrückung betr.“, tituliert ein Akt aus dem Jahr 1827, der die damalige Lage in Eschlkam beschreibt. In einem Circulare (Rundbrief), herausgegeben von der Regierung am 20. August, werden Methoden und Mittel „zur Abwehrung gegeben, die in den betroffenen Gemeinden den Viehbesitzern bekannt zu machen sind“. Dabei werden erst die Anzeichen geschildert, an denen die Seuche zu erkennen sei. Bei der „Maulseuche“ heißt es u.a. „das Vieh wird traurig, unruhig, verliert die Lust zu fressen, es läuft ihm häufiger Speichel aus dem Maul. Das Kauen und Schlucken wird beschwerlich“. Genau werden die äußeren Anzeichen wie Blasenbildungen und Geschwülste im Maul der Tiere geschildert, damit die Landwirte die Krankheit leicht erkennen können. Ähnlich genau ist die Schilderung beim Befall der Klauen. Symptome wie Hitze, Empfindlichkeit und die schmerzhaften Geschwülste im Hufbereich werden detailliert erwähnt.

    Gegenmaßnahmen vorgeschlagen

    So sei für die entzündenden Mäuler „hartes stänglichtes Futter“ zu vermeiden. Nur mehr „frische und weiche Nahrungsmittel“ kämen in Frage. Das galt auch für die Gesundung der Klauen. Hierbei sei auf „die Reinigung der Ställe vom Mist und Odel“ zu achten. Stets sollte trockene „weiche Streu, Schwemmen und Trinken in kalten Wasser“ wie auch „öfteres Abwaschen der Füße mit Salz oder Essigwasser, Einschlagen der spröden warmen Klauen mit Lehm-Essig-Brei mit Sauerteig oder auch mit Wagenschmiere empfohlen“.

    Am 1. Oktober 1827 informiert das Landgericht Kötzting den Markt, „nach einer hierorts eingelaufenen Anzeige soll in Eschlkam u. in der Umgebung die sog. Maulseuche unter dem Hornvieh herrschen“. Der Magistrat habe „sogleich nachzuforschen“ ob diese Situation gegeben sei. In einem Circulare informiert zwei Tage später das Landgericht, in Böhmen sei die Seuche schon ausgebrochen und erste Erkrankungen zeigen sich bereits in mehreren bayerischen Grenzorten. Tags darauf meldet der Markt, die Seuche „herrsche im Markt dermal nicht“, sie trete aber in den Dörfern Großaign, Kleinaign und Stachesried auf. Man konnte in Erfahrung bringen, „daß keine Viehstücke (bisher) gefallen (verendet) sind“.

    Die Seuche ließ sich jedoch nicht aufhalten. Am 13. Oktober musste der Markt berichten, dass in den Stallungen des Joseph Weber, des Pfarrhofes und bei den Bürgern Anton Riederer, Georg Schreiner, Joseph Pfeffer und dem Hutmacher Jakob Fischer „einige Stücke an Ochsen und Kühen erkrankt“ seien. Wenige Tage später, am 24. Oktober, forderte Kötzting eine genaue Auflistung „über samentliche erkrankten und krepierten Thiere“. Am 10. November wurde der Markt nochmals aufgefordert innerhalb von acht Tagen eine Liste über die „erkrankten Stücke Viehes herzustellen und zugleich darin anzuführen, wie viele Stücke an dieser Krankheit krepiert sind“.

    Seuche ausgebrochen

    Daraus ist zu erkennen, dass innerhalb weniger Wochen bei 20 Ökonomiebürgern in den Viehställen die Seuche ausgebrochen war. Im Einzelnen aufgezählt wurden Ochsen, Stiere, Kühe und das Jungvieh. So waren bei Joseph Weber (heute Penzkofer) 18 Tiere, bei seinem Nachbar Leitermann (Gutenthaler) 10, im Pfarrhof sechs oder bei Georg Schreiner acht Tiere erkrankt. Keines der von der Maul- und Klauenseuche befallenen Tiere „ist hiervon krepiert“, so der abschließende Bericht.

    Mit sorgsamer Behandlung konnten die Eschlkamer ihren Viehbestand über diese leidige Zeit bringen. Trotzdem, Einbußen gab es allemal. Die Kühe lieferten in der Zeit dieser Pandemie nahezu keine Milch mehr. Auch magerten die zum Verkauf gedachten Tiere wie Stiere und Ochsen stark ab und bedeuteten so für die Ökonomiebürger zunächst einen erheblichen Verlust.

    Ein erneuter Ausbruch

    Im Jahr 1890 brach im Markt erneut die gefürchtete Seuche aus. Betroffen davon war zunächst das Vieh des Krämers Peter Seiderer und des Gastwirts Franz Baumann. Am 20. Juli wurde vom Bürgermeisteramt eine sofortige „Gehöftesperre“ verhängt, d.h. es durften daraus weder Tiere verkauft noch „aufs neue wiederkauernde Tiere und Schweine in den Stall gebracht werden“. Nur einen Tag später war auch der Stall des Ludwig Riederer betroffen. Tafeln mit dem Titel der Seuche „Maul- und Klauenseuche“ mussten an den Toren dieser Gehöfte angebracht werden. Die nächsten mit der Seuche belasteten Landwirte waren der Häusler Georg Seidl und der Schuhmacher Franz Schmirl. Bereits am 25. Juli wurde nun über den „ganzen Ortsgemeindebezirk Eschlkam“ eine „Gehöftesperre verhängt. Ab Anfang August konnten die Sperrmaßnahmen Zug um Zug wieder aufgehoben werden. Befohlen wurde, die betroffenen Ställe gründlich zu reinigen. Auch durfte der dort angefallene Mist als Dünger auf „solchen Grundstücken welche vom Vieh seuchenfreier Gehöfte betreten werden nicht verbracht werden“. Die Seuche war letztlich bis zum Winteranfang glücklicherweise abgeklungen.

    Welche Auswirkungen die Maul- und Klauenseuche auch auf das gesellschaftliche Leben der Menschen haben konnte zeigt sich darin, dass beispielsweise im Jahr 1920 in der Stadt Furth wegen der Verbreitung dieser Krankheit der Drachenstich als Festspiel nur in einem Saal stattfinden konnte, so dass die geplante Aufführung am Stadtplatz ausfallen musste.

     

    Werner Perlinger

  • Bürger im Streit um Grenzmarkungen – Steuern wurden unnachsichtig eingetrieben

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    Eschlkam. Es war früher nicht selten, dass einzelne Marktbürger wegen oft nur geringfügiger Angelegenheiten miteinander in Streit gerieten und sich nicht vor dem offiziellen Amtsgericht, sondern vorerst auf unterster Instanz zunächst vor dem Magistrat trafen und hier ihre Anliegen vorbringen konnten. Dieser war darauf bedacht eine Einigung zwischen den Parteien zu erzielen, um so einen vielleicht für die eine oder andere Partei teuer werdenden Rechtsstreit zu vermeiden.

    Wir schreiben das Jahr 1800. Der Bürger und Krämer Mathias Bartl (Hsnr. 25/Waldschmidtplatz 8) klagte am 30. August gegen die verwitwete Baderin Rosalia Grauvogel (Hsnr. 7/Kleinaigner Straße 3) wegen „Versetzung der Zaunstatt“ und wegen „Herabackerung des Feldes“ in seinen Wiesengrund. Im Bereich der „Paindt“, heute das fast völlig bebaute Gebiet im Westen des Marktberges, trafen beider Gründe aufeinander, ordentlich mit Marksteinen abgemarkt und getrennt nur durch einen sog. Speltenzaun, bezeichnet im Akt auch als „Zaunstatt“.

    Dazu sei vorweg folgendes gesagt: In der sehr kleinteiligen Landwirtschaft von damals gehörte jeder noch so kleine Feld- oder Wiesenstreifen unabdingbar zur meist knapp bemessenen Existenzgrundlage. Daher wurde stets peinlichst auf die Bewahrung der Grundstücksgrenzen geachtet und jede noch so kleine Veränderung vor Gericht gebracht. Lesen wir die Erinnerungen des Literaten Ludwig Thoma über seine Zeit als Anwalt in Dachau, so findet sich ein Hinweis, dass mancher Streit um Ackergrenzen so viel kostete wie eine mögliche Vergoldung der umstrittenen Grenzfläche.

    Einig wurden sich die Parteien beim ersten Termin vor dem Magistrat zunächst nicht. Eine Inaugenscheinnahme der Grundstücke wurde beschlossen. Als sog. „Beschaumänner“ wurden mit Zustimmung der Parteien vom Magistrat ausersehen der 51 Jahre alte Bürger und „Haimater“ Anton Kolbeck von Anwesen Nr. 3, heute Waldschmidtstraße 8 und der Totengräber Franz Würz. Dieser wohnte in Haus Nr. 29, heute Kirchstraße 10.

    Der Bauer Kolbeck erkannte, dass mittig „ein Zaunstecken einen Handbreit zu weit“ in die Wiese des Bartl „beigezogen“ worden sei. Er empfahl zwischen beiden Grundstücken einen „Rain“ einen Schuh breit (ca. 30 cm) anzulegen. Ein Taglöhner sollte die „Zaunstecken“ (neu) einschlagen.

    Totengräber Würz, 53 Jahre alt, glaubte ebenso festzustellen, dass die Frau Grauvogel „gegen die Mitte des Feldes einen Zaunstecken um eine Handbreit zu weit in die Wiese des Bartl habe setzen lassen“. Auch er empfahl die Anlage eines „Rains“ um künftige Irrungen zu vermeiden.  

    Damit schließt der Akt, was vermuten lässt, dass sich beide Parteien schließlich gütlich einigten.

     

    Als Fuhrleute jahrelang unterwegs

    Das (noch) kurfürstliche Landgericht Kötzting beauftragte am 8. Oktober 1805 den „Bannmarkt“ Eschlkam den „beyden Fuhrleuten und Gebrüdern Johann und Georg Späth zu bedeuten: sie hätten auf Samstag den 10. dieß Monats zu dem Ende unausbleiblich hier zu erscheinen, um in ihrem bei dem K(aiserlich) K(königlichen) Landrichter in Prag anhängigen Confiscationsprozeße (Verfahren wegen Beschlagnahme) das Weitere zu vernehmen“. Zwei Tage später antwortete der Magistrat, dass beide Brüder nicht erscheinen können „weil sie sich auf dem Land befänden und nicht wissent ist, wann sie zu Hause ankommen werden“. Beide Brüder stammten aus dem „Hoamater“-Hof, Nr. 4/Waldschmidtstraße 6. Georg ist später als Inhaber von Nr. 36/Marktstraße 9 nachweisbar. Am 18. Oktober befahl Landrichter Pechmann von Kötzting, beiden Brüdern die Klage bei ihrer Rückkunft sofort zuzustellen. Die Angelegenheit zog sich hin. Der Magistrat von Eschlkam informierte am 4. März 1806 das Landgericht, dass die beiden Brüder „in Betreibung ihres Fuhrwerks in einem Zeitraum von 3 und 4 Jahren zu Hause nicht ankommen und gegenwärtig wieder abwesend sind“. Daher könne die „Konfiskations Klage“ nicht zugestellt werden.

    Frühe Spediteure

    Diese Hinweis lässt den Schluss zu, dass die beiden aus dem Markt stammenden Fuhrleute weit über ihre Heimatregion hinaus für ihre Auftraggeber wohl nicht nur im damaligen Reichsgebiet sondern auch in den angrenzenden Ländern, wie aus dem Akt hervorgeht, hauptsächlich in den böhmischen Landen unterwegs waren, die als Kronland zum Hause Habsburg mit Regierungssitz in Wien gehörten. Heute würde man sie als Spediteure bezeichnen können, denn nach Aktenlage bildeten die Brüder ein Unternehmen, das den nationalen sowie internationalen Transport von Gütern betrieb.

    Der Staat wurde mittlerweile ungeduldig. Am 9. Oktober 1807 wandte sich das Königliche Hofgericht von Niederbayern im Namen seiner (nun) königlichen Majestät von Baiern (seit 1806 König Max I.) an den Markt mit der Frage, wann die „kaiserlich königliche fiskalische Klage“ den Gebrüdern Späth nun zugestellt worden sei. Erst am 13. Juli 1808 erfahren wir, dass der K. und K. Fiskus von den Späths für den „zu erlegenden Warenwerth“ (Preis einer Ware für den Endverbraucher) in puncto Debiti (Schulden) eine Steuer(nach)zahlung in Höhe von 199 Gulden 30 Kreuzer forderte. Das war damals nicht wenig Geld. Zugleich sei innerhalb acht Tagen zu melden, wann „die fiskalische Klage“ den Brüdern zugestellt worden sei.

    Am 10. August 1808 bedauerte der Magistrat gegenüber dem „königlich-bairischen Hofgericht“ in Straubing, dass die „Späth‘schen Bürgerskinder und Brüder Johann und Georg in den letzten zwei bis drei Jahren hinsichtlich Betreibung ihres Fuhrwerks gar nicht zu Hause ankommen, und auch dermal sind sie wieder abwesend“. Am 10. August meldet der Magistrat, dass die Späth’s sich in Prag befänden, da sie dort „die meisten Ladungen erhalten“.

    Der Staat ließ aber nicht locker. Am 27. Oktober 1808 befahl das Landgericht, sollten die Brüder abwesend sein, so sollten deren nächste Angehörige ermittelt werden, um denen die Klage des königl. böhmischen Kammer-Fiscus zustellen zu können. Am 3. November antwortet der Magistrat, es werde die Mutter der beiden Brüder – da sie wieder abwesend seien – „zur Behändigung der Kaiserl. Königl. böhmischen Fiscalischen Klage abgeordnet“. Zugleich meldete der Magistrat, dass ihr Vermögen „genugsam hinreicht, eine allenfalsige Ausschreibung in den Zeitungen bestreiten zu können“. Damit endet der Akt. Die Späth’s dürften ihre Schuld gezahlt haben. Letztlich behielt sich der böhmische Staat vor, die Schulden bei den nächsten Angehörigen einzutreiben. Damals regierte von 1792-1835 Kaiser Franz I. als römisch-deutscher Kaiser, zugleich war er König von Böhmen.

     

    Werner Perlinger

  • Der Bürger Mathias Schreiner kämpfte weiter um eine Heiratserlaubnis

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    Eschlkam. Wie wir im letzten Beitrag gesehen haben, hatte das Schreiben des Anwalts Himmelstoß vom 5. Dezember 1842 für seinen Mandanten Mathias Schreiner keinen Erfolg. Aber, bedingt sicherlich durch seine schwierige familiäre Lage, unternahm der Witwer in der Folgezeit erneut einen Anlauf, um eine Frau für seine kinderreiche Familie zu finden. Monate später, vom 28. August 1843 datiert eine längere Niederschrift, tituliert als „Petitum“ (Bittschrift), verfasst vom Marktschreiber (Franz) Bach. In dieser sog. Bittschrift wendet sich Schreiner wiederum an den „Marktsmagistrat“, an dessen Spitze immer noch als Bürgermeister der Schreiner (Michael) Kaufmann (damals Burgweg 2) stand, um die amtliche Erlaubnis das zweite Mal eine Ehe eingehen zu dürfen.  

    Wie eigentlich schon hinreichend bekannt, schilderte der „behauste Bürger und Grundbesitzer“, dass sein „Eheweib Barbara, geb. Gergor“ bereits vor zwei Jahren „mit Tod abgegangen und aus dieser Ehe sind 6 Kinder vorhanden, wovon wenige majoren (erwachsen) sind“. Noch einmal betont Schreiner, dass er als „Wittwer zu seiner Hausführung und guter Erziehung meiner Kinder ein zweites Eheweib“ benötige. Auch führt er an, dass er „als ansässiger Bürger“ sein Besitztum nicht verändert habe. „Auch gebe ich meine Steuer (und leiste) auch die jährlichen Communal-Abgaben“.

    Als „meine Braut habe ich mir (nun) die Halbbauerstochter Anna Fischer von Niesassen erwählt, welche nach Zeugnis der Landgemeindeverwaltung Liebenstein vom 2. August 1843 ein Vermögen von 150 f (Gulden) besitzt, (und) nach (dem) Taufschein der k(atholischen) Pfarrei Rimbach vom 22. August 43 Jahre schon alt ist“. Auch habe sie nach Zeugnis der Lokalschulinspektion Zenching vom 18. August 1843 die Werk- und Feiertagsschule fleißig besucht, „auch der Sonntags-Christenlehre ebenso fleißig beygewohnt“. Interessant ist auch der Hinweis, dass seine Braut sich „mit einem Blatterschein ausgewiesen hat“. Bereits damals war die als „Pocken“ oder „Blattern“ bezeichnete Seuche eine für den Menschen gefährliche und lebensbedrohliche Infektionskrankheit, die schon im frühen 19. Jahrhundert mittels Impfungen erfolgreich bekämpft wurde.

    Schreiner schloss sein Bittschreiben mit den Worten „da ich mit dieser Heyrath nichts anders beabsichtige, als die Wohlfahrt für mich und meine unmündigen Kinder“, so bitte ich die Heiratsbewilligung mit der Anna Fischer „großgünstig zu beschließen“.

    Die Gemeindebevollmächtigten, sechs Mitbürger des Schreiners, sahen nun die „Notwendigkeit“ einer Eheschließung allein schon aus dem Umstand der vorhandenen Kinder aus 1. Ehe ein und gaben dazu einstimmig ihr Plazet. Diesem Votum schlossen sich die Mitglieder des sog. „Armenrathes“ uneingeschränkt an. Bevor jedoch die amtliche Zustimmung gegeben werden konnte, musste die Braut, die mittels Heirat nun auch Mitglied der Bürgerschaft in Eschlkam wurde, amtliche Zeugnisse vorlegen, die sämtliche auch akzeptiert wurden. Laut Ehematrikel der Pfarrei heiratete der Witwer Schreiner am 11. September 1843 die fast gleichaltrige „Halbbauernstochter“ Anna Fischer (geb. 1800) von Niesassen.

    Der Regenschirmmacher

    Letztlich sei auch das Bemühen des „Parapluimachers“ Georg Hausladen, eine Heiratserlaubnis von der Marktführung zu erhalten, in wesentlichen Inhalten vorgestellt. Georg Hausladen fertigte Regenschirme, damals gerne als „Paraplui“ bezeichnet. Dieses Wort kommt aus der französischen Sprache und ist abgeleitet von „parapluie“ für Regenschirm. Hausladen, geb. am 26. Juli 1806 in Schafhof bei Rimbach, hatte für seine Zeit einen modernen Beruf. Nicht nur dass seit Jahrhunderten die bestehende alte Kleidertracht von der städtischen Mode immer mehr verdrängt wurde, auch Gegenstände des täglichen Gebrauchs wie die Benützung von Sonnen- und Regenschirmen wurden von der ländlichen Bevölkerung allzu gerne von den Städtern übernommen. Für Hausladen ergab sich als sog. Regenschirmmacher so eine wirtschaftlich günstige Ausgangslage.  

    1859, am 14. Juni, sprach er beim Marktrat vor und erbat eine Heiratslizenz mit der Inwohnerstochter Anna Maria Neumeier von Offersdorf. Er sei seit 5. Mai im Besitze eines Anwesens im Wert von 700 Gulden, denn er hatte von Joseph Klessing das Anwesen Nr. 9/Kleinaigner Straße 11 gekauft. Seine „Parapluimachers-Konzession“ habe er bereits am 5. Juli 1858 vom Magistrat erhalten und die derzeitige Barschaft betrage sogar 800 Gulden. Seine Braut, geb. 1831, verfüge über 200 Gulden. Dennoch, mit dem deutlichen Hinweis, „dass Hausladen bereits das 58. Lebensjahr überschritten, über dieß kränklich und sich ein Mädchen von 27 Jahren zum Weibe ausgewählt hat, so daß er um 31 Jahre mehr zählt, wodurch noch große Nachkommenschaft zum Vorschein kommen kann, während bei dem Gesuchsteller eine baldige Arbeitsbeschwerlichkeit vorauszusetzen ist…so ist der Nahrungsstand (sogar) einer kleinen vielweniger großen Familie hinreichend nicht gesichert“, wurde Hausladen abgewiesen.

    Wie Schreiner ging auch er in Berufung. Das Landgericht Kötzting als Vermittlerbehörde übermittelt am 21. September die Entscheidung der Königlichen Regierung von Niederbayern, Kammer des Innern mit Sitz in Landshut. Demnach sei dem Beschwerdeführer Georg Hausladen die „nachgesuchte Bewilligung zur Verehelichung zu ertheilen, nachdem Gesuchssteller als im Besitze einer mit Beschluß vom 5. Juli v(origen). Jahres verliehenen persönlichen Parapluimachers Konzession die Ansässigkeit bereits erworben hat und weil kirchenrechtliche Hindernisse und ausserordentliche Polizeirücksichten (mögliche Einsprüche dieser Behörde wegen begangener Straftaten) aber nach Lage der Akten nicht obwalten, sohin die Bewilligung des Gesuches…zum Rechte des Beteiligten erwachsen ist“. Der Magistrat konnte sich auch in diesem Falle nicht durchsetzen. Georg Hausladen heiratete seine um über 30 Jahre jüngere Braut im November 1859. Die Ehe dauerte keine zwei Jahre. Georg Hausladen verstarb bereits am 15. Oktober 1861. Damit endete abrupt ein bisher im Markt nicht, und dann nur kurze Zeit dagewesener Handwerkszweig, der wahrscheinlich entsprechend der aufkommenden Mode eine einigermaßen sichere Zukunft gehabt hätte.

    Resumee: Der Staat tat mittlerweile alles um familiär ordentliche Verhältnisse zu schaffen. Er legte den heiratswilligen Leuten so weit wie möglich keine Steine in den Weg und förderte somit die Gründung von Familien. Darüber hinaus verhinderte er ebenso die Geburt von noch mehr unehelichen Kindern, was letztlich auch die Kirche gutheißen musste.

     

    Werner Perlinger

  • Die Heiratserlaubnis musste im 19. Jahrhundert oft hart erkämpft werden

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    Eschlkam. „Mathias Schreiner, behauster und bräuender Bürger im Markt Eschlkam wegen Wiederverehelichung mit beschlossener Abweisung“, lautet der Titel eines Aktes aus dem Jahr 1842. Der Inhalt dieses Vorgangs ist insofern interessant, als damals es für die wenig vermögenden Bürger sehr schwierig war, eine Heiratserlaubnis von der Marktführung zu erhalten.

    Dazu folgende allgemeine Information: Bei dem Wort „Heiratserlaubnis“ denkt man zunächst an die Einwilligung der Eltern zu einer Ehe. Hier jedoch ist die behördliche oder dienstherrliche Heiratserlaubnis gemeint, die bis in die lehensherrliche Zeit des Mittelalters zurückgeht. Sie war ein Druckmittel auf die kleinen, besitzlosen Leute – vor allem Knechte und Mägde –, die sozial und wirtschaftlich abhängig waren. Mit dem Gemeindeedikt von 1818 wurde in Bayern der „Heiratkonsens“ den Gemeinden übertragen. Grund- und Hausbesitz, Steuerabgabe, Heimatrecht, ein einwandfreier Leumund waren unter anderem Voraussetzung für eine Heiratsgenehmigung. Erst ein Gesetz von 1868 brachte wesentliche Erleichterungen, die im Zweiten Reich unter dem Reichskanzler Otto von Bismark im Reichszivilehegesetz vom Februar 1875 fortgesetzt wurden.

    Wir blicken zurück: Am 4. Februar 1821 hatte Mathias Schreiner, geb. in Klitschau (Klicov) in Böhmen, 25 Jahre alt, eine Barbara Gregor zur Frau genommen und so in das Anwesen Nr. 18, heute Further Straße 8, eingeheiratet. Gut 20 Jahre später, am 29. Oktober 1842 erschien Schreiner als „behauster und bräuender Bürger“ vor dem Magistrat und gab vor, er sei seit einem Jahr nun Witwer und alleiniger Besitzer des Bürgeranwesens. Er habe „in der Ehe 6 jedoch alle noch unversorgte Kinder erzeugt und bin daher genötigt mich, 45 Jahre alt, zu verehelichen“. Als „dermaligen Brautgegenstand“ habe er die Inwohnerstochter Therese Arnold von Schwarzenberg gefunden. Sie verfüge über ein Vermögen von 150 Gulden. Unterschrieben hatte Schreiner als Bittsteller des Schreibens unkundig, mit drei + + + als damals amtlich gültiges Handzeichen.

    Geordnetes Haushaltswesen angestrebt

    Schreiner suchte allein schon wegen der vielen Kinder und der Führung eines geordneten Haushaltswesens nach einer Ersatzmutter, Gründe die eine Entscheidung der Gemeindebevollmächtigten als erste Entscheidungsinstanz zu Gunsten des Witwers eigentlich leicht machen sollten. Aber das Gremium lehnte am 5. November entschieden ab mit dem Hinweis, „daß wir dieses Gesuch nicht gut heißen können“, weil die Braut erst 23 Jahre alt, bereits ein uneheliches Kind besitze und erneut „in gesegneten Leibesumständen“ sei und somit zwei Kinder in die Ehe mitbringe. Auch ist „sie von niederem Stande und leichtfertigen Wandels“. Bei schließlich acht Kindern und es seien „noch so viel zu hoffen, andererseits sein Besitzthum an Grund und Boden gewiß (er) der Geringste ist, womit also zu ernähren, so liegt vor Augen, daß er sich gänzlich schade, seine Familie aber der Gemeinde zur Last fallen müßte“. Letzteres war der Hauptgrund für die Ablehnung des Gesuchs, bestätigt mit den Unterschriften der zehn Bevollmächtigten, sämtliche Bürger des Marktes.

    Das Gesuch Schreiners wurde von Bürgermeister (Michael) Kaufmann (Hsnr. 31/Burgweg 2) am 8. November „urschriftlich“ an den „Armenschaftsrat“ der Gemeinde weitergeleitet. Dieser, bestehend aus vier Bürgern, lehnte aus den gleichen Gründen Schreiners Bitte ab. Zu groß war die Sorge, dass die groß angewachsene Familie einmal von Gemeinde unterhalten werden müsste. Der dann offizielle „magistratische Beschluß“ folgte am 25. November mit dem Hinweis, „daß dem Schreiner die Abweisung zu bedeuten sei“. Begründet wurde dies damit, dass die Arnold mit 23 Jahren für den „Wittman“ (Witwer) Schreiner“ zu jung sei, dann „6 lebende alle noch unversorgte Kinder vorhanden seien“, und „es vor Augen liegt, daß durch den Anwachs von Kindern aus der zweiten Ehe Schreiner unmöglich sich behaupten kann, solche zu ernähren, sondern kein anderes Mittel überbleibt, seine Familie einstens der Marktsgemeinde überzubürden“.

    In Berufung gegangen

    Schreiner gab jedoch nicht auf. Er fand sich durch diese Entscheidung „beschwert, die Berufung an den höheren Richter zu ergreifen“. Dazu nahm er sich als „Advocat“ zu Hilfe den Rechtsanwalt Himmelstoß aus Cham. Nicht nur dass dieser in seinem ausführlichen Schreiben vom 5. Dezember 1842 an die Königliche Regierung von Niederbayern die von der Gemeinde vorgebrachten Gründe gegen die Wiederverehelichung insgesamt verwarf, erinnerte er vielmehr daran, dass für seinen Mandanten als Bürger und Besitzer einer „Realität“ (Haus mit Grund und Boden und Braurecht) der „gesetzliche Titel zur Wiederverehelichung vorhanden“ sei, er für seine Kinder aus erster Ehe bereits das „Muttergut ausgezeigt“ (das sind die von der Mutter erworbenen Gegenstände, deren Eigentum den Kindern zustehen) habe und Schreiner zur Wiederverehelichung „gezwungen“ sei, da er „eine offene Wirthschaft hat“ und die 6 Kinder „zur Aufziehung eine Mutter nöthig haben“.

    Was die Therese Arnold als Braut betreffe, habe diese „die zur Vorlage gebrachten Zeugniße über einen guten Leumand und über den vorschriftsmäßigen Schul- und Religionsunterricht ausgewiesen“. Auch bezeichnete der Anwalt die Ablehnung des Magistrats als „sämtlich unstichhaltig“, denn gerade die Schwangerschaft der Arnold „spricht für die Bewilligung“, da Schreiner diesem Kinde (ansonsten) eine „Alimentation reichen muß (regelmäßige Unterstützung mit Geld)“. Als Vorteil für den künftigen Haushalt des Schreiner mit doch vielen Belastungen sah der Advokat, dass Schreiner wegen der vielen zu erwartenden Arbeit – in seiner Wirtschaft kocht er auch für Fremde aus - „ein junges kräftiges Weib zu heurathen“ habe. In Anbetracht der vorhandenen sechs Kinder argumentierte Himmelstoß, „daß die offene Wirtschaft – derzeit eben wegen Fehlens einer Hausfrau an Joseph Leitermann verpachtet – wenn eine tüchtige Hausfrau an der Spitze steht, eine Familie nachhaltig nährt“. Das Schreiben des Anwalts hatte wider Erwarten keinen Erfolg. Das Gesuch Schreiners wurde abgewiesen.

     

    Werner Perlinger

  • Als Pfarrer Wagner das Kirchenwachs aus Neukirchen doch nehmen musste

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    Eschlkam. „Die Anna Maria Stöber von Neukirchen wegen in schlechter Qualität zum Pfarrgotteshaus Eschlkam gelieferten Wachses, und die ihr Magistratsseits hierauf verweigerte Wachsabnahme betreffend, 1819“, lautet der Titel eines Vorgangs, niedergelegt im Marktarchiv.

    Der Begriff „Lebzelterals Standes- und Berufsbezeichnung ist lange schon nicht mehr gebräuchlich. Dazu sei erklärt: Der „Lebzelter“ steht sprachlich veraltet für den Lebkuchenbäcker. Dieser stellte Backwerk aus Mehl und Honig (Honig- oder Pfefferkuchen) her und verfeinerte es mit Gewürzen, Mandeln und Nüssen. Daneben übten die Lebzelter sehr häufig auch den Beruf des Wachsziehers aus, denn für beide Produkte waren der Honig und damals auch das Wachs der Bienen erforderlich.

    So wandte sich die Anna Maria Stöberin, bürgerliche Lebzelterswitwe am 5. April 1819 an das Landgericht Kötzting und klagte in einem umfänglichen Schreiben, dass es dem damaligen Eschlkamer Pfarrer im Jahr zuvor „gefiel, auf einmal eine Abänderung zu treffen und das Wachs für die dasige Kirche bei seinem Vetter, (dem) Lebzelter Riederer in Cam (Cham) abzunehmen, wozu ihn nur freundschaftliche (hier im Sinne von „verwandtschaftlich“) Verhältnisse“ seinerseits, „auf Seite des Riederer aber Gewerbsneid veranlaßt haben können“.

    Wegen „Gewerbsschmälerung“, so der weitere Inhalt des Briefes vom 5. April, protestierte dagegen die Stöber bei der Königlichen Distriktsstiftungsadministration in Viechtach. Diese Behörde rief das Pfarramt Eschlkam „zur Verantwortung“ auf und letztlich wurde behördlicherseits veranlasst, „das Wachs für die Zukunft wie ehedem bey mir weiter abzunehmen“. Dennoch war die Angelegenheit noch nicht beendet. Die Regierung des Unterdonaukreises, Kammer des Innern, musste sich nun mit dieser Sache beschäftigen und mit zwei Einlassungen wurde zu Gunsten der Stöber entschieden. Pfarrer Wagner (er stand der Pfarrei von….) aber akzeptierte diese Entscheidung nicht, denn nach geraumer Zeit ließ er durch den Mesner wissen, „daß der nunmehrige Eschlkamer Bürgermeister Schreiner „als Handelsmann die Wachslieferung zum Gotteshause selbst übernommen hat und ich dahin keines mehr abgeben dürfe“.

    Jedoch hatte die Stöber wegen des nahenden Osterfestes bereits „für dieses Gotteshaus schon eine Menge Vorrath an Kerzen zubereitet“, für die sie nun keine Absatzmöglichkeit mehr habe. Sie stellte daher an das Landgericht Kötzting „die demüthigts gehorsambste Bitte, dem Magistrat Eschlkam als Kirchenverwaltung aufzutragen“, dass die erforderlichen Wachskerzen von ihr abgenommen würden, „und mich mit ferneren Anträgen zu Gunsten eines in einem anderen Landgericht entlegenen Lebzelters um so richtiger verschonen wolle“, nachdem sie das Wachs wie bisher auch in bester Qualität zum gleichen Preis wie bisher abgebe, „als es (in) anderen Orten nach dem Satze abgegeben wird“.

    Der Landrichter von Kötzting, Pechmann, befahl am 17. April dem Magistrat, „die Anna Maria Stöber klaglos zu stellen – oder in 14 Tägen Erläuterung (Erklärung) abzugeben“. Am 27. Juni wiederholte Kötzing gegenüber dem Magistrat die Aufforderung zur Stellungnahme. Am 16. Juli erklärte sich dazu ausführlich der Magistrat: So habe man „nach der Übernahme des Stiftungsvermögens keine andere Gesinnung, als ferners das Wachs in Neukirchen abzunehmen“. Das Pfarramt und auch der Mesner (damals Josef Zirngibl) hätten jedoch gemeldet: „da das Wachs von schlechter Qualität seit längerer Zeit wieder geliefert“ werde, habe der Pfarrmesner der Stöber „mündlich eröffnet, daß sie ihren Konto übergebenes Geld erheben soll, ein Wachs aber von hier aus nicht mehr abgenommen wird“. Auch dass die Lebzelterin „auf das heurige Osterfest die Schauerkerzen, ferners Dreyangl hat anfertigen laßen, ist ihre Schuld, denn sie habe schon seit vier Wochen gewußt, dass gar nichts mehr bestellt und abgenommen werde“. Auf die „Vetternwirtschaft des Pfarrers mit Lebzelter Riederer von Kam wird magistratsseits nicht gesehen, sondern (nur) auf die gute Qualität des Wachses, welches er auch liefert, und den doch geringen Preis mit welchen man allerdings zufrieden seyn kann“.

    Am 22. Juli „notifiziert“ (informiert) das Landgericht den Magistrat, dass die Stellungnahme auch der Anna Maria Stöber zugestellt worden sei. Die Lebzelterin gab aber nicht auf. Am 16. August beklagt die Stöber in einem langen ausführlichen Schreiben, dass die Stellungnahme des Eschlkamer Magistrats „nicht nur meiner Ehre, sondern auch meinem Gewerbe äußerst nachtheilig“ sei. Vor allem bestreitet sie die angebliche schlechte Qualität ihres Wachses „als grundfalsch“. Auch betont sie, dass Pfarrer Wegner unbedingt dem Rieder in Cham als seinem „nächsten Blutsverwandten“ die Wachslieferung „eigenmächtig eingeräumet“ habe. Auch habe eine unabhängige Kommission  ihr Wachs gegenüber dem des Riederer „in einer sehr guten, fast noch beßerer Qualität, als jenes vom Lebzelter Riederer in Cham erfunden“. Auch sei von Pfarrer Wagner veranlasst worden, dass Riederer das Wachs nach Eschlkam liefere und dieses Bürgermeister Schreiner als Krämer und Handelsmann „selbst im Verlage (als Ware) halten“ solle. Sie betont auch, dass „jedem Lebzelter von jeher zur Subsistenz (zur eigenen wirtschaftlichen Existenzmöglichkeit) schon gewiße Gotteshäuser zugetheilt worden sind und weil ich das Pfarrgotteshaus Eschlkam (deshalb) schon 40 Jahre continuierlich mit guter Ware bedient habe“.

    Die Hartnäckigkeit der Lebzelterswitwe Stöber lohnte sich. Sie bekam Recht und setzte sich durch. Das Landgericht Kötzting wies in einem Notificationsschreiben (zur Kenntnisnahme) am 19. August 1819 den Magistrat und Stiftungsadministration Eschlkam kurz und bündig an, „von nun an das Wachs wie bisher bei der Stöber abzunehmen“.

     

    Werner Perlinger

  • Als der „Cameralwald Karpfling“ im Jahr 1788 an die Eschlkamer Bürger verteilt wurde

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    Eschlkam. Eine breit sich dehnende Waldfläche nördlich des Hohenbogen, seit 1972 zur Oberpfalz gehörend, trägt den Namen „Karpfling“. In Wirklichkeit handelt es sich hierbei um einen alten Siedlungsnamen. Dafür ist ein Blick in die Geschichte des Waldes „Karpfling“ nötig, dessen höchste Erhebung ca. 500 Meter über dem Meeresspiegel liegt. Zu den wenigen Orten, die bereits im Hochmittelalter an den Landesherrn eine eigene Abgabe als Heeresteuer zu entrichten hatten, zählte im ehemaligen Landgerichtsbezirk von Eschlkam eine Siedlung namens „Karpfling“. Diesen ihren Namen überliefert uns seitdem nur mehr besagter Wald, gelegen südlich des Marktes Eschlkam. Im niederbayerischen Urbar (Güterverzeichnis) für den damaligen Regierungsbezirk Straubing, verfasst in den Jahren 1301 bis 1309, heißt die Siedlung „Chaepfing“. Bis zu ihrer Zerstörung im Hussitenkrieg zwischen 1420 und 1430 lag sie etwa inmitten der heutigen Waldung, wo heute noch Quellen ihren möglichen Standort markieren helfen. „Chapf, kapf“ bedeutet sprachgeschichtlich >Aussichtspunkt, runde Bergkuppe<, und dort befand sich auch die abgegangene und nicht wieder aufgebaute Siedlung, wohl an der Stelle der höchsten Erhebung in der heutigen Waldung.

    Der Rohstoff „Holz“ – darum geht es im Folgenden – hatte früher, im Gegensatz zu manch heutiger Vorstellung, für die Bewohner unserer Region einen hohen wirtschaftlichen Wert. Nicht selten waren gerade im 18. Jahrhundert größere Waldungen Gegenstand von Verhandlungen, wenn es galt neue Eigentumsverhältnisse zu schaffen. Verbunden damit waren in der Regel langwierige rechtliche Auseinandersetzungen mit den staatlichen Stellen.  

    Wir schreiben das Jahr 1767. Am 1. Dezember wurde den Bürgern des Marktes Eschlkam in einer ausgefertigten Rentamtsresolution (Beschluss der Regierung) bewilligt, das „gemeine Markts Gehölz den Karpfling genannt“ an die einzelnen Hausbesitzer „abzutheilen“, jedoch nur insoweit, als der Marktkammer „ein zulänglicher Antheil zur Unterhaltung der Markts Gebäude reserviert“ bleibe, und zwar mindestens der achte Teil des bestehenden Waldes. Es dauerte nur zwei Jahre, da widerrief am 4. Dezember 1769 die Regierung die erteilte Erlaubnis mit dem Hinweis, dass die Waldung „Karpfling“ nicht ein der Gemeinde angehörendes „gemaint gehölz sei“, sondern „immediate (ausschließlich) ein Kammer Gut“. Unter „Kammergut“ ist zu verstehen, dass eine Sache, hier der Wald Karpfling, von der Gemeindeverwaltung nur dahingehend genutzt werden durfte, um Investitionen allein nur für den Markt zu finanzieren, wie z.B. die schon angesprochene Erhaltung bzw. Renovierung gemeindeeigener Gebäude. Die Nutzung des Kammergutes sollte somit zeitweise der Entlastung der Kommunalkasse dienen.

    Ein erneutes Gesuch

    Die Jahre gingen ins Land. Am 31. Dezember 1780 wendet sich der Bürger und Zimmermann Georg Limböck und „Consorten“, gemeint sind die Bürger von Eschlkam, erneut an die Regierung in Straubing um die „hochgnädige Bewilligung das Marktgehölz der Karpfling genannt, abtheillen zu dürfen“. Etliche Gründe dafür, wie vorteilhaft es sei, diese Waldung als ein dem Markt insgesamt „angehöriges Kammergut“ endlich aufzuteilen, werden in diesem mehrseitigen Schreiben angeführt. So bringen die Antragssteller u.a. vor, es könnten nach der Aufteilung an die Bürgerschaft bisherige Holzdiebstähle besser verhindert werden; auch stünde nach Feuersbrünsten für jeden Betroffenen sofort Bauholz zur Verfügung, um nur zwei von den zahlreichen Argumenten zu nennen. Am 3. Januar 1781 forderte Max, Freiherr von Verger, der Rentmeister von Straubing, damals der höchste Beamte im Regierungsbezirk Straubing, das Landgericht Kötzting als die ihm untergeordnete Behörde auf, ein Gutachten über das „Anlangen“ der Eschlkamer Bürger zu erstellen. Nahezu zwei Monate später, am 23. Februar 1781, lehnt dann die kurfürstliche Kammeralrentdeputation (damals das Rentmeisteramt) Straubing das Gesuch der Bürgerschaft erneut mit dem entscheidenden Hinweis ab, dass „dieses Gehölz undispunierlich ein (nur) dem Markte Eschlkam angehöriges Kammergut“ sei. Darüber sei unverzüglich die Bürgerschaft zu informieren, und vor allem dahingehend, dass diesbezüglich das „Holzabtheilungsgesuch für allezeit abgewiesen seyn solle“.

    In 72 Lose aufgeteilt

    Die Zeit verfloss, und plötzlich änderte sich die bisherige Vorstellung der Regierung zu Gunsten der Eschlkamer Bürger. 1788, am 16. Februar wurde die Marktführung beauftragt, die gesamte Bürgerschaft auf das Rathaus einzuberufen und zu fragen, „ob sie den mittlerweile auf 72 Lüst (Lose, Anteile) vertheilten Kammerwald“ kaufen wolle. Ausgenommen sei davon nur der Teil rechts von der Straße in Richtung Furth. Denn der Nutzen daraus sollte weiterhin zur Unterhaltung der Gemeindegebäude herangezogen werden. Am 28. „Hornung“ (alter Name für Februar) wurde im Rathaus im Beisein des Grenz- und Waldforstmeisters von Furth, Johann Benedikt von Sonnenburg, die Verteilung des Waldes, „parzeliert in 72 List“ (Lose), vorgenommen. Der Kaufpreis pro Teil betrug jeweils 15 Gulden sowie 20 Kreuzer an „Jahresgilt“ (Jahressteuer zugunsten der Gemeindekasse). Das darüber ausgefertigte Protokoll datiert vom 10. März 1788. Jeder hausbesitzende Bürger hatte mit dieser Aktion für seinen eigenen Bedarf günstig ein Waldgrundstück erwerben können, was eine gewünschte Mehrung des einzelnen Besitzstandes bedeutete. Um sich heutzutage eine Preisvorstellung zu machen, sei erwähnt: Für 1 Gulden musste in jener Zeit ein Zimmermann drei Tage arbeiten, ein Scheffel (222 Liter) Weizen kostete über 20 Gulden.

     

    Bildtext: Einem unregelmäßig sich darstellenden Viereck zeigt sich im Liquidationsplan vom Jahr 1840 der Wald „Karpfling“, im Norden begrenzt von der Straße, die von Furth (im Wald) nach Eschlkam führt. Seit 1788 ist der ehemalige „Cameralwald“ in private Parzellen aufgeteilt. Die rote Linie markiert die Gemeindegrenzen Eschkams zu Schwarzenberg und Furth im Wald. Gegenüber der Straße befindet sich der zum Markt Eschlkam gehörende „Kammerholz“-Teil, seit Generationen ebenfalls privatisiert und in Wiesenland umgewandelt.

    (Bildnachweis: Markt Eschlkam, Historische Karte - Bayernatlas) 

     

    Werner Perlinger

  • Aus der Geschichte der „Truckhen“- oder Penzenmühle

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    Eschlkam. Der letzten der drei Mühlen im Bereich der Marktgemeinde, der >Penzenmühle< sei die folgende historische Betrachtung gewidmet. Wie bei der benachbarten Bäckermühle schon erwähnt liegt die Penzenmühle ebenfalls am Freibach, der aus dem Tal von Neukirchen b. Hl. Blut kommend an der Mühle vorbei bald in den Chamb mündet. Die Traditionen können genau so weit zurückverfolgt werden wie bei den anderen Mühlen.

    In der schon erwähnten Steuerliste aus dem Jahr 1477 wird erstmals die „Truckenmühl“, so der alte, längst in Vergessenheit geratene Name, erwähnt. Dazu gehört ein Acker neben der Mühle vor der „Taubenwies“.

    Die Bäckermühle, siehe Artikel darüber, hieß ursprünglich auch „Nassmühle“, wohl zur Unterscheidung der etwas höher und damit trocken gelegenen Penzenmühle, die im 17./18. Jahrhundert häufig „Truckenmühle“ genannt wurde. Dazu einige namentliche Einzelheiten:

    • 1659 auf der Palbersdorfermill;
    • 1686 Druckhen, oder anietzo Lährnbecher Mihl;
    • 1688 Truckhenmüll...Druckhen Mihl;
    • 1694 Pentzlkhoverische Mill;
    • 1695 Hannsen Pentzkhover Millern uf der Truckhenmill;
    • 1739 auf der Penzkhofermihl;
    • 1747 Penzenmill;
    • 1780 Andrae Penzkofer Mühler auf der Truckenmihl;
    • 1840 Pratzmühle, Penzenmühle.

    Das Bestimmungswort des Erstbelegs gehört zum Familiennamen Balbersdorfer; dieser zum Ort Balbersdorf. Die Bezeichnung >Truckenmühle< (mundartlich „drucka“ für trocken steht im Gegensatz zum Namen Nassmühle - Bäckermühle). Nicht behaupten konnte sich der Name Pratzmühle (zu mundartlich „brods“ für Frosch). Seit 1694 erscheint der Familienname Penzkofer als Bestandteil des Mühlennamens wobei „Penz/Benz“ dazu eine Kurzform darstellt.

    Mühle mit drei Gängen

    Ein Blick zurück: Im Jahr 1682 kauft Hans Lärnpecher, Müller in Eschlkam, von Wolf Tenzl, Marktschreiber, die „Truckhenmill“ im Wert von 1400 f (Gulden). Wenig später, 1687, am 30. September, erwirbt Barthlmä Solfrank, derzeit Stiftsmüller in Rügelsdorf, Graf Parzendorffische Herrschaft (Böhmen), die „Truckhenmüll“ von Hans Lährenbecher mit dem vorhanden gewesenen „Millwerchzeig“ um 900 f. Die Familie Lärnbecher wechselt dann auf die Bäckermühle. Die Mühle besitzt bereits „3 Gänge“ (Mahlwerke). Ein Jahr später, am 17. Dezember 1688, wird aber festgestellt, dass die Mühle „paufellig und abgeschlaift“ ist. Von der Marktführung wird eine Reparatur angemahnt.

    Im Jahr 1692 tritt am 12. November erstmals der Name >Penzkofer“ auf, als Margarethe, viddua relicta (hinterlassene Witwe) des Bartholomee Sollfrangg, molitor (Müller) in Eschlkam und Johann Penzkover, molitor (Müller) von Thal bei Traitsching die Ehe eingehen. 1706 heiratet Penzkover Johann, Witwer ein zweites Mal Anna Maria Weber vom Schicherhof. Im gleichen Jahr wird Hans Penzkofer auf der „Truckenmühl“ in einer Steuerliste genannt.

    1738 heiratet Johann Preu von der „Pflaumermühle“ die Witwe Anna Maria Penzkofer und erwirbt so die Mühle mit allem Zubehöhr im geschätzten Wert von 2000 f. Am 31. Juli 1743 heiraten Caspar Penzkofer und Anna Maria Maurer, Tochter des „Hoamaters“ Johann Maurer von Nr. 3. Beide übernehmen von Hans Preu, Stiefvater des Penzkofer, das Mühlenanwesen. Der Müller Caspar stirbt am 13. März 1759 und ein Jahr später, 1760, heiraten am 1. Juni Georg Wüntter (Winter), Sohn des Müllers Paulus Wüntter von Lehrau, Grafschaft Leuchtenberg, und die Witwe Anna Maria Penzkofer. Dieser Hans Georg Wüntter, „Burger und Miller“ hat die Hans Preu’sche, vormals Bärthlme Sollfrank’sche Mühle mit 3 Mahlgängen, einer Schneidsäge und einen „Getreid-Kasten“ sowie mit den Feld- und Wiesengründen im Gesamtwert von 2236 f „sich käufflichen eingethan“, so der Protokollinhalt.

    Erfolgreich gewirtschaftet

    Die Jahre gingen ins Land. Winter hat ordentlich und erfolgreich gewirtschaftet und im Jahr 1773, am 26. Mai übergeben Hans Georg Wüntter, Müller, u. Anna Maria die auf 2600 Gulden geschätzte „Truckmühl“ mit Gründen, die er bereits am 28. März 1759 infolge Inventur an sich gebracht hat, ihrem eheleiblichen und seinem (Winter) Stiefsohn Andrä Penzkofer. Dieser heiratet Anna Maria, Tochter von Johann Georg Hastreiter, Bürgermeister und Weißbäcker von Hsnr. 19/Further Straße 4 u. 6. Erwähnenswert ist, dass von 1781 bis 1885 die jeweiligen Müller den Vornamen >Andreas< tragen.

    Im Jahr 1786 darf Andre Penzkofer einen „Lein-“ oder „Leißgang“ im Mühwerk errichten, wohl für die Produktion des damals gefragten Leinöls. 1811 wird das Mühlenanwesen als „gemauert“ aufgeführt. Im Jahr 1828 zählt der Viehbestand des Müllers 2 Pferde, 1 Fohlen, 2 Stiere, 4 Kühe, 4 Jungrinder, 1 Sau. Im Kataster von 1840 verfügt die Mühle über „3 Mahlgänge und Säge mit 1 Gang“.

    1851, am 4. November übernimmt wiederum ein Andrä Penzkofer (geb. 29. Jänner 1817) das elterliche Anwesen von Mutter Anna Maria Penzkofer im Wert von 7000 f. Ihm folgen 1885 Georg Penzkofer, geb. 1865, und Maria, geb. Späth. 1908 wird eine neue Schneidsäge gebaut. Am 8. Oktober 1929 übernehmen Josef Penzkofer, geb. 1906, und Maria, geb. Weber von Hinterbuchberg die sog. „Penzenmühle“. 1967 folgen Ferdinand Penzkofer und Ehefrau Marianne. Derzeit ist die Anlage im Besitz von Josef und Bettina Penzkofer.

     

    Werner Perlinger

  • Überprüfung der Maße und Gewichte im Markte Eschlkam

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    Eschlkam. „Maß und Gewicht kommen vor Gottes Gericht“, dieser alte Spruch, eher ein Leitsatz, ist heutzutage fast nicht mehr bekannt. Doch hatte er früher eine hohe Bedeutung. Er spricht eine Warnung aus gegen diejenigen, welche ihre Gewichte und Maße beim täglichen Handelsverkehr zu ihren Gunsten abändern und somit fälschen, was aber für den Erwerber einer Ware einen erheblichen Nachteil darstellt, den er auf Anhieb nicht erkennen konnte. Daher wurden diese Gerätschaften immer wieder in regelmäßigen Abständen amtlich „geeicht“.

    Der Begriff „Eichung“, sprachlich abstammend von dem mittelhochdeutschen Wort „ichen“ für „abmessen“, das auf lat. „aequus“ für „eben, gleich“ zurückgeht, ist die schon seit frühen Zeiten vom Gesetzgeber vorgeschriebene Prüfung der Messgeräte auf Einhaltung der zugrundeliegenden eichrechtlichen Vorschriften. In deutschen Landen ist die Eichung nach dem Eichgesetz eine hoheitliche Aufgabe. Mit einem „Eichzeichen“ wird immerhin die voraussichtliche Einhaltung für die Gültigkeitsdauer der Eichung bestätigt.  

    Diese Eichzeichen wurden seit jeher und werden im Rahmen der wiederkehrenden Überprüfung von Waagen, Gewichtsstücken und Maßeinheiten verwendet, um das erfolgreiche Bestehen der Eichung zu dokumentieren.  Dazu wurden in der Vergangenheit sehr verschiedene Symbole, wie Buchstaben, Zahlen oder Graphiken benutzt, um auf dem zu überprüfenden Stück unmittelbar den Eichvorgang zu dokumentieren. Auf Gegenständen aus Metall (Gewichte, Waagen) erfolgte dies zumeist durch Schlagstempel, auf Holz (Maße) auch durch Brandstempel. Die Eichung erfolgte dabei teilweise direkt auf dem Gewichtsstück oder Maß selbst, oder auf einem zusätzlich angebrachten Pfropfen o. ä. aus Blei oder Kupfer. Diese Prüfungen übernahmen sog. Eichmeister. Bei diesem Titel fällt uns ein der Film „Das falsche Gewicht“ des gleichnamigen Romans von Joseph Roth aus dem Jahr 1971 mit dem Charakterdarsteller Helmut Qualtinger in der Hauptrolle.

    Im Marktarchiv finden sich nicht wenige Unterlagen aus dem 19. Jahrhundert, die meist betitelt sind wie: „Die vorgenommeine Beschau der Lebensmittel und Maße und Gewichte Visitation betr. pro Quartal“ oder „die gepflogene Viktualien (Lebensmittel) Visitationen“.

    Im Jahr 1845 – und das sei anfänglich erwähnt - wurde im Oktober der ansässige Seifensieder Georg Schreiner einer Prüfung unterzogen. Seine zum Verkauf angebotenen Kerzen und Seifen wurden als „untadelhaft“ gewertet. Bei den die täglichen Lebensmittel erzeugenden Handwerkern wie den Bäckern und Metzgern fanden diese Prüfungen meist sogar monatlich statt. So erfahren wir beispielsweise über die „Vornahme der Beschau“ vom 9. April 1846: „So wurden unter vorausstehendem Datum die Bäckerläden der alhiesigen 4 Bäcker abgegangen, um sich (des) tarifmäßigen Brotes zu überzeugen, nachdem dieser voraus bekannt gemacht und angeschlagen wurde. Mit Beiziehung nachbenannter Sachverständigen bei den allhiesigen 4 Bäckern Franz Rötzer, Nr. 19/Further Straße 4 und 6; Georg Hastreiter, Nr. 23/Marktstraße 2; Andrä Plötz, Nr. 58/ Blumengasse 2 und Josef Lemberger, Nr. 37/38/Marktstraße 11 war der Befund des Weiß- und Roggengebäcks tarifmäßig gut ausgebackenes Brod, Mehl keineswegs stinkend, geschmackhaft, rein und weiß“.

    Bei den bräuenden Bürgern Anton Riederer, Josef Lemberger, Anton Baumann, Josef Schöppl, Josef Späth und Josef Neumeier wurde das auszuschenkende Bier als „gehaltvoll, gesund, rein und pfenningvergeltlich (sein Geld wert)“ beurteilt. Das jeweilige Trinkgeschirr war „maßhaltig“, war also geeicht. Es waren dies Mitglieder des Kommunebrauverbandes, die gerade in diesem Jahr öffentliche Wirtshäuser betrieben. Der „Brantwein“ wurde als „unfußlich“ (genießbar) eingeschätzt. Als rein galt auch der Essig.

    Bei den zwei Krämern im Markte, Georg Schreiner, Nr. 60/Marktstraße 15 und Karl Müller, Nr. 25/Waldschmidtplatz 8 wurde die Elle (eine Maßeinheit beispielsweise zum Abmessen von Textilien) als „unfehlerhaft“ erkannt und der angebotene Käse als „unverdorben“. Bei den drei Metzgern wie Joseph Schöppel, Nr. 34/Marktstraße 5; Anton Riederer, Nr. 61Großaigner Straße 1 und Joseph Späth, Nr. 5/ Further Straße 3 fanden die Prüfer nur „frisches, gesundes und nahrhaftes Fleisch vor. Auch waren die zum Verkaufe benützten Gewichte „in richtigem Stande“. Sie waren also ordentlich geeicht.

    Die Bilanz erwies sich demnach positiv und als Bestätigung der vorgefundenen Situation, die angebotenen Lebensmittel betreffend, unterschrieben das eigens jeweils angefertigte Protokoll die prüfenden Bürger Alois Schmirl, Schuhmacher, Nr. 41/Blumengasse 5 und Michael Meidinger, Schneider, Nr. 32/Waldschmidtplatz 1. Amtlich bekräftigt wurde die detaillierte Niederschrift noch durch die Unterschrift von Bürgermeister Sämmer, Nr. 44/Kleinaigner Straße 25 und den Magistratsräten Mathias Späth, Nr. 35/Marktstraße 7 und Anton Korherr, entweder von Nr. 11/Kleiaigner Straße 9 oder von Nr. 71/Großaigner Straße 2.

    Bei Bewertung der ganzen Angelegenheit sei jedoch angemerkt, dass es sich bei den prüfenden Personen um Marktbürger und nicht um auswärtige Beamte handelte, wobei eigentlich Prüfer und Geprüfte sich bestens kannten. Die eine für solche Amtsausübung geforderte Unbefangenheit war somit nicht gegeben. Ob bei dieser Lage die von Amts wegen grundsätzlich geforderte absolute Objektivität jeweils gegeben war, sei dahin gestellt.

     

    Werner Perlinger

  • Aus einer alten Feuerordnung des Marktes

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    Eschlkam. Die Freiwillige Feuerwehr (FFW) Eschlkam wurde am 25. März 1870 im Gasthaus des Wenzl Späth (Hsnr. 5/Further Straße 3) gegründet. Seitdem hat sich diese Wehr im Laufe der Jahre in vielen Einsätzen bewährt und besitzt heute neben anderen Organisationen im Markt gesellschaftlich einen hohen Stellenwert. Auf die Geschichte dieser jüngeren Zeit, in verschiedenen Dokumentationen bereits genugsam erörtert, soll nicht eingegangen werden, sondern auf die Zeit vorher, als es die herkömmlichen FFWs noch nicht gab. Die Schadensfeuer, häufig bei Kriegsereignissen, aber auch aus purer Unachtsamkeit entstanden, waren gefürchtet. Zerstörten sie doch oft den ganzen Besitz unserer Vorfahren und manchmal auch deren Leben.

    Aus dem Jahr 1847, also lange vor der Gründung der FFW, datiert ein Akt erhalten mit dem Titel „Feuerordnung“. In ihm werden Bestimmungen einer Feuerordnung vom 20. März 1791 erneuert und diese wurde im Auftrag der damaligen Regierung in allen Kommunen öffentlich bekannt gemacht:

    So war es nicht erlaubt, für die Leinenherstellung Flachs und Hanf im eigenen Haus in den Öfen und Stuben zu dörren, zu brechen, zu schwingen und zu fächeln. Dafür waren in jeder Gemeinde wegen der Feuersgefahr abseits der Wohnsiedlung ein oder mehrere Brechhäuser eingerichtet. Zweimal pro Jahr seien in allen Häusern die Feuerstätten im Rahmen einer „Feuerschau“ von der Lokalpolizei zu besichtigen. Auch soll jedes Haus mit einer, „das Licht wohl verwahrenden Laterne versehen sein“. Es folgt in der Auflistung ein totales Rauchverbot in den Mühlen, Scheunen und Städeln. Eindringlich gewarnt wird von der Einbringung feuchten Getreides, Heu und „Grumet“ wegen deren möglicher Selbstentzündung.

    Bei diesen Ausführungen nutzte die Regierung die Gelegenheit die strafrechtlich geltenden Bestimmungen hinsichtlich des Verbrechens der vorsätzlichen Brandlegung den Bürgern nochmals nahezubringen.  Diese Gesetze mussten in Eschlkam an drei aufeinander folgenden Sonn- und Feiertagen zur Kenntnisnahme öffentlich ausgelegt werden.

    Dazu sei vorweg erläutert: 1805 erteilte Max I. Joseph, seit 1806 der erste König in Bayern, dem in Landshut tätigen Rechtsprofessor Paul Johann Anselm Ritter von Feuerbach den Auftrag, das bestehende Strafrecht einer grundlegenden Revision zu unterziehen. Bis dahin galt in Bayern noch der Codex Iuris Criminalis Bavarici des Wirklichen Geheimen Kanzlers Wiguläus Xaverius Aloysius von Kreittmayr aus dem Jahr 1751, so dass die hier erwähnten Ausführungen von 1791 noch auf den juristischen Vorstellungen Kreittmayrs fußen.  

    Drakonische Strafen

    Daraus ist im Akt eigens Artikel 248 angeführt. Er beinhaltet, dass bei vorsätzlicher Brandlegung „an Gebäuden, wo Menschen wohnen, wie in Städten, Flecken und Dörfern, oder nur an einsam stehenden, jedoch bewohnten menschlichen Aufenthaltsorten, der Missethäter die Strafe des Todes zu erleiden hatte (damals vollzogen durch Enthauptung), (nämlich) wenn ein Mensch durch das Feuer um das Leben kam, oder lebensgefährlich beschädigt worden ist“. Die gleiche Strafe galt, wenn ein Brand gelegt wurde, sofern „unter dessen Begünstigung Mord, Raub, Diebstahl oder andere schwere Verbrechen von dem Brandleger selbst oder von anderen begangen worden sind“.

    Eine mindere Strafe, die damals übliche „Kettenstrafe“ wurde verhängt, wenn die Folgen der Brandlegung nicht wie vorher aufgeführt als erschwerend beurteilt werden konnten. Diese war eine im 17., 18. und noch im 19. Jahrhundert verbreitete Art der Freiheitsstrafe für besonders schwere Verbrechen. Sie bestand darin, dass der Verurteilte mit einer eisernen Kette an die Wand der Gefängniszelle angeschlossen, oder dass er durch eine an seine Füße gelegte schwere Kette in seiner Bewegungsfreiheit gehemmt wurde. So wurde beispielsweise der Räuber Michael Heigl im Jahr 1857 im Münchner Gefängnis Stadelheim mit der Kugel einer Fußkette von einem Mithäftling erschlagen (siehe dazu den Bericht Nummer 4). Erst am 19. November 1867 wurde die damals so bezeichnete „Eisenstrafe“ gesetzlich abgeschafft.

    Zuchthaus oder Arbeitshaus

    Bei weiterer „minderer Strafbarkeit“ erwartete den Täter das Zuchthaus. Setzte ein Täter Waldungen oder noch nicht abgeerntete Felder in Brand, ohne dass dabei eine Gefahr für Menschen bestand, hatte er dennoch mit acht oder gar 12 Jahren Zuchthaus zu rechnen. Hart bestraft wurde, wer sein „Eigentum mit Gefahr für die Bewohner desselben im rechtswidrigen Vorsatze anzündet. Er soll jedem anderen Brandstifter nach Unterschied der Fälle gleich bestraft werden“. Geregelt war damals auch schon die Ahndung von Brandlegungen in Betrugsabsicht, um so an das Geld in den „Brandkassen zu gelangen“. Heute würden wir es als Versicherungsbetrug werten. Wenn der Täter „durch Reue bewogen“ versuchte den von ihm gelegten Brand zu verhindern, drohten ihm als Strafe dennoch das Gefängnis oder das Arbeitshaus.

    Bei der oben erwähnten zweimalig vorgenommenen „Feuerschau“ war in den Markthäusern bisher der Maurermeister von Furth beigezogen. Er erhielt dafür aus der „Communalkasse“ als „Ganggeld“ (Spesen) 1 Gulden. Um eben Unbefangenheit bzw. Neutralität gerade bei diesem Vorgehen gegenüber den Bürgern zu gewährleisten, hatte man diesen Weg gewählt und für diese Aufgabe den Further Stadtmaurermeister bestimmt. Gegen den Mann aus Furth protestierten jedoch die Bürger. Schließlich wurde am 25. Dezember 1847 der Frieden im Markte mit Einschaltung des Landgerichts wieder hergestellt mit dem Hinweis, „da kein besonderer Grund besteht einen auswärtigen Sachverständigen zu adhibieren (beizuziehen), erwartet man vom Magistrate, entweder den Zimmermeister Obermeier oder Maurermeister Wilhelm dahier künftig bei diesem Geschäfte zu verwenden“. Da Wilhelm sich um diese Aufgabe besonders bemühte, erhielt er den Auftrag der künftigen Feuerbeschau im Markte. Und dabei blieb es schließlich.

     

    Werner Perlinger

  • Aus der Geschichte der Bäckermühle

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    Eschlkam. Die „Bäckermühle“ liegt wie die nahe gelegene Penzenmühle am Freibach. Die Traditionen können genau so weit zurückverfolgt werden wie die der beiden anderen Mühlen. So wird in einer Steuerliste aus dem Jahr 1477 ein „Eschlkamer oder Jorg Mullner“ (beide Namen meinen ein und dieselbe Person) von der Mühle unter dem Markt am Freibach erwähnt. Die Bäckermühle hieß ursprünglich auch „Nassmühle“, wohl zur Unterscheidung der etwas höher und damit trocken gelegenen Penzenmühle, die im 17./18. Jahrhundert meist „Truckenmühle“ genannt wird. Bekannt ist auch, dass die „Nassmühle“ wegen ihrer niedrigen Lage am Freibach häufig von Hochwassern heimgesucht wurde. In der ersten Silbe, dem Bestimmungswort bei „Bäckermühle“ erscheint der Familienname „Beck“, der in Eschlkam im Jahr 1653 als „Pökh“ bezeugt ist. Von seiner sprachlichen Herkunft her weist er auf den Beruf des Bäckers.

    1687 verkauft der Müller Hans Lährnbecher seine „Truckhenmühl“ an den Müller Barthlmä Solfrank und erwirbt im Jahr darauf, am 27. Januar 1688, das „Wolf Tenzl‘sche Guett im Markt allda“, das „Haimeter“-Anwesen Nr. 3/Waldschmidtstraße 8. 1695 ist als „Stiftmüller“ (Pächter) auf der „Peckhenmihl“ ein Wolf Cramer überliefert; ebenso 1698 ein Antoni Aumayr  auf der „Peckhenmihl“. Für 1200 f (Gulden) Aufschlag tauscht im Jahr 1700 Wolf Sighardt Altmann, damals lange schon Inhaber des heutigen Gasthofes Penzkofer, seine in den Vorjahren „aigenthümlich inngehabte Mühle“, nämlich die Bäckermühle, mit Hansen Lährnbechers bürgerlicher Wirtsbehausung. Das ist der vorhin genannte „Haimeterhof“ (heute Anwesen Pfeffer).

    Auf 2800 Gulden geschätzt

    Im Besitz der Familie Lährnbecher verbleibt die Mühle dann längere Zeit und erst 1747 übergibt die Müllerswitwe Maria Lährnbecher das Anwesen mit den dazu gehörenden Gründen im Wert von 1745 Gulden unter der Beistandsleistung des benachbarten Müllers Caspar Penzkofer an ihren Schwiegersohn Wolfgang Schmaus. Dieser hatte die Tochter Catharina geheiratet. Jahrzehnte später, 1795, am 24. Februar übernimmt der Bäckersohn Anton Hastreiter von Hsnr. 58/ Blumengasse 2 als angehender Müller mit seiner Braut Walburga Schmauß, „Böckenmüllerstochter“ die Mühle. Der Gesamtwert der Anlage wurde nun auf 2800 f geschätzt. Aus dieser Übernahme seien einzelne Inhalte dem Leser unterbreitet:  

    Franz Schmauß, Müller auf der Bäckenmühle, und seine Frau Cäcilie wollen übergeben. Jedoch kann er wegen seiner „großen Unbesslichkeit“ (krankheitsbedingter Zustand) nicht erscheinen und so lässt er sich von seinem Schwager Franz Leitermann, „bürgerlicher Haimeter“ (Waldschmidtstraße 10) und von Jakob Späth, auch „bürgerlicher Haimeter“ (Waldschmidtstraße 6), notariell vertreten. Er übergibt demnach seine am 18. April 1769 „an sich gebrachte rechterhand der Landstraßen unweit entlegene Mühl“ mit allen vorhandenen Feld- und Wiesengründen und dem sonstigen Zubehör mit der „Dreingab 2-er Ochsen und 2 Kueh“ und den drei Waldanteilen im Karpfling, erworben am 2. Dezember 1788, an seine eheleibliche noch ledige Tochter Walburga und ihren künftigen Ehemann Antoni Hastreiter, bürgerlicher Bäckerssohn.

    Eigens wurden Vorkehrungen getroffen für die noch vorhandenen vier unmündigen Geschwister der jungen Müllerin. Es waren dies Barbara 13, Theresia 10, Johannes 8 und Apollonia 6 Jahre alt. Auszahlungsmodalitäten sind im Vertrag genau geregelt wie ebenso der Umstand, sollte die Mutter Cäcilie „mit Tod abgegangen sein“, jedes der Kinder bis zum Alter von 15 Jahren „bei der Mühl mit Kost erhalten“ bleiben könne. Demnach wurde bis zu einem möglichen Berufseinstieg der Kinder Vorsorge getroffen, damit sie nicht vorher „ihr Elternhaus verlören“.

    In einem gleichzeitig aufgesetzten „Ausnahmsbrief“ wurden für die Mutter Cäcilie die zum Lebensunterhalt künftigen Leistungen festgelegt, wie u.a. die „freie und unvertriebene (unbeeinträchtigte) Wohnung auf der ordinari Wohnstuben“. Sollte sie dort dennoch nicht verbleiben können (vielleicht wegen der Schwiegertochter), so müssten ihr für die Anmietung einer „anderen Hörberg, wohin sie auch die Kinder zu bringen hat, jährlich 6 Gulden verreicht werden“. Auch seien ihr „2 Pifang (ein Bifang ist der Ackerstreifen zwischen zwei Furchen) auf Erdäpfl und 2 Pifang auf Kraut“ zu gewähren. Selbstverständlich mussten die Übernehmer  jährlich der Mutter zum Lebensunterhalt „an sauber gebutzt kastenmäßigen (reinen und trockenen) Gut liefern: 2 Ell Weitzen, 7 Ell Korn, 1 Ell Gerste und 1 Ell Haber“ und letztlich auch das nötige Brennholz für eine warme Stube in der kalten Jahreszeit. Das „Ell“ ist ein altes Getreidemaß und entsprach ½ Scheffel (= 111Liter, oder ca. 1,5 Zentner)

    1828 werden in einer Viehstandsmeldung bei der Bäckermühle zwei Pferde, drei Kühe und zwei Kälber aufgelistet. 1862 wird als neuer Besitzer Wendelin Baumann genannt. Er stammte von Oberdörfl (geb. 1826) und war seit 1857 mit Anna Maria Gotz von Rimbach verheiratet. Im Jahr 1881 übernehmen der gelernte Müller Alois Utz aus Schwarzenberg und seine Frau Catharina, geb. Adam von Großaign, die Bäckermühle. Ca. 1965 wird der Mühlenbetrieb stillgelegt. Im Besitz der Familie Utz befindet sich das Anwesen noch heute.

     

    Werner Perlinger

  • Als Eschlkam noch einen geräumigen „Marktplatz“ hatte

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    Eschlkam. Die folgenden Ausführungen befassen sich mit den über längere Zeit hinweg baulichen Veränderungen des Marktplatzes, heute der Waldschmidtplatz, was seine einstige und seit neuerer Zeit nun jetzige Ausdehnung betrifft. Schließlich war dieser innerhalb der Bergsiedlung zentral gelegene Platz der bedeutende Ort, wo sich die wirtschaftlichen Abläufe entwickelten, die der Siedlung schon in hochmittelalterlicher Zeit den Status eines Marktes gaben. Dazu folgende Erläuterung: 

    Eschlkam war nach dem Absterben der Markgrafen von Cham im Jahre 1204 zunächst ein Amtssitz mit Gerichtshoheit der wittelsbachischen Herzöge geworden (erwähnt im 1. Steuerbuch, angelegt zwischen 1231-1234) und so der eigentliche administrative Zentralort im Hohenbogen-Winkel, ein Gebiet, das sich vom Bereich Dalking-Zelz-Weiding-Faustendorf-Ränkam über Furth bis nach Neukirchen erstreckte. Im frühen 13. Jahrhundert dürften in Eschlkam auch die Anfänge der Pfarrwerdung einsetzen.  

    Eschlkam, nun Sitz eines (Land)gerichts wird dann im 1. niederbayerischen Urbar (Steuerbuch) für das Vitztumamt Straubing (Amt des Herzogsstellvertreters), verfasst in den Jahren 1301-1309, erstmals als „Markt“ aufgeführt. Die ursprüngliche Markt­rechtsurkunde, deren Ausstellung wir historischen Gegebenheiten gemäß getrost in die erste Hälfte des 13. Jahrhunderts datieren dürfen, ist verschollen. Die Marktkommune durfte einst jede Woche einen Markttag abhalten und war frei von Zollabgaben. Dazu gehörte auch die Abhaltung von wahrscheinlich drei Jahrmärkten, deren Tage festgelegt waren.

    Eine für Eschlkam ökonomisch negative Wirkung hatte sicherlich die herzogliche Regelung, wenn es 1332 in der Stadtrechtsurkunde von Furth heißt: „es soll auch ze Eschlkamb khain Markth sein dann alle Sontag sol man vor der Khirchen di weil man singt, (nur) hin gebn flaysch und prot, sunst sol man anders da niht hin geben oder verkhauffen“.Mit der bewussten Schmälerung der bereits gut 100 Jahre vorgegebenen Marktsituation in Eschlkam wollten die Herzöge die Stadt Furth wirtschaftlich fördern und damit eine Wachstumsgrundlage für die neue urbane Siedlung schaffen. Aber mit Förderung der Stadt Furth wurde im ersten Drittel des 14. Jh. die politisch-ökonomische Bedeutung des Marktes Eschlkam entscheidend geschwächt. Andererseits aber blieb Eschlkam noch bis 1429 Sitz des Landgerichts.  

    Nach den Hussitenkriegen und den sich unmittelbar anschließenden Fehden zwischen dem bayerischen und böhmischen Grenzadel, die schwerste Verwüstungen der Infrastruktur zur Folge hatten, begann erst in den Jahren nach 1452 der Wiederaufbau der Marktsiedlung von Eschlkam. Damit entstand zunächst auch wieder das Terrain von Kirchen- und Marktbereich wie in der Zeit vorher. In einem „Begnadungsschreiben“ vom 7. März 1572, in der Regierungszeit von Herzog Albrecht V. von Bayern-München, wurde dazu noch ein Jahrmarkt, der sog. Jakobimarkt gestattet, abzuhalten jeweils am Sonntag vor Jakobi.

    Die Kirchenburg zerstört

    Schwere Einbußen in baulicher Hinsicht brachte mit sich der Schwedenkrieg. Der Ort und seine Wehranlage, die Kirchenburg, wurden 1634 niedergebrannt und der Pflegersitz nach Neukirchen b. Hl. Blut verlegt. Die Anlage blieb lange Zeit ruinös stehen. Sie wurde nicht mehr aufgebaut, später aus dringenden Bedarfsgründen sogar gänzlich abgerissen und zum heutigen Friedhofsteil südlich des Gotteshauses umgestaltet. Innerhalb dieser Anlage aber, deren Ruine uns anschaulich der Kupferstich von Michael Wening noch im Jahr 1726 überliefert, wohnten bis zur baulichen Zerstörung allein schon aus Sicherheitsgründen seit jeher neben dem Pfleger auch die einzelnen Ortspfarrer. Nun konnte kein Pfarrer mehr dort wohnen, er brauchte eine neue Herberge.

    Bis zum Wiederaufbau des Pfarrhofes so wie wir ihn heute kennen und er uns seitdem baulich überliefert ist, wohnten die einzelnen Pfarrer nachgewiesenermaßen etwa ab 1634 bis 1679 in Anwesen Nr. 36/Markstraße 9. In diesem Jahr kaufte der Bürger Hans Hauser, Weißbäcker, „des Gottshaus oder Pfarrers Behausung, so (in Wirklicheit) ein Burgersgut ist“ um 230 Gulden. Ab 1679 war der neue Pfarrhof bezugsfertig, so dass das seit 1634 dienende Ausweichquartier wieder in bürgerliche Hände kam.

    Pfarrhof außerhalb der Kirchenburg

    Der neue Pfarrhof mit seinen dazu gehörenden Ökonomiegebäuden musste nahe der Kirche situiert sein. Die Platzfrage stellte wohl ein Problem dar. Der nun neu entstandene Pfarrhof mit Ökonomiegebäuden konnte aus Platzgründen nicht mehr an alter Stelle innerhalb der ehemaligen Kirchenburganlage stehen, sondern er wurde wohl nach Einigung mit der Marktführung und der Bürgerschaft auf dem Gelände des für die einzelnen Märkte seit jeher ausgewiesenen „Marktplatzes“ angelegt wo er sich heute noch unverrückt befindet. Nachdem ein bedeutendes Marktgeschehen offenbar nicht mehr gegeben war, „opferten“ die Bürger ihren Platz für einen neuen Pfarrhof. Dazu kam noch eine Umfriedung für den Bereich der landwirtschaftlichen Gebäude. Mit diesem baulichen Einschnitt aber verlor der Markt im letzten Drittel des 17. Jahrhunderts ortsbaulich einen wichtigen Bereich, nämlich die ehedem seit dem Mittelalter in teils rechteckiger Form bestehende breite Fläche eines Marktplatzes für die Abhaltung größerer Märkte wie er ähnlich heute noch in Cham erkennbar ist.

    1967 ließ Pfarrer Johann Fischer, nachdem die pfarrliche Ökonomie schon einige Zeit eingestellt war, die landwirtschaftlichen Gebäude abreißen. Dabei wurde der Bereich des Pfarrhofgeländes nach Osten etwa um eine Hauslänge zurückgesetzt und später, 1999, im Zuge des Städtebauprogramms die heutige den Besucher einladende zentrale Platzsituation geschaffen. Das so abgezweigte Gelände gehört aber nach wie vor der Kirche. Die Marktgemeinde zahlt dafür einen Pachtzins. Immerhin war so wenigstens ein Teil des ehemaligen geräumigen Marktplatzes nun wieder hergestellt.  

    Bildtext: Im Plan der Erstvermessung von 1831 nimmt innerhalb des ehemaligen Marktplatzes aus mittelalterlicher Zeit der Pfarrhofkomplex einen breiten Raum ein.
    Das Pfarrhaus trägt die Nr. 26/Flurn. 117.
    Die Anwesen mit den Nr. 27, 30, 31 und 32 wurden im ehemaligen Bereich des breiten und für eine künftige Bebauung verfüllten Schlossgrabens gebaut. Die westliche Grenze des Pfarrhofbereichs bildete mit der Westkante des Hauses Nr. 30 (Rueschhaus) eine Linie. Nach dem Abbruch der Ökonomiegebäude wurde diese Linie um eine ganze Hauslänge zurückgesetzt und so das jetzige Ensemble „Waldschmidtplatz“ geschaffen.
    Die Anwesen südlich des Rathauses (Nr. 33) mit den Nr. 22, 23 und 24 bildeten in Hanglage zusammen mit der Nr. 25, den heutigen „Bals’nbäck“, einst den „Paimblhof“, eine größere Hofanlage, die noch in der zweiten Hälfte des 17. Jh. in die genannten Nummern aufgeteilt wurde
    (Bildnachweis: Markt Eschlkam, Ausschnitt aus dem Urplan - Bayernatlas)

     

    Werner Perlinger

  • Heiratsverträge dienten der gegenseitigen wirtschaftlichen Absicherung

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    Eschlkam. Aus der Geschichte der Heuhofer Mühle:

    Die sog. Heuhofer Mühle liegt im Gegensatz zur Penzen- oder Bäckermühle nicht am Freibach, sondern am Chamb. Dieser bildet zugleich die Gemarkungsgrenze zwischen dem Markt und dem Dorfe Großaign. Die Mühle selbst erscheint wie die beiden anderen bereits im Jahr 1477 in der bisher für unsere Region frühest bekannten Steuerliste für die einzelnen Anwesen. Demnach besaß damals ein „Andre Schreck einen Kasten (wohl ein größeres gezimmertes Gebäude), darinn er ein Mül aufgericht hat am Kamp unttern Perg“. Eine vorherige ähnliche Einrichtung dürfte infolge der Hussitenkriege (1420-1433) lange schon abgegangen sein. Über 100 Jahre später, 1585, übergibt Margarethe Hayhoferin ihre „Müll“ an ihren Sohn. Dessen Name ist nicht genannt. Dieser sog. Herkunftsname bezieht sich auf das ehemalige deutsche Dorf Heuhof, gelegen gegenüber Jägershof jenseits der Grenze, heute Sruby. Die Siedlung Heuhof wurde im Auftrag des bayerischen Herzogs von dem damaligen Grenzhauptmann der Stadt Furth, Jörg Pfeil, im Jahr 1535 wieder angelegt. Die Familie Heuhofer scheint längere Zeit im Besitz der Mühle gewesen sein, denn ihr Name hat sich bis heute fast an die 500 Jahre als sog. Hausname erhalten, was an und für sich selten ist; aber in ähnlicher Weise auch für die beiden anderen Mühlen des Marktes zutrifft.

    In zeitlicher Folge wechseln die einzelnen Besitzer der Mühle am Chamb. Es erscheinen die Namen Hastreiter, Aumayr, Cramer (Müllerfamilie von Kleinaign) und Perr (Beer oder Bär). Am 8. Oktober 1728 erwirbt Joseph Müller (geschrieben als „Müllner“) aus Stein, Pfarrei Viechtach, durch Heirat der Tochter des Mathes Perr die Mühle. In zweiter Ehe nimmt er im Jahr 1747 als „Wittiber und burgerlicher Müller auf der Heuhofermühl“ Barbara, die Tochter des Andre Hastreiter, „Pauren zu Grossaigen“, zur Frau. Von dem im Januar gleichen Jahres geschlossenen Heiratsvertrag, sollen Inhalte auszugsweise veröffentlicht werden, da sie für die damalige Zeit beispielgebend waren.

    der „gleichmessiger Eheconsorte“

    Demnach verspricht die „nunmahlige Ehegattin ihrem gleichmessigen Eheconsorten Josephen Müllner 300 Gulden in paaren Gelt und nebst einer standesmessigen Ausferttigung (wohl die Mobilien im Kammerwagen) 2 Kue und 1 Kalmb zu einem Heuratsguett zuzubringen“. Den doch hohen Geldbetrag verspricht die Braut in die Ehe erst einzubringen, „so baldt ihr noch lediger Bruder Hans Georg seines Vatters guett übernommen hat“. Damals kosteten beispielsweise ein Scheffel (222 Liter) Weizen 24 Gulden und ein kleiner Laib Brot 5 Kreuzer (60 Kreuzer zählten 1 Gulden). Der Taglohn eines Zimmermanns betrug z. B. 20 Kreuzer oder 1/3 Gulden. Die Kaufkraft eines 1 Gulden darf man um 1750 etwa mit 15 bis 20 Euro von heute gleichsetzen.

    Dagegen leistet zur „billichmessigen Vergleichung“ zu den 300 Gulden der Ehemann Müller 600 Gulden „nebst der vorhandenen freyaigenthumblichen…in alhiesigen Purgfriedt liegent sogenante Heuhoffermühl sambt all darbey vorhandtenen Todt, und lebendigen Haus- und Paumanns-Vahrnuss (sämtliche vorhandenen Gerätschaften)“ als Sicherheit bei. Denn würde er ohne „Leibes Erben“ sterben, so sollte ihr das in diesem Vertrag beschriebene Vermögen „pro Hypotheka verbleiben“ (hypothekarisch abgesichert), nämlich die von ihr beigebrachten 300 Gulden „und mit der Widerlag 600: in allem aber 900 Gulden sowie zwei Kühe und ein Kalb zur „völligen Contentiren“ (Befriedigung).

    Würde aber seine Frau vor ihm sterben, wurde ausbedungen, dass „ein mehrers nit, dann an paaren Gelt 100 Gulden und von der „hineingebrachten standtesmessigen Ausfertigung (Aussteuer) die besten 3 Hals Stuck(kleider), (das sind Mieder mit dazugehörenden Rock, heute auch als Dirndl bezeichnet) zu bezahlen und herauszugeben schuldig sein“.

    Der letzte Abt von Windberg 1803

    Damit war der Heiratsvertrag nach dem damals geltenden kurfürstlichen Landrecht und dem „alhiesigen uhralten Herkommen: (nach) Sitt- und Gewohnheit“ beschlossen und niedergeschrieben. Als Zeugen fungierten für den Ehemann Joseph Müller zwei Further Bürger, nämlich der Bäcker Gregor Kellner (Bayplatz 1) und Paulus Prey, „Pflaumermihler“ (Lorenz-Zierl-Str. 12- bereits 1665 hatte der Vorfahre Peter Preu von der „Pflämlmühle“ bei Eschlkam dieses Mühleanwesen in der Stadt käuflich erworben), sowie der Stiefvater des Hochzeiters, Hans Drumb. Zu den Further Zeugen sei noch anzufügen, dass der Müller Paulus Preu der Vater von Ignatius Preu war. Dieser, geboren am 16. Mai 1755, trat in den Prämonstratenserorden ein, wurde Priester und war später Abt im Kloster Windberg (Landkreis Straubing-Bogen), wenn auch nur wenige Jahre von 1799 bis zur Säkularisation im Jahre 1803, als in Bayern landesweit die Klöster aufgehoben wurden, darunter auch Windberg.

    „Anseiten des Weibs“ sind als Zeugen genannt: Andre Hastreiter, Bauer von Großaign und Georg Schuhmann von Kleinaign, dann Hans Georg Späth von Eschlkam (Nr. 4/Waldschmidtstraße 6) und Mathias Hastreiter, Bauer von Hinterbuchberg. Die Jahre gingen ins Land und 1764 übergeben die Witwe von Joseph Müller, Barbara und die Kinder die Mühle „cum omnibus pertinenties“ (mit allem Zubehör wie die dazu gehörenden Gründe und Gerätschaften) an den mittleren Sohn Joseph. Der Wert der ganzen Anlage mit den Grundstücken wurde auf 1600 Gulden geschätzt; davon die Mühle, die zwei „unterschlachtige Gänge“ besaß, allein auf 700 Gulden. „Unterschlächtig“ bedeutet, dass die Wasser aus dem Mühlkanal zum Antrieb nicht über, sondern unter dem Mühlrad durchgeleitet wurden.

    Im Jahr 1828 wurde der Viehbestand des Mühlenanwesens mit1 Pferd, 2 Ochsen, 3 Kühe, 3 Kälber und einer Sau angegeben. 1860 wird im 1. Renovierten Kataster der Wert der „Heuhofer Mühle“ auf 5000 Gulden geschätzt. 39 Jahre später geht der Familienname >Müller< infolge Übergabe ab. Neue Besitzer sind Franz Breu, geb. 1874 in Neuaign und Ehefrau Maria. Derzeit ist die sog. Heuhofer Mühle im Besitz von Petra Fischer. Ihr Vater, der Bäckermeister Alois Fischer aus Furth im Wald aus dem Hause „Abrahambäck“ in der Herrenstraße, hatte 1958 Rosa Breu geehelicht und so in das ehemalige Mühlenanwesen eingeheiratet. Der Mühlenbetrieb wurde 1967 eingestellt.

     

    Werner Perlinger

  • Der „Oelbrunn“ und das Federkiel-Marterl – deren ehemalige Lage

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    Eschlkam. Unter den zahlreichen Flurnamen, erwähnt in Akten des 18./19. Jahrhunderts, findet sich mehrmals der Name >Oelbrunn<. Zur Erklärung des Namens sei vorweg ein sprachlicher Vergleich mit einem Blick in die regionale Nachbarschaft angebracht.  

    Der Name „Ölpach“, seit langem nur als „Grabitzer Bach“ im heutigen Gemeindebereich der Stadt Furth im Wald tituliert, hatte mit Ölmühlen nie zu tun. Er schied einst, so in der ersten Grenzbeschreibung zwischen Bayern und Böhmen im Jahre 1462, in seinem gesamten Verlauf damals das Königreich Böhmen, die Pfalz und das Herzogtum Bayern voneinander. Der Name bedeutet von seiner oft verschiedentlich überlieferten Schreibweise her, wie beispielsweise als „Oelbach, Ollebach, Ellebach und Ellenbach, elilentibach“, eigentlich „Grenzbach“, der Bach, der aus einem anderen Lande kommt, wobei die sprachliche Grundlage dafür zwei Worte sind, nämlich „alia lante“. Zusammengefasst ist dies ein altes lateinisch-deutsches Mischwort für „ein anderes, (oder) fremdes Land“. Die Quelle des Grabitzer Baches, gelegen in den Voithenbergischen Waldungen unterhalb dem Reiseck nahe der Panoramastraße, heißt in alten schriftlichen Überlieferungen der „Oelprunn“, ein Brunnen oder Quelle, der oder die zugleich als Grenzpunkt dient.

    So bedeutet auch der manchmal auftauchende Orts- oder Flurname „Elend“ nicht das Elend oder die Not der dort wohnenden Menschen, sondern allein nur die geographische Wohnlage im Grenzbereich einer Region.

     

    Der „Oelprunn“ in Eschlkam

    Die Frage für uns ist nun, wo lag innerhalb der Eschlkamer Fluren dieser „Oelprunn“, der nicht mehr in den uns bekannten Karten erscheint, sondern eindeutig nur mehr im Plan der Erstvermessung bzw. Liquidation. Vom Namen her liegt es daher nahe, diesen Brunnen im Bereich der Gemeindegrenzen des Marktes zu suchen. So sind in einer Beschreibung der Kommunalgebäude vom Jahre 1809 neben den einzelnen Immobilien auch die sog. „Dienstwiesen“ (für den Unterhalt gegeben an die Marktbediensteten) aufgeführt; darunter ein „Wiesel, zweimähdig beim Oelbrunn; benutzt solches der Schullehrer (als sog. „Dienstwiese“) und ist ½ Tagwerk groß“, von seinem Wert her geschätzt auf 35 Gulden. Die bisher frühesten Nennungen für den Oelbrunn finden sich in den Kammerrechnungen von 1706 und 1713. So befindet sich beispielsweise ein Krautgarten des Bürgers und Weißbäckers Hans Vogl beim „Öelprunn“.   

    Gehen wir bei diesem Namen von einer Grenzlage aus, so dürfte dieser Naturbrunnen irgendwo nahe der Grenzlinie der Eschlkamer Gemeindeflur zu finden sein. Tatsächlich wird 1840 in der Auflistung der Grundstücke zur damaligen Hausnummer 58 auch das „Oelbrunnwiesel aufgeführt. Es trug damals die Plnr. 644, gehörend zu Anwesen Nr. 58/Blumengasse 2 (beim Voglbäck). Bekannt ist die Brunnenstelle noch als ehemals stets nasse Stelle im Gelände, mittlerweile jedoch beseitigt durch die Flurbereinigung.

    Dieser Brunnen, bzw. sein Name führt in die frühe Zeit zurück, als eben der Siedlungsbereich der Bürger „am Berge“ unterhalb im Umfeld dieses Brunnens endete und er somit eine Randlage markierte, nicht weit entfernt vom Chambfluss, der Großaign vom Markte trennt.

     

    Der Federkiel – sein Marterl

    Dazu erzählt eine alte Geschichte aus dem Buch Grenzwaldsagen des Lehrers und Sagensammlers Xaver Siebzehnriebl (1891-1981) von Neukirchen b. Hl. Blut: „Der Federkiel war Verwalter im Schlosse zu Stachesried und gefürchtet. In der Franz-Xaveri-Nacht ging er eines Jahres von einer Hochzeit heimzu. Auf halbem Wege überrumpelten ihn etliche Roßschwärzer, die hatten ihm schon längst den Tod geschworen, der Federkiel hatte sie oft den Grenzwächtern verraten. Die lichtscheuen Leute rächten sich und erschlugen den Federkiel und schleiften ihn bis zum Jägerhof. Andernmorgens fanden Holzhauer den Federkiel mausdrecktot am Weg liegen. Auf dem Plätzel, wo der Federkiel so entsetzlich enden musste, stand lange Jahre ein Marterl. Dort beim Bildtäferl regierte und schreckte eine Zeit lang der Geist des Federkiels ...“ (siehe dazu auch das Heimatnuch Band I „Eschlkam in alter Zeit, von den Anfängen bis in die Moderne“, 2010, S. 331).

    Das in der Sage erwähnte Marterl ist im Geländeplan von 1840 am Stachesrieder Weg als ein Kreuz eingezeichnet. Es befindet sich bereits hinter der Eschlkamer Gemarkungsgrenze auf Stachesrieder Gebiet (Plnr. 49).

    In einer Besitzerliste der Stachesrieder Anwesen, niedergeschrieben im Häuser- und Rustikalkataster von 1811/12, findet sich tatsächlich ein Franz Federkiel. Da der Name ortsunüblich ist, kann angenommen werden, dass besagter Federkiel vielleicht aus berufsbedingten Gründen zugezogen ist. Wahrscheinlich diente er dem damaligen Schlossherrn Karl Albert von Herder und erlitt wohl einen gewaltsamen, jähen Tod. Um solche Vorkommnisse rangten sich bald unheimliche Geschichten. Zur Geschichte der Familie Federkiel und so zum tatsächlichen Hintergrund der Sage helfen uns tatsächlich die Pfarrmatrikel von Eschlkam weiter:

    1801, 4. November: An diesem Tag heiratet ein Franz Federkiel, Sohn des Gerichtsdieners Franz Federkiel aus Sattelpeilnstein eine Barbara Ernest, Tochter des Georg Ernest, Jägers in der Hofmark Sattelpeilnstein.

    1814, 11. März: Franz Xaver Federkiel, verh. Gerichtsdiener von Stachesried, 42 Jahre alt, wird nachts um 10 Uhr durch mehrere tödliche Hiebe und Stiche grausam ermordet auf dem Wege nach Stachesried „bey der sogenannten Marktschreiberswiese“ (eine weitere sog. „Dienstwiese“), so der Eintrag von Pfarrer Alois Wagner im Sterbebuch der Pfarrei.

     


    Bildunterschrift: Im Liquidationsplan von 1840 markiert die Hausnr. 58 im Norden des Marktes (historische Karte oben links) die Lage der „Ölbrunnwiese“, die einst die jeweiligen vom Markt angestellten Schullehrer nutzen konnten. In ihr befand sich früher eine am steilen Hang zu Tage tretende Quelle, genannt der „Oelprunn“ (siehe roter Pfeil).

    In dem Kartenausschnitt oben rechts finden wir am alten Stachesrieder Weg das Marterl (erkennbar gezeichnet als ein sog. „Tatzenkreuz“) für den ermordeten Hofmarksbediensteten Federkiel, dahinter dann die Kirche „zur Schmerzensmutter Schöneichen in der Klause“,

    (Bildnachweis: Markt Eschlkam)

     

    Werner Perlinger

  • Raufereien waren früher an der Tagesordnung Teil 2

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    Eschlkam. Fortsetzung des Artikels "Niedere Gerichtsbarkeit"

    Der Musikantenstreit

    Es war Mitte November 1692, da spielten der Schneider Hans Fleischmann (Nr. 66/Großaigner Straße 15) und der „Schullmaister“ Hans Wolf  Tenzl bei einer Hochzeit auf. Und es geschah wie es sogar heute oft noch vorkommen kann, beide Musikanten gerieten in Streit und dabei ging es allein ums Geld. Denn als sie das mit ihren Auftraggebern vereinbarte Honorar bei den Gästen „erhebt“ (eingesammelt), sagte Tenzl zu Fleischmann, „halt den Poß recht, daß khein Gelt hinunder fahlet“; sollte ein Kreuzer fallen, würde er ihn „niederschlagen“. „Nachvollendter“ Hochzeit begann Tenzl wieder mit Fleischmann zu streiten, titulierte ihn „ainen Spott Mann“ und warf  ihm „gar ein Glässl mit sambt den Prandtwein ins Angesicht nechst bey dem linkhen Aug“. Das verursachte eine ziemlich blutende Wunde, auf die dann der „Pader“ (es war der Wundarzt Stephan Mauser von Hsnr. 7/Kleinaigner Straße 3) ein „Pflaster “ auf die Wunde „legen“ musste.

    Tenzl widerspricht das beleidigende Wort „Spottmann“, gab aber den Wurf mit dem Glas zu. Der Streit sei nur beim Teilen des Geldes entstanden. Außerdem habe der Kläger Fleischmann vorher nach einen „Leichter (Kerzenleuchter) griffen“ und er sei dessen Vorhaben zuvorgekommen und habe ihm „das Glässl ins Gesicht geworffen“. Da die Auseinandersetzung mit einer blutenden Wunde endete, verwies das Marktgericht die ganze Angelegenheit an das Pfleggericht. Damit hatte sich der Pfleger in Neukirchen zu beschäftigen, da das Pfleggericht Eschlkam nach den massiven Zerstörungen im Dreißigjährigen Krieg seit 1640 am Ort nicht mehr existierte. Damit aber zwischen beiden künftig Friede sei wurden sie trotzdem „zu Poenfahl (als Strafe) 2 Pfund Pfennige gesetzt“, das entsprach damals circa 2 Gulden.

    Wenn der Mesner mit dem Bader rauft

    Es sollte eigentlich eine gemütliche Unterhaltung am Biertisch werden, an einem Sommertag im August des Jahres1693. Im Gasthause des Bürgermeisters (Wolf Sighardt) Altmann, heute der Gasthof Penzkofer, haben der Bader Stephan Mauser und Wolf Khinninger, „Mössner“ für die Kirche St. Jakob (Nr. 27/Kirchstraße 3), „ain Trunkh gethon“ und sie spielten Karten. Und sogleich begann der Mesner den Bader zu beleidigen mit den Worten: „Du Kerl, ich bin dir mein Tag nicht hold gewesen, ich will dir was anderst weißen, du bist mir nit gmässig, du Schüntter Hundt“ (Schinderhund = Hund des Wasenmeisters/Abdeckers)). Bei diesen Worten gab der Mesner dem Bader „ainen Straich mit der Handt“. Als Kläger bat der Bader dem Beklagten „obrigkheitlich aufzutragen, daß er solche grosse ehrenriehrige Reden auf ihn Kläger wahr mache oder genugsame Satisfaction geben solle“.

    Der Mesner gab vor, der Kläger könne nicht in Abrede stellen, dass er in „rauschiger Weise“ ihn Khinninger mehrmals als „Sau tituliert“ habe, so dass es sein könne, dass er ihn hinwieder als einen „Schüntt Hunth“ (Schinderhund) bezeichnet habe. Auch könne sein, dass er, Khinninger, zugeschlagen hat. Zugleich sei ihm aber der Bader „in die Haar gefallen und auf der Nasen blutrunstig gemacht“, was auch etliche Tage zu sehen gewesen wäre. Es müsse daher der beklagte Khinninger Satisfaction (Genugtum) wegen der erwähnten viehischen Vergleichung (Schinderhund), Haar ausrauffung und anderes“ leisten. Da Aussage gegen Aussage steht, wurde die ganze Angelegenheit um 14 Tage vertagt. Am 12. September wurde in der Sache wegen der „gegen einander aus gestossenen schimpflichen und unzimblichen Reden, auch (wegen des) verübten trukhnen Gereiffs (Geraufe)“, auch „weil weder Inurien, blutrünstige noch Leibschäden underloffen, der beklagte Khinninger, seine in rauschiger Weise ausgestossenen üblen Worte, die er gewöhnlich auch gegen seine eigenen Kinder gebrauche,“ ihm dies allen Ernstes verwiesen, ebenso auch dem Kläger sein Verhalten, so dass eine direkte Strafe nicht ausgesprochen, sondern nur die Gerichtskosten auf beide Streithähne umgelegt wurden.

    Widerstand gegen den Ratsdiener kommt teuer

    Wir befinden uns in der winterlicher Zeit des Jahres 1694: Am 7. Februar schildert der Ratsdiener Gottfried Stainpacher, der Bauer Hansen Schreiner von Großaign sei  unerlaubt über „die völlige Wismather, die Paint genannt“ mit seinem „beschlagenen Kharn“ gefahren, beladen mit 5 Ell Mell (1 Ell entsprach ½ Scheffel =  112 Liter), gezogen von 2 Ochsen und einem Pferd. Schreiner wollte mit seiner schweren Fuhre so den mühsamen Weg über den steilen Berg des Marktes abkürzen. Stainpacher wollte, da die eisenbereiften Räder und auch die Hufe der Tiere sich in die Wiese stark eingruben und schwere Schäden verursachten, das ganze Gespann mit Ladung kraft seines Amtes „pfenden“. Schreiner widersetzte sich diesem Vorhaben, schlug auf den Ratsdiener ein, verletzte ihn blutig an der linken Hand, drückte ihm „in die Gurgl mit vorgesetzten Daumen“ und stieß ihn schließlich nieder. Trotzdem konnte Stainpacher „gleichwollen ain Pfandt bekhommen“. Wegen seines „fräventlichen Wissen (über die Wiese) fahrens“ und vor allem wegen seines massiven Widerstands gegen die Pfändung wurde er „umb 1 Pfundt Pfennig“ (ca. 1 Gulden) gestraft. Auch musste er die Gerichtskosten begleichen.

    Ergänzend sei erwähnt, dass die Wiesenflur „Paint“ sich am westlichen Abhang unterhalb des Marktes breitet, heute größtenteils überbaut. 1685 und 1753 wird das Anwesen Nr. 9/Kleinaigner Straße 7 (Schmirl/Kerscher) bezeichnet als „in der paindt gelegen“.

    Der Flurbegriff >point, boint< oder auch >paint<, je nach dialektischer Ausdrucksweise, ist in unserer Region öfter anzutreffen. „Point“ bedeutet die meist mit einer Hecke, vielleicht auch mit einem einfachen Speltenzaun eingezäunte Wiese. Oft handelt es sich dabei um ein Wiesengrundstück, gelegen direkt nahe einem Haus, bzw. bäuerlichen Anwesen in der Einöde. Dem Wort „point“ liegt althochdeutsch „biunt“ zugrunde, was so viel wie >binden, umbunden< (eben mit einem Zaun, oder einer Hecke) bedeutet;  in unserer Region eben eine umzäunte Flur, die sich meist im Besitz eines Bauern befindet. Dazu gibt es auch bei uns für einen Bauernhof den nicht seltenen Hausnamen: „beim Boiner“ wie in Unterrappendorf und Grub, was sprachlich nicht auf >Knochen<, sondern nur auf die Hofstelle auf oder nahe einer ehemaligen „Pointwiese“ zurückzuführen ist.

     

    Werner Perlinger

  • Als der Markt vor über 150 Jahren für verarmte Kinder zu sorgen hatte

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    Eschlkam. „Die Wernhard’schen Färbers Kinder von Eschlkam, hier: deren Unterbringung und Erziehung betrff.“ So tituliert ein Akt aus dem Jahr 1858. Der Landrichter Paur von Kötzting stellt (eingangs) am 31. Juli fest, „dem Vernehmen nach sollen die Kinder des abgehausten Färbers Wilhelm Wernhard einer körperlichen und geistigen Verwahrlosung Preis gegeben sein, die eine Abhilfe ding- und nothwendig macht“. Der Armenpflegschaftsrat wurde aufgefordert „nothwendige Schritte zur Abhilfe zu thun“.

    Wilhelm Karl Wernhard, geb. am 23. Juli 1816 als Sohn des Landgerichtsassessors Johann Nepomuk Wernhard in Beilngries, heiratete am 1. Oktober 1844 Johanna Aman, eine Gastwirtstochter aus Cham. Dann kaufte er 1845/46 das Anwesen Nr. 7/Kleinaigner Straße 3 (das ehemalige Badhaus) von den Erben der Baderfamilie Schoeppel und betrieb dort für einige Zeit eine Färberei. Das Geschäft schien nicht den gewünschten Erfolg zu bringen, denn einige Jahre später war Wernhard „abgehaust“, d.h. er konnte das Anwesen nicht mehr halten. Auch war seine Frau mittlerweile gestorben, und um die fünf Kinder hätte sich nun der Vater kümmern müssen. Im Gegenteil: er gab sich dem Trunke hin und kümmerte sich um seine Kinder gar nicht. In einem solchen Falle schritt auch damals schon der Staat ein, denn man wollte nicht, dass gerade junge Menschen  in die Armut abtrifteten und so der Allgemeinheit lange Zeit zur Last fielen.

    Am 5. August bestätigte die Marktführung die Vermutung des Landrichters, da der leibliche Vater „nicht das mindeste für sie tut und ihnen nur mit bößem Beispiele vorangeht“. Als ein Vormund existierte bereits der Schwager, Gastwirt Caspar Amann von Cham, jedoch nur für die zwei ältesten Kinder, Wilhelmina und Carl, die sich bei ihm bereits befanden. Wir erfahren dabei, dass Carl als Hutmacherlehrling und die ältere Tochter als Dienstmädchen untergekommen seien.

    Keiner Vormundschaft noch unterlägen die übrigen jüngeren drei Kinder Margaretha (9 Jahre), Walburga (6 Jahre) und Wilhelm (4 Jahre). Sie seien noch „bei ihrem beschäftigungs- und erwerbslosen Vater dahier“. Der Schriftverkehr zog sich hin. Man suchte geeignete Familien im Markte die von ihren Verhältnissen her bereit waren Kinder aufzunehmen. So erklärte am 14. Oktober die Bürgersfrau Sofie Fischer (Nr. 2/Waldschmidtstraße 10), dass sie das Mädchen Margarethe in „Kost und Pflege“ nehme, sie mit der nötigen Kleidung versehe und auch für den Schulbesuch sorge. Die Nachbarin, die Gastgebersgattin Franziska Neumaier (Nr. 1/Wald- schmidtstraße 14) nahm das Mädchen Walburga auf und der Säcklermeister (Hersteller von Lederhosen) Sebastian Lechermeier (Nr. 39/Blumengasse 1) den Knaben Wilhelm. Am gleichen Tag informierte der Magistrat mit Bürgermeister Alois Schmirl an der Spitze den Vater Wilhelm Wernhard, dass drei seiner Kinder „bei ordentlichen Bürgersfamilien untergebracht“ seien und „ermahnte ihn sich gegen diese ordentlich zu verhalten und die Kinder nicht zu (ver)hetzen“, was Wernhard mit seiner Unterschrift bestätigte.

    Es ging einige Zeit alles gut. Jedoch vorher schon, am 4. Oktober 1859, erklärte der junge Carl Wernhard, der bei dem zu ihm verwandten Hutmachermeister Peter Ellersdorfer in Cham als Lehrling war, „dass er von seinem Meister davon gejagt worden sei“. Am 25. Oktober ließ der Säcklermeister Lechenmeier wissen, dass er den Knaben Wilhelm nicht mehr um die ausbedungene Entschädigung (festgelegt von der Gemeinde)  haben könne“. Man kam überein, dass er dennoch den Knaben gegen eine jährliche Entschädigung von 23 Gulden  aus der Armenkasse bis 14. Oktober 1860 behalte, was so auch geschah.

    Ein Testament hilft

    Am 1. Oktober 1859 stirbt der Rotgerbergeselle Joseph Wernhard in Beilngries. Er hinterließ ein Vermögen von 1000 Gulden, wovon die Hälfte, 500 Gulden, er den Kindern seines Bruders Wilhelm vermachte. Eine silberne Uhr erhielt der älteste Sohn, der oben genannte Carl; einen Schaukasten vom Typ „Poliorama“ erhielt der Vater der Kinder, Wilhelm Wernhard. Dieser informierte am 11. Oktober 1859 von Schorndorf aus darüber den Magistrat Eschlkam. Am 28. Oktober meldet der Bürgermeister von Cham, Seibold, dass „der abgehauste Färber Wernhard“ sich im Mai in Cham mehrere Tage aufgehalten und dem Trunke sich ergeben habe, herumschimpfe und „in den Wirtshäusern keinen Kredit mehr habe“. Ein Stadtverweis war die Folge.

    Am 9. November schließlich erhielt der Sohn Carl einen neuen Lehrmeister, nämlich den Hutmachermeister Franz Lax von Eschlkam (Nr. 55/Blumengasse 10). Am 15. Dezember wurde die 10 Jahre alte Margarethe, „Tochter des grundliederlichen abgehausten Färbers Wernhard“ durch die Frau des Gastwirts Aman von der Familie Fischer nach Cham abgeholt um es dort in ein „Institut für verwahrloste Mädchen“ zu geben. Es entwickelte sich ein ständiges Hin und Her.

    Schließlich  wurde am 11. August 1861 festgelegt, dass aus dem für 1300 Gulden erfolgten Verkauf des Wernhard’schen Hauses 500 Gulden und aus dem Erbe des Onkels aus Beilngries, ebenfalls 500 Gulden, in der Sparkasse in Kötzting hinterlegt werden. Mit den Zinsen daraus möge die Armenpflege in Eschlkam unterstützt werden, da diese für die Kinder weiterhin sorge. Damit waren die Verhältnisse einigermaßen geklärt.

    Wilhelm Karl Wernhard  blieb die nächsten Jahre in Eschlkam. Er wohnte als Inwohner in Anwesen Nr. 16 (Bräuhausgasse 1) und starb als Witwer am 19. Juni 1887 mit 71 Jahren an „Säuferwahn“, so der Eintrag in der pfarrlichen Sterbematrikel. Nur sein ältester Sohn Karl blieb auch in Eschlkam, wohnte als Nachtwächter im Rathaus und verstarb am 20. August 1884 im Alter von 38 Jahren an Lungenlähmung.  Das Schicksal der anderen Kinder ist nicht bekannt.

     

    Werner Perlinger

  • Raufereien waren früher an der Tagesordnung

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    Eschlkam. Die sog. „Niedere Gerichtsbarkeit“, ausgeübt von Richter und Rat seit der Marktwerdung im frühen 13. Jahrhundert, umfasste im Gegensatz zur Hohen- oder Blutgerichtsbarkeit nur Vergehen wie Beleidigungen, Raufereien ohne schlimmen Ausgang, kleine Eigentumsdelikte, Schuldenfragen, auch sog. „Leichtfertigkeiten“ (wegen ledig oder nach der Eheschließung zu früh geborener Kinder). Vor allem Raufereien und Schmähungen (Verbalinjurien, Beleidigungen) sind in den Protokollen sehr zahlreich niedergeschrieben, wobei in den meisten Fällen der Alkohol eine wesentliche Rolle spielte. Die umfangreichen Ausführungen in den Schriften allein würden schon Bände füllen. Nicht enthalten sind die Auseinandersetzungen bei denen Messer oder sonstige „Waffen“ eingesetzt waren. Denn schwere Verletzungen mit Todesfolge, Totschlag oder gar Mord wurden allein vom Landgericht in Kötzting abgehandelt, denn diese Institution verfügte über die oben genannte Hoch- oder Blutgerichtsbarkeit. Daher finden solche Taten in den Ratsprotokollen keinerlei Erwähnung, obwohl auch sie vorgekommen sind.

    Häufig wurden Streitigkeiten zwischen Frauen verhandelt, wobei es dabei oft nicht nur bei verbalen Beleidigungen blieb. Häufig wurden die „Weibsbilder“ gegeneinander sehr handgreiflich. Gegen diese Frauen wurde in der Regel fast immer die „Geigenstrafe“ als sog. „Schandstrafe“ ausgesprochen. Dazu wurden sie mit dem Hals und den beiden Armen in die Geige gespannt und öffentlich zur Schau gestellt. Das Instrument, ein sog. „Schandholz“, glich einer Geige, daher der Name .  

    Es seien nun einzelne Gerichtsfälle aus dem frühen Ratsprotokoll, niedergeschrieben zum Ende des 17. Jahrhunderts, exemplarisch angeführt, auch weil sie einen Blick auf die Sitte und Moral damaliger Zeiten erlauben: Am 8. Juni 1691ging „Geörg Kellner, Böhaimb(ischer), Freyherrlich(er) Gorzischer Underthon“ an der Wohnung des Bürgers Hans Georg Vischer (damals Mieter im Rathaus) vorbei. Als Vischer ihn sah, lief er aus dem Haus und schimpfte den Kellner mit den Worten „Du Schelmb, willst mich nicht bezahlen. Er geht vorüber wie ein anderer Schelm und Dieb“, worauf der Kläger den Vischer „auch so geschendt“. Daraufhin lief Vischer in das Haus zurück, nahm eine „Pixen“ (Gewehr), schlug ihn damit auf den „Pukhl“ (Rücken) und auf den Kopf, so dass Kellner „plutrunstig aufgestossen“ war. Als Kläger bat Kellner um „Abtrag und Satisfaktion (Genugtum) seiner Ehre“.

    Der beklagte Vischer brachte vor, er habe den Kellner zunächst gefragt wann er ihm den Pferdetausch bezahle.  Dieser sei aber weiter „den Markt hinab gangen als wie ein andrer Schelmb und Dieb“. Erst als ihn aber der Kläger „retorquiert“ (hier verbal mit Gleichem vergalt), sei er um die „Flinten gelaufen und habe ihm bei dem Hause des Hans Späth damit „einen Stoß zum Kopf“ gegeben. Erkannt wurde, dass der Fall aus Gründen der Zuständigkeit an das „churfürstliche Pflegamt alhier“ weiterzuleiten sei, da Kellner aus einer böhmischen Herrschaft stamme. Damit aber „sich keiner mit Wortten noch Werkhen gegen den andern vergreiffen solle“ wurden beiden Parteien „zum Poenfahl (zur Strafe mit) 3 Pfund Pfennige (etwa 3 Gulden) gesetzt“. Sollten sich beide „Partheyen vergleichen“, sollte dies dem Pfleggericht gemeldet werden.

    Ein folgenschwerer Steinwurf

    Wolf  Zilckher, lediger Bürgersohn, erlaubt sich im Juni 1691 dem Hans Schissl, Dienstbub bei Simon Stephl (Waldschmidtstraße 10 oder Marktstraße 15), als dieser gerade „neben der Strassen im Markt am Schloßgraben die Pferd gehiett“ ohne Grund mit einem ¼ Pfund schweren Stein „aufs Maull doch ohne Wundten zu werffen“. Dennoch schwoll die Mundpartie mächtig an und verursachte große Schmerzen. Zilckher räumte seine Tat ein und gab vor, er habe „aus Vexation“ (Verärgerung, Zorn) auf ihn geworfen. Auch glaubte er, dass er ihn nicht treffen würde. Der Täter wurde daraufhin, da er auf dreimaliges Vorladen nicht erschienen war, „3 Stundten ins Narrenhheusl condemniert (gesperrt)“. Das „Narrenhäusel“ war ein Käfig, der in der Regel öffentlich beim Rathaus aufgestellt war. Dort konnten die Vorbeigehenden den sog. „Insassen“ verspotten.  

    Eine Rauferei beim Jakobimarkt

    Er ist stets eine große  Festivität, der „privilegierte Jahrmarkt“ in Eschlkam. Im Jahr 1691 wurde er am Sonntag vor Jakobi (Mittwoch, 25. Juli) begangen. Das Bier fließt an diesem Sommertag in Strömen. Voll besetzt sind die Wirtshäuser und auch der Marktbereich mit seinen Buden und dem Bierausschank in der Öffentlichkeit. An diesem Tag verübten der ledige Bürgersohn Wolf Späth, Wolf Hastreiter und Georg Schrimpf, dieser bei Bürger Altmann (heute Penzkofer) in Diensten, mit Hansen Vischer und Georg Hastreiter vom Kuchlhof, Hans Hacker und Georg Prunner von Schwarzenberg, Wolf Stauber von Leming und Jakob Reithmayr von Großaign und dann noch Andre Preu von Arnschwang ein „trukhenes Geräuff“ (eine Rauferei ohne blutige Verletzungen). Eigens wird  bei der „ex officio (von Amts wegen erfolgten) abstraffung“ betont, dass dabei keine „blutrunstige Leib, oder Painbriche Schäden“ entstanden seien. Für alle wurde eine Strafe von insgesamt nur 2 Gulden 50 Kreuzer ausgesprochen, auch mussten die Gerichtskosten übernommen werden. Von ähnlichen Ereignissen an Feier- und Festtagen berichten die Ratsprotokolle immer wieder.

     

    Werner Perlinger

  • Attestatenbücher geben Einblick in frühere bürgerliche Verhältnisse

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    Eschlkam. Im Marktarchiv befindet sich eine nicht geringe Anzahl sog. „Attestatenbücher“. In zeitlicher Abfolge besteht ihr Inhalt aus sog. Bescheinigungen, wie der Name „Attest“ schon erklärt, die einzelne Bürger immer wieder benötigten, um z. B. als Bürger aufgenommen zu werden, eine Heiratserlaubnis zu erhalten, für übergeordnete Behörden den Besitzstand erklärend, um den Beruf oder eine gewisse Tätigkeit ausüben zu können oder auch als Beweis im Besitz eines guten Leumunds zu sein.

    Wir wenden uns dem Jahreszyklus 1840/41 zu. So wird am 29. Oktober 1840 dem Bürgerssohn Xaver Grauvogl (geb. 1816), angehenden Bader und Chyrurgen (damals der Wundarzt) wegen „Besitzergreifung, dann Ansässigmachung auf das Grauvogl’sche Burger- und Baderanwesen, worauf die reale Badergerechtigkeit ruht, hiermit beurkundet, daß sein Conduite (Verhalten) trefflich gut, ein Mensch von bestem Laimunthe, und (er) auf sein aus Landshut erlangtes Approbationszeugnis bestens zu empfehlen sey“. Aber bereits 1838 hatte die Familie Grauvogel das Anwesen Hsnr. 7/Kleinaigner Straße 3 an den Bader Georg Schoeppel verkauft, einen Sohn des Metzgers Joseph Schoeppel und dessen Frau Theresia, geb. Grauvogel, von Nr. 34/Marktstraße 5. Der junge Schoeppel blieb nicht lange in seinem Geburtsort Eschlkam, denn bereits 1845, am 8. Oktober, ging die „Badergerechtigkeit“ für 800 Gulden an den zugezogenen Bader Jakob Herzog aus Deggendorf über. Damit endete die seit Jahrhunderten auf diesem Anwesen ruhende Badergerechtigkeit (siehe dazu auch den Artikel: „das ehemalige „Badhaus“ im Markte).  

    Am 13. April 1841will Anton Korherr, Kufner, in seinem „mit Legschindeldachung versehenen alten Burgershaus“ Nr. 71/Großaigner Straße 2 (beim Ulla) eine Werkstätte, eine Stallung und eine Dreschtenne bauen. Den Anliegern Ignatz Schmirl, Schuster (Nr. 72/Marktstraße 12), Anna Maria Hacker (Nr. 70/Großaigner Straße 4) und Georg Schreiner, Seifensieder (Nr. 60/Marktstraße 15 – er hatte neben Korherr nur einen Stadel) wurde der Plan des Korherr zur Einsicht vorgelegt, so dass „sie (das Vorhaben) samentlich gut geheißen und nichts dagegen kraft ihrer am Ende stehenden eigenhändigen Unterschriften wider zu erinnern haben“. Bereits damals gab es in Eschlkam auf dem Sektor >Bauwesen> feste Genehmigungsvorgaben, wie sie prinzipiell noch heute gebräuchlich sind.

    Eine zu harte Konkurrenz beklagt

    1853, am 22. November wird dem Schlossermeister Joseph Römisch (Hsnr. 68/Großaigner Straße 6-er hatte im Jahre 1826 eingeheiratet) amtlich attestiert, „dass seine Familie aus 7 Köpfen bestehe und er noch 4 Kinder zu ernähren habe“ und er so familiär „ein schlechtes Fortkommen hat, namentlich seitdem Eisenhändler M. Dachauer (Hsnr. 6/Kleinaigner Straße 6) Handel mit Fabrikschlössern u. anderen Schlosserartikeln treibt. Dachauer versorge als Eisenhändler die ganze Gegend mit zwar billigen aber leicht verfertigten Schlössern und er diesen Handel immer schwunghafter betreibt“. Römisch könne daher mit seinen selbst verfertigten Schlosserwaren preislich „nicht mehr concurrieren und muß folglich in kurzer Zeit mit seinem Gewerb zu Grund gehen“, so die Einlassung des Beschwerdeführers. Typisch für diese Zeit ist, dass mittlerweile die in den Fabriken hergestellten handwerklichen Produkte als Massenware auch in den entferntesten Regionen für die dortigen Handwerker zu einem Konkurrenzproblem wurden, da sie - meist billiger - die qualitätsvollen Erzeugnisse der heimischen Handwerker am Markte verdrängten – ähnlich die Situation auch heute wieder. Man kann sich auch vorstellen wie bei diesen Entwicklungen das menschlich-gesellschaftliche Klima im Markte litt. Der Magistrat hatte dem Römisch mangels gegebener Entscheidungsbefugnis sicher nicht helfen können. Wie es mit Römisch weiterging, verrät das Protokoll nicht. Auf dem Anwesen Großaigner Straße 6 blieb jedoch die Schlosserei Römisch noch Jahrzehnte erhalten.

    „In drückender Armuth“ lebte im Jahr 1854 auch Seilermeister Joseph Koller (Nr. 12/Kleinaigner Straße 11), „da sein Sailergewerbe bei der großen Theuerung der Lebensmittel gänzlich darnieder liege“. Von Vorteil für die damalige Zeit war, dass in Eschlkam sämtliche Anwesen über eine wenn auch kleine Landwirtschaft verfügten, so dass trotz geschilderter wirtschaftlicher Nöte eine Grundversorgung der meist vielköpfigen Familien gewährleistet war – was heute im Ernstfall nicht mehr gegeben wäre.

    Brot für die „besseren Leute“ ?

    Mathias Schreiner (Nr. 18/Further Straße 8), „64 Jahre alt und sehr gut beleumundet, kann sich mit seinem Weibe wegen körperlicher Gebrechen durch Lohnarbeit nichts mehr verdienen“. Er begann einen „Brodhandel“ und brachte aus der Stadt Cham für einen gewissen Personenkreis im Markte Backwaren, „da die hiesigen Bäcker nicht im Stande sind, so gutes Gebäck zu liefern, und sohin ein Bedürfnis nicht für die hiesige Gemeinde, doch für einzelne dahier lebende Personen nach besserem Brode besteht“. Man kann sich vorstellen, wie verärgert und zornig die Bäcker des Marktes auf ihren Mitbürger Schreiner waren.

    Der Bürgerstochter Franziska Späth wird am 18. August im gleichen Jahr „in einer Streitsache wegen Beschimpfung“ gegen Theresia Hausladen attestiert, „daß sie ihr Elterngut von 300 Gulden durchgebracht habe und überdies 3 außereheliche Kinder zu ernähren habe“. Demnach konnte sie ihre anstehenden Prozesskosten nicht bestreiten und musste von einer Klage gegen die Hausladen notgedrungen Abstand nehmen.

    In der „Untersuchungssache gegen den ledigen Metzgerknecht Michel Lechermeier wegen Raubes“ meldete der Magistrat 1854 „wegen eines Vermögens Zeugnisses in Vorlage“ an das Landgericht Kötzting, dass Lechermeier kein Vermögen mehr besitze, „da er sein Elterngut bereits (in) liederlicher Weise durchgebracht hat“. Man konnte ihm somit nichts mehr „nehmen“. Bei einer Verurteilung verblieb nur mehr die Haftstrafe.

     

    Werner Perlinger

  • Das hinterlassene Inventar der Anna Nürnberger

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    Eschlkam. Wurde im letzten Beitrag der letzte Wille der Krämerin im Austrag, Anna Nürnberger, dem Leser nahegebracht, sei nun ihr mobiler Nachlass, als „Inventar“ aufgelistet, vorgestellt.

    Zuvor für den Leser einige Erläuterungen zum Verständnis: Wenn nach Todesfällen Erbauseinandersetzungen drohten, mussten der Amtsbürgermeister mit den Räten des Markts als Inhaber der niederen Gerichtsbarkeit von Amts wegen geordnete Verhältnisse schaffen. In der Praxis sah dies so aus, dass nach einem Todesfall in der Regel zwei Bürger, meist Ratsherren oder auch der gerade amtierende Bürgermeister, zusammen mit dem Marktschreiber in das Haus des Erblassers gingen und dort die hinterlassene, für die Erbaufteilung strittige Hinterlassenschaft (offiziell bezeichnet als „Inventar“) auflisteten, um sie dann auf gerichtlicher Basis unter den in Frage kommenden Erben zu verteilen.

    Solche Inventaraufnahmen informieren ausführlich über den Lebensstandard unserer Vorfahren. Daher sind solche Niederschriften gerade in jetziger Zeit volkskundlich von großem historischem Wert. Es sei aber betont, dass trotz zahlreicher Brief- und Ratsprotokolle das Marktarchiv jedoch kein einziges Inventarbuch aus dem 18. Jahrhundert besitzt. Zufällig, bedingt durch Fragen zur Verteilung einer Erbschaft, ist uns in diesem Fall ausnahmsweise ein Inventar, nämlich das über das hinterlassene Vermögen der Anna Nürnberger vom Jahre 1803 überliefert.   

    So sei nun der mobile hinterlassene Besitz der Witwe Anna Nürnberger (von Haus Nr. 36/ Marktstraße 9) ausführlich dargelegt: Das „Inventarium“ wurde am 4. August 1803 niedergeschrieben. Als eigens dafür vereidigte Schätzleute waren der Hafner Joseph Hölzel (Nr. 51/Blumengasse 18) und der Leinenweber Johann Sporrer (Nr. 43/Blumengasse 11) bestimmt. Die Erblasserin lebte zuletzt bei ihrem Bruder Franz Späth, Handelsmann (Nr. 50/Blumengasse 20), fünf Jahre in der Herberge und bewohnte bis zu ihrem Ableben dort ein Zimmer. Darin befanden sich (der heutigen Schreibweise möglichst angeglichen):
    1 kleines Crucifix, 2 auf Glas gemalene Bilder (Hinterglasbilder), 1 Aufhängtischl (um z. B. an der Wand im Herrgottswinkel Heiligenfiguren zu positionieren), 1 Eimer, 1 alter Sessel, 1 alter Stuhl, 1 Riebeisen, 1 kupfernes Saugpfännel, 1 blechernes und 1erdenes (aus Ton) Reinl, 2 eiserne Pfänneln, 3 erdene Schießeln, 2 hölzerne Däller, 6 erdene Häfen, 1 Nudelwalger, 2 Kochlöffel, 1 Schaf(f)el, 1 feichten (aus Fichtenholz) alte Bettstatt, darinnen 1 Ober- und 1 Unterbett, 3 Kopfbölster, weiters in einem Gemach 1 schlechtes Bett, 1 versperrte Truchen (Truhe) in welcher 1 schwarzer Flor mit einer kleinen silbernen Schnallen (versehen), 1 seiden berkans Karsät (Korsett aus Leinenstoff), 1 Katonns (aus Baumwolle) Karisät (Korsett), 1 schwarzer Balg (Pelz), 5 unterschiedliche Kittel aus Wolle, 3 Fürtücher, 2 köllische Bethzüge, 2 solche Kopfkissenbezüge, 1 bamasir (wahrscheinlich „Bombasin“ = seidener Stoff, meist aus Italien importiert) große und 2 kleine Zügeln (wohl Bänder zum schnüren), 5 Schnupftücher, 7 baumwollne Halstücher, 2 leinerne Tücheln, 4 Haupttücheln, 5 Leibtücher, 3 Tischtücher, 3 Handleuchter, 20 Hemden, 1 Paar schwarze Handschuhe, ein Paar Schuhe, 1 schwarze und eine Haube aus Seide sowie 8 ½ Ellen (1 Elle maß einiges über 50 cm) gebleichten Flachs a 18 Kreuzer.

    An Leinwand ferner: 26 ½ Ellen gebleichte Leinwand a 16 Kreuzer – etwas stärker vom Faden, 11 Ellen werchene (gewebte) Leinwand a 9 Kreuzer, 1 Paar baumwollene Strimpf, 2 Paar baumwollene und 2 Paar gärnere Strimpf, 3 Hühner und ein erdenes Weichbrunnkesterl. Insgesamt wurde für diese aufgezählten Gegenstände ein Wert von insgesamt 75 Gulden 18 Kreuzer ermittelt. An Bargeld fanden sich 13 Gulden 41 Kreuzer 2 Pfennige.

    Die Anna Nürnberger war Gläubigerin verschiedener Bürger, so dass insgesamt 782 Gulden ausständig waren. Demnach ergab das „samentliche Vermögen“, mit eingerechnet die Ausstände, 871 Gulden. Davon ihre finanziellen Verpflichtungen abgezogen, wie Begräbnis- und Sargkosten, ergab sich ein Restvermögen von 615 Gulden. Diese und die genannten Sachgegenstände galt es an folgende Erben zu verteilen:
    Es waren dies die Brüder Hans Jakob, des Rats und „burgerlicher Haimeter“ (Nr. 4/Waldschmidtstraße 6); Georg (Nr. 36/ Marktstraße 9), Bürger und Fuhrmann; Wolfgang, Handelsmann (Nr. 39/Blumengasse 1); Franz, auch Handelsmann (Nr. 50/Blumengasse 20); sowie Joseph Hastreiter, des Rats Bürgermeister (Nr. 59/Markstraße 13), uxoris nomine (im Namen seiner Frau) Theresia, sämtliche aus Eschlkam und letztlich Stefan Schreiner, Bürger und Metzger in Neukirchen b. Hl. Blut.

    Wir erkennen, dass die Witwe Anna Nürnberger, geb. Späth, von ihrer Geburt her der in Eschlkam ökonomisch gehobenen Schicht der „Hoamater“ oder „Haimeter“ angehörte. Damals kosteten beispielsweise ein Scheffel (222 Liter) Weizen 24 Gulden und ein kleiner Laib Brot 5 Kreuzer (60 Kreuzer zählten 1 Gulden). Der Taglohn eines Zimmermanns betrug z. B. 20 Kreuzer oder 1/3 Gulden. Die Kaufkraft eines 1 Gulden darf man um 1800 etwa mit 10 Euro von heute gleichsetzen.

     

    Werner Perlinger

  • „Der Sarg möge aus Eichenholz gezimmert werden“ - das Testament von Anna Nürnberger im Jahr 1803

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    Eschlkam. Anna Nürnberger, eine geb. Späth von Anwesen Nr. 4/Waldschmidtstraße 6 („Haimeter“), machte am 18. April 1794 ein Testament. Daraus seien einzelne Inhalte dem Leser vorgestellt, da sie uns auch einen Einblick in die Denkweise unserer Vorfahren vor mehr als 200 Jahren geben. Sie hatte in zweiter Ehe 1778 Simon, einen Sohn der Familie Nürnberger geheiratet, die damals in Ritzenried beheimatet war. Dazu sei ergänzend erwähnt, dass am 10. Oktober 1798 ein Mitglied dieser Familie, Simon Nürnberger, „Bauernssohn von Ritzenried“,  um 2700 Gulden das erst kurz vorher errichtete erste Anwesen in der damals entstehenden Streusiedlung Daberg käuflich erwarb, der heutige „Simandlhof“ der Familie Nürnberger.

    1798 übergab Anna Nürnberger als Witwe ihre bereits 1766 bei ihrer ersten Heirat mit Sebastian Hastreiter übernommene Behausung Nr. 36/Marktstraße 9 mit Inventar und zum Anwesen gehörenden Gründen im Schätzwert von 1000 Gulden an ihren Bruder Georg Späth und dessen Frau Katharina von Kleinaign. Das Haus allein war auf 435 Gulden eingeschätzt. Die reale Übergabe sollte aber erst nach ihrem Tod geschehen.

    Auslöser für diesen Schritt der „Ausnahmsniesserin“ (sie lebt ausschließlich vom vereinbarten Austrag) ein Testament zu errichten, war eine „Unbößlichkeit (Krankheit), mit der sie befahlen worden“. Vor allem wollte sie spätere Erbschaftsstreitereien so vermeiden, denn die „Testatorin“ (Erblasserein) hatte vier Brüder: Georg, Wolfgang, Jakob und Franz Spätt und noch weitere Verwandte.

    Alle damaligen Testamente beginnen mit der Präambel: „Im Namen der Allerheiligsten Dreyfaltigkeit, Gott des Vaters, Sohnes und Heiligen Geistes“.

    1. So soll ihr „entseelter Körper“ bei der hiesigen Pfarrkirche „zur Erde bestattet“ werden, auch die gewöhnlichen drei Gottesdienste jedes Mal mit zwei heiligen „Beymessen gehalten werden“. Das Grab sei mit einem eisernen Kreuz (damals geschmiedet und nicht gegossen) zu versehen. Der Sarg möge aus Eichenholz gezimmert werden. Aus beiden letzten Verfügungen lässt sich ein gegebener Wohlstand der Erblasserin erkennen.
    2. Für hl. Messen in Eschlkam und auch anderswo stiftete sie allein 100 Gulden.
    3. Dann wurde die Verteilung ihr noch verbliebener Grundstücke an nächste Verwandte niedergeschrieben.
    4. Als Universalerben setzte sie ihren Bruder Georg Spätt, „dermaligen Fuhrmann“ ein. Er durfte das gesamte von ihr hinterlassene Vermögen im Wert von 1000 Gulden an sich bringen. Davon musste er an seine Brüder und an Nichten einzelne Geldbeträge auszahlen. Bedacht wurde auch Wolfgang Nürnberger, „Söldner (Kleinbauer) zu Ritzenried mit 45 Gulden um seine Schuld gegenüber seinem Verwandten Jakob Spätt, „Haymether hierorts“ (Hsnr. 4) begleichen zu können.
    5. Aus der noch vorhandenen „Fahrnis“ (die Haushaltsgegenstände) wurden ein Paar Schuhe, „zwey Kittl, acht Hemetter, ein Fürtuch, zwei „Schnupftücher, Leinwa(n)d auf ein Hemd, das Beth worauf Testatorin lieget, ein kleines Beth“ verteilt. Weiter unterlagen der Verteilung noch vorhandenes „Gewandwerch“ (Gewänder), Häfen und Schüßeln. Das „schlechte Gewandwerch“ sei an die armen Leute zu geben.

    Als „Executor Testamenti“ (Vollstrecker des letzten Willens) ernannte die Nürnberger den Marktmagistrat, „geschehen zu Eschelkam in einem Nebenzimmer: oder Schlafkammer“ am 18. April 1794.

    Es unterschrieben Johann Georg Bärtl als „Vice Burgermeister“ (Nr. 63/Großaigner Straße 9) und Wolfgang Andräe Pach (Vater des Kunstmalers Alois Bach), Marktschreiber; dieser wohnte im Rathaus. Als Zeugen fungierten Georg Limböck (Nr. 56/Blumengasse 8), Wolfgang Leuttermann (Nr. 42/Blumengasse 7), Martin Fischer (Nr. 57/Blumengasse 4 und 6), Andre Lax (Nr. 52/Blumengasse 16), Andre Kilger (Nr. 58/Blumengasse 2), Andre Sauerer (Nr. 53/Blumengasse 14) und Michael Lax (Nr. 41/Blumengasse 5). Es wird noch eigens bemerkt, dass „diese (nach Limbök alle) weil sie des Schreibens unkündig, machen selbst zu ihren Namen die Zeichen“. Auffällig ist, dass bis auf einen Zeugen sämtliche aus der Blumengasse kamen, früher die „Hadergasse“.

    Unerwartet lebte die Anna Nürnberger noch einige Jahre. Laut Inhalt der Sterbematrikel der Pfarrei verstarb die Witwe Anna Nürnberger, bezeichnet als „Ausnahmskramerin“, am 31. Juli 1803 im Alter von 78 Jahren an Entkräftung ohne dass ein Arzt beigezogen war. Der Hinweis „Ausnahmskramerin“ informiert uns, dass die Nürnberger früher im Markt auch eine Krämerei betrieben hatte. Es war dies das Anwesen Nr. 36, heute Marktstraße 9.  Da die Abfassung ihres Testaments über neun Jahre zurücklag, sich demnach auch in familiärer Hinsicht bereits Veränderungen ergeben hatten, war nun, um eine gerechte Verteilung des Erbgutes zu ermöglichen, die schriftliche Aufnahme ihrer Hinterlassenschaft nötig. Diese wird in einem folgenden Beitrag dem Leser vorgestellt.

     

    Werner Perlinger

  • Als Markt Eschlkam eine Choleraepidemie abwehrte

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    Eschlkam. Seit längerer Zeit kämpft nicht nur Europa, sondern die ganze Welt, gegen die Covid-19-Pandemie und ihre Mutanten, eine in Europa im Februar 2020 erstmals aufgetretene Lungenerkrankung aus China. Verursacht wird sie durch das sog. Coronavirus und bezeichnet als Covid-19. Mit modernsten medizinischen Möglichkeiten kann diese „Seuche“ erfolgreich bekämpft werden. In früher Zeit musste sich der Mensch – und dies bei den damaligen medizinisch nahezu völlig unzulänglichen Mitteln – immer wieder gegen epidemisch auftretende Seuchen wehren, denken wir nur an die erste große Welle der verheerend sich auswirkenden Beulenpest um die Mitte des 14. Jahrhunderts. Im Frühjahr 1634 grassierte im Hohenbogen-Winkel erneut die Pest. Etwa die Hälfte der Einwohner ging daran zugrunde. 1713 musste beispielsweise von der Marktgemeinde „wegen der im Königreich Böhaimb laidigen Contagion (Seuche) ein Wachtheusl vorm Markt gegen Stächesriedt (zu) gepauth werden“, um so den allgemeinen, vor allem von der Grenze her kommenden Verkehr überwachen zu können. Das gemauerte Häusl war Tag und Nacht besetzt. Seuchen traten immer wieder auf, darunter auch die gefürchteten Choleraepidemien.

    Cholera („Gallenfluss“, Bezeichnung für ‚Durchfallserkrankung‘,von griechisch  „Galle“, auch Cholera asiatica-asiatische Cholera) ist eine schwere bakterielle Infektionskrankheit vorwiegend des Dünndarms, die durch das Bakterium Vibrio cholerae verursacht wird. Die Infektion erfolgt zumeist über verunreinigtes Trinkwasser oder infizierte Nahrung. Die in Ostasien endemische Cholera („Cholera asiatica“, „Asiatische Cholera“, „Cholera Morbus“) trat auf dem indischen Subkontinent vermutlich (ausgehend vom Gangesdelta) über mehrere Jahrhunderte in Form lokal begrenzter Epidemien auf, war aber auf anderen Kontinenten unbekannt. Die erste Pandemie wütete im Zeitraum 1817 bis 1824 und betraf Teile Asiens sowie Ostafrika, Kleinasien und in Folge Russland und Europa. 1830 erschien sie in Ostgalizien und Ungarn, im Juni 1831 in Wien. Erste Erkrankungen in Deutschland erfolgten im gleichen Jahr. Der 1854 von dem englischen Arzt John Snow erbrachte Nachweis, dass eine Choleraepidemie im Londoner Stadtteil Soho in Zusammenhang mit verunreinigtem Trinkwasser stand, gilt als Geburtsstunde der modernen Epidemiologie. Man wusste nun wo diese Seuche ihren Ursprung hatte.

    Ein Kordon verstärkt die Grenzwache

    Mit der Cholera hatte sich im 1. Drittel des 19. Jahrhunderts erstmals der Markt Eschlkam zu beschäftigen, wenn zum Glück auch nur mittelbar auf der Ebene einer vorgezogenen entscheidenden und somit auch erfolgreichen Abwehr, denn Cholerafälle sind um das Jahr 1832 im Gemeindebereich selbst nicht aufgetreten. Erhalten hat sich im Archiv ein Akt aus dem Jahre 1831/32, betitelt mit „asiatische Cholera betrff“. Die gefürchtete Seuche war im Nachbarland Böhmen ausgebrochen, das damals zum Herrschaftsgebiet des Hauses Habsburg mit Sitz in Wien gehörte. Daher wurden gezielte Vorkehrungen getroffen um ein Übergreifen in den bayerischen Raum zu vermeiden. So wurden vom „königl. bay. 4. Regiment der 1. Füselier (=Infantrie) Kompagnie zur Verstärkung der Grenzschutzwache ein Leutnant und 10 Mann hier stationiert, die am 28. Oktober eingetroffen und den 29. Dezember 1831 hier wieder abgegangen sind“. Davon waren neun Mann in der „Joseph Lembergerischen Behausung kaserniert“. Eine weitere Gruppe war beim Metzger Joseph Scheppel untergebracht. Diese Mannschaft wird amtlich auch als „Kordon“ (Absperrung der Grenze durch eine eng gestaffelte Postenkette) bezeichnet und sie diente allein der Verstärkung der vorhandenen Grenzmannschaft.

    Die Hausbesitzer mussten dafür sorgen, dass die Bediensteten ordentlich versorgt wurden und jeweils abends eine warme Stube genießen konnten. Die Kosten dafür wurden nach genauer Aufstellung vom Staat ordnungsgemäß erstattet, so die Aktenlage.

    Im Jahr darauf, 1832, wiederholte sich das ganze Prozedere. Die meisten der „kasernierten Kordonsmannschaft“ waren wiederum bei dem Bäcker Joseph Lemberger (Nr. 37/38-Marktstraße 11, vulgo „Brücklbäck“) und dem Metzger Scheppel (Nr. 34-Marktstraße 5-heute Ludwig Weber-Haus) untergebracht. Die Anwesen lagen verkehrlich günstig, da die Straße, an der sie liegen als Vicinalstraße (Haupt- oder Handelsstraße) direkt nach Neuaign und zur Grenze führt. Zugleich aber informiert uns eine Liste, dass zum 30. Juli hin Mitglieder des sog. „Sanitäts-Kordons“ bei weiteren zwei Dutzend Bürgern untergebracht waren, wenn auch nur für einen Tag. Das lässt auf eine kurzzeitige, aber sehr umfangreiche  Kontrolle des Grenzgebietes von Neuaign schließen.

    Von dieser Epidemie blieb das Land glücklicherweise verschont, denn weitere Maßnahmen von Einquartierungen waren nicht mehr nötig. Choleraepidemien traten in Bayern in der Folgezeit immer wieder auf. Daher sei ein Vorgang erwähnt, der sich vier Jahrzehnte später wegen eines Choleraausbruchs in München ereignete, hier mit einem engen Bezug zu unserer Heimat.

    Die bayerischen Prinzen bei uns

    Dr. Karl von Reinhardstoettner (1847-1909), ein in seiner Zeit sehr anerkannter Altphilologe und Gutsbesitzer in Lixenried, hat sich als Gelehrter und Wissenschaftler, aber auch als kulturgeschichtlicher Schriftsteller einen bedeutenden Namen gemacht. Als Professor an der Hochschule in München war er auch Erzieher der bayerischen Prinzen Ludwig Ferdinand und Alfons. Deren Vater war Adalbert von Bayern aus dem Hause Wittelsbach, ein Sohn König Ludwig I. Die beiden jungen Prinzen haben das Bergdorf Lixenried, seit 1972 eingemeindet in die Stadt Furth im Wald, wegen einer in der damals schon großen Stadt München grassierenden Choleraepidemie zweimal besucht, zuletzt im Jahr 1873. So konnte der Erzieher Karl von Reinhardstoettner beiden jungen Prinzen aus dem bayerischen Königshause auf seinem Gutsbesitz, im sog. „alten Schloß“, ehemals Sitz der Hofmark, über einen gewissen Zeitraum sicheres Asyl vor der gefährlichen Epidemie anbieten.

     

    Werner Perlinger

  • Der versuchte Verkauf des Marktschreiber-Stadels

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    Eschlkam. Wir befinden uns in der schon beschriebenen zeitlichen Phase, als allein der Marktschreiber im Jahre 1810 Franz de Paula Pach als Kommunaladministrator die Geschicke des Marktes anstelle des Bürgermeisters lenkte (siehe dazu Artikel „Als der Marktschreiber und nicht der Bürgermeister den Markt regierte“). Geld sollte in die stets klamme Kasse der Kommune kommen, da wurde der Versuch unternommen den sog. Marktschreiber-Stadel an privat zu veräußern. Im Liquidationsplan von 1840 ist dieser Stadel noch existent und unmittelbar hinter dem Rathaus eingezeichnet. Mit einer Front lag er direkt am Waldschmidtplatz, mit der anderen Seite an der Rathausgasse. An seiner Stelle befindet sich heute das Tourismusbüro, integriert in das „Waldschmidt-Haus“.

    „Akt der Kommunaladministration Eschelkamm - den in das Privateigenthum nicht geeigenschafteten sondern für den Dienst der Gemeinde nothwendigen Marktschreiber / Communalstadels / betreff.“, lautet das Thema eines Aktes aus dem Jahre 1810. Im Namen seiner Majestät des Königs (Max I. Joseph) gab am 14. Juli das Königliche General Commissariat des Regenkreises als Kommunal Curatel mit Sitz in Straubing an die K(öniglich). B(ayerische). provisorische Kommunal Administration Eschlkamm“ den Auftrag „den dortigen sogenannten Marktschreibers Stadel insofern selben zum Übergang in das Privateigenthum geeigenschaftet (als geeignet), und für den Dienst der Gemeinde nicht nothwendig ist, der öffentlichen Versteigerung“ zuzuführen.

    Die Marktschreiber wohnten immer als geschäftsführende Beamte der Gemeinde im Rathause. Er durfte seit jeher als mögliche wirtschaftliche Grundlage in Notzeiten im angrenzenden Stadelgebäude für sich zumindest eine Kuh halten und dort auch das nötige Trockenfutter und Gerätschaften lagern. Zu Beginn der napoleonischen Ära aber hat der Marktschreiber aus wirtschaftlichen Gründen auf dieses Privileg wohl bereits verzichtet. 

    Aktiv wurde die übergeordnete Behörde, weil sich an sie der Bürger und Uhrmacher Wolfgang Stauber wegen der Absicht den Stadel zu kaufen „selbst bey der allerhöchsten Stelle allunterthänigst gemeldet“ hatte. Die Uhrmacherfamilie Stauber lebte seit 1761 im Anwesen Nr. 22, heute nicht mehr existent, vielmehr aufgegangen in Anwesen Nr. 23/Marktstraße 2. Die Fleischbank für die Metzger und das Brothaus lagen damals als gemauertes Haus, versehen mit einem Legschindeldach zwischen dem Rathaus und dem räumlich sehr engfängigen Anwesen Stauber. Aufgrund dieser Lage hatte der Uhrmacher Stauber ein Interesse daran den schräg hinter seinem Haus liegenden kleinen Stadel zu erwerben. Der Hinweis „was immer für einen Preis“ Stauber zahlen wolle, macht deutlich, dass es der übergeordneten Behörde ein Anliegen war, dass ein Kauf zustande kam und die Kommune sich von dieser mittlerweile offenbar nutzlosen Immobilie trenne. Dennoch: „sollten aber Umstände obwalten, die den Übergang dieser Realität in das Privateigenthum hinderten, so sind diese folglich berichtlich anzuzeigen“. Und so geschah es denn auch.

    Die Bürger wurden gefragt

    Gut eine Woche später, am 22. Juli, wurden auf das Rathaus „die Gemeindeglieder (die Bürger) berufen“ und fragte, ob sie „die erwähnte Realität (der Stadel) entbehrlich und zum Übergang in das Privateigenthum geeigenschaftet erkennen“. Die Bürger aber wandten wohl unerwartet dagegen ein,
    1. dass der Stadel „ein schickliches Lokal für Unterbringung und Sicherheitsstellung der Feuerlöschgeräte“ abgebe, „da mit der Zeit so ein eigenes Remiß (Wagen- und Geräteschuppen) auferbaut werden müßte und in der Hauptsache (es) an einem Platz hierzu fehlt“.
    2. Auch würde der Stadel in Kriegszeiten gute Dienste leisten, „indem selber zu einem Magazinstadel gebraucht werden kann, und auch gebraucht worden ist, um einen Bürgermann von den so vielen Anfällen (Vorkommen) einer Fourage (Abgabe von Pferdefutter bzw. Verpflegung für die Truppe) Begehung zu befreien und von Beraubung selbst seins wenigen zu schützen“.
    Als drittes Argument wurde vorgebracht, dass „ nun die Wohlfahrt einer ganzen Gemeinde und nicht das Interesse eines einzelnen Gemeindeglieds zu berücksichtigen ist, so gründet sich dabei die Hoffnung, dieser Stadel werde bei seiner alten Eigenschaft bleiben, somit der Bürgerschaft zum Dienst überlaßen werden“.
    Mit dieser letzten Stellungnahme wurde das „Protokoll beschloßen und zu mehrerer Bekräftigung dessen von des Schreibens kundigen (Bürgern) unterzeichnet“.

    Die Zeit verstrich und an das Königliche General Commissariat berichtete der Marktschreiber erst am 17. Juli 1811 – ungefähr ein Jahr vor Beginn Kaiser Napoleon‘s katastrophalen Rußlandfeldzug - dass der Beschluss der Bürger akzeptiert werde, nachdem sie „das Communal Vermögen keineswegs schmälern, sondern zu vermeliorieren (verbessern) die Absicht hätten, so dürfte dieser Stadel , nachdem sie solchen zu ihrem Gebrauch vonnöthen hat, in allen höchsten Gnaden überlaßen werden“. Mit den abschließenden Worten „der ich in tiefster Ehrfurcht bin aller gehorsamster“ endet der Brief des Marktschreibers an das General Kommissariat.

    Am 29. Juli antwortete abschließend Regensburg, aufgrund der „einberichteten Umstände kann der Verkauf des sog. Marktschreibers Stadl einstweil unterbleiben und soll zu dem angezeigten Zwecke noch ferners verwendet werden“. Noch längere Zeit musste sich die Familie Stauber mit ihrer sehr engen Wohnlage zufriedengeben. Erst 1854 erwarb der Uhrmacher Joseph Stauber durch einen Tausch mit Anton Pfeffer das Anwesen N. 59/Marktstraße 13. Der Hausname „beim Uhrmacher“ wanderte damals von Nr. 22 zu Anwesen Markstraße 13. Die Stauber sind noch in Besitz dieses Hauses.

     

    Werner Perlinger

  • Dem Marktschreiber Veith Adam Wurzer wird der Dienst aufgekündigt

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    Eschlkam. Unter dem Titel „höchsbenötigtes Anbringen“ erklärt am 4. Juni 1698 der gerade amtierende Bürgermeister Wolf Sighardt Altmann vor dem Marktrat, dass er „wider alles Verhoffen von frembten Leuthen vernemmen missen“, dass der Marktschreiber Veith Adam Wurzer zuhause und auch andernorts „im Beisein ehrlicher Leith“ nicht nur höchst ehrenrühriges, sondern auch für „sein Leibs und Lebens bethrohliche Wortt öffentlich ausgestossen haben solle.“ Er gedenke dies alles nicht auf sich sitzen zu lassen. Er bat um eidliche Einvernahme der Bürger und „Rhats Freundt“ (Ratsmitglieder), die Wurzers sprachliche Verfehlungen ihm gegenüber gehört hätten.

    Vier Wochen später, am 3. Juli, lautet der Titel der Niederschrift über eine Ratssitzung: „Dienstaufkhündtung.“ Demnach „wollen Bürgermeister und Räte aus erheblichen Ursachen ihren bisher gewesten Marckhtschreiber Veith Adam Wurzer den Marckhtschreiber Dienst dergestalten aufgekhündt haben, daß er auf nechsten Michaeli (29. September) abtretten, und alle zur Marktschreiberey gehörige Sachen zur Registratur übergeben solle“ - ein amtlich sehr heikler, aber auch höchst seltener Vorgang, der bei den Bewohnern im Markte sicher für einige Unruhe gesorgt hatte.

    Was waren nun die „erheblichen Ursachen“, wird sich der Leser fragen, wenn neben dem gerade amtierenden Bürgermeister Wolf Sighardt Altmann, Inhaber eines „Hoamaterhofes“ (Nr. 1/ Waldschmidtstraße 14) und dem Pfarrer der eigentlich bedeutendste Mann im Markte aufgefordert wird, seinen Dienst baldmöglichst zu quittieren. Den Grund für die abrupte Entlassung aus dem Dienst vermittelt uns die detaillierte Niederschrift über die in dieser Sache abgehaltene „Zeugensag, so zwischen Wolf Sighardt Altmann, Burgermeister alhir, dann Veith Adam Wurzer Marckhtschreibern alda von oberrigkheitswegen eingeholt worden, dem 3. Juli“. Es ging um „underschidtliche Bedrohungen und anderes“, so die marginale Erläuterung im Protokoll. Der 1. Zeuge war Wolf Korherr, Bürger und Mitglied des „Äußeren Rates“ (Kufner auf Nr. 10/ Kleinaigner Straße 5). Er gab an, er sei bei dieser Angelegenheit nicht mehr dabei gewesen und habe „weder Gutes noch Böses gehört“. Der 2. Zeuge, Hans Späth, auch Mitglied des „Äußeren Rats (Nr. 5/Further Straße 3)“ sagte aus, er habe vom Marktschreiber in seiner Wohnstuben vernommen, es gebe einen, der den Markt allein regieren und „über ain Hauffen werffen wolte“. Wurzer habe dann „2 Khigl aus dem Peitl“ genommen mit dem Hinweis, ehe dies geschehe, so der Zeuge Späth, „wolts er solchen (Wurzer) in sein Leib schießen“. Der 3. Zeuge, der Bürger Simon Stephan berichtete, der Herr Marktschreiber habe in seinem Haus gesagt, Herr Altmann habe „in des Herrn Lährnpöchers Burgermeisters Stubn geredt, er wolle sein(en) Kopf nit mehr aufflegen, bis daß alhier ainer allein den Marckht regiert“. Darauf antwortete Wurzer, „Herr Vetter, da hab ich ain Paar Khigl in meinem Peitl“, und er sagte hierauf „er wolle solchem (dem Altmann) vor den Khopf schiessen und (dann) dem Ungerlandt (Ungarn) zuereiden, er waiß den Weg gahr wohl“. (Sein) „Weib und Kind“ wolle er „siezen (zurück) lassen“. Als 4. und letzter Zeuge gab der Bäcker Hans Vogl (Nr. 58/Blumengasse 2) an, Wurzer habe gesagt, „wann er von der Markhtschreiberey khommen sollte, mechte er khainen Rhatsfreundt (Gemeinderat) nit abgeben oder sich (dafür) prauchen lassen weill ainer allainig den Marckht regieren wolte, (er) wolle auch ain solchem 2 Khigl in sein Leib schiessen“. Damit enden im Ratsprotokoll dazu die Aussagen. Wie zu erkennen, hatte sich der heftige Streit zwischen dem Bürgermeister und Wurzer entzündet als ein Gerangel wohl um Kompetenzen bei Entscheidungen.  

    Den Fall weitergeleitet

    Erst Monate später erfahren wir aus der Ratssitzung vom 17. Oktober, dass Altmann dem Marktschreiber einst Akten, betreffend Hans Christoph Tenzl und den Mesner Wolf Khinninger, „zum Verbrennen gegeben habe“, was aber dann nicht geschah, denn sie haben sich an diesem Tag wieder gefunden. Vielmehr sei der Vorgang, den Tenzl betreffend, diesem von Wurzer gegeben, der andere hinsichtlich des Mesners aber dem „Canzlisten“ Häberl in München „eingehendigt“ worden, was aber dem Bürgermeister Altmann äußerst missfiel. Der Marktrat bestand darauf, dass die ehrenrührige Bezichtigung Wurzers gegenüber Altmann, geschehen aus „hitzigen Erzürnen, ex officio aufgehebt“ (von Amts wegen) und Wurzer den Auftrag erhielt gegenüber Altmann „Abbitt zu thun“.

    Insgesamt hätte sich der Marktrat schon von Anfang an aus der unliebsamen Affäre zurückgezogen mit dem Hinweis: „Weilen die Abwandlung (wegen der Androhung der Tötung) dem churfürstlichen Pfleggericht (damals in Neukirchen b. Hl. Blut) gehöret, also würdt diese hiermit cassieret und durchstrichen.“ Das höhere Gericht aber gab den Fall an die Gemeinde wieder zurück und schließlich wurden beide Parteien, Wurzer und Altmann, nach längerem Hin und Her wegen gegenseitigen „muthwilligen Anbringens, so aus lautter Passion (Leidenschaft) und Hizigkheit“ geschehen verwiesen, zu einer Geldstrafe in Höhe von 6 Reichstalern verurteilt.

    Die Entlassung aus dem Dienst, das für Wurzer weit höhere Übel aber blieb bestehen, da das persönliche Verhältnis zu Bürgermeister Altmann so zerrüttet war, dass ein amtlich-kollegiales Miteinander nicht mehr möglich war.  

    Aus Straubing zugezogen

    Abschließend einiges zur Person Marktschreibers: Als Sohn eines Brauers in Straubing geboren kam Vitus Adam Wurzer als gelernter Gerichtsschreiber nach Eschlkam und ehelichte am 29. Mai 1686 Anna Klara Tenzl. Deren Vater war Wolfgang Tenzl, damaliger „archigrammaticus emmeritus“ (Marktschreiber im Ruhestand) und Besitzer des „Hoamaterhofes“ (Nr. 3/Wald- schmidtstraße 8). Vielleicht kam Wurzer auf Bestreben des alten Tenzl, eben weil durch ihn die Stelle freigeworden war, nach Eschlkam und wurde so dessen Nachfolger.  Der Ehe mit Klara Tenzl entsprossen bis 1697 sechs Kinder, so die Taufmatrikel. 1687, am 7. Juli, wird Veith Adam Wurzer erstmals als Marktschreiber genannt. Er wohnte von seiner Funktion her mit seiner Familie herkömmlicherweise vorerst im Rathaus. Das Bürgerrecht erhält Wurzer am 11. Juni 1691 nachdem er die Behausung des (+) Kufners Valentin Harlfinger (Nr. 17/Kleinaigner Straße 4) käuflich erworben hatte und so hausansässig wurde. 1694, am 29. März, wird Wurzer als „Gandtmann“ bezeichnet. Wie und wieso er in den wirtschaftlichen Ruin geriet, ist nicht überliefert. Am 27. August 1694 kauft Georg Tenzl, Bäcker und Bürgersohn (der Schwager Wurzers), die Behausung von Veith Adam Wurzer, Marktschreiber „allhie zu Eschlcamb“ für 475 Gulden. In der Folgezeit wohnt Wurzer bis zu seiner Dienstentpflichtung 1698 wieder im Rathaus. Über das weitere Schicksal schweigen die Akten. Er tritt nicht mehr in Erscheinung. 1706 wird in der Kammerrechnung vom „gewesten Burger und Gastgeber Wurzer“ berichtet, was nicht bedeutet, dass er bereits verstorben ist, denn zum 10. März 1732 lautet ein Sterbeeintrag: Dominus (Herr) Vitus Adamus Wurzer, churbayerischer Leutant. Demnach verließ Wurzer noch vor 1706 den Markt, trat in militärische Dienste ein, kehrte aber vor seinem Tod nach Eschlkam zurück.

     

    Werner Perlinger

  • Als der Markt Eschlkam eine „Leichenordnung“ bekam

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    Eschlkam. Wir schreiben das Jahr 1875. Am 26. Mai erließ der Markgemeinderat eine für alle Gemeindebewohner verbindliche in 13 Paragraphen verfasste Ordnung für den Umgang mit den Verstorbenen vom Eintritt des Todes bis zur Beerdigung. Verordnungen dieser Art waren nötig geworden, nachdem es damals auf dem Lande noch keine Leichenhäuser gab und die Toten bei jeder Witterung zu Hause bis zur Beerdigung aufgebahrt werden mussten. Dazu hatte die Marktgemeinde bereits am 26. September 1871 eine in 13 Paragraphen gefasste ortspolizeiliche Vorschrift erlassen, die dann am 26. Mai 1875 als „Leichenordnung“ offiziell vorgestellt wurde.

    Demnach musste bei einem Todesfall in einem Hause in längstens zwei Stunden die „Seelnonne (heute die Leichenfrau) zu den an der Leiche notwendigen Verrichtungen gerufen werden, sofern dieselben nicht von den Angehörigen des Verstorbenen besorgt werden wollen“. Gemeint ist die Waschung und das Ankleiden sowie die Aufbahrung des Toten in einem Zimmer des Hauses, aber auch die Bekanntmachung des Todesfalles durch das „Umgehen“ (bekanntmachen eines Todesfalls) in einer Zeit als es vor allem auf dem Lande noch keine Tageszeitungen gab. Wurde die Leiche aus dem Zimmer gebracht, musste der Raum mehrere Stunden lang gelüftet werden. Auch waren die Betten und Kleidungsstücke, „mit denen die Leiche in Berührung war“ vor deren Wiederverwendung „durch Auswaschen gehörig zu reinigen“. Der Verfasser selbst hat mehrmals bemerkt, dass es auch üblich war, diese textilen Überreste im Umfeld des Hofes oder Hauses auf sonstiger freier Fläche zu verbrennen.

    Das „Aufbleibn“ bei einem Toten

    1894, am 8. Dezember, erließ der Gemeindeausschuss folgende ortspolizeiliche Vorschrift: Das oft mehrere Stunden andauernde Totengebet bei einem Verstorbenen – man nannte es das „Aufbleibn“ - darf nicht in dem Lokale, wo die Leiche liegt abgehalten werden. Schulkinder durften daran nicht teilnehmen. Verboten war auch „alles Zechen vor, während oder nach dem Totengebete“. Auch war das Zimmer, in dem die Leiche lag, stark zu lüften, ebenso der Fußboden gründlich zu reinigen. Gerade in der warmen Jahreszeit kam es vor, dass die Leichen „übergingen“, in dem ihre Körpersäfte bis zur Einsargung zu Boden abtropften. Auch mussten Leichen welche nicht zu Hause sondern in einem Krankenhaus oder Spital an einer ansteckender Krankheit verstarben, unmittelbar in das Leichenhaus, oder – sofern ein solches nicht vorhanden - in ein hierzu geeignetes „Seelhaus“ am Friedhofsgelände verbracht werden. Keinesfalls durfte der Tote zurück in das eigene Haus gebracht werden.

    Im Friedhof von Eschlkam war festgelegt, die Gräber mit nummerierten Holzpflöcken zu versehen. Die „Umtriebszeit“ – die Zeit bis der Verwesungsprozess endete und ein Grab für eine neue Beerdigung geöffnet werden durfte – betrug damals für Erwachsene und Kinder über zehn Jahren zehn Jahre; für jüngere Kinder nur sechs Jahre. Auch war bestimmt, dass Kinder nur in einem dafür bestimmten Teil des Friedhofs, im sog. „Kinderfriedhof“ beerdigt werden. Wegen Platzmangel begrenzt war die „Errichtung von Familiengrabstätten“. Die Fläche von zwei Gräbern durfte nicht überschritten werden.

    Gestattet wurde die Aufstellung von Denkmälern, räumlich begrenzt aber auf die betreffende Grabfläche. Gemeint sind hier die heute üblichen Grabsteine. Früher waren sie aus Kostengründen noch selten anzutreffen. Vielmehr zierten meist nur hölzerne oder auch schmiedeeiserne Kreuze die Gräber. Erlaubt war den Angehörigen der Verstorbenen für diese Gedenktafeln an der „Umfassungsmauer des Friedhofes sowie an der äußeren Kirchenmauer“ anzubringen. Andererseits mussten Grabdenkmäler von den „Turnusgräbern“ nach Ablauf der Umstriebszeit entfernt werden. Ausgenommen davon waren die Familiengräber.

    Genau regelte die Marktführung wer in einer Familiengrabstätte seine letzte Ruhe finden durfte. Es waren dies: der Erwerber der Grabstätte, die Ehefrau sowie die Kinder, Enkel, Eltern und Geschwister. Demnach durften auch die im Kindsalter verstorbenen Familienangehörigen im Kreise ihrer Angehörigen die letzte Ruhe finden. Das Privileg „Familiengrab“ endete nach 30 Jahren, wenn für eine Verlängerung die Grabgebühren dafür nicht mehr entrichtet worden sind. „Ein Familiengrab verliert diese Eigenschaft und kehrt in die Reihe der Turnusgräber zurück“, so die Bestimmung in §10. Gestattet war es auch, die Grabstätten mit Blumen und Sträuchern zu bepflanzen.

    Das Grabregister

    Allein der Totengräber war beauftragt, ein Grabregister zu führen und „evident“ zu halten, in welches unmittelbar nach der Beerdigung die Nr. des neu eröffneten Grabes, Name, Stand, Alter und Wohnort der beerdigten Person sowie der Tag und die Stunde der Beerdigung einzutragen waren. Dies hatte die Gemeindebehörde zu kontrollieren, bei der auch „der über die Kirchhofanlagen gefertigte Kartenplan zu Jedermanns Einsicht hinterlegt ist“. Übertretungen dieser „Leichenordnung“ wurden „mit Geld bis zu 30 Thalern, oder mit Haft bis zu 30 Tagen geahndet“. Ein solches Register wurde bereits 1866 dem Totengräber aufgetragen (siehe dazu den Bericht „Vergabe des Totengräberdienstes im 19. Jahrhundert“).

    Die Königliche Regierung von Niederbayern bestätigte den geplanten Vollzug der neuen Friedhofsordnung am 16. Juli 1875, was den damaligen Bürgermeister Pfeffer am 8. April 1876 veranlasste dies nochmals zu bestätigen. Die Verordnung vom Jahr 1875 erscheint für ihre Zeit als sehr modern. Probleme gab es trotzdem, vor allem wenn in der warmen Jahreszeit die Toten mangels eines Leichenhauses mindestens zwei Tage zu Hause aufgebahrt werden mussten. Streng geregelt, aber nicht in den aufgeführten Statuten, war die Leichenschau. 1877 war in Eschlkam der Bader Jakob Herzog verstorben. Nachfolger wurde sein gleichnamiger Sohn, der als „approbierter Badergehilfe“ das Geschäft seines Vaters übernommen hatte. Der approbierte Bader war im Gegensatz zum heutigen Friseur für seine Zeit als „Arzt des kleinen Mannes“ medizinisch gebildet und so für die Feststellung des Todeszeitpunktes bzw. die Untersuchung der Toten in Ermangelung eines Arztes am Ort prädestiniert.

     

    Werner Perlinger

  • Österreichische Truppen mussten gut verpflegt werden

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    Eschlkam. Die Napoleonischen Kriege (1799-1815) verändern das Gesicht Europas: Das Heilige Römische Reich deutscher Nation, eine seit Jahrhunderten sakral legitimierte Staatsform, löst sich 1806 unter dem Druck Napoleons auf. Europa wird politisch und territorial neu geordnet. Mehrmals gerät Bayern in Gefahr im Konflikt zwischen Frankreich und Österreich als eigenständiger Staat aufgelöst zu werden. So stand im Jahr 1805 die Zukunft des bayerischen Kurfürstentums unter Max Joseph IV. auf der Kippe. Deshalb unterzeichnete der Kurfürst einen Vertrag mit Napoleon. Man begab sich in die schützenden Arme Frankreichs - und setzte so aufs richtige Pferd. Die Franzosen jagten die Österreicher noch im Herbst 1805 aus Bayern hinaus. Bayern stieg am 1. Januar 1806 zum Königreich auf. So viel zur damaligen politischen Situation nach 1800, die auch unsere Grenzregion betraf.

    Haben wir im Artikel „Napoleons Kriege“ über die Quartierlasten während der Napoleonischen Kriege zwischen 1813 und 1815 berichtet, die Jahre später 1822 abgegolten wurden, so seien aufgrund eines weiteren Fundes im Marktarchiv einzelne Belastungen der Eschlkamer Bürger zum Teil dargelegt, die Napoleons Kriegshandlungen gegen die damalige Großmacht Österreich bereits in den Jahren 1805/06 verursachten. Diese Belastungen bei all diesen großimperialen Bestrebungen hatten die Untertanen zu tragen - und oft geschah es, dass die bei Aushebungen von Materialien für die Kriegsführung entstandenen Verluste später, wenn, nur wenig oder oft auch gar nicht ersetzt wurden.

    Gut verpflegt

    Am 29. und 30. November 1805 wurden die 64 hausbesitzenden Bürger auf das Rathaus geladen. Sie mussten zunächst detailliert „wegen der von den französischen Truppen getragenen Quartieren am 13., 14., 15. und 16. November und dadurch entstandenen Kösten“ entsprechend einem Fragenkatalog (bezeichnet als Patent), übermittelt vom Landgericht Kötzting, genau berichten. Die feste Verpflegung für jeden einzelnen Soldaten, so erfahren wir, bestand täglich aus Suppe, reichlich Rindfleisch, Kartoffeln und Gemüse „und nebenbei mussten auch Bier, Wein, Caffee, Rosoglio (feiner Rosenlikör) und Branntwein credenzt werden“, aufgeteilt als Frühstück, Mittag- und Abendessen. Ein Offizier kostete dem „Hausvater“ (Quartiergeber) täglich 3 Gulden; nur 1 Gulden 30 Kreuzer der „gemeine Mann“. Zugleich lebte der beherbergende Hausherr gewiss weit genügsamer. Insgesamt kostete diese Maßnahme der Bürgerschaft insgesamt 2244 Gulden. Eine Begleichung dieser Ausgaben nennt der Akt nicht.

    Am 2. Dezember 1805 werden wiederum die von österreichischen Truppen verursachten Kriegsschäden aufgelistet. So schildern an Eidesstatt Joseph Schreiner, „burgerlicher Haimeter“ (damals in Nr. 37/Marktstraße 11) und Joseph Schöppel, „Gastgeb“ (Nr.34/Marktstraße 5), dass am 6. November der österreichische Dragoner Oberleutnant von Heimer mit 22 Mann in den Markt gekommen sei. Es wurden ihm 1¾ Zentner Heu (für Pferde) ausgehändigt. Am 8. November kam er erneut mit 7 Mann nachts um halb zwölf Uhr. Gegeben wurden 15 Laib Brot a 4 Pfund, 30 Maß Bier, ferner Hafer und wiederum Heu für die Pferde. Das alles wurde von den Österreichern nach „Böhmisch Neumarkt abgefahren“.

    Die Pferdebesitzer des Marktes

    Über „die im Krieg zu Verlust gegangenen Pferde, und die Beschreibung des dermaligen (jetzigen) Pferdestandes betrff.“, niedergeschrieben im Auftrag und Anweisung des königl. Landgerichts Kötzting vom 13. April 1806, lautet der Titel eines Schriftstücks. Insgesamt werden von den Marktbürgern als nicht verlorener sondern derzeitiger „Pferdebestand“ 18 Tiere angegeben. Jeweils zwei Pferde besaßen in diesem Jahr die Ökonomiebürger Joseph Weber (Nr. 1/Waldschmidtplatz 14), Joseph Pfeffer, Fuhrmann (Nr. 50/Blumengasse 20) und Franz Fischer, Fuhrmann (Nr. 57/Blumengasse 4 u.6.). Während Weber (heute Penzkofer) damals der begütertste Landwirt und zugleich Gastgeber war, verdienten Pfeffer und Fischer als Fuhrleute ihr Brot. Nur ein Pferd dagegen besaßen Jakob Späth (Nr. 4/Waldschmidtplatz 6), Franz Späth, Metzger (Nr. 5/Further Straße 3), Franz Retzer, Bäcker (Nr. 19/Further Straße 4 und 6), Michael Schamberger, Hufschmied (Nr. 6/Kleinaigner Straße 1), Andre Penzkofer, Müller (Nr. 45/Penzenmühle 1-3), Anton Hastreiter, Müller (Nr. 46/Bäckermühle 1-2), Joseph Schreiner („Hoamater“ Nr. 37/Marktstraße 11), Johann Georg Schreiner, Seifensieder (Nr. 35/Marktstraße 7), Joseph Scheppel, Metzger (Nr. 34/Marktstraße 5), Anton Prückl, Gastgeber und Krämer (Nr. 60/Marktstraße 15), Mathias Bärtl, Krämer (Nr. 25/Waldschmidtplatz 8) und Anton Kolbeck, Landwirt („Hoamater“ Nr. 3/Waldschmidtstraße 8).

    Entschädigung erbeten

    Erbetene Entschädigungszahlungen aus Kriegshandlungen ließen stets auf sich warten. In einem letzten, sehr höflich formulierten Bittbrief vom 15. April 1806 an den Reichsfreiherrn Joseph von Pechmann (Landrichter in Kötzting von 1803-1820 – der Name ist im Brief nicht genannt) baten die Eschlkamer, er möge sich doch an ihr Schreiben vom 30. März erinnern und „hochgnädig geruhen zu wollen“ die wegen der österreichischen Truppen ausgegebenen 204 Gulden 46 Kreuzer „umso mehr flüssig machen zu lassen, als der Magistrat nur allein durch diesen Ersatz sich den Grobheiten der Bürgerschaft erübrigen kann“. Zugleich lieferten sie mit diesem Schreiben „sechs Stück Kärpfen“ (Karpfen), gefischt aus dem großen Weiher in Schachten, um „den hohen Herrn zu bewegen“, ihnen den genannten Betrag zukommen zu lassen. Damit endet der Akt. Es darf angenommen werden, dass die Bürger keine Entschädigung erhielten, da ein Dankesschreiben bzw. eine Bestätigung darüber fehlt. Man kann sich vorstellen, betrachten wir nur die Situationsschilderung im letzten Schreiben, wie im Markt und auch anderswo infolge der Kriege der Mächtigen gegeneinander die Volksseele wegen der dabei schuldlos erlittenen materiellen Verluste hochkochte. Es waren dies für die Untertanen Verluste die fast nie ersetzt wurden.

     

    Werner Perlinger

  • Die Landwehrmänner des Marktes Eschlkam

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    Eschlkam. Obwohl sich im Archiv des Marktes zum Thema >Landwehr< nur wenige Unterlagen befinden, seien dazu doch einige Informationen dem Leser nahegebracht, da diese Einrichtung nach den napoleonischen Kriegen in Bayen und gerade auch im Hohenbogen-Winkel eine nicht unerhebliche Bedeutung hatte. Das Wort >Landwehr< ist ein Begriff aus dem Militärwesen, der je nach Staat oder Gebiet unterschiedliche Bedeutungen annehmen kann. Häufig geht es um einem stehenden Heer beigeordnete milizartige Verbände oder Einheiten aus Reservisten älterer Jahrgänge. Die Landwehr war neben dem „Stehenden Heer“ ein Teil des Heeres insgesamt. In Staaten wie Bayern blieb damals die Aufstellung der Landwehr noch gleichbedeutend mit der Einziehung von Freiwilligen (Landsturm und Freikorps, freiwillige Jäger). 1809 wurde nach französischem Vorbild eine Nationalgarde mit drei Klassen aufgebaut (1. Klasse: Reservebataillone der Linienregimenter, 2. Klasse: Landwehr, 3. Klasse: Bürgermilitär).  Die Nationalgarde wurde von 1814 bis 1816 in die Landwehr des Königreichs Bayern umgewandelt. Diese neue Einrichtung sollte dem aktiven, stehenden Heer als Reserve dienen. Die Dienstpflicht erstreckte sich bis zum 55. Lebensjahr. In ihren Grundzügen hielt sich die Heeresverfassung bis zum Jahre 1868. Die Mitglieder der Landwehr glänzten besonders bei ihrer Teilnahme an den Fronleichnamsprozessionen. 

    Die Eidesformel

    Die Landwehrmänner mussten vor ihrer Aufnahme in das Korps einen heiligen Eid leisten. Die Eidesformel, überliefert vom 31. Oktober 1825, lautet: „Wir schwören zu Gott dem Allmächtigen einen körperlichen Eid, daß wir wollen Treu und Hold sein, dem allerdurchläuchtigsten und großmächtigsten König und Herrn Ludwig Karl August (König Ludwig I. von Bayern, Regent 1825-1848) als ihren allergnädigsten Monarchen, daß sie allerhöchst desselben erhabendste Person und Königl. Haus und ihr Vaterland rühmlich und tapfer vertheidigen, und sich stetts so betragen wollen, wie es braven Bürgern und guten Unterthanen obliegt, und ihm Pflicht gebührt. Alles dieses, so ich wohl verstanden habe, will ich getreu befolgen, so wahr mir Gott helfe, und sein heiliges Wort.“ Demnach wurde bei der Aufnahme den zu verpflichteten Männern, die wegen der notwendigen Dienstfähigkeit nicht über 40 Jahre alt sein durften, der Text öffentlich vorgelesen und dann der Eid abgenommen.

    Eine Dienstbefreiung war möglich

    1835, am 13. April hat der Markt an die „Königlich bayerische Oeconomie Komißion des Königlichen Landwehr Bataillons Kötzting“ 18 Gulden 54 Kreuzer einbezahlt, und zwar von den Reluitions-Pflichtigen der III. Companie Eschlkam. „Reluition“ bedeutet die Ablösung einer Verpflichtung, hier der Dienst als Landwehrmann, durch Zahlung eines bestimmten Geldbetrages je nach der persönlichen wirtschaftlichen Lage. In der Liste der einzelnen Reluitionsbeiträge werden aufgeführt die Bürger Franz Späth (Nr. 45 ½/Moosbauerweg 9), Georg Waitzer (Nr. 9/Kleinaigner Straßé 7), Andre Würz (Nr. 8/Salergasse 1), Georg Schreiner (Nr. 60/Markstraße 15), Franz Schmaus (Nr. 40/Blumengasse 3), Johann Uringer (Nr. 39/Blumengasse 1) und Andreas Müller (Nr. 47/ Heuhofer Mühle 1). Die „Oeconomie Comission des K(öniglichen) Landwehr Batalion Koetzting“ stellte an den Markt jeweils die Aufforderung zur Einzahlung. In den folgenden Jahren ließen sich von der sog. Landwehrpflicht auch der Marktschreiber Bach und die Lehrer Beer und Dobler befreien. Lieber zahlten sie jeweils 1 Gulden als Ablösung.

    Im Jahr 1837 wird am 20. März über „die Uniformierung der Landwehrmänner in dem aktiven Landwehrbataillon“ berichtet. So hat sich „Endunterthenig unterzeichnete Magistrat nach Einlauf des Rundschreibens vom Königlichen Landgericht Kötzting“ sogleich mit dem allhiesigen Landwehr Companie-Kommando ins Benehmen gesetzt. Demnach sind alle früher eingetretenen Landwehrmänner in den aktiven Dienst „monturt (gekleidet) und armirt (bewaffnet)“. Eine Ausnahme scheint Anton Korherr (Nr. 11/Kleinaigner Straße 9) zu sein. Er gibt vor, er besitze alles bis auf den Uniformrock. Das „dafür nötige Tuch habe er bereits bei einem Schneider hinterlegt. Allein diesem Korherr ist nicht viel Glauben beizumessen, daher beantragt man unterthenig, daß sich dieser Landwehrmann mit Uniformierung dem Kommando des Landwehrbataillons vorstelle“, so die zweifelnde Marktführung.

    Als Landwehrmänner „unbemittelten Standes“ werden genannt: Sebastian Lehrnbecher, Sebastian Lamecker (Nr. 49 ½/Steinweg 2) und Mathias Schreiner (Nr. 18/ Further Straße 8). Auch haben die zwei Tambourbesitzer noch keine Federbüsche, diese notwendig von der Oeconomiekasse beizuschaffen seien. Die Regierung mit Sitz damals in Passau befahl am 6. Juni 1837, dass der Landwehrmann Korherr und die zwei „Tambours“ sowie die „drei armen Landwehrmänner der Kompagnie Eschlkam und zwar letztere aus den Reluitionsgeldern sowie die armen Landwehrmänner der Compagnie Neukirchen  auf diese Weise alsbald uniformiert und armirt werden“. Unterschrieben hat diese Aufforderung die Kgl. Regierung und Kreis Comando des Unter Donau Kreises.


    Werner Perlinger

     

     

     

     

     

    Bild: Die Zeichnung zeigt Uniformen der um 1792 neu eingekleideten und bewaffneten Straubinger Bürgergrenadierkompagnie. Nahezu gleich gekleidet traten die Mitglieder der Eschlkamer Landwehr in Erscheinung. Bei der Fronleichnamsprozesion haben die Landwehrmänner in ihren Uniformen gewiss ein prächtiges Bild abgegeben.

    (Bildnachweis: Zeichnungen im Heeresarchiv, München)

  • Gemeindewahl auf der Grundlage der Bayerischen Verfassung von 1818

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    Eschlkam. Im Artikel "Als der Marktschreiber und nicht der Bürgermeister den Markt regierte" berichteten wir über die Folgen der ersten bayerischen Verfassung vom Jahr 1808, als dem damaligen Marktschreiber, staatlicherseits ernannt zum Komunaladministrator, eine verhältnismäßig hohe politische Kompetenz eingeräumt wurde, basierend auf der ersten bayerischen Konstitution (Verfassung) von 1808. Diese war unter dem bayerischen Innenminister Maximilian Graf von Montgelas für die Neuorganisation der staatlichen Verwaltung ausgearbeitet worden. Bereits nach zehn Jahren wurde sie durch die wesentlich umfangreichere Verfassung von 1818 abgelöst. Die damit eingeleiteten Verwaltungsreformen bildeten aber auch die Grundlage für eine landesweite Kommunalorganisation, die den mit eigener Rechtspersönlichkeit ausgestatteten Gemeinden schon mit diesem zweiten Gemeindeedikt vom 17. Mai 1818 mehr Selbstverwaltungsrechte als bisher einräumte. Damit war vor allem die Funktion des Komunaladministrators beendet und ehemalige ortspolitische Verhältnisse konnten im Rahmen der Selbstverwaltung wieder greifen.

    So wandte sich die Königliche Regierung des Unter-Donau-Kreises, Kammer des Innern, am 10. September 1818 „im Namen seiner Majestät des Königs“ (Maximilian Joseph I.) an die jeweiligen Landgerichte, hier an Kötzting, mit der Forderung, die nun entstehenden Wahlberichte „insbesondere rücksichtlich der künftigen Gehälter des Magistrats, speziell in Conspecten (zusammenfassend), das Vermögen, die Renten und Lasten, dann den Passivstand jeder Gemeinde summarisch darzustellen“. Eine erste, nach diesen neuen Gesichtspunkten orientierte Wahl fand nun in Eschlkam statt. Ein Schreiben der Regierung in Passau – bestätigend – das Ergebnis, nennt „die Resultate“: Als Bürgermeister wurde demnach gewählt (in Klammern die Adresse) Johann Georg Schreiner, Seifensieder und Handelsmann (Nr. 35/Marktstraße 7); als Magistratsräte (früher der Innere Rat): Josef Bartl, Krämer (Nr. 25/ Waldschmidtplatz 8); Jgnatz Schmirl, Schuhmacher (Nr. 72/Marktstraße 12), Josef  Korherr, der Jüngere, Kufner (Nr. 11/Kleinaigner Straße 9) und Johann Baptist Vetter, Lederer (Nr. 42/Blu- mengasse 7). Als Ersatzmänner wurden erkoren: Joseph Weber, bräuender Bürger (Nr. 1/ Waldschmidtstraße 14) und Andrä Lachs, Schuhmacher (Nr. 52/Blumengasse 16). Die 13 gewählten Gemeindebevollmächtigen (Gemeindeausschuss, Vorgänger der heutigen Gemeinderäte, früher der Äußere Rat) waren: Joseph Späth, Wirt (Nr. 5/Further Straße 1); Anton Riederer, Metzger (Nr. 24/Waldschmidtstraße 1); Jakob Fischer, Schmied (Nr. 6/Kleinaigner Straße 1); Jakob Fischer, „Hutherer“ (Hutmacher- Nr. 55/Blumengasse 10); Joseph Hölzl, Hafner (Nr. 51/Blumengasse 18); Joseph Gruber, Schlosser (Nr. 68 /Großaigner Straße 6); Anton Kollböck, bräuender Bürger (Nr.3/Waldschmidtstraße 8);  Andreas Kilger, Bäcker (Nr. 58/ Blumengasse 2); Kaspar  Schifferl, bräuender Bürger (Nr. 63/Großaigner Straße 9); Joseph Schreiner, Oekonom (Nr. 37/Marktstraße 11); Joseph Schöppel, Metzger (Nr. 34/Markstraße 5) und letztlich Michl Lax, Schuhmacher (Nr. 41/Blumengasse 5).

    Die Wahl wurde genehmigt

    Im Anschluss erklärt die Regierung des Unterdonau-Kreises , dass die Wahl unter der ausdrücklichen Voraussetzung genehmigt werde, „daß der Markt Eschlkam wirklich eine Magistratische Verfassung behaupten kann, wozu aber die Vernehmung und Einstimmung aller wirklichen Gemeindeglieder (die Bürger) oder wenigstens mit einer Stimm-Mehrheit von 2/3 Theilen und zwar ganz in der Art wie bey dem Markt Neukirchen anbefohlen worden, erforderlich ist“. Das gleiche gelte bei den Ersatzmännern wie auch bei den Gemeindebevollmächtigten.

    Erwähnt sind auch die Gehälter der Gemeindebediensteten sowie die Aufwandsentschädigungen. Demnach erhält der Bürgermeister für seine Tätigkeit eine jährliche Aufwandsentschädigung von 50 Gulden (f); von den vier Magistratsräten jeder 20 f. Das Jahresgehalt des Marktschreibers beträgt 500 f; das des Marktdieners 120 f. Interessant ist dazu die amtliche Feststellung, dass „wenn die Bürgergemeinde mit dem entworfenen Gehältern-Etat, nach welchem dem Marktschreiber neben 450 f Besoldung noch die freie Wohnung gebühren soll, einverstanden und die Kosten aufbringen will so mag es gerne dabey sein Bewenden behalten.“ Höheren Orts wurden die Einlassungen akzeptiert, jedoch manche Bereiche aus formalen Gründen kritisiert und angemahnt, „die anbefohlenen Mängel unverzüglich zu ersetzen. Die Resultate sind binnen 8 Tagen bey Vermeidung eines eigenen Bothen umständlich (hier: unverzüglich) anzuzeigen und damit wiederholt ein Verzeichnis des effektierenden (des auszuführenden) verbleibenden Magistrats Personals der Ersatzmänner dann den Gemeindebevollmächtigten vorzulegen“, so die Regierungsstelle in Passau. Die Marktführung wird Folge geleistet haben.

    Einteilung in Kreise

    Abschließend einiges über die damalige Einteilung des Landes Bayern in Kreise: Erst die Konstitution von 1808 schuf dafür ein klares System: Die Generalkreiskommissariate sollten als Mittelstellen über den Landgerichten (älterer Ordnung) das unübersichtliche Gefüge an Zuständigkeiten überwinden, die ministeriellen Anordnungen weitergeben und den Vollzug bei den Außenbehörden kontrollieren. Der Finanzbereich wurde von der Verwaltung abgetrennt und auf der mittleren Ebene in Kreisfinanzbehörden, auf der unteren Ebene in Rentämtern organisiert. Ohne Rücksicht auf die bisherigen, historisch geprägten Provinzen wurde das inzwischen bis nach Südtirol reichende Königreich Bayern nach verwaltungstopografischen und geografischen Gesichtspunkten in 15 etwa gleich große Kreise eingeteilt, die nach dem Vorbild der französischen Departements nach Flüssen benannt wurden: Man sprach damals von Altmühl-, Eisack-, Etsch-, Iller-, Inn-, Isar-, Lech-, Main-, Naab-, Oberdonau-, Pegnitz-, Regen-, Rezat-, Salzach- und Unterdonaukreis, so viel abschließend zu diesem Thema.

     

    Werner Perlinger

  • Die „Villa“ an der Kirchhofmauer

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    Eschlkam. Zu den bauhistorisch interessanten Gebäuden des Marktes zählt auch das Haus Burgweg 2, im Volksmund bezeichnet als >Ranklvilla<. Es ist ein stattliches Anwesen, das sich an die westliche Kirchhofmauer fast anlehnt. Seine Geschichte und somit die Entstehung seien in Folge dem Leser unterbreitet:

    Rund um die gesamte ehemalige Kirchenburganlage zog sich bis zum Einfall der Schweden im Frühjahr 1634 mit der nahezu völligen Zerstörung des Marktes und noch über Jahrzehnte danach ein den unerwünschten Zugang hindernder tiefer, teils breiter Graben. Als in der Folgezeit die Pflege Eschlkam mit der in Neukirchen b. Hl. Blut vereinigt und somit der Pflegesitz Eschlkam aufgelöst wurde, waren auch aufgrund militärisch neuer Entwicklungen die einen Feind abhaltenden Anlagen wie der Graben überflüssig geworden. Und so wurde über die nächsten Jahrzehnte bis weit in das 18. Jahrhundert hinein der Graben etappenweise verfüllt und der so gewonnene Baugrund an bauwillige Bürger veräußert. Im Jahr 1737, am 8. Mai, gut 100 Jahre nach der Katastrophe im Dreißigjährigen Krieg, erwarb der Bürger Wolfgang Brückl vom Staat den noch zum Pflegamt gehörenden Teil des Grundes an der Kirchhofmauer, auf dem das besprochene Anwesen steht, um den Preis von 4 Gulden.

    Bald war ein erstes Haus gebaut und zur selben Zeit noch ging es den Eintragungen nach durch Heirat der Brückl'schen Witwe an den Schuhmacher Stephan Hastreiter über. 1749, am 22. Januar verkaufte Hastreiter, Mitglied auch des „Äußeren Rates“, für 220 Gulden sein Anwesen an Georg Preysinger, (dieser war) bei seiner hochgräflichen Excellenz, H. Grafen von Staidach (Steinach), Herzog Ansbachischer Gesandten in Regensburg „Tafldecker“ (beim Kauf wegen Abwesenheit vertreten durch den Vater Jakob Preisinger, Söldner/Kleinbauer in der Hofmark Stachesried).  Der „Leykauf“ betrug ½ Carolin. 1 Carolin entsprach 10 Gulden; 1 Gulden entspräche heute etwa dem Wert von 10 Euro. Zuweilen wird in den Akten das „Angeld“, welches der Käufer dem Verkäufer zur Sicherheit des geschlossenen Kaufes oder Handels im Voraus entrichtet, der Leihkauf genannt. Auch darf der neue Besitzer  zunächst den an diesem seinen Haus gelegenen „zum alt Churfürstlichen Schloß gehörigen alten Keller auf seine aigene Costen raumen, das Gewölbe wieder bauen und eine  Schupfe darauf setzen“. Diese ganze Aktion wurde wahrscheinlich zunächst zurückgestellt, denn „die (neue) Behausung am Pflegschlossgraben“ ging erst an die Witwe Anna Prickhl über, die sie 1753 an ihren zweiten Mann Stephan Hastreiter weitergab. Ein Jahr später erst, 1754, veräußerte Hastreiter das Haus an den obigen Georg Preysinger, Schneider. Dieser verkaufte „die einige Jahre besessene Behausung“ 1757 an den Schreiner Hans Kaufmann, der aus Kleinaign in den Markt zuzog. Im Besitz dieser Schreinerfamilie blieb das Haus Nr. 31 mit dem damaligen Hausnamen „Schreinerhaus“ mehrere Generationen lang bis zum Jahr 1876. Es folgen dann als zeitweilige Inhaber Breu, Lenk und Neumayer bis dann 1918, im letzten Kriegsjahr des Ersten Weltkrieges, Franz Stöberl von Großaign und seine Frau Katharina das Anwesen kauften. Stöberl stammte aus dem Ranklhof in Großaign und übertrug durch Kauf den Hausnamen >Rankl< so auf dieses Anwesen.

    Ein repräsentativer Neubau

    Im Jahr 1896 bereits erfolgte ein völliger Neubau des Hauses, jedoch nicht durch die Familie Stöberl woher der Hausname kommt, sondern durch den Privatier Josef Lenk, geb. am 27. Januar 1836 in Seugenhof. Die Fenster wurden nicht mit den damals üblichen Läden sondern mit Jalousien (Rolladen) ausgestattet. Den hinteren Dachbereich zierte ein Turm mit einem pyramidalen Dach, der erst bei der letzten großen Renovierung in den 50er Jahren des vorigen Jahrhunderts entfernt wurde. Heute nicht mehr vorhanden ist am Giebel mittig eine reliefierte, aber aus der Karte nicht erkennbare bildliche Darstellung; flankiert von zwei Nischen, gedacht wohl für die Aufnahme von Plastiken. Darüber kündet eine Uhr die Zeit. Den Giebel und die Balustrade (Geländer, gebildet aus kleinen Säulen) zieren pokalähnliche Ständer, tragend voluminöse Kugeln. Den Eingang des Hauses schirmt ein Balkon.  

    Nach seiner Fertigstellung glich der ganze Bau einer Villa aus der Gründerzeit, wie wir sie noch heute in größeren Städten vielfach bewundern können; deshalb auch der Name „Ranklvilla“, benannt aber nach den späteren Besitzern. Gegenüber den ländlich geprägten Häusern des Marktes nahm um 1900 dieses Haus von seinem Stil und der Bauausführung her eine Sonderstellung ein. Nach der Familie Stöberl sind seit ca. 1966 als neue Besitzer zunächst Konrad Schreiner und Hedwig, geb. Stöberl und seit 2013 schließlich Anton Leonhard und Gabriele, geb. Schreiner im Grundbuch eingetragen. Die jetzige Adresse lautet: Burgweg 2. Erwähnenswert sei noch, dass in diesem Haus der Historiker an der LMU-München, Prof. Dr. Hans Michael Körner am 10. Juni 1947 geboren wurde. Er ist Waldschmidt-Preisträger von 2012.

     

    Werner Perlinger

     

     

     

     

     

     

     

     

     

    Bildunterschrift: Die im Volksmund genannte „Ranklvilla“ trug, als diese Aufnahme als Postkarte mit dem Titel >Gruß aus Eschlkam< etwa um 1900 entstand, den Namen des Erbauers: „Villa Lenk“. Am Eingang in den von einem kunstvoll geschaffenen schmiedeeisernen Gitter umzäunten kleinen Hof posiert ein älteres Ehepaar, wohl der Bauherr Josef Lenk und seine Frau Margarethe, geb. Heller.

    (Bildnachweis: Marktarchiv Eschlkam)

  • Das „gezünftete“ ehrbare Handwerk im Markt Eschlkam

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    Eschlkam. Anlehnend an den letzten Artikel über die Freisprechung von Lehrlingen dazu abschließend einige allgemeine Ausführungen zur früheren Organisation des Handwerks im Markt in sog. „Zünften“. Das Wort „Zunft“ geht zurück auf das althochdeutsche Wort „zumft“ für das Verb „geziemen“. Nach der ursprünglichen Bedeutung für „Schicklichkeit“ und später für „Genossenschaftsregel“ nahm im 13. Jahrhundert das Wort >Zunft< die Bedeutung für den „Handwerkerverband“ an. Eine Zunft entstand, wenn sich die Handwerker einer Gruppe zusammenschlossen, um in einer Kommune die Wahrung ihrer gemeinsamen Interessen zu sichern. Jeder Handwerker in einer mittelalterlichen Stadt oder Markt musste Mitglied seiner Zunft sein, um am Ort seinen Beruf ausüben zu können. In den Städten hatte das Zunftwesen allein schon wegen der höheren Zahl an Handwerkern stets eine hohe Bedeutung, weniger in den Märkten oder gar Dörfern.

    Gemeinsames Interesse der Zunftmitglieder war es in erster Linie, dass die Ware eine gute Qualität haben sollte, daher wurde diese von der jeweiligen Zunft auch geprüft. Die Zünfte setzten auch die Löhne fest, versorgten Notleidende und Hinterbliebene der Zunftmitglieder, schränkten die Konkurrenz ein, indem sie die Zahl der Lehrlinge, Gesellen und Meister begrenzten, und sicherten so jedem Mitglied bei entsprechendem Fleiß und Engagement ein gutes Einkommen. Die Zünfte behinderten zwar die freie Entfaltung des Gewerbes so wie wir es heute verstehen, gaben andererseits aber jedem Mitglied das Gefühl von Geborgenheit und Sicherheit.

    Die Pfuscher oder Störer auf dem Land

    Neben dem Zunftwesen, das sei auch erwähnt, gab es die „Pfuscher“ oder „Störer“. Das waren Handwerker, die der Zunft am Ort nicht angehörten und hauptsächlich auf dem Lande tätig waren. Der Begriff „auf der Stör arbeiten“ kommt von „stören“ aus der Sicht des in einer Zunft vereinigten Handwerks. Noch nach dem Zweiten Weltkrieg gab es vielerorts die „Natherin auf der Stör“. Das waren Frauen, die als Schneiderinnen auf einem Bauernhof tagelang, sogar Wochen damit beschäftigt waren, die Heiratsausstattung der Tochter vom Brautkleid bis zu den Bettbezügen zu erstellen. Diese Situation ergab sich zwangsläufig daraus, dass der Weg in die Stadt oft weit und beschwerlich war und man es gerne vermied, wegen der Ausstattung sich mehrmals zum Schneider in die nächste Stadt oder Markt begeben zu müssen.

    Handwerker und Zünfte in Eschlkam

    Auch die Handwerker im Markt waren früher zum Teil in Zünften zusammengeschlossen. Im Gemeindearchiv finden sich Unterlagen dazu. So sind für das Jahr 1823 als Handwerker aufgelistet, jedoch ohne Namen:
    4 Bäcker, 1 Glaser, 1 Hafner, 1 Hutmacher, 3 Kufner (Fassmacher, Binder), 1 Lederer, 3 Müller, 3 Metzger, 1 Riemer, 1 Seifensieder, 1 Seiler, 1 Schlosser, 2 Schmiede, 8 Schneider, 3 Schreiner, 6 Schuhmacher,1 Wagner und 4 Weber.

    Ein knappes Jahr später, am 7. April 1826, musste auf der Grundlage des neuen Gesetzes die Führung des „königlichen Gränzmarkts Eschelkam“ über die bestehenden Zünfte und deren Vorsteher im Ort berichten: „hierorts bestehen 3 Zünfte, nämlich Weber (Vorsteher Joseph Weß) – Schuster (Andrä Lax) – und Schneider (Andre Meidinger). Die vier Weber waren Joseph Weß (Blumengasse 24), Johann Sporrer (Blumengasse 11), Georg Waitzer (Kleinaigner Straße 7) und Georg Weß (Großaigner Straße 14); die sechs Schuster: Ignatz Schmirl (Marktstraße 12), Andrä Lax (Blumengasse 16), Joseph Bartl (Waldschmidtplatz 8), Michael Hastreiter (Blumengasse 22), Andre Bohmann (Blumengasse 12) und Franz Lax (Blumengasse 10). die neun Schneider: Anton Meidinger (ohne Hausbesitz), Michael Meidinger (ohne Hausbesitz), Franz Denzl (Bräuhausgasse 1), Joseph Fleischmann (Großaigner Straße 15), Georg Hacker (Großaigner Straße 4), Georg Weiß (ohne Hausbesitz), Sebastian Würz (ohne Hausbesitz), Sebastian Lernbecher (ohne Hausbesitz) und die Joseph Denzlsche Witwe (ohne Hausbesitz). Als „gezünftet“ werden nur diese drei Handwerksbereiche genannt, weil sie im Markte zahlenmäßig stark vertreten waren. Die anderen Gewerbe, vor allem bei nur einem Vertreter, waren den Zunftorganisationen in benachbarten Orten zugeordnet.

    Die Auflösung der Zünfte stand bevor. Um aber diese Maßnahme erst später wie geplant geordnet durchführen zu können, kam am 2. April 1826 von der Regierung der Befehl, es habe die Auflösung der Zünfte „bis zur Bildung der neuen Gewerbsvereine zu unterbleiben, welches den Magistraten Neukirchen und Eschlkam hirmit vernachrichtet wird.“ Das Ende des alten Zunftwesens war somit eingeleitet und den modernen Entwicklungen geopfert worden.

    Durch die königliche Verordnung vom 24. Juni 1835 wurden in Bayern die Zünfte endgültig aufgelöst. Sie hatten sich einfach überlebt und waren so nicht mehr zeitgemäß. An ihre Stelle traten nun die Gewerbevereine, die nützliche Gewerbekenntnisse vermitteln, die Angliederung in den einzelnen Gewerben zueinander erleichtern, die Lehrlinge, Gesellen und Gehilfen beaufsichtigen und ähnliche Vorteile wie die Zünfte bringen sollten. 

    Keine Nachrichten hinsichtlich Zunftwesen überliefert uns das Metzger- und Bäckerhandwerk. Lediglich von der „Vleyschpankh“ ist in den Protokollen immer wieder die Rede. Fleischbänke waren Einrichtungen, in denen die Metzger oder Fleischhauer das bereits geschlachtete Vieh zerlegten und dann das Fleisch oder die daraus handwerklich erzeugten Produkte an die Bürger verkaufen konnten. Die meist vier im Markt vorhandenen Bäcker hatten dafür ihre „Brotbank“, in der ein eigens eingesetzter „Brothüter“, meist ein nicht selbstständiger oder bereits im Austrag lebender Bäcker die angebotenen Waren verkaufte. Beide Einrichtungen waren früher am Waldschmidtplatz unmittelbar hinter dem Rathaus nebeneinander situiert.

     

    Werner Perlinger

  • Die „Ledigzählung“ (Freisprechung) eines Lehrjungen vom „Preu Handtwerch“

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    Eschlkam. In frühen Zeiten hat man für eine Lehrstelle, also die Aufnahme als Lehrling in einem Handwerksbetrieb, ein sog. Handgeld bezahlen müssen. Bis zu seiner Gesellenprüfung lebte und arbeitete der Lehrling zusammen mit der Familie des Meisters. Geld bekam er für seine Arbeit nicht, nur eben Kost, Logis und Kleidung. Die Lehrlinge kamen meist im Alter von etwa 13-14 Jahren in den Meisterbetrieb und blieben dort bis sie die Gesellenprüfung ablegten und sich auf Wanderschaft begeben mussten. Und so folgten auch schon vor drei- oder vierhundert Jahren für junge Leute die Lehrverhältnisse im Handwerk festen Gesetzmäßigkeiten. War nach der Schulzeit ein Knabe bei einem Meister in die Lehre gegeben, so erfolgte nach ordentlich abgeleisteter Lehrzeit die „Ledigzählung“ (Freisprechung) dieses Lehrjungen. Einen solchen Vorgang beinhaltet beispielsweise das Ratsprotokoll vom Jahr 1693. Aus dem folgenden Inhalt erkennen wir, dass solche Akte auf Handwerksebene schon immer strengen Regeln unterworfen waren.

    Am 2. Mai erschien vor dem Bürgermeister und den Ratsherren Balthasar Seellmayer, Bürger und „Gemainer Markts Preumaister“ (damals wohnhaft in Hsnr. 56/Blumengasse 8) mit einem Anliegen: „Wolf Preu, Pauren zu Lembing eheleiblicher Sohn Georg Preu, vermög aufgedingt“ (als Lehrjunge übernommen) am 8. Juni 1692…nun „frei: ledig und los gezelt“ (freigesprochen). „Aufgedingt“ (die Lehre begann) am 8. Januar 1692 – niedergeschrieben im Briefprotokoll dieses Jahres – und dauerte bis Michaeli (29. September) des Jahres 1693; also demnach etwa nur 20 Monate. In dieser Zeit wurde dem jungen Preu das „Preu Handtwerck“ wie es einem ehrlichen „Preumaister gebiehrt und anstehet, redlich gelehret“. Hingegen hatte der Lehrjunge alles „das was er zethun schuldig gewesen“, erfüllt und auch das „Lehrgelt redlich und ehrlich bezahlt und entricht“. Auch hatte sich der Lehrjunge in dieser Zeit „gehorsam und ehrlich verschwiegen verhalten“. Da der Lehrling seine Lehrzeit, was „Handtwerchs gebrauch und Gewohnheit ist bis auf heut dato erstrekhet“, habe ihn sein Lehrherr, der Bräumeister „dergestalten frey: ledig und los gezelt“, so dass er künftig sein Handwerk, wo immer er auch will, ausüben könne. Als Zeugen dieses Akts fungierten die Braumeister Michael Aumüller von der „Churfürstlichen Stat Furtt“ und Georg Feichtner vom „Churfürstlichen Markht Neukhürchen“, geschehen am 18. Mai 1693. Beide hatten wohl auch die Prüfung abgenommen.

    Der Braumeister

    Für das Brauen von Bier stellte der Brauverband, bestehend aus den brauberechtigten Bürgern des Marktes, stets für eine feste Zeitspanne einen eigenen Braumeister ein. Er musste zuvor eine Kaution hinterlegen, sollten die brauenden Bürger durch einen schlechten Sud Schaden nehmen. Auch durfte er von dem gesottenen Bier keines für sich beanspruchen, es sei denn, der eine oder andere Bürger „verreiche“ ihm freiwillig eigenes Bier. Eigentlich war der Beruf des Braumeisters ein „Schleudersitz“, um im heutigen Sinne zu sprechen; denn er wurde regelmäßig jedes Jahr von der Marktführung entweder in seinem Amte bestätigt, oder abgewiesen und ein neuer Braumeister eingestellt, was laut Inhalt der einzelnen Ratsprotokolle immer wieder geschah. Daher bat nach der Freisprechung des jungen Preu aus dem Lehrverhältnis gleichzeitig sein Lehrherr Balthasar Seellmayr den Marktrat „ihm hinfürters widerumben den Preudienst gnediglich zu verleihen“. Die Ratsherrn, zufrieden mit seiner bisherigen Tätigkeit im Kommunebrauhaus (Hsnr. 14 - abgebrochen 1923), entsprachen umgehend seiner Bitte.

    Wiederaufnahme eines „Preumaisters“

    „Hainrich Spätt, Burger und Prauner Preumaister“, bat bereits einige Jahre zuvor, 1687, den Marktrat ihm künftig den „Preudienst widerumben zu überlassen“. Er wohnte damals in Hsnr. 69 – heute das Anwesen Großaigner Straße 7. Die Bürgerschaft selbst hatte aber vorbringen lassen, dass sie aufgrund zahlreich eingegangener Beschwerden mit ihm „gar übel zufriden seint“. Nach längerer, teils kontroverser Aussprache dazu wurde er (wohl mangels eines geeigneten Ersatzes) doch wieder mit der Bierherstellung im Kommunbrauhaus beauftragt. Diese Zeremonien wiederholten sich so oder ähnlich jedes Jahr.

    Aufdüngung des Wolfen Milpauer zum Preuhandtwerck

    Geschuldet der zeitlichen Abfolge sei erneut eine weitere Aufnahme eines Lehrjungen für das Brauerhandwerk angeführt, niedergeschrieben im Ratsprotokoll am 26. Oktober 1695: „Heinrich Spätt, Burger und Preumaister alhier (er hat wohl Seellmayr im Jahr zuvor abgelöst), hat ainen Lehrjungen an: und aufgenommen, (nämlich) Wolf Millpauer als Veith Millpaur zu Hünderpuchberg eheleiblichen Sohn“. Die Lehrzeit wurde von Michaeli 1695 bis zum gleichen Tag 1697 festgesetzt, also auf 2 Jahre terminiert. Der angehende Lehrling selbst: „erbitt sich Lehrjung…wie es ainem Lehrjung gebührt und wolanstehet (sich) vleissig, gehorsamb zu verhalten, darob Lehrmaister ain Contento (Zufrieden sein) haben solle“. Der Lehrjunge gibt dann seinem Lehrmeister 7 f (Gulden), „wie auch 1 f „Waschgelt“, aufgeteilt für das erste Jahr 4 und im zweiten Jahr 3 f. Bürgschaft für den Lehrling leistete der „eheleibliche Vatter Veith Millpauer“. Die zu diesem Aufnahmeakt gebetenen Zeugen waren der oben schon genannte Bräumeister Michael Neumiller (müsste Aumüller heißen) von Furth und Franz Altmann von Neukirchen, dazu auch Herr Johann Rosenthorn, „churfürstlicher Gräniz Veldtwaibl“ (Feldwebel der Grenzfahne).

    Die oben genannte erste „Aufdingung“ wurde nach Inhalt der Niederschrift sogar in das Briefprotokoll vom Jahre 1692 eingetragen. Die angeführte „Ledig Zellung“ fand Eingang in das Ratsprotokoll. Die Bedeutung dieser Maßnahmen ist darin zu sehen, dass der junge Braulehrling nicht bei einem bürgerlichen Meister im Markte sein Handwerk erlernte, sondern im Kommunebrauhaus das Brauen von Bier. Das Brauhaus hatte als eine Einrichtung für die gesamte brauende Bürgerschaft demnach einen öffentlich- rechtlichen Charakter.

     

    Werner Perlinger

  • Obstalleen säumten früher die wichtigen Straßen

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    Eschlkam. Im Laufe des 19. Jahrhunderts wurden an den Ausfallstraßen von Städten und Märkten – sofern noch nicht vorhanden - Alleen angelegt. Gerade für den damaligen Fuhr- und Fahrverkehr boten in der heißen Jahreszeit das Laubdach der Bäume Tier und Mensch Schutz vor stark strahlender Sonne, auch vor heftigem Regen. Landesweit wollten die Kommunen im 19. Jahrhundert die einzelnen Straßenläufe, die aus den Ortszentren hinaus zu den nächsten Orten führten, nützen, indem sie nach und nach Obstbaumalleen pflanzten. Ähnlich war es auch im räumlichen Umgriff von Eschlkam. Obstbäume säumten im Jahr 1858 die vom Markte wegführenden wichtigen Straßen nach Großaign, Stachesried und Furth im Wald, bepflanzt jeweils bis zur Gemeindegrenze. Ein uns überlieferter Akt mit dem Thema „Die Aufsicht auf die Straßen-Alleebäume und die Versteigerung des Obstes an den Alleebäumen betrff.“ gewährt Einblicke in die damalige Situation. So wird beklagt, dass schon seit Jahren die „inner des Grenzbezirks des Marktes Eschlkam an den Straßen befindlichen Allee- und Obstbäume dadurch verstümmelt (werden), daß viele Leute und insbesondere die Kinder das Obst selbst wenn es noch nicht völlig reif ist, herabreißen und die Aeste meistens theils abbrechen. Dadurch entstünden der Kommune, aber auch den an den Straßen angrenzenden Grundbesitzern Kosten, da vereinzelt Bäume sogar nachgepflanzt werden müssten“. Um für die Alleen einen einigermaßen effektiven Schutz zu gewähren, wurden am 10. Juli 1858 der Polizeidiener Pinzinger und der Flurwächter Andre Kolbeck „zur strengsten Aufsicht auf die Straßenalleebäume inner der Grenze des hiesigen Marktes und zur unnachsichtlichen gewißenhaften Anzeige allenfalls vorkommender Frevel“ verpflichtet. Am 27. Juli, einige Tage nach einer bereits erfolgten Versteigerung des Obstes auf den Bäumen, monierte das Landgericht Kötzting, dass „der Schutz der Obstbäume gegen lüsterne Angriffe den Flurwächtern obliegt, nicht aber der k(öniglichen). Gendarmerie“, was eine Befreiung Pinzingers von dieser zugedachten Aufgabe bedeutete.

    Der Marktrat beschloss außerdem, bei künftigen weiteren Zuwiderhandlungen:
    1) die Verursacher mit einer Geldstrafe in Höhe von 3 Gulden zu belegen;
    2) das Obst auf den Bäumen – wenn die Reife eingetreten ist – öffentlich zu versteigern.
    Der Erlös aus den Strafgeldern und der Versteigerung floss dann der Marktkammer zu. Dieser Beschluss des Marktrates musste von allen hausansässigen Bürgern unterschrieben werden, was auch geschah.

    Am 15. Juli informierte Pfarrer Karl Pittinger die Gemeindeführung, dass von den Verboten die „hiesigen Werktags- und Feiertagsschüler (heute die Berufsschüler)“ in Kenntnis gesetzt worden seien. „Bei diesem Anlaße“, so der Ortspfarrer, „erlaubt man sich, den Magistrat als Schulfondsverwalter in Erinnerung zu bringen, daß bei günstiger Zeit der schon lang schadhafte Mörtelanwurf an der Westseite der Schule nachhaltig ausgebessert werden muß“. Die Schule war 1824 gebaut worden und stand an gleicher Stelle des heutigen alten Schulhauses von 1897.

    Bild: Im Sulzbacher Kalender vom Jahr 1859 zeigt ein Holzschnitt die damalige Stadt Furth. Die Straße von Furth nach Eschlkam schmückt eine Allee; angelegt bereits 1827/28. Sie verlief bis zur niederbayerischen Grenze beim Anwesen „Steinbach“. Dort begann die Allee des Marktes Eschlkam.

     

     

     

     

     

     

     

     

     

    90 Obstbäume

    Am 20. Juli begann man im Rahmen einer Versteigerung – ausgeführt von Bürgermeister Schmirl und dem Marktschreiber Joseph Reitinger - die „Verpachtung des Obstes auf den Bäumen“. Eingeladen bzw. zugelassen wurden nur „ansässige und zahlungsfähige“ Bürger. Tags darauf, am 21. Juli war es um die Mittagszeit soweit. Das „Pachtobjekt“ bestand aus ungefähr 90 Obstbäumen, stehend an den oben genannten Straßen. Voraussetzung für die Zulassung war auch, „das Obst vorsichtig herabzunehmen und (es) darf den Bäumen nicht im Mindesten ein Schaden zugefügt werden“. Als „steigerungslustig“ fanden sich ein: Anton Pfeffer, bürgerlicher Fragner (Kleinhändler in Marktstraße 2), Michl Dachauer, Schmied (Kleinaigner Straße 1); Jakob Pinzinger, Maurer und Franz Pinzinger selbst, der Polizeidiener (Großaigner Straße 5). Das „Pachtobjekt“ wurde mit 1 Gulden 30 Kreuzer aufgerufen. Den Zuschlag erhielt schließlich Jakob Pinzinger für 1 Gulden 54 Kreuzer. 1 Gulden würde heutzutage dem Kaufwert von etwa knapp 15 Euro entsprechen. Der Betrag erscheint zunächst sehr gering. Es sei aber zu bedenken, dass die Ernte des Obstes für den Ersteigerer einen nicht geringen Arbeitsaufwand bedeutete. Auch musste er darauf achten, dass das Obst in den nächsten Tagen nachts nicht rasch noch von Obstdieben gestohlen wurde. Es ging der Marktführung wohl auch darum, die Verantwortung für diese Angelegenheit wenigstens für kurze Zeit los zu sein. Die Versteigerung bzw. Verpachtung wurde alljährlich wiederholt und die Pachtzeit erstreckte sich jeweils nur auf das gerade laufende Obstjahr. Nach dem Abernten fiel die Verantwortung für die etwa 90 zu pflegenden Obstbäume an den Markt zurück.

    Es dauerte noch Jahrzehnte, da wurden die Obstbäume durch Laubbäume ersetzt. Nachdem der Autoverkehr in den vergangenen Sechziger und Siebziger Jahren stetig anwuchs, wurden aufgrund vieler Unfälle mit teils tragischen Folgen die Alleebäume Zug um Zug beseitigt. Die Straßen wurden entsprechend den heutigen Anforderungen vermehrt „autogerecht“ ausgebaut.

     

    Werner Perlinger

  • Die Erledigung des Kantor- und Mesnerdienstes

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    Eschlkam. Es ist noch nicht so lange her, dass die Volksschullehrer in kleineren Gemeinden das ganze Jahr über auch von kirchlicher Seite her sehr gefordert waren. Nachdem früher jeder Lehrer zwingend musikalische Kenntnisse für seinen Beruf mitbringen musste, lag es sehr nahe, dass er diese auch der Ortskirche zur Verfügung stellte. Demnach war der „Schulmeister“, wie er in alten Niederschriften gerne genannt wird, sonntags stets meist an der Orgel zu finden, und gestaltete die einzelnen Gottesdienste musikalisch mit.

    Im Jahr 1860, am 3. Februar, beauftragte über das Landgericht Kötzting die damalige Regierung den Markt Eschlkam zu prüfen und ein Gutachten zu erstellen, ob es gemäß rechtlicher Vorgaben, obwohl diese bereits aus dem Jahr 1810 stammten, „nicht thunlich sei, den erledigten Kantor- und Mesnerdienst einem Schullehrer Individuum zu übertragen und auf eine solche Weise anstatt der dermaligen Schulgehilfenstelle in Eschlkam eine zweite wirkliche Schullehrerstelle alldort zu errichten“. Der Magistrat sollte auf Anweisung des gerade amtierenden königlichen Landrichters von Paur sich dazu innerhalb von acht Tagen erklärend äußern.

    Der Magistrat fasste am 9. Februar unter Bürgermeister Anton Sämmer dazu einen förmlichen Beschluss dahingehend, „daß es durchaus nicht richtig und auch nicht zweckdienlich sei, daß der hiesige Meßnerdienst mit einem Schullehrerdienste vereinigt und so die Schulgehilfenstelle aufgehoben werde, weil sowohl der Meßner, als auch der Schuldienst so viel gesondert eintragen, daß jeder Inhaber dieser Posten recht gut eine Familie ernähren kann, und weil insbesondere durch Vereinigung dieser beiden Stellen entweder der Meßner- oder der Schuldienst Schaden leiden muß, zumal die Pfarrei Eschlkam eine sehr große ist“.

    Einen Kandidaten vorgeschlagen

    Vielmehr sprach sich der Marktrat dafür aus, dass „bei dieser Gelegenheit der Insaße (ein solcher wohnt nur zu Miete, kein Hausbesitzer) Sebastian Würz von hier bei der königlichen Regierung befürwortet und eventuell die Bitte gestellt werden soll, falls Würz nicht als Meßner aufgenommen werden sollte, ein sonst in jeder Beziehung und insbesondere in Bezug auf Musik sehr qualifiziertes Individuum aufgestellt werden wolle“. Nur einen Tag später, am 10. Februar, wandte sich der Markt erneut an das Landgericht, enthaltend die Einwände in weit ausführlicherer Form wie tags zuvor. Daraus erfahren wir, dass damals die Pfarrei „vom Pfarrer und zwei Hilfsgeistlichen gesteuert“ werde (bei dem heutigen Priestermangel nicht mehr vorstellbar) und eine große Pfarrei darstelle; jedoch mit nur einer Sepultur (Friedhof, Begräbnisstätte), so dass dadurch das jährliche Einkommen für den Kantor- und Mesnerdienst festgesetzte stattliche 446 Gulden 13 ½ Kreuzer betrage. Auch sei es den Gegebenheiten entsprechend „unmöglich, daß ein- und dieselbe Person den Meßner- und Kantorendienst und dann auch den Dienst eines Schullehrers ohne Nachtheil für den einen oder anderen dieser Dienste versieht“. Der Marktrat sah darin eine vorprogrammierte Vernachlässigung der einzelnen Dienste an sich, denn er führte beispielhaft an, dass kaum eine Woche vergehe, in der „nicht nach verschiedenen Richtungen des Pfarrsprengels wenigstens zwei Provisdren (Versehgänge mit den Hilfsgeistlichen) vorkommen, ingleich aber auch daß täglich solche stattfinden, wobei der Meßner den Priester begleiten müsse. Wer soll nun für den Meßner die Schule halten; oder soll er sich als Meßner oder als Schullehrer einen Gehilfen halten? Beides würde ihm schwer fallen, denn er würde dadurch an seinem Einkommen verkürzt“. Auch würde der Gemeinde mit einer zweiten offiziellen Lehrkraft „eine Last aufgebürdet werden“. Nochmals wurde die Einstellung des Sebastian Würz befürwortet und dabei betont, dass seine Familie „aus Frau und zwei Mädchen im Alter von acht und zehn Jahren bestehe“ und er „keinen ständigen Erwerbszweig“ habe und sich so „mit seiner Familie nur kümmerlich fortbringe“. Da sich wegen eines weiteren Mitbewerbers um diese Stelle, des Schulprovisors (Hilfslehrers) Meidinger von Schwarzenberg, in Eschlkam bereits „Parteien gebildet haben und somit hierorts der Weg zu ähnlichen Verhältnissen wie es sie zu Zeiten des k(öniglichen) Pfarrers Pittinger (er amtete von 1843-1859) bestanden, nahezu gebahnt ist“, wurde der Vorschlag unterbreitet, „die hohe kgl. Regierung wolle die fragliche Stelle, den Kantoren- und Mesnerdienst, einem anderwärtigen (von auswärts) künftigen und in jedweder Beziehung vorzüglich gut qualifizierten Individuum gnädigst übertragen“. Und so geschah es auch:  

    Abschlägig beschieden

    Nur wenige Tage später, am 16. Februar, befahl der Landrichter kurz und bündig, ohne auf das Vorbringen des Marktrates gesondert einzugehen, „den landgerichtlichen Auftrag vom 3. Februar unverzüglich zu erledigen“. Damit endet der Akt. Der damalige Marktschreiber Reitinger jedoch informierte auf der Rückseite des landgerichtlichen Schreibens unter dem Begriff „Nota“ (Anmerkungen) aber erst am 30. Juli: „Glöckler Joseph, vormals Schullehrer in Langquaid (Niederbayern/Landkreis Kehlheim), Landgericht Rottenburg, hat den fraglichen Dienst erhalten, trotz der unsinnigen Remonstrationen (unverständlichen, nicht nachvollziehbaren Einwendungen) des Pfarrers Kaspar Lutz“. Lutz war Nachfolger Pittingers und stand der Pfarrei von 1859 bis 1871 vor.

    In Wirklichkeit ging es bei dem ganzen amtlichen Hin und Her schlicht ums Geld. Den Mesner musste die Kirche finanzieren, den Lehrer der Markt. Der Markt wollte die Schulgehilfenstelle behalten, zugleich aber dem jungen Mitbürger Sebastian Würz zu einem festen Einkommen verhelfen. Mit der „Anhebung“ der Gehilfenstelle zu einer realen für Eschlkam zweiten Lehrerstelle – so der Wunsch der Regierung allein schon wegen des doch großen Einzugsbereiches des Marktes - kamen so auf die Gemeinde für den Schulbereich höhere Unterhaltskosten zu. Im Hinblick auf geordnete Unterrichtsverhältnisse und der Vermeidung der genannten drohenden Spaltung der Bürgerschaft wegen des Anwärters Meidinger entschied sich die Regierung jedoch gegen den Markt und wertete mit der Berufung des Lehrers Glöckler aus Langquaid gleichzeitig den Schulstandort Eschlkam pädagogisch auf.

     

    Werner Perlinger

  • Wahl der Kirchenverwaltung in Eschlkam im Jahr 1845

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    Eschlkam. Wir schreiben das Jahr 1845. Da wurde im frühen Herbst eine für die Eschlkamer Bürgerschaft wie auch für die Ortskirche wichtige Wahl anberaumt. Die Bürger waren aufgerufen aus ihren Reihen Mitglieder für die Kirchenverwaltung neu zu bestimmen. Eine solche Wahl war für das Verhältnis zwischen den katholischen Bewohnern und der Kirche insoweit von Bedeutung als das Gremium „Kirchenverwaltung“ zuständig ist für das bestehende kirchliche Vermögen, die Gebäude, Grundstücke und das Personal der jeweiligen Kirchengemeinde. Sie ist das höchste Gremium oder in Vermögensangelegenheiten sogar der Rechtsträger einer Pfarrei. Früher, so in den Niederschriften des 17. und 18. Jahrhunderts, wurden deren Mitglieder als „Zechpröbste“ bezeichnet. Die Zechpröbste (lat.: vitricus für Stiefvater, gedanklich übertragen auch für Kirchenpfleger) waren schon damals gemeinsam mit dem Pfarrer die Vermögensverwalter einer Pfarrei. Sie hüteten den „Zechschrein“, die Geldtruhe, in der die aktuellen Kirchengelder aufbewahrt wurden. Mit der späteren Gründung eines Pfarrkirchenrates ging diese Verwaltungsaufgabe an diesen über. Allein für den Bereich der Seelsorge ist dagegen das zweite Gremium, der Pfarrgemeinderat zuständig – gebildet ebenfalls aus Mitgliedern der Bürgerschaft und aufgeteilt in einzelne Sachgebiete.

    Eine hohe Verantwortung

    Zu den Aufgaben der Kirchenverwaltung (in Folge abgekürzt als KV) zählen im Detail z. B. die Genehmigung des jährlichen Haushaltsplanes einer Pfarrgemeinde sowie anfallende Miet- und Pachtangelegenheiten. Zuständig ist sie ebenso für den Erhalt der Gebäude und für das Personal in den der Pfarrei gehörenden Kindergärten. Das Gremium befasst sich auch mit der Auswahl der Bediensteten in der Pfarrei. Vorsitzender des Gremiums ist kraft Amtes stets der Ortspfarrer. Ihn unterstützt der Kirchenpfleger.

    Am 10. September 1845 fand in Eschlkam die Wahl statt. Ein Protokoll über die Verpflichtung der gewählten Verwaltungsmitglieder für die Cultus-Stiftung Eschlkam wurde am 29. September verfasst. Zweck dieser Stiftung war und ist die dauernde bestimmungsgemäße Verwendung der für kirchliche Zwecke aufgebrachten und in Zukunft aufzubringenden Mittel, verwaltet durch die KV. Bestätigt wurden die gewählten Vertreter der Kirche am 24. September von der königlichen Regierung von Niederbayern, vertreten durch das Landgericht Kötzting als deren untergeordnete Behörde. Somit lud man wenige Tage später, am 29. September, die neugewählten und so bestätigten Mitglieder der Kirchenstiftung Eschlkam (KV) vor, „damit im Rathaus-Lokale ihre Verpflichtung und Einweisung in die Funktionen gemäß des revidierten Gemeinde Edikts vorgenommen werde.“

    Es waren dies: Josef Neumaier, bräuender Bürger als Kirchenpfleger (Nr. 1/heute Waldschmidtstr. 14); dann Josef Späth, Metzger (Nr. 5/Further Straße 1) und Anton Baumann, Ökonom (Nr. 21-dieses Anwesen steht nicht mehr) als Mitglieder. Als „Ersatzmänner“ waren bestimmt: Simon Moreth, Lederer (Nr. 42/Blumengasse 7) und Michael Dachauer, Schmied (Nr. 6/Kleinaigner Straße 1). Zum neuen Gremium gehörte auf Weisung des Landgerichts auch ein Abgeordneter des Magistrats, in diesem Fall der Ratsherr Mathias Späth (Nr. 35/Marktstraße 7). Er war das Bindeglied zwischen der KV und dem Marktrat. Als „Kirchenverwaltungs-Vorstand“ fungierte Pfarrer Karl Pittinger. Er leitete die Pfarrei von 1843-1859.

    Ein hochoffizieller Akt

    Pittinger war die Aufgabe zugewiesen, nun die Vorschriften des Gesetzes vom 1. Juli 1834 über den Wirkungskreis und die vorgeschriebene Geschäftsführung der KV vorzutragen. Demnach durfte kein Mitglied „je einmal oder auf irgend eine Art Antheil nehmen an einer vom Staate nicht gebilligten Gesellschaft, auch amtliches Stillschweigen nach Vorschrift beobachten, keine Geschenke etc. annehmen“. Daraufhin legten die neuen KV-Mitglieder folgenden Eid ab:

    1.      „Wir schwören Treue dem Könige, Gehorsam dem Gesetze u. Beobachtung der Staatsverfassung, so wahr uns Gott helfe und sein hl. Evangelium.

    2.      Wir geloben auch die Vorschriften des Gesetzes vom 1. Juli 1834 für die neue Kirchenverwaltung, sowie die vorgeschriebene Dienstordnung nach den Regeln des Geschäftsganges genau zu befolgen.

    3.      Wir schwören, daß wir zu keiner geheimen Gesellschaft (z. B. die Freimaurer) oder irgend einer Verbindung gehören, deren Zweck dem Staate unbekannt und von demselben nicht gebilligt, oder den Interessen des Staates fremd ist; auch in Zukunft wollen wir einer solchen Gesellschaft oder Verbindung niemals angehören, so wahr uns Gott helfe und sein Hl. Evangelium.“

    Das so gefertigte Protokoll wurde von allen Beteiligten unterzeichnet. Gerade das in der Eidesformel deutlich genannte Verbot, Mitglied irgendeiner „geheimen Gesellschaft“ zu sein, verdeutlicht die Sorge des Staates vor den gerade damals in der Bevölkerung aufkeimenden revolutionären Bewegungen, gerichtet gegen die Monarchie. Die Französische Revolution, ausgegangen in Paris im Jahr 1789, und ihre fatalen Folgen waren den Herrschenden in noch allzu guter Erinnerung. Man wollte Sicherheit im Lande und schuf so Möglichkeiten den Anfängen zu wehren. Dazu noch folgende Feststellung: Die Französische Revolution von 1789 bis 1799 gehört zu den folgenreichsten Ereignissen der neuzeitlichen europäischen Geschichte. Die Abschaffung des feudal-absolutistischen Ständestaats sowie die Propagierung und Umsetzung grundlegender Werte und Ideen der Aufklärung als Ziele der Französischen Revolution – das betrifft insbesondere die Menschenrechte – waren in der Folgezeit mitursächlich für tiefgreifende macht- und gesellschaftspolitische Veränderungen in ganz Europa und sie haben das moderne Demokratieverständnis entscheidend beeinflusst.

     

    Werner Perlinger

  • Das ehemalige „Badhaus“ im Markte – eine wichtige der Gesundheit dienende Einrichtung in alter Zeit

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    Eschlkam. Fährt man auf der Further Straße kommend am Ortsanfang von Eschlkam links abbiegend nach Kleinaign, so fällt dem aufmerksamen Betrachter das Anwesen mit der Hausnummer Kleinaigner Straße Nr. 3 ins Auge, früher trug es die Nummer 7. Wohl kein Bürger weiß mehr welche Bedeutung einst der Vorgängerbau dieses Hauses vor 200 und mehr Jahren für die Infrastruktur des Marktes hatte. Der ältere Hausname lautet zunächst „beim Farber“, da die Familie Wernhard 1845/46 das Anwesen von den Erben der Baderfamilie Schoeppel kaufte und dort für einige Zeit eine Färberei betrieb. Der jüngere und mehr geläufige Name „beim Bruifarber“, eigentlich ein zweiteiliger Name, bezieht sich einmal auf die genannte Familie Wernhard, hauptsächlich aber auf die später das Haus besitzende Familie Stauber, die von etwa 1860 an bis zur Stilllegung noch vor 1923 teils die Bräumeister im gegenüber liegenden Komunebrauhaus stellten. Der wirklich alte Hausname aber, „beim Boda“, ist nicht mehr bekannt. 

    Aber zunächst einiges über die Bedeutung der sog. „Boda“ oder „Bader“ in früheren Zeiten: Das wesentliche Element der Krankenversorgung waren in größeren Dörfern, Märkten und in den kleineren Städten früher die Bader und Wundärzte. Sie führten in der Regel im Auftrag der Kommune ein sog. Badehaus, eine Einrichtung ausschließlich für die Möglichkeit ein der Gesundheit dienliches Bad zu nehmen, hauptsächlich aber auch für die Krankenpflege im Allgemeinen. In der beginnenden Neuzeit kann beispielsweise das Dorf Arnschwang im Jahre 1577 ein „Badhaus“ oder eine sogenannte „Badestube“ vorweisen. Dies ist ein Beweis dafür, dass damals nicht nur in den gehobenen Ständen sondern auch auf dem Lande ein hygienisches Bedürfnis nach Warm- und Dampfbädern bestand. Der namentlich früheste Bader in unserem Raum kann für Furth in einer Chamer Urkunde vom 14. April 1505 als „Matheus, Pader zue Furtt“ nachgewiesen werden. 

    Vielfältige Tätigkeiten

    Die Bader übernahmen an ihren Kunden in der Regel auch das Reinigen und Befreien von Ungeziefer, das Scheren (Haareschneiden), Massieren und Rasieren. Sie behandelten Wunden und verstanden das Schröpfen (um Schadstoffe aus dem Körper zu entfernen, werden gläserne Saugglocken auf die zuvor eingeritzte Haut gesetzt. Der Unterdruck zieht Blut aus den kleinen Schnittwunden). Auch Aderlassen und Zahnbrechen gehörte dazu; gemeint ist die meist sehr schmerzhafte Entfernung von schlechten Zähnen. Ratsprotokolle und Kammerrechnungen erwähnen im Zusammenhang mit der Aburteilung von Raufereien immer wieder die dann nötigen Wundbehandlungen, die vom Bader am Ort vorgenommen wurden. Vom Patienten heißt es in der Regel: er ist mehrere Tage oder gar Wochen „unter dem Padter gelegen...“, was schließlich dem Verursacher meist teuer zu stehen kam. In der Stadt Furth betrieben im 16. Jahrhundert und später die Bader ihr Gewerbe im Anwesen Lorenz-Zierl-Straße 8, heute der Gasthof Mühlberger. Und so erinnert an das ehemalige städtische Bad noch der alte Name „Padtor“ für das Burgtor gegenüber. Vorerst sei anzumerken, dass das erste Eschlkamer Bad wohl bereits in der Zeit der Hussitenkriege (1420-1433) sich nicht in dem hier besprochenen Anwesen befand, sondern im Tal am Chambfluß. Dazu informiert eine Steuerliste für das Jahr 1477, als zwei dem Herzog gehörende „Vischwasser auf dem Kamp“ erwähnt werden: Das eine „hebt sich an (beginnt) bei der alten Padstubn zu Eschelkamb (wahrscheinlich gelegen nahe der Heuhofer Mühle) und geet bißs in Rieder Furrtt (seichter Flussübergang bei Stachesried)“.

    1685 erstmals erwähnt

    Das spätere, nun besprochene Badhaus dürfte vielleicht noch im ausgehenden 15. Jahrhundert im Schutze des Marktes an der Kleinaignerstraße eingerichtet worden sein. Wegen des hohen Wasserbedarfs war bei Inbetriebnahme dazu eine reichlich fließende Brunnenquelle nötig, die in dieser Hanglage sicher auch vorgegeben war. In den die steuerpflichtigen Hausinhaber nennenden Listen von 1534 und 1560 werden ein Bad oder das Badhaus nur deshalb nicht aufgeführt, da der Markt Eigentümer dieser Einrichtung war und nicht ein Privatmann. Das änderte sich jedoch nach dem Dreißigjährigen Krieg. So wird auf dem Anwesen Kleinaigner Straße 3 im Jahr 1685 erstmals ein Stephan Mauser als „Baderjung“ (Lehrling) seines Vaters Wolfen Mauser erwähnt. Wie die folgende Auflistung der Besitzer unseres Anwesens an der Kleinaignerstraße zeigt, hatten die einzelnen Baderfamilien wie die Mauser und später die Grauvogel in der Marktgemeinde gesellschaftlich einen beachtlichen Stellenwert. So heiratete beispielsweise im Jahr 1752 der Gastgeber Franz Antoni Schmirl (heute Gasthof Penzkofer) Anna Maria Mauser, Tochter des Baders und Mitglied des Innern Rats, Paul Mauser. Die Mauser, damals eine einflussreiche und wohlhabende Familie in Eschlkam, lebten und wirkten im Badhaus bis zum Jahr 1774. Dann heiratete mangels männlichen Nachwuchses der Bader Michael Grauvogel als „burgerlicher Chyrurgus“ ein (damalige Bezeichnung für den Wundarzt). 1838 erwarb von Xaver Grauvogel das Anwesen der Bader Georg Schoeppel, der aber als Ökonomiebürger die „Baderei“ kaum mehr ausübte. Wenig später, 1845, kaufte der approbierte Bader Jakob Herzog, zugezogen aus Deggendorf, nur die auf dem Haus ruhende „Badergerechtigkeit“ und ließ sich zunächst im Markt im Haus Nr. 34/Marktstraße 5 nieder. Damit erlosch auf dem Anwesen Kleinaigner Straße 3 die lange Tradition einer frühärztlichen Einrichtung, was heute nicht mehr bekannt ist. 2020 ist Luise Baumgartner, geb. Stauber, die Inhaberin des Hauses.

     

    Werner Perlinger

  • Flurschützen – Flurwächter und Waldaufseher im 19. Jahrhundert

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    Eschlkam. „Flurschützen“ oder Feldhüter ist die Bezeichnung für Personen im Dienste von Gemeinden zum Schutz der Felder und Fluren. Sie sind Flurwärter, denen die Sicherheit auf den landwirtschaftlich genutzten Feldern und Wiesen obliegt. So sollten sie potenzielle Diebe davon abhalten, Kartoffeln, Feldfrüchte allgemein sowie Gemüse und Obst zu entwenden oder tatsächliche Diebe auf frischer Tat stellen. Ertappten sie einen Dieb, durften bzw. mussten sie das gestohlene Gut an Ort und Stelle „pfänden“ (einziehen). Daher wurden sie in unserer Sprache meist als „Pfenter“ bezeichnet. Zumindest früher waren die Feldschützen mit einem Gewehr, später mit einer Pistole, bewaffnet. In manchen Regionen waren diese Feldhüter bis in die 1970er Jahre im Einsatz. Aus den Unterlagen des Marktarchivs geht nicht hervor, ob im 19. Jahrhundert die Flurschützen eine Waffe mit sich führten.

    Im Jahr 1848, am 1. Mai, wurde der Marktdiener Franz Pinzinger (Nr. 62/Großaigner Straße 5) zusätzlich als Flurschütze bestimmt. Ursache dafür war, dass die „hiesigen Oekonomiebesitzer“ sich beklagten, es würden „in ihren Gründen durch Einhütung (des Viehs)“ stets größere Schäden verursacht und vor allem auch im „Karpflingholz häufige Holzfrevel“ vorkommen. Um hier Abhilfe zu schaffen wurde der Marktdiener Pinzinger herangezogen und ihm als zusätzlichen Lohn 30 Gulden (jährlich) zugesagt. Ein Jahr später, am 16. Mai 1849, gab der Magistrat bekannt, dass im „Karpflingerholz“ trotz ausdrücklichen Verbotes der Regierung vom Jahr 1841, nach wie vor Vieh eingehütet werde, und der Magistrat drohte, dass „alle dieser Verordnung Zuwiderhandelnden unnachsichtlich“ bestraft würden; aber auch die, welche „in Straßengräben und Feldrainen Vieh weiden oder grasen lassen“.

    Nachteile erkannt

    Über Jahrhunderte war es Brauch – bevor langsam und immer mehr die uns für das Vieh wohl bekannte Stallhaltung sich durchsetzte und diese üblich wurde – die Haustiere, ob Rindvieh, Schweine oder Ziegen, in den Wäldern Sommer wie Winter das Futter suchen zu lassen. Dagegen schritten nun in Bayern noch in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts die Forstverwaltungen ein, nachdem sie die für den Holzwuchs schädlichen Wirkungen erkannt hatten. Als Ersatz gab es, wie lange zuvor auch schon, einzelne hochgelegene, eigens ausgewiesene Weideplätze wie z. B. am Hohenbogen die „kleine Ebene“ für die Bauern, die am Fuße des Berges ihre Höfe hatten. Im Bayerischen Wald sind es die Schachten, oder im Gebirge entstanden weiter entwickelt so die Almen.

    Am 16. April 1858 beschwerte sich Karl Pittinger als „Pfarrer und Ökonom“ (er führte von 1843-1859 als wirtschaftliche Grundbasis einen sog. Ökonomiepfarrhof), dass kurz nach der Aussaat des Sommergetreides „viele Hühner und Tauben sich auf meinem Schlosserhäng- und Gartenhängfelde (die Pfarrwiden östlich unterhalb der Kirchhofmauer) sehr oft einfinden und den eben ausgestreuten Getreidesamen aufklauben“. Er bat um Abhilfe und drei Tage später, am 19. April, versprach der Magistrat, dass seit dem 15. des Monats ein Flurwächter verpflichtet wurde „und man es nicht ermangeln laßen wird, gegen Flurfrevler (gemeint sind in diesem Fall die Besitzer der Hühner und Tauben) mit der zu Gebote stehenden Strafe fürzuschreiten“.

    Die Waldaufseher

    Neben den Flurschützen gab es noch die Waldaufseher. Ihnen sei eine eigene Betrachtung gewidmet. Es war im Jahr 1851, als am 13. April die Aufnahme eines >Waldaufsehers< für die Waldung „Hohenbogen“ anstand. Dazu versammelte sich am 13. April die Eschlkamer Bürgerschaft im Rathaus. Zwei Kandidaten standen zur Wahl: Es waren dies der bisherige Aufseher Joseph Bachmaier und der Privatier Anton Maurer (Nr. 1 ½ /Waldschmidtstraße 12). Es kam zur Abstimmung und Bachmaier erhielt - für ihn wohl unerwartet - keine einzige Stimme; dagegen Maurer sämtliche der 15 in der Hohenbogen-Waldung besitzenden Bürger. Beurteilt als ein „sehr gut beleumundeter und rüstiger Mann“ wurde Maurer am 16. April „auf das Rathaus citiert“, dort über seinen neuen Aufgabenbereich belehrt und mit dem Befehl, dass „er seine Verpflichtungen genau, gewissenhaft und unparteiisch erfülle“, nahm ihm der Magistrat das „Handgelübde“ ab.

    Eine andere Aufgabe

    Die Tatsache, dass Bachmaier als Waldaufseher keine Stimme mehr erhielt, lag wohl daran, dass die Bürger wie auch der Magistrat für ihn einen anderen Aufgabenbereich vorsahen. Am 1. Mai, nur zwei Wochen nach der Wahl des Waldaufsehers, kamen 13 stimmberechtigte Bürger – es waren die Landwirte im Markt – überein, Joseph Bachmaier für das Jahr 1851 als Flurwächter aufzunehmen. Dabei verpflichteten sich die genannten Bürger, an Bachmaier für jedes Tagwerk eines Grundstücks 1 Kreuzer zu zahlen. Vom Magistrat wurde er im Rathaus als Flurwächter bestätigt und man „ermahnte ihn schließlich noch zur genauen Vollziehung seines Flurwächterdienstes“.

    Diese Dienste waren in der Regel auf ein Jahr befristet, denn am 6. Mai 1852 wurde der Häusler Anton Ruhland als „Holzaufseher“ für die seit 1788 der Bürgerschaft gehörende Waldung „Karpfling“ und zugleich auch als Flurwächter in der Gemeinde bestimmt. Als Jahresgehalt für beide Dienste wurden ihm auf Grund der Doppelfunktion 33 Gulden zugesprochen. Auch er wurde „schließlich noch zur genauen Vollziehung seines Flurwächter- und Holzaufseherdienstes verpflichtet“.

     

    Werner Perlinger

  • Die Tätigkeit der Feldgeschworenen in Eschlkam

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    Eschlkam. Feldgeschworene wirken in Bayern bei der Kennzeichnung von Grundstücksgrenzen und Flurstücken mit. Sie setzen Grenzsteine höher oder tiefer, entfernen Vermessungspunkte oder ersetzen beschädigte Vermessungspunkte. Als Hüter der Grenzen und Abmarkungen in einem Gemeindegebiet arbeiten sie eng mit Vermessungsbeamten zusammen. Für die Feldgeschworenen gibt es landauf, landab eine Vielzahl alternativer Bezeichnungen mit teilweise nur regionaler Verwendung. Der bekannteste Name bei uns lautet für sie die „Siebener“, denn es mussten stets sieben Personen aus dem Gemeindebereich sein, die um die Lage der Grenzen und der sie markierenden Steine Auskunft geben konnten. Die „Sieben“ ist eine sog. „heilige Zahl“, überliefert in der Bibel, als Gott die Welt in 6 Tagen erschuf und nach Vollendung seines Werkes den 7. Tag als Sabbat bestimmte. 

    Die Feldgeschworenen gibt es seit dem 12./13. Jahrhundert. Sie dürfen einmal gesetzte Grenzzeichen suchen und aufdecken, wenn ein Grundstückseigentümer dies beantragt. Ferner dürfen Feldgeschworene innerhalb eines engen gesetzlichen Rahmens Abmarkungshandlungen in eigener Zuständigkeit und Verantwortlichkeit vornehmen. Über die Abmarkung, die einen Verwaltungsakt darstellt, fertigen die Feldgeschworenen ein Protokoll. 

    Setzen von „Siebenerzeichen“

    Die Feldgeschworenen kennzeichnen die Lage der Grenzpunkte mit geheimen Zeichen. Diese werden auch Unterlagen, Beleg, Zeugen oder „Geheimnis“ genannt. Die „Siebenerzeichen“ sind meist besonders geformte und beschriftete Zeichen aus dauerhaftem Material, wie z. B. aus gebranntem Ton, Glas, Porzellan oder Metall. Sie werden im Bereich des Grenzsteins in einer bestimmten nur den Feldgeschworenen bekannten Anordnung ausgelegt. Die Art dieser Anordnung bezeichnet man als „Siebenergeheimnis“. An Form und Lage der Zeichen erkennen die Feldgeschworenen bei einer Nachschau, ob der Stein in seiner Lage unrechtmäßig verändert wurde.

    Auch in Eschlkam waren seit jeher und sind noch heute die Feldgeschworenen tätig. Im Marktarchiv findet sich aus dem 19. Jahrhundert ein Protokoll über die Bestellung eines Obmannes für die Feldgeschworenen sowie auch ein Tagebuch über deren Tätigkeit. Am 24. Juli 1876 wurden vom Bürgermeister die Feldgeschworenen auf das Rathaus gebeten um einen neuen Obmann aus ihrer Reihe zu wählen nachdem der bisherige, der Kaufmann Wolfgang Riederer (Nr. 61/Großaigner Straße 1) verstorben war. Als Feldgeschworene werden aufgezählt: Georg Seidl, Bürger und Hausbesitzer (Nr. 56/Blumengasse 8); Mathias Späth, Wirt und Metzger (Nr. 35/Marktstraße 7); Anton Regner, Bürger und Hausbesitzer (Nr. 18/Further Straße  8); Josef Stauber, Handelsmann (Nr. 59/Marktstraße 13); Georg Hastreiter, Bäcker (Nr. 23/Marktstraße 2) und Franz Rötzer, Wirt und Bäcker (Nr. 19/Further Straße 4 u. 6). Als neuer Obmann wurde einstimmig von der Gemeindeverwaltung Georg Seidl als ältestes Mitglied der Gruppe bestimmt. Seidl wurden dann die „Dienst-Instruktionen eingehändigt“, die Mitglieder nochmals auf ihre Pflichten hingewiesen und „ihnen ferner bedeutet, daß das nunmehr anzufertigende Dienstbuch, welches vom Obmann Georg Seidl zu führen sein wird, zum Gebrauche beim hiesigen Bürgermeisteramte aufbewahret bleibe“.

    Wahl des Obmanns annulliert

    Das Landgericht Kötzting bemängelt als übergeordnete Behörde am 31. Juli, dass nur sechs Feldgeschworene in der Gemeinde vorhanden seien. Ein weiterer, der siebente, sei neu zu wählen. Auch sei die Wahl Seidl’s zum Obmann „von Staatsaufsichts wegen anulliert“ da diese Wahl allein nur die Feldgeschworenen „auf dem vorgegebenen gesetzlichen Wege“ vornehmen könnten. Und so wird es dann auch geschehen sein, denn am 30. Oktober schritten Bürgermeister Pfeffer (wohl von Nr. 3/Waldschmidtstraße 8 - „Hoamader“); der Obmann der Feldgeschworenen, Georg Seidl; der Polizeidiener Pinzinger (Nr. 62/Großaigner Straße 5) und der Marktschreiber im Rahmen einer „Grenzbesichtigung“ die Gemeindegrenzen Eschlkams ab. Die Gruppe ging vom Markt aus zum Chamb hinunter, weiter „stromabwärts“ zum Moosbauern, dann über den „Karpflinger Hügel“ und Rappendorf über Ritzenried zur Jakobsmühle und von da auf die Leminger Höhe entlang der Stachesrieder Grenze zurück „zur Brücke über den Chambflusse und retour“ in den Markt. „breve manu“ (kurzerhand) wurde dieses Protokoll als „Ausweis der geschehenen Grenzbesichtigung an das kgl. Bez(irksamt- heute Landratsamt Kötzting)“ geschickt. Es unterschrieben Bürgermeister Pfeffer, Obmann Georg Seidl und der Polizeidiener Pinzinger.

    Erhalten hat sich im Archiv auch ein Tagebuch der Feldgeschworenen von 1897/98. So wurde u.a. „am 16. April 1898 die Vermarkung des Hausplatzes des Egid Hunger (Nr. 11/Kleinaigner Straße 9) durch die Feldgeschworenen richtig vollzogen“. Es unterschrieben Obmann Georg Seidl, Franz Waitzer (Nr. 9/Kleinaigner Straße 7) und Heinrich Stauber. Am Rande wurde bemerkt: „mit Geheimnis-Unterlage“, d.h. mit der in das Loch für den Grenzstein abgelegten Siebenerzeichen, den geheim gehaltenen Gegenständen wovon nur die Feldgeschworenen wussten, als Schutz vor dem bei Nacht und Nebel rechtswidrig handelnden „Moar- oder Grenzstoarucka“, den damals jeder Grundbesitzer fürchtete.

     

    Werner Perlinger

  • Verbotener „Umgang“ kam vor Gericht – dennoch war keine Entscheidung nötig

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    Eschlkam. Mit der Erhebung Eschlkams in den Status eines Marktes im frühen 13. Jahrhundert, hatten der jeweilige Bürgermeister und sein „Innerer Rat“ neben der Verwaltung auch die >Niedere Gerichtsbarkeit< inne, während die „Malefizfälle“ (schwere Verbrechen wie Raub, Mord, Vergewaltigung etc.) vom Landgericht in Eschlkam selbst bis 1429 und dann in Kötzting bis zur Aufhebung im frühen 19. Jahrhundert abgehandelt wurden. Der justizielle Bereich >Niedere Gerichtsbarkeit< umfasste meist kleine Diebstähle, Beleidigungen, Raufereien, Leichtfertigkeiten (z. B. vorehelicher oder unerlaubter Geschlechtsverkehr), Verstöße gegen das Weiderecht und den Feuerschutz sowie die Entheiligung der Sonn- und Feiertage.

    Wir wollen uns mit einem Fall beschäftigen, den die Marktbehörde zu bearbeiten hatte und drehen das Rad der Zeit dieses Mal einige Jahrhunderte zurück. 1687, am 7. Juli, so der Inhalt des Ratsprotokolls aus diesem Jahr, musste sich der Marktrat rechtlich mit einer sehr pikanten Angelegenheit befassen: „Jörg Oxenmayr, Burgersohn und seines Handtwerkchs ein Schuhmacher“, erhob Klage gegen Wilhelm Hager, Organist. Dieser habe in der Öffentlichkeit „ausgegeben, er (Ochsenmeier) wehre bei alhiesigers H. Pfarrers Köching gelegen, und (habe) mit selbiger S.V. (salva venia…mit Erlaubnis) Unzucht gethriben, daß ihme reverendo (mit Verlaub) die Fiss gezittert haben, und darf auch (der) Cleger nur in den Pfarrhof gehen, die Köchin gebe ihme Essen und trinkhen, und sodann nur gleich das Maull wischen, widerumben darvon gehen“. Damit ist gemeint, Ochsenmeier werde im Pfarrhof stets bewirtet wann immer er komme. Der junge Oxenmayr dürfte der Sohn des Mesners Andre Oxenmayr gewesen sein, welcher damals das Anwesen Nr. 61/ Großaigner Straße 1 innehatte. Dies würde auch erklären, dass der junge Ochsenmeier wegen der Tätigkeit seines Vaters im Gegensatz zu den Mitbürgern einen leichteren Zugang zum Pfarrhofe hatte. – Ein sittlich schwerer Vorwurf, daher fordert Ochsenmeier, der von ihm beklagte Hager solle dies erst beweisen oder „ainen Abtrag thuen“, d.h., sich für eine solche Behauptung entschuldigen.

    Den Beweis gefordert

    Der Organist Hager wirkte zugleich auch als Schullehrer im Markte. Das erfahren wir aus dem Ratsprotokoll vom Jahr zuvor. Darin wird dem Schulmeister Wilhelm Hager vorgeworfen: Die Kinder könnten schlecht Lesen und Schreiben; im Rechnen seien sie „gar nit underwissen worden“. Mehr Fleiß im Dienst wurde von der Marktführung angemahnt. Hager hatte, so gesehen, gerade in dieser Zeit offenbar keinen leichten Stand in der damaligen Bürgerschaft.

    Hager aber blieb bei nochmaliger Befragung bei seiner Behauptung insoweit, als er vortrug, er könne dem „vom Cläger eingeclagtes nit widersprechen, allein er habe solches von dem alhhiesigen Mezger Knecht in beisein des aldasigen Adstanten (Hilfslehrers) Georgen Pelsterl gehört“. Dafür wollte Ochsenmeier als „Cleger die prob haben“, d. h. diese beiden Personen sollten zur Aussage beigezogen werden.

    Hager jedoch „verharrt bei seiner Antwortt (Aussage), und wills mit sambt seinem leiblichen Jurament (Eid), neben des (im Beisein von) Pelsterls rechtsbemüegrig (rechtskräftig) erweisen, da der Mezger Khnecht desgleichen red, von ihme Cleger ausgeben habe“ (über den Kläger dasselbe sagte).

    Verfahren zunächst vertagt

    Irgendwie waren die Ratsherren und der Bürgermeister ratlos. Sie konnten vorerst keine Entscheidung treffen. „Weil man aber“, so der Marktrat, „dis Orths nit sechen (erkennen) khann, daß diese Sach von ainer Wichtigkheit (wirklich wichtig, oder bedeutend wäre), also würdet denen Partheyen der güettliche Vergleich vorgeschlagen“. Dieser sollte innerhalb von 8 Tagen erfolgen. Sollte es aber dazu nicht kommen, möge in dieser Angelegenheit zunächst eine weitere „Erfahrung eingeholt“ werden. Das Verfahren wurde deshalb vertagt. Bei weiterer Nachschau im Ratsprotokoll findet sich zu dieser Angelegenheit kein weiterer Eintrag mehr. Offenbar hatten sich der junge Ochsenmeier und der Organist und Lehrer Wilhelm Hager außergerichtlich verglichen, d.h., Hager hatte sich für seine Behauptungen entschuldigt, so dass Ochsenmeier sein Klagebegehren zurückzog. Damit waren sicher auch der Bürgermeister und seine Ratsherren über die Wendung des Falles glücklich, da sie von einer weiteren Untersuchung dieser für den Markt und seinen Bewohnern unangenehmen Sache entlastet waren - gerade auch was den alltäglichen Ratsch betraf.

    So wird es auch gewesen sein, denn knapp zwei Jahre später, am 16. Juni 1688, bat Georg Oxenmayr, noch ledig, den Marktrat, „ihn in ansehung aines alten Burgersohnes (aus alteingesessener Familie stammend) vor ainen Undersessen an- und aufzunehmen“, da „er sich zuverheurathen willens“. Die Ratsherren akzeptierten den Wunsch und nahmen den jungen Schuhmacher für einen „Inwohner“ auf. Bei diesem Rechtsakt versprach er, dass er sich „gehorsamblich verhalte“ und darauf leistete er das „gewohnliche Handtglib“ (Gelöbnis per Handschlag). Ein „Undersess“ oder „Inwohner“ bedeutete damals den Mieter einer Wohnung, da er kein eigenes Haus besaß.

     

    Werner Perlinger

  • Als der Marktschreiber und nicht der Bürgermeister den Markt regierte

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    Eschlkam. Im Jahr 1808 kam es zu einer grundlegenden Neuordnung der staatlichen Verwaltung Bayerns, die von dem Staatsjuristen Graf Maximilian von Montgelas geplant und initiiert wurde. Dieser war damals der leitende Minister in dem zwei Jahre zuvor von Napoleons Gnaden gegründeten Königreich Bayern. Obwohl der ersten bayerischen Konstitution (Verfassung) von 1808 für die Neuorganisation der staatlichen Verwaltung keine lange Lebensdauer beschieden war, war sie bereits ein weiter Schritt hinein in die Zukunft des modernen Verfassungsstaates und der modernen Staatsbürgergesellschaft. Bereits nach zehn Jahren wurde sie durch die wesentlich umfangreichere Verfassung von 1818 abgelöst.

    Diese eingeleiteten Verwaltungsreformen, beginnend mit dem Gemeindeedikt vom 24. September 1808, beseitigten zwar vorerst die auf den alten Privilegien bestehende Selbstverwaltung der Städte und Märkte. Sie bildeten aber auch die Grundlage für eine landesweite Kommunalorganisation, die den mit eigener Rechtspersönlichkeit ausgestatteten Gemeinden schon ab dem zweiten Gemeindeedikt vom 17. Mai 1818 mehr Selbstverwaltungsrechte als bisher einräumte; davon später.

    Zum Jahr 1808: Das politische Streben, ausgehend vor allem von Innenminister Graf von Montgelas zu Anfang des 19. Jahrhunderts war, das Land Bayern zu einem zentralen Einheitsstaat werden zu lassen, allein ausgerichtet auf den gerade herrschenden Monarchen, den König Max I. Joseph. Auf regionaler Ebene war es Absicht des zentralen Staates, dem jeweiligen Landrichter in seinem Landgerichtsbezirk, für Eschlkam war es Kötzting, alle Gewalt zu übertragen und, damit er seine Aufgaben optimal durchführen könne, die ihm anvertraute Region in Gemeinden einzuteilen. Eine zunächst empfindliche Einbuße hat durch diese eingeleiteten staatlichen Reformen unser märktisches Gemeinwesen erhalten, als die bayerische Regierung unter von Montgelas daran ging, den Gemeinden ihre Selbstständigkeit zu nehmen und sie zu letzten Werkzeugen des Staates zu machen. In diesem Sinne wurde die dem Markt Eschlkam seit dem frühen 13. Jh. zustehende und stets ausgeübte „Niedere Gerichtsbarkeit“ (diese befasste sich mit den geringeren Delikten des Alltags, sühnbar mit Geldbußen oder leichteren Leibstrafen) entzogen und an das Landgericht Kötzting verlegt, sowie auch die Verwaltung des Gemeinde- und Stiftungsvermögens genommen.

    Ein mächtiger Mann

    Sämtliche bisherige Aufgaben wurden landesweit nun eigenen von der Regierung aufgestellten „Kommunaladministratoren“ übertragen. Für Eschlkam war, wie in anderen Gemeinden auch, für diesen neu geschaffenen Posten der entsprechend dafür gebildete Marktschreiber als „Komunaladministrator“ bestimmt; in der benachbarten Stadt Furth der Stadtschreiber Anton Kaufmann. Kgl. bayer. Kommunaladministrator in Eschlkam durfte sich nun der Marktschreiber Franz de Paula Bach nennen. Er führte die Rechnungsbücher der Marktgemeinde und bestimmte allein den Verlauf der für den Markt wesentlichen Initiativen. Nicht er wurde wie bisher vom Marktrat und dem Bürgermeister angewiesen, sondern er traf kraft seines nunmehrigen Amtes allein die Entscheidungen. Damit war er, politisch betrachtet, der mächtigste Mann in der Gemeinde. Der jeweilige Bürgermeister rückte vom Status her an die zweite Stelle und mit ihm die Markträte.

    Dem Marktschreiber Pach wurde, das sei am Rande erwähnt, am 12. Dezember 1809 im Hause Nr. 33/Waldschmidtplatz 2 (Rathaus) der Sohn Alois (P)Bach geboren, der im 19. Jahrhundert als Freund und Kollege des Malers Carl Spitzweg eine der berühmten Malerpersönlichkeiten in Ostbayern werden sollte.

    Minister von Montgelas wird abgesetzt

    Erst nach dem hauptsächlich von Kronprinz Ludwig (König als Ludwig I. ab 1825) erzwungene Abgang des Ministers von Montgelas im Jahr 1817 und mit dem Erlass der zweiten konstituierenden Verfassung für das Land Bayern am 17. Mai 1818 trat eine entscheidende Besserung für die Gemeinden ein. Es wurde nun unterschieden nach Munizipalgemeinden (nach Städteverfassung) mit einem Bürgermeister und nach Ruralgemeinden (nach Landgemeindeverfassung) mit einem Gemeindevorsteher an der Spitze der Verwaltung. Dazu gehörte der Markt Eschlkam. Ruralgemeinde (von lateinisch „rurare“ für „auf dem Lande leben“) ist die im Königreich Bayern in den Jahren von 1818 bis 1835 gebräuchliche Bezeichnung für eine Landgemeinde. Ab 1835 spricht man amtlicherseits nur mehr von Landgemeinden. Deren Verwaltung oblag im Allgemeinen dem Gemeindeausschuss mit dem Gemeindevorsteher (Hauptorgan) an seiner Spitze, dem Gemeindepfleger, dem Stiftungspfleger und drei bis fünf eigens ausgewählten Gemeindebevollmächtigten. Die Mitglieder des Gemeindeausschusses wurden von der versammelten Gemeinde (Gemeindeversammlung) aus deren Mitte gewählt. Die wichtigsten Gemeindeämter sollten nur mit Personen besetzt werden, die zum Kreis der im Markte Höchstbesteuerten gehörten. Die Gemeindeversammlung hatte nur eine beratende Funktion. Frauen, Austrägler und Männer, die keine Steuern bezahlten, galten so gesehen nicht als Gemeindemitglieder.

    Und so änderte sich diese Situation auch für Eschlkam im Jahr 1819. Der Magistrat erhielt ab diesem Zeitpunkt einen Katalog von neuen Befugnissen, wie sie mit Ausnahme der „Niederen Gerichtsbarkeit“ zum Teil vorher schon gegeben waren. Dazu gehörte u.a. die Aufnahme von Bürgern, die Ausstellung von Heiratsbewilligungen, oder die Verleihung der Gewerbeerlaubnis. Bald wurde es für die Gemeinde auch zur Pflicht Baugenehmigungen auszustellen.

    Dazu letztlich noch einige interessante Details: Unter dem Titel „die Gränzen der Befugnisse der neugebildeten Magistrate betreffend“ können wir lesen, dass in Eschlkam für die Gemeindebevollmächtigten (im Gegensatz zu ihren Kollegen in größeren Städten) bei Ausübung ihres Amtes „keine besondere Kleidung vorgeschrieben ist, sie können sich jedoch (bei Sitzungen und öffentlicher Repräsentanz) anständiger Kleidung bedienen“; ferner: „für das subalterne (der Marktführung untergeordnete) Polizeipersonal kann es gleichwohl bei der bisherigen Uniform verbleiben“. Mit der neuen Verfassung von 1818 erhielt der jeweilige Bürgermeister wieder seinen früheren Status zurück – er allein stand von nun an wieder an der Spitze der Gemeinde.

     

    Werner Perlinger

  • In Heiratsverträgen wurden von Frischvermählten künftige Besitzverhältnisse geregelt

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    Eschlkam. Unter dem Titel „Übergabe in wirtschaftlich schwieriger Zeit“ wurde bereits der im Jahr 1747 erfolgte Besitzerwechsel des Anwesens Waldschmidtstraße 14, heute der Gasthof Penzkofer, zwischen Franz Paul Schmirl (+) und seinem Sohn Franz Anton dem Leser vorgestellt. Nur einige Jahre später ließen Franz Anton und seine ihm angetraute Frau Anna Maria einen Heiratsvertrag ausfertigen, nun Thema dieser Abhandlung.

    Einen interessanten Einblick in die sozialen Verhältnisse der besitzenden Marktbürger im 18. Jahrhundert gewähren neben anderen Unterlagen auch die im Archiv von Eschlkam in den Briefprotokollen niedergeschriebenen Heiratsverträge. Abgeschlossen haben solche Verträge meist die mit Grund- und Sachbesitz bereits bei der Eheschließung für damalige Verhältnisse gut ausgestatteten Bürger. Als ein Beispiel aus dem reichhaltigen Fundus sei dem Leser nun der am 26. Mai 1753 geschlossene und vom Marktschreiber protokollierte Vertrag zwischen dem Gastgeber und Besitzer eines der „Hoamaterhöfe“ (heute Gasthof Penzkofer), Franz Anton Schmirl und seiner frisch angetrauten Frau Anna Maria, geborene Mauser unterbreitet:

    Laut Inhalt des Vertrags ward festgestellt und beschlossen, dass die angetraute Ehefrau, Tochter des Baders und Mitglied „des Innern Rats (und zugleich) Burgermeister“ Paul Mauser (Nr. 7/Kleinaigner Straße 3) und seiner Frau Anna, ihrem Ehemann 300 fl (Gulden) in bar als Heiratsgut bereits mitbrachte, dann eine „Kuhkalben“ (junge Kuh); ferner „Schreinzeug (Truhen) und Ehrn Kleid (Kleider die nur an den Sonn- und Feiertagen getragen wurden) dergestalten“, dass, sollten ohne Erben der Todesfall eintreten, er, Schmirl, ihren Eltern oder, in Ermangelung dessen, ihren „nächsten Anverwandten neben denen 3 Stuck besten Hals Kleidern (die damalige dem heutigen Dirndl ähnliche Frauentracht, wie wir sie bildlich noch auf alten Votivtafeln in Kirchen, Kapellen oder in Museen bewundern können) vor allem aber 150 fl zurückzuzahlen schuldig sein“.

    Feste Vereinbarungen

    Ähnliches galt auch für den Ehemann Franz Anton Schmirl. Würde er ohne „Leibserben“ frühzeitig sterben, so sei aus dem am 1. Juli 1747 bereits erlangten Vermögen neben denen „3 Stuck besten Hals Kleidern“ 200 Gulden an seine nächsten Verwandten auszuzahlen.

    Würden sich später in dieser Angelegenheit weitere strittige Punkte ergeben, so sollten „solche denen kurbayerischen Landtstatuten und als hergebrachten Observanz (Gewohnheitsrecht) nach decerniert (hier entschieden) und erredet (verhandelt) werden“.

    Zeugen und „Beyständter“ aufseiten des Schmirl waren Franz Sebastian Ruesch: verpflichteter „Kürchen- und Marcktschreiber alhier“ (er wohnte im Rathaus), dann Veith Spätt, „ganzer Pauer von Großaign“. Als Zeugen der Schmirlin fungierten der Vater Paul Mauser, Wolfgang Lährnbecher, burgerlicher Weißpöckh (Nr. 60/ Marktstraße 15), und Franz Georg Fischer zu „Unterfaistern“ (Bauer in Unterfaustern).

    Zur Bekräftigung der vertraglichen Abmachungen wurde der „gegenwarttige Heuraths Contract auf der Partheyen geziementes Bitten von Magistrats- und obrigkeiths wegen in duplo (zweifach) ausgeferttiget und ieden Thaill davon ein gleichlauthetes Exemplar zuegestellt“. So geschehen in „Eschlcamb den 26. May 1753.“ Als „Sigl Gezeugen“ sind genannt: Balthasar Stoiber (Nr. 35/Marktstraße 7) und Hans Georg Preysinger (Nr. 31/Burgweg 2), beide „burgerliche Schneidermeister“.

     

    Knapp 50 Jahre später ließ sich am 5. April 1800 das frisch getraute Paar Michael Seidl, Handelsmann (Nr. 56/Blumengasse 8) und Anna Maria, geb. Hastreiter einen „Heurats Brief“ ausstellen. Demnach brachte die Braut als Ausstattung mit in die Ehe ein „Ober- und unterbeth (Bettzeug), (einen) Kasten (Schrank), (eine) Truchen (Truhe) und einen Schießlkorb“ sowie 350 Gulden an barem Geld. In diesem Falle nicht aufgeführtt, obwohl bis in die Zeit vor und nach dem Zweiten Weltkrieg noch üblich, stellen eine Wiege für die zu erwartenden Kinder sowie das Spinnrad mit dem Spinnrocken ebenso feste Bestandteile der Mitgift für die Frauen dar.

    Die Gagelhenn

    Auch wurde bei den Heiratsabmachungen des Paares Seidl bereits für die Kinder, sollten sie einmal heiraten, die „Gagelhenn mit Bier, Brot und Brandwein“ festgelegt. Die Kosten für diese auch als „Morgenmahl“ bezeichnete kleine Feier, wenn die Tochter oder der Sohn das Elternhaus verlassen, hatte in der Regel der Vater zu tragen. Dieser an sich selten gewordene Brauch ist im Hohenbogen-Winkel heute noch üblich.

    Der sog. „Kasten“ war ein meist vom Ortsschreiner zweitürig gefertigter (Braut)schrank, bemalt in den Türfüllungen mit Heiligen- oder Blumenmotiven, in dem die guten Kleider (wie die oben genannten Halskleider) wie auch Leinenballen und andere Textilien aufbewahrt wurden. Die häufig an der oberen Querleiste angebrachte Jahreszahl erinnert an das Jahr der Heirat. Eintürige „Kästen“ waren in der Regel den alleinstehenden Frauen oder Männern vorbehalten, oft den Ehehalten (Mägde oder Knechte) auf den Höfen. Der genannte „Schießlkorb“ ist ein rahmenartiges Gestell, in dem nahe dem Küchenherd an der Wand Teller und kleine Schüsseln für den täglichen Gebrauch aufbewahrt wurden.

     

    Abschließend noch einige allgemeine Erklärungen: Auch bei uns im Hohenbogen-Winkel gab es seit alten Zeiten den Brauch, dass die in ein Anwesen einheiratende Braut zusammen mit ihrer Aussteuer auf einem „Kammerwagen“ zum Haus des Bräutigams gefahren wurde. Transportiert wurden auf einem Leiterwagen die Möbel der ehelichen Schlafkammer, dazu noch Bett-, Tisch- und Leibwäsche, Leinenballen, die Kinderwiege, Geschirr und Stickereien für die gute Stube. Der „Kasten“, das Bett und die Truhe wurden offen auf dem Wagen transportiert, so dass jedermann sehen konnte, was die Frau für den neuen gemeinsamen Haushalt mitbrachte und wie fleißig sie ihre Aussteuer zusammengestellt hatte.

     

    Werner Perlinger

  • Der Markt Eschlkam in alten Bildern

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    Eschlkam. In einer ganzen Reihe von Aufsätzen wurden bisher verschiedenste archivische Inhalte aus alten Akten des Marktarchivs vorgestellt. Nun sei eine Ansicht aus einem Bilderzyklus es ehemaligen Erzdekanats Cham vorgestellt. Entstanden auf Initiative des Erzdekans von Cham, Johann Freiherr von Wolframsdorf, um das Jahr 1745, zeigt das Gemälde - Öl auf Leinwand - den Markt Eschlkam auf einem Hügel inmitten der bergigen Kultur- und Waldlandschaft. Im Ensemble dominiert die Pfarrkirche St. Jakob mit ihrem barocken Zwiebelturm, umgeben von noch beachtlichen Resten der Kirchenburganlage. Hier erkennen wir, dass der damalige Kirchturm, nahezu völlig neu gebaut im Jahr 1720, einen kleineren Querschnitt in der Grundfläche hatte, als der heutige. Der jetzige Turm wurde von Grund auf 45 Meter hoch neu in den Jahren 1833-1835 gebaut. Er wirkt in der Landschaft himmelwärts gleich einem Zeigefinger Gottes.

    Der ehemalige Wehrturm im Nordosten der Anlage, auch Pulverturm genannt, präsentiert sich dagegen heute zur Hälfte abgetragen. Das Mesnerhaus trägt ein Krüppelwalmdach. Die kleinen Lichtschlitze an der Außenmauer des Hauses ersetzen die Fenster und erinnern an die ehemalige Wehrhaftigkeit. So ist auch der heutige Toreingang in den Friedhof, damals dargestellt als kleiner Turm mit einem Pyramidendach, zusätzlich mit Palisaden abgeschirmt. Stattlich wie noch heute nimmt links davon der vor einigen Jahren renovierte Pfarrhof seinen Platz ein. Im Bereich der Pfarrwiden (Feld- und Wiesengründe der Pfarrei) bestellt gerade ein Mann mit dem Pflug ein Feld, wohl der Knecht des Ökonomiepfarrhofes. Im Vordergrund blasen Hirten den Dudelsack und die Schalmei. Am rechten Bildrand erscheinen leicht versetzt die ansehnlichen Gebäude der Hofmark Kleinaign, dabei abgegrenzt die damaligen Dorfhäuser in Holzbauweise. Die nur schwach erkennbare Gebäulichkeit im Tal könnte die Heuhofer Mühle sein. Links unten ist das Wappen des Pfarrers Georg Erhard Amann (1739-1756) mit dem Ortsnamen Eschlkamb angebracht. Über den Wolken thront als Patron der Pfarrei St. Jakobus der Ältere, erkennbar an seinen Attributen Pilgerstab, Muscheln und Streitaxt (als Maurentöter).

    Ergänzend zu dieser Betrachtung sei detailliert die Stiftung eines kirchlichen Jahrtages des ehemaligen Pfarrers Adalbert Wagner vorgestellt:

    Jahrtagsstiftungen sind heutzutage selten geworden. In früher Zeit, gerade auch im 18. Jahrhundert, als dieses Bild entstand, war es vielen Bewohnern vielfach ein dringendes Anliegen, vor dem eigenen Hinscheiden hl. Messen und Jahrtage zu stiften, natürlich nur wenn ihr Vermögen es ihnen erlaubte. Dafür wurde je nach Möglichkeit ein nicht unansehnlicher Geldbetrag an die Kirche gegeben. Die Jahrtage waren hl. Messen, die jährlich an einem bestimmten Tag, meist dem Sterbetag des Stifters, aber auch als Vigilien (am Vortag des bestimmten Tages), zu lesen waren. Zu Beginn des Jahrtagsgottesdienstes wurde der Name des Stifters verkündet. Die Kosten für die Abhaltung dieser hl. Messe wurden aus dem vorher dafür gestifteten Kapital bestritten.

    Durch die Inflation im Jahre 1923 gingen diese Gelder unwiderruflich verloren, was leider zugleich auch das Ende der alten Jahrtagsstiftungen bedeutete. Dieser alte Brauch lebt inzwischen wieder auf, ohne jedoch auch nur annähernd die frühere Bedeutung zu erlangen. In der Hauptsache sind Messintentionen gefragt, das Lesen nur einer hl. Messe gegen eine Gebühr.

    Die Stiftung von 1828

    Zunächst einiges zu dem Priester Adalbert Wagner: geboren am 21. Februar 1773 in Waldmünchen, wirkte er bis zu seinem Lebensende am 25. März 1828 16 Jahre als Pfarrer in Eschlkam. Dort fand er im Friedhof auch seine letzte Ruhe wie sein mittlerweile im Torhaus des Friedhofs eingelassener Grabstein uns kündet. Sein Nachfolger wurde der Priester Wolfgang Kolbeck.

    Als Wagner seinen Tod herannahen fühlte, „vermachte er am 8. März 1828 abends um 5 ½ Uhr als Legat (Stiftung) einen Jahrtag, der in einem Hochamte und solemnen (feierlichen) Requiem bestehen sollte, ein Kapital von Hundert Gulden“. Das Geld war günstig anzulegen, so dass von den Zinsen daraus „die jährliche Verrichtung allerdings verrichtet werden könne“. Damit  dieses Kapital für den Jahrtag nicht durch Abzug einer „quarta pauperum et scholarum“ (derjenige Teil der kirchlichen Einkünfte, welcher stets für die Armen und für den Schulfond zu verwenden war) nicht sogleich geschmälert werde, gleichzeitig noch weitere 50 Gulden, halbiert für die Armen und die Schulen zu je 25 Gulden, wobei das Geld für das Schulwesen der ganzen Pfarrgemeinde sofort zu verwenden sei. Als „Testierer“ ermächtigte Wagner das königliche Landgericht Kötzting die 150 Gulden nach seinem Tode „von der ohnehin vorliegenden Geldbarschaft zu sich zu nehmen und zu dem … genannten Zwecke zu verwenden“.

    Außerdem hatte Pfarrer Wagner in seinem Testament verordnet, dass von 2000 Gulden, die er bei der K. Staatsschulden Tilgungsspezialkasse in Regensburg angelegt hatte, seine Köchin Margaretha Iberer, Schneidermeisterstochter, „lebenslänglich die Zinsen zu genießen habe“. Nach ihrem Tode aber seien von den Zinsen, aufgeteilt zu je 1000 Gulden Kapital, die armen Familien in der Pfarrei und die armen Schulkinder zu unterstützen. Diese Verfügung konnte erst nach dem Ableben der Köchin Iberer wirksam werden. Sie verstarb 78jährig am 13. Februar 1857 in Hahnbach.

     

    Werner Perlinger

  • Ein „Kalkant“ hatte im Kirchenjahr ein breites Betätigungsfeld

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    Eschlkam. Im Rahmen der „Wiederbesetzung des Todtengräbers und Kalkantendienstes“ (siehe letzten Beitrag) wurden anlässlich der Verhandlungen darüber mit dem Magistrat vom damaligen Pfarrer Karl Pittinger detailliert die Aufgaben des Totengräbers und Kalkanten aufgelistet. „Kalkant“ ist die heute nicht mehr gebräuchliche Bezeichnung für den Blasbalgtreter an der Orgel, oder auch Kirchendiener. „Regelmäßige Verrichtungen des hiesigen Totengräbers, der zugleich Orgelblasbalgzieher, der zugleich Sakristeidienstgehilfe ist,“ so titelt die im Original wiedergegebene Stellungnahme Pittingers vom 4. Januar 1855. Minutiös zählt der Pfarrer sämtliche Pflichten auf, die der Kalkant und der Totengräber während des Jahres zu erfüllen hatten.  

    Bezüglich des Kalkanten heißt es unter Punkt I: „Auf dem Chor allemal ohne Ausnahme nicht bloß bei den Vor- und nachmittägigen Gottesdiensten, sondern auch bei allen kirchlichen Musikproben, so oft die Orgel gespielt wird, die Blasebälge zu ziehen, oder ziehen lassen durch jemand andern.

    Punkt II, gegliedert in 17 Punkten, informiert über den Umfang der Aufgaben in der Sakristei und in der Kirche selbsten: 1) Wenn er nicht auf dem Chor beschäftigt ist, die Ordnung beim Speisegitter u. Altar zu beaufsichtigen, u. die Unruhigen zurecht weisen, u. dem Pfarrer anzeigen; 2) (Das) bei allen Vespern an den Werk- und Feiertagen; 3) An allen Sonn- und Festtagen u. bei pfarrlichen Gottesdiensten; 4)Bei allen Leichengottesdiensten die Pfennige wechseln und ganz gewißenhaft einliefern; 5) Bei den Prozessionen in der Seelen Octav das Crucifix zu tragen; 6) (Dann auch) im Advente bei den gewöhnlichen Roraten; 7) Bei den vorkommenden längeren Wasserweihen besonders zu Ostern, Pfingsten, Stephani, Heil. Drei Königsfeste das Crucifix zu tragen; 8) An Maria Lichtmeßen bei der Prozession und Wachsweihe; 9) An den drei Fastnachtstägen bei Aussetzung des hochwürdigsten Gutes Vor- wie Nachmittag; 10) In der Fastenzeit hindurch bei den Kreuzweg-Andachten das Chrucifix tragen, und Sonn- u. festtägigen Miserieren (Bußgottesdienste); 11) In der Charwoche die letzten drei Tage durchgehends bei den Verrichtungen zu erscheinen wie auch bei den Dunkelmetten; 12) In der Kreuzwoche hat er bei den Prozessionen die Fahne zu tragen; 13) (Auch) am Christi Himmelfahrtstage u. Pfingstfeste bei den Vorstellungen der Auffahrt u. Sendung des heil. Geistes; 14) In den Octaven Johann v. Nepomuck nachmittägigen Litaneien u. in der Octav des Fronleichnams-Jesu Vormittag wie Nachmittag, auch sind von ihm aus für die Kirche die Birken zu besorgen; so auch am Kirchweihfeste und im Patronomium (Patroziniumsfest St. Jakob); 15) In der Charwoche die heil. Oele beim H. Dekant abzuholen ;16) Die Fahnen an den Vorabenden der Feste aufrichten, darnach abzulegen u. aufzuheben, ebenso auch die schönen Himmel mit Beihilfe des Bruderschaftsdieners; 17) Bei der Fronleichnams-Prozession hat er auch für die Tragung der 2 kleinen Fähnchen zu sorgen, wofür er von der Kirche eigens bezahlt wird pro 48 Kreuzer für sich und für diese zwei Träger.“

    Punkt III informiert den Leser über die Pflichten des Totengräbers von Seite der Kirche aus: 1) „Im Gottesacker muß er an jedem Abend auf der West- und Südseite die Thore schließen und immer den ganzen Friedhof sehr reinlich halten, besonders keinerlei Vieh darin gedulden, sondern jedes sogleich daraus hinaustreiben. – Jede Unreinigkeit sogleich daraus beseitigen. Die Gitterthüren, welche zur nördl. Hälfte des Gottesackers führen, müssen von ihm oder seinen Angehörigen beim Ein- und Ausgehen geschlossen werden. 2) Die 10 Stafeln beim Aus- u. Eingange des unteren Freythores sind vom Kothe, vom Schnee u. Eis zu säubern, daß Niemand in Gefahr kömmt, zu fallen. – den Schnee in den Gängen des Gottesackers, dort wo der Priester zu den Begräbnissen hingehen muß, wegschaufeln. - Die Gräber müssen allzeit in der polizeilich vorgeschriebenen Tiefe gemacht werden. 3) Nirgendswo darf er ein Grab machen, wenns der Pfarrer nicht gestattet, z.B. nicht zu nahe an den Wegen, nicht allzunahe den Pfarrkirchmauern.- Die vorschrieftsmäßige Tiefe muß er bei jedem Grabe herstellen. - Jedes ungetaufte todte Kind vorher dem Pfarrer ansagen. 4) Hinsichtlich der Einforderung der Gebühren für das Gräbermachen hat er sich an die sowohl in der älteren Faßion als auch in der pfarramtl(ichen). Stol-Gebühren Heften aufgeschriebenen Ansätze, welche ihr ohnehin bekannt sind, unabänderlich zu halten.“

    Tiefgreifende Bedeutung

    Unzweifelhaft hatte vor 170 Jahren der Kalkant, der zugleich Totengräber war, einen breit gestreuten Aufgabenbereich. Der Magistrat war zufrieden und bestimmte lediglich, dass die Birkenbäume für Fronleichnam „auf Kosten der Pfarrkirchenstiftung herbeigeschafft werden sollen“. Die Dienste des Kalkanten und Totengräbers waren lang schon in einer Person vereinigt, so dass für die Arbeit des Totengräbers jährlich 48 f (Gulden), für die des Kalkanten 36 f zu entrichten waren. Das gesamte Jahreseinkommen betrug demnach 84 f. Dazu ein Vergleich: Ein Maurer kam pro Tag nach 12 Stunden Arbeit auf 40 Kreuzer. Ein Lehrer konnte damals je nach seiner erreichten Position pro Jahr 150-400 Gulden verdienen. Der Gulden wurde zu 60 Kreuzer gerechnet; ein Laib Brot kostete 4 Kreuzer, ebenso 1 Liter Milch. Ein Kaplan hatte ein Jahreseinkommen von 150-200 f, ein Pfarrer (je nach Größe und Bedeutung der Pfarrei) 400-2400 f und der Bischof konnte ein Jahresbudget von 8000 f erwarten. Daher wurden vom Marktrat die Dienste >Kalkant und Totengräber< zusammengelegt, „damit das hiermit betraute Individuum doch ein besseres Auskommen habe, denn von den Erträgnissen des Todtengräberdienstes allein könnte sich Niemand fortbringen; sowie es auch Niemanden möglich wäre, vom Kalkantendienst allein leben zu können“, so die abschließende Feststellung des Magistrats unter Bürgermeister Simon Moreth.

    Welche tiefgreifende Bedeutung die Tätigkeit des Totengräbers für den Menschen hat, sei poetisch ausgedrückt in der Abspaltung des Jenseits unüberbrückbar vom Diesseits wenn es heißt:

    „Wir graben auf, wir graben nieder, was uns in die Finger fällt kehrt niemals wieder“.

     

    Werner Perlinger

  • Die Vergabe des Totentgräberdienstes um die Mitte des 19. Jahrhunderts - Ein im Friedhofsgelände sich befindlicher Kuhstall ist für Pfarrer Pittinger ein Ärgernis

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    Eschlkam. Am 20. November 1854 tagte das Gremium der Kirchenverwaltung. Einziges Thema war die „Wiederbesetzung des Todtengräbers und Kalkantendienstes“. „Kalkant“ ist die heute nicht mehr gebräuchliche Bezeichnung für den ehemaligen Blasebalgtreter an der Orgel, oder auch für den Kirchendiener allgemein. Die Kirchenverwaltung bildeten damals die Bürger Wilhelm Wernhard (Hsnr. 7/Kleinaigner Straße 3), Anton Baumann (Hsnr. 21/steht nicht mehr), Andrä Plötz (Hsnr. 58/Blumengasse 2) und Andrä Späth (Hsnr. 63/Großaigner Straße 9). Als Kirchenschreiber fungierte der Marktschreiber Joseph Anton Beutlhauser. Als Abgeordneter des Gemeinderates nahm der Krämer Karl Müller (Hsnr. 25/Waldschmidtplatz 8) teil. Den Vorsitz über dieses Gremium hatte Pfarrer Karl Pittinger inne. Als Priester betreute er die Gemeinde von 1843-1859.

    Beschlossen wurde, dass nach dem Abgang des Totengräbers Würz seine Witwe Walburga „auf die Lebensdauer, jedoch in widerruflicher Weise unter der Bedingung belassen bleiben möchte, daß sie durch ein würdiges und taugliches Individuum (eine Person) den Totengräber- u. Kalkantendienst versehen lasse“. Eine solche Maßnahme würde in heutiger Zeit für großes Erstaunen sorgen. Doch ist die Erklärung einfach. Damals gab es keine Rentenversicherung. Die Witwe, wohl ohne Vermögen, hätte von der Gemeinde aus der Armenpflegschaftskasse versorgt werden müssen. Daher übertrug man ihr die Organisation des Beerdigungswesens und somit auch einen Teil der Einkünfte. Der andere Teil verblieb bei dem die Grabarbeiten ausführenden oben genannten „Individuum“.

    Drei Individuen

    Als bereits tätige „Individuen“ im Friedhof werden Georg Denzl, Wolfgang Würz und Franz Xaver Schifferl aufgeführt. Sie sollten auch den Vorzug bei wieder anstehender Bewerbung haben. Befristet wurde die Maßnahme zunächst auf drei Jahre. Schließlich erklärte der Vorsitzende der Kirchenverwaltung – es war Pfarrer Pittinger – „daß er sich das Urtheil über das Individuum vorbehalte, nämlich ob dasselbe würdig oder unwürdig, nachlässig oder fleißig sei“.

    Nicht ganz einverstanden mit der provisorischen Übertragung des Totengräberdienstes an die Witwe Würz war der Magistrat. Er bestätigte am 21. November wohl die getroffene Abmachung, was die Übertragung des Dienstes an sich betraf, monierte aber, dass nach dem Tode der Witwe vor allen anderen Bewerbern doch „eines ihrer sie überlebenden Kinder berücksichtigt zu werden verdiene“. Auch sollten „noch würdigere Bewerber als die bereits sich gemeldeten Individuen, sich hervorthun können“. Und dabei blieb es zunächst.

    Kuhstall des Totengräbers stört

    Bereits Monate vorher, am 28. August 1854, stellte Pfarrer Karl Pittinger an den Magistrat als Ortspolizeibehörde das Ansuchen, dass der Kuhstall, der bereits vom Ehemann der Witwe Walburga Würz in „ungebührlicher Weise an die Kalkanten-Wohnung angebaut wurde, beseitigt werden möchte“, allein schon wegen des Erlasses des „Hochwürdigten Ordinariates Regensburg“ in dieser Sache vom 1. August 1854. Pittinger kritisiert am 19. März 1855, dass noch nichts geschehen sei. Mit den Worten „da die Madame W. Würz bisher noch nicht Folge leistete, oder vielleicht vom Magistrate dazu nicht beauftragt wurde, so wird hierüber um Aufschluß ersucht“. Der Magistrat informierte am 26. März, dass anstelle des Stalls – er ist übrigens im Plan der Erstvermessung als Anbau des Totengräberhauses eingezeichnet – früher dort ein „Abtritt“ (Abort) gewesen sei. Mit Erlaubnis des Pfarrers Adalbert Wagner (1811-1828) wurde im Jahr 1812 „diese für einen Friedhof nicht schickliche Lokalität entfernt und dem Todtengräber Würz die Erlaubnis ertheilt“, an dieser Stelle einen Kuhstall zu errichten. Der Streit um den Abriss zog sich hin. Am 9. Juni 1855 schaltete sich das Landgericht Kötzting ein, schrieb an die „Todtengräbers- und Kalkantenswitwe Würz“, und befahl, nachdem das Ordinariat schon am 1. August 1854 und dann am 27. April 1855 auf Entfernung dieser Gebäulichkeit gedrungen hatte, den Stall „binnen 8 Tagen durch Abbruch aus dem Gottesacker zu entfernen, widrigenfalls solches auf Kosten der Würz von Amts wegen bewerkstelliget werde“. Und so geschah es denn wohl auch.

    Bereits am 5. August 1855 hatte der Magistrat beim Landgericht Kötzting beantragt die Gebühren für die Arbeit des Totengräbers erhöhen zu können, was aber die übergeordnete Behörde am 7. April 1856 mit dem Hinweis ablehnte, dass der Dienst nach wie vor der Witwe Würz überlassen sei, „sohin eine neue Dienstverleihung nicht geschehen ist, man keine genugsame Veranlassung finde, eine Erhöhung der Gebühren fürs Grabmachen zur Zeit vorzunehmen, da das kgl. Pfarramt und sämtlich eingepfarrten Gemeinden hirgegen protestiert haben.“ Der Witwe Würz wurde das Schreiben vorgelesen und sie musste die Kenntnisnahme mit ihrer Unterschrift bestätigen. Des Schreibens unkundig unterzeichnete Walburga Würz mit einem Kreuz als bestätigendes Handzeichen.

    Im Jahr 1865 musste ein neuer Totengräber und Kalkant gefunden werden. Am 27. Dezember wurde dafür der Maurer Jakob Pinzinger verpflichtet und am 27. Januar 1866 vom Landgericht Kötzting mit der Auflage, „der Abnährung der Todtengräberswitwe Walburga Würz genehmigt“.

    Pinzinger allein musste demnach für den Lebensunterhalt der Walburga Würz sorgen, damit von dieser Last die Gemeinde nicht betroffen war. Auch hatte er über seine Arbeit ab sofort ein genaues Protokoll zu führen und dieses bei Bedarf stets vorzulegen, „da durch den jüngst geführten Kirchenerweiterungsbau (1865 wurde das Langschiff um das Doppelte verlängert) der Gottesacker in Bezug auf die Begräbnisplätze in Unordnung gerathen ist“. Daher müsse die Marktgemeinde im Benehmen mit dem Pfarramte als ortspolizeiliche Vorschrift eine „Gottesackerordnung“ erlassen. Die Bedeutung dieses landgerichtlichen Schreibens unterstreicht allein schon die eigenhändige Unterschrift des behördlichen Vorstehers als Bezirksamtmann (heute der Landrat) und Regierungsrat.

    In Folge wird der damalige umfangreiche Arbeitsbereich eines Totengräbers und Kalkanten vorgestellt.

     

    Werner Perlinger

  • Aus alten Gerichtsprotokollen des Marktes - Kindsmorthat und ein Diebstahl im Rathaus

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    Wurde ein Kindsmord begangen?

    Eschlkam. Am 10. Mai 1684 hatte sich Margaretha Späth, Frau des Bürgers und Gastgebers Georg Späth, vor dem Marktgericht zu verantworten. In Abwesenheit ihres „Mahnes“ hatte sie sich gegenüber ihrer Magd Maria Pehrin (bei) deren begangener „Kindsmorthat nit nur allai verwegentlich (verwegen) verhalten und nit ordentlich angezaigt, sondern der Deliquentin Stüffmuttern (Stiefmutter der Pehr) das todte Khindt in des Fürtuch (Schürze) allwekh zu tragen gegeben, wardurch nit zu wissen wie mit dem Khindt um(ge)gangen worden (ist), also gehörigen Orth khein insinuieren beschehen (Verschulden erkannt worden), weniger ain(e) Visitation (Untersuchung) des Khinds halber vorgenommen werden khönnen, hinfürders (künftig aber) dergleichen Verbrechen, Gott wolle es aber allseits gnediglich verhitten, nit vorzuhalten“ (hier: nicht zu unterstützen bzw. nicht anzuzeigen). Wegen dieser wohl versuchten Verheimlichung wurde die Späth vom Marktgericht mit 1 Pfund Pfennigen (entspricht etwa 1 Gulden) gestraft, die sie „alsobaldn zu erlegen“ habe. „Jedoch alweg Ihro churfürstlichen Durchlaucht“ in diesem Falle „dißfalls vorernannter Straff, so unerwiesen, abgewandelt worden“ (vermindert oder ganz erlassen, da bei der Späth kein direkter Beweis für eine Beihilfe zur Verheimlichung einer vorsätzlichen Kindstötung gegeben war). Die Späth wollte ihrer Magd in deren Not nur helfen und hätte sich ansonsten so der Beihilfe zu einem möglichen Verbrechen schuldig gemacht. Wäre aber die Maria Pehr vom Landgericht Kötzting der Kindstötung überführt und verurteilt worden, wäre sie zur Strafe hingerichtet worden. Sehr wahrscheinlich hatte die Magd lediglich eine Totgeburt, und das tote Kind musste auf den Friedhof getragen werden.

    Die Not junger lediger Frauen war in früheren Zeiten oft groß, wenn sie - aus welchen Umständen auch immer - eine ungewollte, ja aufgezwungene Schwangerschaft auszutragen hatten. Nicht selten wurde die Abhängigkeit der Mägde von ihren Brotgebern, ob am Lande oder in der Stadt, von diesen schamlos ausgenützt, was manchmal die Ursache für tragische Entwicklungen war. Denken wir nur an das Schicksal einer jungen Frau, die im ausgehenden 18. Jahrhundert in Frankfurt wegen Kindsmord verurteilt und hingerichtet wurde. Ihr furchtbares unausweichliches Schicksal hat angeblich Johann Wolfgang von Goethe bei Abfassung zu seinem Werk >Faust I und II< inspiriert.

     

    Diebe im Rathaus

    Eschlkam. Sogar die Räumlichkeiten in einem Rathaus waren früher vor Langfingern keineswegs sicher. Das musste die junge Margarethe Tenzl im Jahr 1689 aufs bitterste erfahren. Damals am 16. April, dem Mittwoch nach dem Sonntag Misercordia domini (Barmherzigkeit des Herrn), erschien die junge Frau, noch ledig, „doch vogtbaren Stands“ (mündig, erwachsen) in der anberaumten Ratssitzung vor Richter und Rat und brachte „diemiettig vor, welchermaßen sie sich bei ihren Schwager Veith Adam Wurzer Marktschreibern alhier aufhalte“. Sie habe in der oberen „Ratsstuben Cammer neben sein Marktschreibers Sachen ain(e) verspörte Truchen stehen“. In dieser Truhe, so die Tenzl, sei „ihr weniges Hals- und Leingewändl“ (eine Art Dirndlkleidung) aufbewahrt. Daneben aber, und darum ging es hauptsächlich, hätten sich „26 ainfache, und 10 doppelte Ducaten (1Ducat entsprach etwa 2 Gulden 20 Kreuzer), dann 15 allerley Reichsthaller (1 Taler zu 90 Kreuzer = 1 ½ Gulden) und bey 44 f (Gulden) Münz, in Verwahrung befunden, welches sie am Freytag vor Mittag umb 10 Uhr nachgesehen und 3 Reichsthaller darzu gethon“. Als sie nun fünf Tage später, eben heute, während „der Khürchenzeit“ nach ihren Sachen gesehen habe, „seye die (Zimmer)thür zwar verschlossen gewesen, aus ihrer Truchen aber woran der Schlissl gestöckht, und volgendes darin verschlagen (entwendet) worden“: So wurde das erwähnte Geld „aus einem verporgnen Lädl“ (Geheimfach) sambt einen „grinen Wistlring“ (vielleicht ein Paten- oder Verlobungsring?) gestohlen. Ferner fehlten noch ein „zwirerntes Wambs“ (aus Zwirn) auf der Seite „furmb“ (am Rande glatt), neben 2 „pästl“ (Posten bzw. Ballen) Leinentuch, ungefähr 26 Ellen (1 Elle = ca. 83 cm) messend, und zwei „Leylacher (Leintücher) ohne unbewussten weissenzeug (herkömmlichen weißen Überzug)“, sowie letztlich zwei alte hohe „Kopf Khandln“ aus Zinn, ohne „Verletzung (Beeinträchtigung) des Marktschreibers seinigen Sächels, da doch alles offen in der Cammer, und (im) Casten (Schrank) gehenkht, (ihr nun) würklichen entfrembt (gestohlen)worden“.

    „Welche Entfrembtung (den Diebstahl) muthmaßlich der Marktdiener Gottfridt Stainpacher oder sein Eheweib, die am Freytag das Ratzimer gebuzt, oder des Marktschreibers Dienstmensch (Magd) Barbara Tenzlin, so umb das entfrembte gelt, wo selbiges gewesen, Wissenschafft gehabt, veryebt haben müssen. Die Margarethe Tenzl bittet daher die Ratsherren und den Bürgermeister „diemittig“ gegenüber der von ihr verdächtigten Personen „obrigkheitlichen zu inquirieren (verhören), oder diese gahr handtvest machen zu lassen“.

    Tatbestandlich handelt sich in diesem Fall um einen einfachen Diebstahl, keineswegs um einen Einbruch oder gar um einen Raub, d.h. Aneignung einer Sache mit Gewalt. Denn im letzteren Falle wäre die nächsthöhere Instanz, damals das Landgericht Kötzting zuständig gewesen.

    Die Ersparnisse der Tenzl erscheinen jedoch erheblich, denn damals musste ein Maurer oder Zimmerer für 1 Gulden Lohn mindestens zwei bis drei Wochen und länger arbeiten.

    Offenbar aber wurde der für die junge Tenzl doch schwerwiegende Diebstahl nicht aufgeklärt, denn das Ratsprotokoll berichtet für die nächsten Wochen und Monate über diesen Fall nichts mehr. Ein hartes Los bedeutete für die junge Tenzl der Diebstahl des Geldes und der anderen Sachen insoweit, als sie dadurch wahrscheinlich ihre mögliche, im Laufe der Zeit angesparte Mitgift für eine spätere Heirat urplötzlich verloren hatte. Und die jeweilige Mitgift heiratswilliger Leute spielte damals eine sehr wesentliche Rolle wenn sie einen eigenen Hausstand gründen wollten und das von den Ratsherrn und dem Bürgermeister genehmigt oder wegen fehlender „Sicherung des Nahrungsstandes“ sehr zum Leidwesen der jungen Leute abgewiesen werden musste.

     

    Werner Perlinger

  • Nicht einfach war in Eschlkam in frühen Zeiten der Nachtwächterdienst

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    Eschlkam. Die Aufgabe eines Nachtwächters bestand darin, nachts durch die Straßen und Gassen des Marktes zu gehen und, wenn nötig, für Ruhe und Ordnung zu sorgen. Er warnte die schlafenden Bürger vor Feuer, Feinden und Dieben. Er überwachte das ordnungsgemäße Verschließen der Haustüren ebenso wie auch die Versperrung der Toranlagen am Friedhof. Häufig gehörte es zu den Aufgaben des Nachtwächters, die Stunden anzusagen – weniger als Auskunft für die Mitbewohner, eher mehr als ein Beweis dafür, dass er seinen Dienst ordnungsgemäß erledigte. Er hatte das Recht, verdächtige Personen, die nachts unterwegs waren, anzuhalten, zu befragen und notfalls festzunehmen. Zur typischen Ausrüstung eines Nachtwächters gehörten daher eine Hellebarde oder eine ähnliche Stangenwaffe, eine Laterne und ein Horn, mit dem er die Stunden ausrief. Der Nachtwächter lebte allgemein in sehr bescheidenen Verhältnissen. Mit der flächendeckenden Einführung von Straßenbeleuchtungen und neuen Polizeigesetzen um die Wende zum 20. Jahrhundert ging allerorten damit der Nachtwächterdienst zu Ende.

    Was die Traditionen des Nachtwächterdienstes in Eschlkam betrifft, blicken wir zunächst zeitlich weit zurück: Wir schreiben das Jahr 1686, knapp 40 Jahre nach dem Ende des auch für den Markt verheerend sich auswirkenden Dreißigjährigen Krieges. In der Sitzung des Marktrates von Eschlkam am 15. Februar wurde das Bürgermeisteramt an Wolf Sighardt Altmann übergeben. Altmann war damals Eigentümer des von der alten Hausnummerierung her ersten „Hoamater“-Hofes, heute der Gasthof Penzkofer. In dieser Sitzung wurden u.a. auch die jeweils zwei „Wachter“ (Nachtwächter) ermahnt, ihren Dienst ernster als bisher zu nehmen.

    1706: Für die Besoldung der Nachtwächter wurde von genannten 49 Bürgern Wachtgeld in Höhe von 13 Gulden 53 Kreuzer erhoben. Die Nachtwächter Wolf Heißlmayr und Leonhardt Pongraz wurden für ihren täglichen Dienst zur Nachtzeit, auf dass sie „die Uhr ausschreyen“, in diesem Jahr mit 16 Gulden entlohnt.

    Stets karge Löhne für die „Nachtwachter“

    In Prüfberichten der Marktgemeinde werden Jahre später auch die Einkünfte einzelner Marktbediensteter aufgelistet. Mehrere erhaltene Quittungen dafür sind abgelegt unter dem Titel „Verificationen (hier Belege, bzw. Beweiszettel) zur Kammer Rechnung für den Churfstl. Gränz Bann Markt Eschlkam pro anno 1771“. So quittierten im Beisein des „Ehrnvestn, und Wohlweisen Herrn Andreas Meidinger (damals Inhaber von Nr. 51/Blumengasse 18), derzeit Ambtsburgermeister“ am 31. Dezember 1771 Johann Sünger und Wolfgang Heislmayr dafür, dass sie das ganze Jahr hindurch die „Nachwacht versehen, und die Uhr ausgeruffen den Empfang von 16 Gulden, für jeden 8 Gulden Lohn“. Am letzten Tag des Jahres 1774 erhielt der Nachtwächter Andre Fleischmann zusätzlich 2 Gulden „Herbergsgeld“ (Mietzuschuss) ausbezahlt.

    Ein Protokoll des Landgerichts Kötzting – Landrichter war Carl von Paur - vom 21. April 1847 berichtet, dass Sebastian Lernbecher, Inwohner und Sebastian Hastreiter den Nachtwächterdienst „sich jeweils abwechselnd versehen“. Als Jahreslohn erhielt jeder 10 Gulden. Zugesichert war beiden die freie Wohnung im Hüthause (einst Nr. 49), eigentlich gedacht als gemeindliche Einrichtung für den Wohnbedarf der Familie des Dorfhirten. Beide klagen daher, dass sie in den Genuss einer freien Wohnung bisher nicht gekommen seien, „weil das Hüthaus stets mit Bewohnern angefüllt ist, die vom Magistrate daselbst untergebracht werden, da das Hüthaus zugleich auch Armenhaus ist“. Eine Entschädigung in Höhe von 4 Gulden pro Jahr sei bisher nicht gezahlt worden. Daher seien sie „an unseren zugesicherten Einnahmen alljährlich verkürzt worden“. Als Familienväter baten sie unbedingt um Abhilfe, da „sie in sehr dürftigen Umständen leben – zumal bei gegenwärtigen harten Zeiten jeder Kreuzer hart entbehrlich ist“. Beide dürften dann auf Anweisung des Landgerichts ihre Entschädigung erhalten haben, auch wenn darüber der Akt schweigt.

    Drei Jahre später, am 14. November 1850, wurde vom Magistrat für den aus Altersgründen „abgetretenen“ Nachtwächter Sebastian Hastreiter der ledige Bürgersohn Wolfgang Würz mit einer jährlichen „Renumeration von 10 Gulden“ aufgestellt. zahlbar aus der Kommunalkasse. Ausschlaggebend für die Wahl des Würz war, dass er „ein unbescholtener, kräftiger, nüchterner und herzhafter (mutiger) Mann ist“. Am gleichen Tag noch wurde Würz „auf das Rathaus citiert“ (gerufen), und man belehrte ihn dort über seine „aufhabenden Pflichten und nahm ihm sofort, damit er diesen Verpflichtungen getreu und gewissenhaft nachkomme, das Handgelübde ab“. Bestätigend unterschrieb Würz das Protokoll. Gewiss war der Magistrat froh, für diesen nicht leichten Dienst eine geeignete Persönlichkeit gefunden zu haben, denn wie oft geschah es, dass angetrunkene Nachtschwärmer sich gerne den Anweisungen der Nachtwächter widersetzten. Da war mutiges Eingreifen oft gefragt.

     

    Werner Perlinger

  • Das alte Mauthaus in Eschlkam wurde im Jahre 1827 erbaut

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    Eschlkam. Gastwirt und Metzger Joseph Späth errichtete aus eigenen Mitteln das imposante Gebäude für die Zollbehörde Eschlkam. Nachdem Kurfürst von Bayern, Max III., Joseph am 01. Januar 1806 die Königswürde annahm, erging zum 01. Januar 1808 eine neue Zoll- und Mautordnung. Durch diese Verordnung wurde die Zollverfassung und Zollverwaltung mit einer Generalzoll- und Mautdirektion an der Spitze neu geordnet und dabei das Zollwesen selbstständig gemacht. Aufgrund königlicher Anordnung vom 16. September 1819 wurden im Rahmen dieser neuen Zollverordnung in Bayern die lange Zeit schon bestehenden Mautämter aufgehoben. Auf den Hauptkommerzialstraßen, wo der Handelsverkehr unterwegs war, wurden dafür Oberzollämter mit einem Oberzollbeamten an der Spitze errichtet. Ein solches Oberzollamt entstand im Jahr 1819 in Eschlkam und das zur Zollstation degradierte Furth wurde diesem unterstellt. Vorsteher des Oberzollamtes in Eschlkam wurde der Oberzollbeamte Karl Ruesch.   

    Da nur die eine Straße über Eschlkam, die andere, aber mittlerweile stärker frequentierte Straße über von Furth aus über Vollmau nach Böhmen führte, war der Standort des Oberzollamtes in Eschlkam durch diese verkehrliche Wendung gefährdet. Noch sind die Würfel zu Gunsten der Stadt nicht gefallen; die Behörde war noch nicht verlegt. Bei dieser Lage wollte am 11. Juli 1826 die „Königlich Baierische Zoll Inspection des Regen- und Unterdonau Kreises“ wissen, wie hoch der Mietzins für die Amtslokalität und die Wohnung des Oberbeamten in Eschlkam wäre. Drei „Quartiere“ hatte dafür die Marktführung vorgeschlagen. Es waren dies die Anwesen des Joseph Lemberger (Nr. 37/38-Marktstraße 5), Joseph Schöppl (Nr. 34-Marktstraße 5) und Joseph Späth (Hsnr. 5-Further Straße 3). Alle drei Häuser lagen günstig an der für den Zoll wichtigen Straße zur Landesgrenze bei Neuaign.

    Ein Hin und Her

    Zugleich fragte am 14. Juli 1826 die kgl. Bayerische Zollinspektion des Regen- und Unterdonaukreises bei der Stadt Furth nach geeigneten Gebäuden für ein Oberzollamt nach. In der Stadt wurde schließlich 1828 das Oberzollamt offiziell eingerichtet. In Eschlkam verblieb nach Aufhebung des Oberzollamtes lediglich ein Zollamt, das nunmehr dem Oberzollamt Furth unterstand. 1834 wurde in Folge einer neuen Zollordnung das Oberzollamt Furth wieder aufgehoben und in Eschlkam ein Hauptzollamt errichtet und dorthin die Further Behörde verlegt. Soviel zur Zollgeschichte im Hohenbogen-Winkel in diesen Jahren.

    Aber gerade die Planungen hinsichtlich des Standorts einzelner Zollbehörden im Jahr 1826 wurden für den Bürger und Gastwirt Joseph Späth zu einem gewaltigen wirtschaftlichen Problem, denn er hatte im Vertrauen auf das Verbleiben des Oberzollamtes im Markte für diese Behörde im Jahr 1827 allein nur aus eigenen Mitteln einen repräsentativen Bau unmittelbar neben seinem Anwesen errichtet, das ehemalige sog. „Mauthaus“ (Nr. 5 ½/Waldschmidtstraße 4 ½). Nur Joseph Späth ergriff die Initiative, vertrauend auf den Verbleib des Oberzollamtes in Eschlkam, für diese für den Markt wichtigen Behörde neben seinem Gasthaus ein eigenes Haus zu bauen, gewiss sehr mutig und ein gewaltiger finanzieller Kraftakt. Das Oberzollamt zog zunächst auch ein, und mit den sicheren Mieteinahmen versprach sich Späth nicht nur die Deckung der Baukosten sondern langfristig auch einen finanziellen Gewinn.

    4000 Gulden gekostet

    Sichtlich von der dennoch drohenden und wenig später eintretenen Verlegung enttäuscht, richtete der „Tafernwirt“ und Metzger Späth am 21. Mai 1828 einen langen und inhaltlich interessanten Brief sogar „an Seine königliche Majestet von Bayern (König Ludwig I.), allerhöchstes Staatsministerium der Finanzen“. Er schrieb u.a., er habe 1826 zunächst sein Gasthaus für die Unterbringung der Behörde „zum Opfer gebracht. Um aber noch mehr zu tun, faßte ich den Entschluß (wohl noch 1826), ein ganz neues Haus zu bauen, um dem Zollbeamten ein allseitig entsprechendes Lokal, und dem Beamten eine tüchtige Wohnung zu verschaffen“. Den Bau, „der mich über 4000 Gulden kostete, richtete ich nach dem Bedarfe eines Oberzollbeamten ein“. So beinhaltete das Erdgeschoß eine geräumige Kanzlei, die Registratur, 2 Zimmer und eine Küche. Im Stock darüber waren 4 Zimmer, eine neue Küche mit Speise. Ebenfalls 4 Zimmer und eine Küche waren in der Etage darüber. Späth erinnerte auch, dass es seit der Inbetriebnahme wohnmäßig über mangelnde Bequemlichkeit keinerlei Beschwerden gegeben habe. Er bedauerte, dass er bei Verlegung der Behörde in die Nachbarstadt „in eine traurige Lage versetzt werde“. Die Verlegung betrachtete Späth als einen für ihn „unersetzlichen Verlust“. Auch habe er, gestützt auf amtliche Zusicherungen, zunächst sein gut gehendes Gasthaus mietmäßig hergeben und „sogar ein ganz neues Gebäude mit einem so großen Kostenaufwande hergestellt, daß mir nur durch einen langen Zeitverlauf und ausschließend durch den Sitz des Oberzollamtes in etwas ersetzt zu werden vermag…die Folge wäre (bei Abzug der Behörde) ein unverdienter Ruin, der umso schwerer fiele, als die Veranlaßung (zu bauen) in Versicherungen amtlicher Autorität gegeben war“. Letztlich betont Späth, „daß nur Eschlkam zum Sitzes Oberzollamtes schon ausschließend nach örtlicher Lage qualifiziert sei“. Und er bittet den König „der Versetzung der Zollbehörde nicht statt zu geben“.

    Erfolg hatte Späth mit seinem Appell nicht, aber es verblieb - wie oben schon erwähnt – die Unterbehörde in Eschlkam. Wenige Jahre später, 1834, wurde Eschlkam nun wieder Sitz eines Oberzollamtes. Das Mauthaus des Joseph Späth erfüllte dann über Jahre seine ihm zugedachte Aufgabe. In ihm wurde 1832 der bekannte und geschätzte Volksschriftsteller Maximilian Schmidt, zu Lebzeiten noch genannt „Waldschmidt“, als Sohn des Zollinspektors Adalbert Schmidt geboren. Das alte Mauthaus wurde 1985 abgerissen und 1994 als Neubau ein 6-Familienhaus errichtet, der stilistisch an seinen Vorgänger erinnert.

     

    Bildunterschrift: Das Luftbild zeigt den gesamten Anwesenskomplex der Familie Xaver Späth in den 50er Jahren; links das Mauthaus, ein dreigeschoßiger fast würfelförmiger Bau mit einem Walmdach. An der Nordseite wurde für den Schriftsteller Maximilian Schmidt, genannt „Waldschmidt“, 1897  eine Gedenktafel angebracht. (Bildnachweis: privat)

     

    Werner Perlinger

  • Die Aufnahme von Bürgern – eine Entscheidung des Marktrats

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    Eschlkam. Die Bürger, wohnend in einer Stadt oder in einem Markt, konnten verschiedene Freiheiten genießen. Aber: neben vielen Rechten hatten sie auch Pflichten zu erfüllen. Um Bürger zu werden, musste der Bewerber einen Antrag stellen, der schließlich vom Bürgermeister und Marktrat geprüft und beschieden wurde. Die Marktführung war bei der Verleihung stets sehr vorsichtig. So gehörte früher beispielsweise die Wehrpflicht zur allgemeinen Bürgerpflicht. Im Kriegsfalle mussten die Bürger ihren Markt Eschlkam mit den eigenen Waffen verteidigen, militärisch organisiert in der uns bekannten „Grenzfahne“. Auch hatten sie Steuern zu zahlen und helfen eventuelle Schulden mit abzutragen. Gemäß weiterer Bedingungen musste man schließlich von ehelicher Geburt sein, einen guten Leumund besitzen und einen gesicherten Nahrungsstand sowie Haus- oder Grundbesitz oder ein Mindestvermögen vorweisen, oder selbstständig ein Handwerk ausüben können. Das Bürgerrecht, das in der Regel zunächst die Ehefrau und die unmündigen Kinder miteinschloss, war für diese nicht erblich.

    Im Marktarchiv haben sich Protokolle erhalten, die „Burgers Aufnahmen“ enthalten. Sie beginnen im Jahr 1793, am 2. Jänner. Die Niederschrift schildert im Detail die Beweggründe, warum Franz Weß aus Kleinaign zu einem Bürger des Marktes Eschlkam aufgenommen wurde. Leicht verkürzt lautet das dafür eigens vom Marktschreiber gefertigte Protokoll: „Durch Erheurathung der Anna Seiderer hiesig lediger Burgers Tochter hat der Franz Weß, lediger Leinwebers Sohn von Kleinaigen das von der Seiderin Vater Johann Georg besessene Burgershaus cum pertinentys (mit Zubehör) erlangt, daher er Weß das gehorsame Bitten gestellt, es mechte ihm das Burgerrecht ertheilt werden (Hsnr. 48/Blumengasse 24). Hierauf will man demselben für einen Burger hiermit und dergestalten an- und aufgenommen haben, daß er gegen seiner vorgesetzten Obrigkeit (hier die Marktbehörde) den schuldigen Respekt erzeigen: zu einem Burgerrecht aber erlegen solle er 15 Gulden.

    Ähnlich die nächste Aufnahme: am 21. März gleichen Jahres ehelicht Joseph Schreiner, Bauerssohn von Großaign, Anna Maria Schreiner, „burgerliche Haimeters Tochter allhier“, und erlangt so „das von Ihrem Stiefvater Johann Georg Wensauer besessene „Haimet Gut“ (Hsnr. 37/38/Markstraße 11). Gehorsam bittet er, es wolle ihm das Bürgerrecht in Eschlkam erteilt werden. Dafür hatte er 21 Gulden zu zahlen.

    Den Exerciergulden gezahlt

    1795, am 24. Februar heiratete Anton Hastreiter, lediger Bäckerssohn, Walburga, die Tochter des „Bökenmüllers“ und kam damit in den Besitz dieser Mühle (Nr. 46/Bäcker Mühle Nr. 1). Zugleich hatte er das Bürgerrecht von seinem Vater erblich erlangt und wurde im Gegensatz zu den Vorgenannten nur mit dem der Landesherrschaft zustehenden „Exercier Geld“ von nur 1 Gulden belegt. Dieser sog. (Bürger)gulden wurde vom Staat als „Exerciergeld“ seit 1771, als die bayerische Regierung die Landfahnen und somit auch die Grenzfahne im Hohenbogen-Winkel aufgelöst und das stehende Heer eingeführt hatte, als ein Beitrag zum Unterhalt dieses neuen Landesmilitärs eingezogen. Am 2. März erhält der noch ledige Wolfgang Stauber, von Beruf ein Uhrmacher, von seinen Eltern Thomas und Theresia Stauber das Haus überschrieben und er erlangte damit als „hausansessiger Burger das Burgerrecht“, belegt auch nur mit dem „Exerciergeld“ von 1 Gulden (Hsnr. 22-einst neben Marktstraße 2). Dagegen hatte Michael Schmatz, „Insassenssohn“ (seine Eltern besaßen kein eigenes Haus) am 27. August 1796 zehn Gulden zu entrichten, denn er ehelichte Theresia Späth und kam so in den Besitz des Hauses seines Schwiegervaters Joseph Späth (Hsnr. 20/Marktstraße 1).

    Michael Seidl, gebürtig aus „Böheim“ (Böhmen), heiratete die Tochter Anna „des Limböck, burgerlicher Zimmermann und Bronnrichter“ (er baute und reparierte die Brunnen) und erwarb damit dessen „Behausung“ (Hsnr. 56/Blumengasse 8).  Als ein „auswärtiger“ (in diesem Fall vom Ausland) bat er um das Bürgerrecht. Diesem Umstand schenkte der Marktrat am 15. November 1796 vermehrt Aufmerksamkeit: In der Zuversicht, dass er sich allen bürgerlichen Bedingungen und Satzungen unterwerfe, seine Ablagen getreulich entrichte, und gegen der Obrigkeit den gebührenden Respect erzeige, „will man denselben Magistrats seits das Burgerrecht hiemit, und dergestalten ertheilen, daß er hierwegen zur Marktskammer zu erlegen schuldig seyn solle 10 Gulden, dann zur Burger Tax 2 und zum Exercir gulden 1 Gulden“.

    Dagegen musste Joseph Schneider zehn Tage später, am 25. November 1796, nur 1 Gulden sog. Exerciergeld zahlen, nachdem er mit Heirat der Anna Hölzl auch das Haus ihrer Eltern übernehmen konnte (Hsnr. 13/Kleinaigner Straße 12).

    Jahrzehnte später, im Jahr 1826 stellte der Schlosser Joseph Römisch ein Gesuch, in Eschlkam ansässig werden zu können. Römisch stammte aus einer alten traditionsreichen Schlosserfamilie in der benachbarten Stadt Furth. Nur einer seiner Brüder konnte in der Stadt den elterlichen Betrieb übernehmen. Da ergab sich die Möglichkeit, benachbart in Eschlkam durch „Verehelichung mit der hiesigen bürgerlichen Schloßerstochter Anna Gruber, wie auch Conceßionsverleihung der auf dem Gruberischen Behausung ruhenden realen Schloßersgerechtigkeit“ im Markte (Hsnr. 68/Großaigner Straße 6) ehelich und berufsmäßig Fuß fassen zu können. Am 20. Juni 1826 erschien Römisch im Rathaus, begleitet von seinem zukünftigen Schwiegervater, dem Schlossermeister Joseph Gruber und dessen Tochter, und gab sein entsprechendes Gesuch ab. Zugleich legte er „Behelfe“ (Beweise) über seinen guten Leumund, die Pflichtableistung beim Militär und einen „Vermögensausweis“ vor. Zwei Tage später war es soweit: Am 22. Juni stimmten die Gemeindebevollmächtigten – es waren neun an der Zahl – der Aufnahme des Römisch „als Gemeindeglied“ und neuen „Ortsbürger“ einstimmig zu. Eigenhändig unterschrieben das Protokoll die Markträte Anton Hastreiter, Michael Meidinger, Jakob Fischer, Anton Riederer, Joseph Scheppl, Franz Rötzer, Andre Kilger, Wolfgang Stauber und Joseph Schreiner.

    Das seien nur einige Beispiele wie die Marktbehörde von Eschlkam es vor über 200 Jahren gepflogen hatte, das begehrte Privileg des „Bürgerrechts“ zu erteilen.

     

    Werner Perlinger

  • Die früheste Darstellung des Marktes Eschlkam, 1514

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    Eschlkam. In einer ganzen Reihe von Aufsätzen wurden bisher verschiedene archivische Inhalte aus alten Akten des Marktes vorgestellt. An dieser Stelle sei erstmals ein Bild präsentiert, das Eschlkam vor gut 500 Jahren zeigt. So stammt diese älteste bisher bekannte Darstellung unseres Ortes aus dem Jahr 1514. Damals wurde im Zuge der andauernden Streitigkeiten zwischen Bayern und Böhmen um den Verlauf der Landesgrenze auf Befehl des herzoglichen Hauses der von bayerischer Seite her angenommene Grenzverlauf gezeichnet:

    Diese erste Grenzkarte, damals tituliert als „Grenzvisier“, zeigt detailliert das bayerisch-böhmische Waldgebiet zu unserem Nachbarland hin vom Voithenberg (Gibacht bei Furth) aus bis zum Großen Arber. Die Karte, deponiert im Bayerischen Hauptstaatsarchiv, ist im Original 4.30 Meter lang und fast einen halben Meter breit. Die Zeichnung im Stile der Donauschule (Albrecht Altdorfer) fertigte im Auftrag und beratenden Beisein des gerade amtierenden Grenzhauptmanns ein gewisser „Wolfgang, Maler zu Straubing“.

    Dazu noch folgende Erläuterungen: Das herzogliche Haus in München sah bald ein, dass mit der  um 1470 geschaffenen Pflege von Furth zusammen mit den sog. Unterpflegen Eschlkam und Neukirchen aufgrund der Grenznähe und den damit verbundenen häufigen Problemen mit Böhmen tatkräftige und energische Persönlichkeiten als Grenzhauptleute betraut werden mussten. So wurde mit der Hauptmannschaft vor dem „Behemer Waldt und Pfleg zu Furtt“ Sigmund von Seyboltstorff von Lichtmeß 1511 an betraut.

    Ein Zustandsbericht

    Die damals politisch vielfältigen Gründe für die Herstellung dieses Kartenwerks, sowie die Legende zu den einzelnen Orten und sonstigen wichtigen Punkten in der dargestellten Landschaft dieses sehr eindrucksvollen und informativen Kartenwerks sind andernorts bereits anschaulich und erschöpfend veröffentlicht, nicht aber die einleitende große Sammellegende dieser Karte, Der Text der die gegebenen politischenVerhältnisse schildernden Sammellegende in der Grenzkarte lautet auszugsweise:

    „Zu merckhen, daß ich Sigmund von Seyboltsdorff auf Ritterswörthe, derzeit Hauptmann vor dem oberen Wald (mit Sitz in Furth), auf Befehl der durchläuchtigsten hochgeborenen Fürsten, mein gnädigen Herrn Wilhelm und Herr Ludwig …, meine gnädigen Herren, den Wald mit guter gründlicher und wahrhaftiger Erkundung der Alten, so in etlichen Dörfern und Höfen ihre Väter und Freunde gehabt, auch daselbst gewohnet, welche Dörfer, Höfe und Güter vor etlichen Jahren durch die Beham (Böhmen im Hussitenkrieg und während der bayerischen-böhmischen Adelsfehden) verbrennt, die Leute darob erschlagen. Deshalb jetzt das denn ein lauter Wald ist; wiewohl die sichtigen (sichtbaren) Wismahder und Ackerrangen noch sichtiglich vor Augen sind, (und) so zu den angeführten Dörfern, Höfen und Gütern gehören und vor einiger Zeit durch mich und andere von Adel, auch sonst viel und trefflicher und glaubwürdiger Personen notdürftiglich besichtigt, beschaut und wahrhaftig erfunden, daß die Gründe alle und jeder – es seien Wald oder Wismad, Äcker, Berge, Fischwasser oder andere nichts ausgenommen, welche und was in dieser hierunteren Verzeichnung gemalt steht oder ist, gehört alles ohne Mittel zu dem Fürstentum Bayern …“,so der Anfang der für die Entstehung der Karte aussagekräftigen Erklärung des Grenzhauptmanns.

    Eschlkam im Bild

    In dieser Böhmerwald-Grenzkarte von 1514, einem Frühwerk anspruchsvoller Kartographie zu Beginn der Neuzeit, ist erstmals Eschlkam dargestellt. Wie die Schlossanlage in der Stadt Furth oder der Markt Neukirchen war anstelle einer Ummauerung auch Eschlkam nur mit einem Palisadenzaun zum Schutze gegen ungebetene Gäste umgeben. Wieso der Markt nicht größer dargestellt werden konnte, erklärt sich allein schon aus folgender Einwohnerentwicklung:

    Nach einer Steuerliste vom Jahr 1477 zählte der Markt etwa 30 Jahre nach den massiven, sicher auch mehrfachen Zerstörungen im Hussitenkrieg nur 16/17 Anwesen. In den Jahren 1507 und 1515 wurden wiederum nur 16 Mannschaften (das sind die Familien, die ein Anwesen bewirtschafteten) gezählt; 1534 waren es immer noch 17, wobei zwei erst bauen sollten. Um die Mitte des 16. Jahrhunderts konnten bereits 29 Mannschaften gezählt werden; 1554: 30 Mannschaften. Im Jahr 1580 waren es bereits 50. Dies beweist wie zäh und schwer nach der langen Kriegszeit der Wiederaufbau etwa ab Mitte des 15. Jahrhunderts anlief.

     

     

     

     

     

     

     

     

     

     

    Bildunterschrift: Mit diesem zugleich ältesten Bild aus unserer Gegend werden wir so über das bauliche Aussehen der Häuser im Hohenbogen-Winkel informiert. Auch wenn einzelne Anwesen nur skizzenhaft wiedergegeben sind, so lassen sich gerade für Eschlkam eindeutig gemauerte, aber auch ganz gezimmerte Häuser erkennen, wobei der Typ >Waldlerhaus< mit seinem nur leicht geneigten breiten Satteldach klar erkennbar ist. Die Dächer der Anwesen sind mit Stroh oder Legschindeln eingedeckt. Nur die Kirche mit Turm zeigt ein rotes Ziegeldach. Über dem Ort steht in einer Vignette der Name „Eschlchamb“. Links oben erkennen wir noch Häuser des Dorfes Kleinaign. Die Pflegerfamilie Pfeil wird in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts Inhaber der Hofmark Kleinaign. Erst etwa um die Mitte des 16. Jahrhunderts beginnt der Wiederaufbau der in den Hussitenkriegen zerstörten Schlossanlage.

     

    Werner Perlinger

  • Napoleons Kriege – ein Bezug zu Eschlkam und den Hohenbogen-Winkel

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    Eschlkam. Die Völkerschlacht bei Leipzig, andauernd vom 16. bis zum 19. Oktober 1813 und ausgetragen zwischen 210.000 Franzosen und bis zu 310.000 Alliierten, forderte über 110.000 Tote und Verwundete. In diesem Schlachten fügten die verbündeten österreichischen, preußischen, russischen und schwedischen Truppen Napoleon die kriegsentscheidende Niederlage zu. Napoleon war gezwungen, sich nach Frankreich zurückzuziehen. Es kam am 9. März 1814zum Vertrag von Chaumont, in dem die Verbündeten gelobten, niemals mit Napoleon Frieden zu schließen und dagegen die Bourbonen wieder auf den französischen Thron zu setzen. Am 31. März nahmen die verbündeten Truppen Paris ein. Napoleon dankte am 6. April ab. Es folgte der Vertrag von Fontainebleau. Die Regentschaft der Bourbonen wurde wiederhergestellt und Napoleon nach Elba verbannt. Nach Beendigung der napoleonischen Herrschaft wurde von den Siegermächten der Wiener Kongress einberufen, um die Ordnung Europas nach alten, vorrevolutionären Maßstäben wiederherzustellen (Restauration). Zu einem kurzen Nachspiel der Freiheitskriege kam es im Jahr 1815 (während der Kongress schon im Gange war), veranlasst durch Napoleons eigenmächtige Rückkehr aus der Verbannung („Herrschaft der Hundert Tage“). Nach rascher Neuorganisation der Grande Armée und einem letzten Sieg in der Schlacht bei Ligny wurde Napoleons Herrschaft durch seine Niederlage gegen das aus Briten, Niederländern und Deutschen zusammengesetzte alliierte Heer unter Arthur Wellesley, dem Duke of Wellington und die verbündete Streitmacht Preußens unter General Gebhard Leberecht von Blücher in der Schlacht bei Waterloo endgültig beendet, so viel zu den turbulenten Verhältnissen in dieser Zeit.

    Wiedergutmachung erfolgte - 484 Gulden Schadensersatz für Eschlkam

    Es dauerte Jahre, bis an die infolge der imperialen Herrschaft und Kriege Napoleons leidende Bevölkerung in Bayern eine Wiedergutmachung und Ersatzleistungen erfolgten. Im Gemeindearchiv von Eschlkam haben sich dazu Unterlagen erhalten. Wir schreiben das Jahr 1822, als am 11. Juni der damalige Marktschreiber Franz de Paula Pach, Vater des Kunstmalers Alois Pach, eine Niederschrift anlegte, in der nur die hausbesitzenden Bürger aufgelistet wurden, da diese nun Anspruch auf eine Ersatzleistung für die in der Zeit vom 1. Oktober 1813 bis Ende März 1815 übernommenen Quartierlasten hatten. Der Titel des Aktes lautet: „Subrepartitionen über in Geldbezüge ab dem Franzosen für Lieferungen und Leistungen beim Markt Eschlkam“. So kompliziert diese gewählte Formulierung auch erscheinen mag, es ging schlicht um sog. Kriegsentschädigungen. Für diesen Zeitraum wurden landesweit an die kaiserlich königlichen österreichischen Truppen Verpflegungsgelder in Höhe von 7.735 Gulden ausgezahlt, wobei es galt, dass von jeder Gemeinde „2 des Schreibens kundige Männer zu erscheinen haben und abzuordnen sind“. Dafür wurden der Magistratsrat Andreas Lachs (er findet sich damals in Anwesen Nr. 52/Blumengasse 16) und der Gemeindebevollmächtigte Joseph Schreiner (Anwesen Nr.37/38/Marktstraße 11) zum Sitz des Landgerichts (hier Kötzting) abgeschickt, damit sie die für Eschlkam errechnete Quote in Höhe von 484 Gulden 42 Kreuzern in Empfang nehmen konnten.

    Am 11. Juni wurde die von den Quartierlasten betroffen gewesene Bürgerschaft vorgeladen und der „Maßstab der Vertheilung“ nach herkömmlicher Methode, nämlich „nach dem hierorts eingeführt üblichen Portionsfuß“ festgelegt. So entsprach eine „Portion“ dem Betrag von 3 Gulden 15 Kreuzer. Ein Laibl Brot kostete damals etwa 3 Kreuzer, 1 Maß Weißbier 4 Kreuzer; 60 Kreuzer entsprachen 1 Gulden.

    Pfarrhof als Quartier begehrt

    Allein Pfarrer Albert Wagner erhielt wegen „seiner in der nämlichen Quartierslast“ die gleiche Entschädigung wie der „erste großbegüterte Bürger Joseph Weber“ (heute Gasthof Penzkofer), nämlich jeder von beiden genau 29 Gulden und 15 Kreuzer für jeweils 9 Portionen. Hinsichtlich des Pfarrhofes ist dies insoweit verständlich als Pfarrhöfe aufgrund ihrer wirtschaftlich meist guten Ausstattung in erster Linie von den Offizieren einer Truppe als Quartier ausgewählt wurden. Unter „Portionen“ ist die Zahl wie auch der Umfang der jeweiligen Einquartierungen zu verstehen. Die weniger besitzenden Bürger wurden daher nur mit 1 bis 3 Portionen abgefunden. Insgesamt wurden die 484 Gulden 15 Kreuzer in 149 Portionen aufgeteilt. Mehrmals folgten bis 1832/33 noch weitere Zahlungen; offenbar immer nur dann, wenn der Staat dafür Geld zur Verfügung stellen konnte.

    Insgesamt dürfen diese, Jahre nach den Kriegen getroffenen Entschädigungsmaßnahmen des Staates, nur als ein „Tropfen auf den heißen Stein“ bewertet werden, wenn wir in Betracht ziehen, dass in Kriegszeiten gerade die hohen, aufgezwungenen Quartierskosten für durchziehende Truppen so manche Eschlkamer Bürger in eine erhebliche finanzielle Bedrängnis brachten. So wird beispielsweise fünf Jahre nach dem Österreichischen Erbfolgekrieg in einem Vertrag vom 1. Juli 1747 betont, dass die Familie Schmirl (Vorbesitzer von Joseph Weber, heute Gasthof Penzkofer) in den „jüngst verflossenen Kriegszeiten durch die viele zu prostieren gehabte Anlag (Kriegsanleihen) und Quartirs in eine hohe Schuldenlast verfallen“ sei (siehe dazu den Artikel „Die Übergabe des späteren Gasthof Penzkofer“).

     

    Werner Perlinger

  • Das „Heimatrechth“ berührte viele Lebensbereiche - der Fall Anna Denzl

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    Eschlkam. Häufig hatten der Bürgermeister und seine Gemeinderäte im 19. und auch noch im 20. Jahrhundert über „das Recht auf Heimat“ bzw. das „Heimatrecht“ zu entscheiden, eine Maßnahme, die den Verantwortlichen oft wahrlich nicht leicht fiel.

    Das Heimatrecht beschreibt die Zugehörigkeit einer Person zu einer bestimmten Gemeinde, mit dem Wohnsitz als einem gebührend zu würdigenden Grund. Der Verlust trat nur infolge des Erwerbs einer andern Staatsangehörigkeit oder eines andern Heimatrechts ein. So hatte der Wegzug (damals auch: Überzug für Umzug) aus einer Gemeinde in eine andere nicht den Verlust des Heimatrechts zur Folge, vielmehr musste die Heimatgemeinde später den verarmten Heimatberechtigten notfalls wieder an- und aufnehmen und versorgen. Auch die Befugnis zur Eheschließung war von dem Besitz des Heimatrechts und von der Zustimmung der Heimatbehörde abhängig. Das Recht, Grundbesitz zu erwerben und ein Gewerbe zu betreiben, hing ebenfalls vom Heimatrecht ab. In Bayern galt das „Heimatrecht“ noch bis zum Jahr 1917.

    Wir schreiben das Jahr 1832. Da wendet sich am 14. Januar die Verwaltung der Ruralgemeinde (ländliche Gemeinde) Vorderbuchberg in schriftlicher Form förmlich an den Marktmagistrat und schildert, dass sich in Vorderbuchberg seit Jahren schon die ledige Inwohnerstochter Anna Denzl mit ihren „außerehelichen Kindern“ aufhalte und auf Vorhalt des Lehrers Reindl von Neukirchen mit dem Schulgeld in Höhe von 4 fl (Gulden) und 48 Kreuzer für ihre bereits schulpflichtigen Kinder „im Rückstand“ stehe. Lehrer Reindl drang auf baldigste Bezahlung, da die Denzl, „die ganz arm ist“, mittlerweile nicht mehr in Vorderbuchberg sich aufhalte, sondern am Multererhof. Deshalb müsse man, so die Ruralgemeinde, „an den wohlweisen Magistrat um Berichtigung dieses Ausstandes das Ansuchen stellen, da die Denzl ihr Heimatrecht in Eschlkam habe“.

    Die Eschlkamer ließen ich in dieser Angelegenheit zunächst Zeit. In einer längeren Stellungnahme versuchte der Marktrat zu begründen, dass die Denzl „eine neue Heimat in der Gemeinde Vorderbuchberg“ gefunden habe, nachdem sie als Kind nach dem Ableben ihrer Eltern zu ihrer dortigen „Freundschaft (nähere Verwandtschaft) kam, da erzogen wurde und circa mehr über 30 Jahre dort gelebt habe“. Demnach ist die „neue Heimath ihr zugestanden und von ihr erworben worden.“ Das fragliche Schulgeld – und nur darum ging es bei der ganzen Sache – sei deshalb von der Gemeinde Vorderbuchberg zu begleichen.

    Am 12. Juni kam es in der Sache „Heimath“ zu der Feststellung: „Anna Denzl, ehelich erzeugte Inwohnerstochter von Eschlkam, hat in dieser Gemeinde ihre Heimath anzusprechen.“ Die Tatsache, dass die Denzl mehrere Jahre in Vorderbuchberg lebte und (als Magd) diente, könne „ihre ursprüngliche in Eschlkam begründete Heimath nicht aufheben“.

    Einen Anwalt eingeschaltet

    Die Marktführung gab sich mit dieser Einlassung jedoch nicht zufrieden. Eingeschaltet wurde der Stiftungsanwalt für die Landgerichtsbezirke Cham und Roding, ein gewisser Dr. Parst. Er schreibt am 30. Juni an den Magistrat u.a.: „Hätte ich auch nur entfernte Hoffnung gehabt, in rubrizierter (speziell in dieser) Sache ein günstiges Urtheil zu bezwecken, so würde ich auch um Mitternacht den Rekurs (Gegenklage) ergriffen haben.“ Mit der Tatsache aber, dass die Denzl ihr ursprüngliches Domizil in Eschlkam besaß, eine angenommene Verjährung des Heimatrechts nicht wirksam sei, würde eine „Appellation nur zwecklose Kosten verursacht haben“, so der Anwalt in seiner Antwort. Nachdem der gesamte Vorgang durch seinen Konzipisten (Rechtsanwaltsanwärter) erledigt worden sei, empfahl sich Anwalt Parst „zu ferneren Diensten, und verharre mit bekannter Hochachtung, Dr. Parst, Stiftungsanwalt“. Das ganze Prozedere schließt mit einer Aufforderung des Landgerichts Kötzting an die Marktbehörde, den Schulgeldrückstand – mittlerweile angewachsen auf 6 Gulden 48 Kreuzer – „von der Anna Denzl zu erhollen, oder aber bey ihrer Unvermögenheit diesen Betrag aus dem Lokal-Armenfonde an den Schullehrer Reindl zu bezahlen“. 1 Gulden würde heute etwa einem Betrag von knapp über 6 Euro entsprechen. Verständlich wird der ganze Hergang erst dann, wenn man weiß, dass damals die Löhne für einfache Arbeiten im Vergleich zu heute extrem niedrig waren. Der Markt Eschlkam musste letztlich die Forderung des Lehrers Reindl begleichen.

    War man im Besitz des Heimatrechts wurde vom jeweiligen Magistrat dafür ein sog. „Heimatschein“ in Bedeutung einer Urkunde ausgestellt. So erhielt beispielsweise die Zolleinnehmerstochter Anna Maria Ruesch einen Heimatschein von der Gemeinde Flossenbürg im Jahr 1873 ausgestellt, da dort ihr Vater, der Zollbeamte Franz Jakob Ruesch von 1816 bis 1820 in tätig war. Im gleichen Jahr wurde er „quiesziert (in den Ruhestand versetzt) und starb dann 1822 in Eschlkam. Bereits 1792 ist in einer Steuerliste in Eschlkam als Mautgegenschreiber Karl Anton Ruesch als Bewohner des Anwesens Nr. 30/Waldschmidtplatz 3 erwähnt. Die Vorfahren der Ruesch oder auch Rues dürften aus der „Rußmühle“ bei Gleißenberg stammen, da dort im 17./18. Jahrhundert eine Familie Ruesch als Müller dieses Mühlenanwesen innehatten.

     

    Werner Perlinger

  • Eschlkamer Bürger dienten als Geschworene auch bei den Schwurgerichten

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    Eschlkam. Im Marktarchiv finden sich Archivalien, die uns über die Bemühungen der Gemeindeführung unterrichten, auf staatliche Anordnung hin geeignete Persönlichkeiten unter der Bürgerschaft zu finden, damit diese künftig als sog. Geschworene bei den Schwurgerichtsverhandlungen eingesetzt werden können.

    Zunächst aber allgemeine Informationen zu diesem Themenbereich: Erst im Jahr 1924 löste der heute gängige Begriff >Schöffe< das ältere Wort >Geschworener< ab. Früher jedoch bestanden Geschworenengerichte vielerorts in unserem Lande. Diese Gerichtsbarkeit wurde nach der Revolution im Jahre 1848 in vielen Staaten des damaligen Deutschen Staatenbundes eingeführt, so auch in Bayern. Die Intention Geschworene bei den Gerichten eigentlich als ehrenamtliche Laienrichter einzuführen war, die Gerichte unabhängiger zu gestalten und auch die Willkür damals meist adeliger Berufsrichter zu begrenzen und der Gerechtigkeit innerhalb der Verfahren zum Durchbruch zu verhelfen.

    Wir befinden uns in der Mitte des 19. Jahrhunderts. Erstmals im Jahr 1848, so die Aktenlage, hatte die Marktführung an das Landgericht Kötzting eine Liste von Bürgern zu schicken, die für die hoheitliche Aufgabe, als Geschworene an Gerichtsverhandlungen mitzuwirken, in Frage kommen könnten. Dazu gab es klare Anweisungen.

    Und so erreichte am 10. August 1848 den Markt ein Schreiben des Landgerichts Kötzting, hinweisend auf die Einführung der Schwurgerichte im gleichen Jahr, mit dem Auftrag „diejenigen Personen, welche sich nach diesen gesetzlichen Bestimmungen zu Geschworenen qualifizieren in ein Verzeichnis zu bringen, welches vom Bürgermeister und zwei Magistratsräten zu fertigen und in der Gemeinde während 14 Tagen im Rathause zu Jedermanns Einsicht auszulegen und wie geschehen öffentlich bekannt zu machen ist“.

    1849 wurden dem Markte mitgeteilt, welche Voraussetzungen die für die Wahl infrage kommenden Personen zu erfüllen hatten. So hatten die Aspiranten entweder das Amt eines Bürgermeisters, Magistratsrates oder Gemeindevorstehers zu bekleiden, oder sie hatten es wenigstens in den letzten 12 Jahren bekleidet; oder sie können einen akademischen Abschluss, vielleicht sogar mit Doktorgrad vorweisen; oder sie hatten vollständige Kunststudien an einer deutschen Akademie der bildenden Künste absolviert. Es genügte aber auch „jährlich an direkten Steuern einen Gesamtbetrag von wenigstens 20 Gulden entrichtet zu haben“, d.h. finanzielle Unabhängigkeit sollte vorliegen, wenn die erst genannten Bedingungen nicht gegeben waren. Man wollte so auch möglicher Bestechlichkeit einen Riegel vorschieben.

    Für das verantwortungsvolle Amt kamen nicht in Frage: gerade im Dienst stehende besoldete Staatsdiener und aktive Angehörige des Militärs; ferner „alle Individuen, welche ein geistliches Amt bekleiden, oder geistliche Funktionen verrichten“; dann auch Advokaten an den Gerichten, wo die ……..gehalten werden. Auch durfte ein Geschworener nicht unter 30 Jahre sein. Geistige wie auch körperliche Gebrechen waren ebenfalls Gründe für eine Ablehnung. Letztlich waren von der Wahl ausgeschlossen, „alle diejenigen, welche wegen eines Verbrechens oder wegen Vergehens der Fälschung, des Betrugs, des Diebstahls oder der Unterschlagung verurteilt worden sind“.

    Als ein Beispiel sei dem Leser die im Jahr 1858 von der Marktführung aufgestellte Liste für den Geschworenendienst unterbreitet. Darin aufgeführt sind neben dem Namen, das Alter, der Beruf und die Begründung für die Eigenschaft als künftiger Geschworener. Beigefügt wurde vom Verfasser noch der damalige Wohnsitz in Eschlkam:

    1) Joseph Neumeier, 51 Jahre, Gastwirt und Ökonom, Nr. 1 (Waldschmidtstraße 14), er erfüllt allein die geforderte Steuerquote in Höhe von 20 Gulden; 2) Andre Penzkofer, 41, Müller, Nr. 45 (Penzenmühle 1-3), ebenfalls aufgrund der Steuerquote; 3) Anton Saemmer, 41, Weißgerber, Nr. 44 (Kleinaigner Str. 25), zur Zeit Magistratsrat; 4) Franz Pfeffer, 40, Seifensieder, Nr. 60 (Marktstraße 15), Magistratsrat von 1845-51; 5) Anton Korherr, 54, Binder, Nr. 11 (Kleinaigner Str. 9), Magistratsrat von 1845-51; 6) Aloys Schmirl, 47, Schuhmacher, Nr. 41 (Blumengasse 5), zur Zeit (z.Z.) Bürgermeister; 7) Andre Pohmann, 52, Schuhmacher, Nr. 54 (Blumengasse 12), Magistratsrat von 1848-54; 8) Mathias Späth, 41, Gastwirt, Nr. 35 (Marktstraße 7), Mag. Rat 1851-57; 9) Georg Forster, 57, Anwesensbesitzer, Nr. 36 (Marktstraße 9), Mag. Rat 1851-57; 10) Wenzel Späth, 34, Ökonom, Nr. 5 (Further Straße 3), z.Z. Magistratsrat; 11) Joseph Lemberger, 39, Bäcker, Nr. 37/38 (Marktstraße 11), er erfüllt die Steuerquote; 12) Wolfgang Rieder, 43, Krämer, Nr. 61(Großaigener Str. 1), z.Z. Magistratsrat und letztlich Georg Sporrer, 43, Anwesensbesitzer, (Blumengasse 11), z. Z. Magistratsrat.

    Wer nun von diesen Personen im Jahr 1858 vom Landgericht Kötzting auserkoren bzw. berufen wurde, letztlich für eine weitere Periode als Geschworener am Schwurgericht in verantwortungsvoller Position wirken zu dürfen, geht aus der Aktenlage im Marktarchiv nicht hervor.

     

    Werner Perlinger

  • Als es im Markte Eschlkam einer geeigneten Arrestzelle ermangelte

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    Eschlkam. Im Jahre 1824, die napoleonischen Kriege waren gerade mal zehn Jahre vorbei, ging es im Markt um die Einrichtung eines sog. Arrestlokals, also einer Art Gefängnis. Denn notorische Bettler und sonstige Herumtreiber, die bewusst jegliche geregelte Arbeit mieden, gab es damals zuhauf und dieser damals nicht kleine Personenkreis stellte häufig eine erhebliche Belastung für die Städte, Märkte und das offene Land dar. Diese Leute gab es zu allen Zeiten, denn eine soziale Absicherung in den verschiedenen Facetten, wie heute üblich, war nicht gegeben. Nicht selten wurde das Bettler- und Vagantenwesen zu einer Plage, besonders dann, wenn sich unter ihnen gefährliche Leute befanden, die, um an Geld zu kommen, vor einzelnen schweren Straftaten wie Diebstahl oder Raub nicht zurückschreckten. Gerade das Grenzgebiet war oft von solchen Leuten regelrecht überlaufen und irgendwie musste man seine Bürger schützen, so auch im Gemeindegebiet von Eschlkam. Wurde man dieser Leute habhaft, kamen sie bis zum nächsten Tag in einem dafür vorgesehenen „Arrestlokal“ in Haft, um sie dann weiterziehen zu lassen (erinnern wir uns an die „Vagantin“ Katharina Falter und deren Schicksal im letzten Artikel).

    Arrestlokal im Hüthaus

    Das Landgericht Kötzting als die dem Markt übergeordnete Behörde, heute wäre es das zuständige Landratsamt, wünschte am 23. Januar 1824 innerhalb von acht Tagen Aufklärung darüber, warum das Arrestlokal im Hüthause und nicht im Hause des Marktdieners untergebracht sei. Das sog. „Hiethaus“, worin früher die Hirten mit ihren Familien wohnten, hatte einst die Nr. 49, nun Steinweg 6. Zugleich wurde es auch als „Armenhaus“ genützt, wo völlig mittellose Personen des Marktes eine Herberge fanden. Dagegen wohnten die einzelnen Marktdiener mit ihren Familien über lange Zeit hinweg in Anwesen Nr. 62, jetzt Großaigner Straße 5. Am 31. Januar antwortete die Gemeinde dahingehend, dass für ein Arrestlokal das Haus des Marktdieners ungeeignet sei, da es gänzlich nur aus Holz bestehe und derzeit durch die Familie des Marktdieners (Franz Pinzinger) mit acht Kindern überbelegt sei. Außerdem liege dieses Häusel abseits auf einem Hügel, was die mögliche Flucht eines Arretierten begünstige. Auch hätte der Stadtmauerer und Zimmermeister von Furth (damals Anton Großer) als beigezogener Gutachter dieses Häusl für ein Arrestlokal als „zweckundienlich“ eingeschätzt. Dagegen habe er das Armenhaus, es war teils gemauert, wo sich auch die zwei „Nachtwächter“ zeitweise aufhalten, „baulich ausführbar und genügend zur Bewerkstelligung eines Arrestlokales gefunden“, da es „vor (der Möglichkeit des) Ausreißens hinlänglich befestigt werden kann“. Kein Verständnis zeigte der Magistrat, dass „dieses mit Kostenaufwand hergestellte Lokal jetzt nicht gebraucht werden kann“. Auch habe der „vormalige Stations Commandant“ (der Polizeibehörde) bei Begutachtung des Arrestlokals daran „nichts Widriges gefunden“. Mittlerweile war sogar die Regierung eingeschaltet. Die Königliche Regierung des Unterdonau-Kreises, Kammer des Innern mit Sitz in Passau forderte den Landrichter von Kötzting am 4. Juli auf, „er habe dem Magistrate zu Eschlkam zu bedeuten, daß er unverzüglich…ein anderes taugliches Arrestlokal auszumitteln habe…da das dermal projektierte Lokal als unbrauchbar erscheint“. Vier Wochen wurden der Gemeinde dafür Zeit gegeben.

    Eine Lösung gefunden

    Die Zeit verstrich jedoch bis zum 26. August. Da hatte der Marktrat – lange hatten die Gemeindebevollmächtigten in dieser Angelegenheit beratschlagt - nun eine Lösung gefunden. Man hatte „in einem unweit des dermaligen Gendarmerielokals entlegenen Bürgerhaus in dessen oberen Stocke ein Zimmer zum Arrestanten Lokal ausermittelt, welches nach meiner Ansicht für zweckmäßig anerkannt werde“, so die gutachterliche Feststellung des damaligen Vorstehers des Gendarmerie Stations Commandos, Christoph Schnabel.

    Das besagte Zimmer befand sich im Hause des Krämers Josef Bärtl, früher Haus Nr. 25, nun Waldschmidtplatz 8, gelegen also im Zentrum des Marktes unweit des Anwesens wo die Gendarmerie ihren Sitz hatte (vormals in Haus Nr. 2 / Waldschmidtplatz 10; später im Mauthaus Nr. 5 ½ / Waldschmidtstraße 4 ½). Vom Jahr 1734 an besaß die Krämerfamilie Bärtl bis 1837 dieses Anwesen, der heutige „Balsenbäck“. Am 25. Oktober genehmigte das Landgericht den Vorschlag der Marktgemeinde und forderte „zur Errichtung dieser Lokalität unverzüglich Anstalt zu treffen“, was auch geschah. Denn am 7. Dezember 1824 meldete die Marktgemeinde, „das neue Arrestlokal befindet sich dermal zu Gebrauch in Vollzug“. Damit war endlich für verdächtig herumziehende, nicht sesshafte Personen eine taugliche, kurzzeitige Unterkunft geschaffen.

    Dieser Zustand hielt offenbar nicht allzu lange an, denn 23 Jahre später, am 2. April 1847, berichtet der Königliche Landrichter von Kötzting an den Magistrat, am 23. Februar habe „bey Unterbringung eines aufgegriffenen Vaganten“ der Gendarm Stoiber, aus eigener Tasche für 6 Kreuzer Brennholz kaufen müssen, „um das Arrestlokal zu beheitzen, um (so) den Arrestanten vor Kälte zu schützen“. Dabei stellte sich heraus, dass der Arrestraum sich wiederum im Hüthause zu ebener Erde befand. Dadurch könne einem Arrestanten „durch das Fenster Werkzeuge gereicht werden“, um damit auszubrechen, so die Befürchtung der Behörde. Schleunigste Abhilfe wurde gefordert.

    Der Magistrat jedoch erwiderte, es fehle der Gemeinde einfach das nötige Geld „ein eigenes Gefängnis zu bauen“. Wenn auch die Lokalität vom Marktzentrum „etwas entlegen ist, so würden in diesem Hause doch mehrere Parteien wohnen, so dass eine Flucht rasch vereitelt werden könne, noch dazu „da der alte Soldat Bachmaier den Auftrag habe, gehörig zu wachen“. Damit schließt der Akt und die eigentlich untragbaren Zustände blieben zunächst noch bestehen.

     

    Werner Perlinger

  • Der Fall der Katharina Falter – eine Frau mit Kindern ohne Heimat

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    Eschlkam. Die Marktbehörde hatte sich mitunter auch mit herumziehenden Personen zu beschäftigen, die keinen Pass oder gar einen festen Wohnsitz aufweisen konnten. Unter dem Titel >Die Vagantin Katharina Falterin< schildert ein Akt im Marktarchiv wie beispielsweise im Jahr 1837 die Behörden mit wohnsitzlosen Personen umgingen. Das Wort >Vagantin< (von lateinisch vagare für umherstreifen, ziellos unterwegs sein) meint hier eine Bettlerin. Sie gehörte zur untersten sozialen Schicht, die ihren Lebensunterhalt ganz oder teilweise aus Almosen, milden Gaben bestritt. Eine soziale Absicherung wie wir sie heute schon lange kennen – und das sei vorausgeschickt - gab es damals nicht.

    So schreibt am 30. April 1837 Josef Schrimpf, Stadtrichter des Stadtgerichts Neumark (Všeruby) in Böhmen an die Marktbehörde, dass eine Katharina Falter, gebürtig aus „Krabitz“ (seit 1946 ein Ortsteil der Stadt Furth), welche mit 3 lebenden Kindern versehen ist, wegen Paßlosigkeit, arbeitslosen Herumziehen und Betteln abgeschafft (ausgewiesen) wurde“. Schrimpf stellte an Eschlkam noch das „dienstfreundliche Ansuchen“ die Person an das für sie zuständige Pfleggericht „abzuliefern“. Besonders wurde bemerkt, dass „dieselbe ihr vorgeschriebenes Zehrgeld zu 6 Kreuzer erhalten hat“. Also hat man die Frau nicht ohne Unterstützung weitergeschickt.

    Nur einen Tag später, am 1. Mai, beschwert sich Stadtrichter Schrimpf beim Markt, die Falter sei mit ihren 3 Kindern „heutigen Tags wieder hierher transportiert“ worden. Daher sah sich Neumark „bemüssigt, selbe neuerdings über die Gränze fortschaffen“ zu lassen „mit dem Ansuchen selbe nicht nach Krabiz sondern zum Landgericht Cham zu übersenden“, da sie „im königlichen Bayern gebürtig ist“.

    Eine Hin- und Herschieberei hatte begonnen, man muss sich nur in die Lage der Frau und ihrer Kinder versetzen. Sollte die Falter nicht geduldet und wieder „anher gesendet“ werden, werde man sich an das K(aiserlich) K(önigliche) Kreisamt wenden und um Schutz für einen „angedrungenen (aufgedrängten) Ausländer“ (bitten). Einen Tag später, am 2. Mai, informiert der Eschlkamer Bürgermeister (Michael) Kaufmann (Hsnr. 31/Burgweg 2), „(die Falter) wird wieder nach Grabitz in ihr Heimatort samt ihren 3 lebenden Kindern ergo recepisse (wegen Rücknahme) verschoben zur ersten Schubstation Furth alldahin“. Dort in Grabitz lebte noch ihr Vater Blasius Falter als „aufgenommener Insaß“ (wohl im Armenhaus; über eine solche Einrichtung verfügte jede Gemeinde).

    Am 6. Mai forderte das Landgericht Kötzting vom Markt, sich künftig „strenger an die bestehenden Verordnungen über Annahme von Personen, die vom Auslande (hier Böhmen, das zur K. K. Monarchie Österreich gehörte) eingeschoben werden wollen, zu halten“. Eine weitere Stellungnahme zur „Haimath der Katharina Falter“ gab am 8. Mai das Landgericht Cham gegenüber der Kötztinger Behörde ab.

    Nach erneuter Schilderung der einzelnen Abläufe erfahren wir dabei, dass die Falter vorher im Banat gewesen ist. Wohl war sie vor geraumer Zeit – wie viele andere Deutsche aus Armutsgründen auch - in dieses Land ausgewandert und kehrte dann wohl wegen für sie gegebener Perspektivlosigkeit wieder in ihre Heimat zurück.

    Gerügt wurde vom Chamer Landrichter (Dr. Franz Xaver) Reber, dass der Markt die Frau mit den Kindern ohne Nachprüfung ihrer Staatsangehörigkeit übernommen habe, „ohne dass der Nachweis ihres Heimatrechts dem Schubpaß (Abschiebeformular) beigefügt war“. Nachdem die böhmische Behörde die Falter nicht mehr zurücknehmen wolle, „so verwahrt man sich hiermit gegen die Haimaths- und Alimentationslast (Sorge für den Lebensunterhalt) bezüglich derselben, wenn sie als der Gemeinde Grabitz angehörig nicht anerkannt werden sollte“. Wie die Angelegenheit für die Falter und ihre Kinder schließlich endete, berichtet der Akt nicht. Wahrscheinlich verblieb die Falter mit ihren Kindern für die nächste Zeit in Grabitz, unterstützt von der dortigen Gemeinde.

    Bei Betrachtung dieser Vorgänge müsse man sich schon auch fragen welche Chancen die Kinder solcher heimatlosen Leute hatten. Obwohl bereits am 23. Dezember 1802 durch Verordnung des Kurfürsten Max IV. in Bayern die >Allgemeine Schulpflicht< gesetzlich verpflichtend war konnten die Kinder der Falter für längere Zeit kaum eine Schule besuchen. Sie blieben meist Analphabeten. Damit war ihnen eine wesentliche Möglichkeit genommen aus dem Teufelskreis des Vagantenwesens auszubrechen und mittels Erlernung eines Berufes einen bescheidenen gesellschaftlichen Aufstieg zu wagen.

    Im folgenden Artikel wird der Leser erfahren, wo im Markte und auf welche Weise die sog. Vaganten, die nicht sesshaften Leute jeweils über Nacht notgedrungen beherbergt wurden.

     

    Werner Perlinger

  • Aus einem Polizei Verhandlungs- und Strafprotokoll der Jahre 1819/21

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    Eschlkam. Im Rahmen der gegebenen Polizeihoheit hatte der Marktrat für die Wahrung der allgemeinen öffentlichen Sicherheit und Ordnung zu sorgen. Diese unliebsamen Aufgaben waren in der Regel dem jeweiligen Marktknecht übertragen. Wie in allen Orten im Hohenbogen-Winkel, so wurde auch in Eschlkam besonders auf die Sicherheit vor Schadensfeuer geachtet, denn bekanntlich zerstörten Brände früher mitunter ganze Ortsteile. Besonders wurde dem Flachsdörren (am eigenen Herd) und Flachsbrechen in den Stuben besondere Aufmerksamkeit gewidmet. Der Marktrat hatte auch die Brot-, Fleisch und Mühlenbeschau durchzuführen, die Lebensmittelpreise zu prüfen und bei den Bäckern das Gewicht der Produkte zu überwachen. Für diese Dienste wurden bei jeder Ratswahl eigens Personen aus dem Ratsgremium bestimmt.

    Im Marktarchiv finden sich zahlreiche polizeiliche Protokollniederschriften, vor allem aus dem frühen 19. Jahrhundert. Es seien aus den Jahren 1819 und 1821 im Detail einige Vorkommnisse geschildert, die sich oft wiederholten, jedoch in strafrechtlicher Hinsicht zu den wirklich kleinen Delikten zählen, die darum auch nur vom Magistrat abgehandelt wurden.

    Der erste Fall schildert eine Beleidigung wie sie so oder ähnlich in den Wirtshäusern von Eschlkam „beim Bier“ zu fortgeschrittener Stunde immer wieder vorkamen. Die Angelegenheit kam vor das Marktgericht, dem am 6. Dezember 1819 Bürgermeister Schreiner (einer der Hoamater; Hsnr. 37/38/ Marktstraße 11) und die Markträte Bartl (Hsnr. 25/Waldschmidtplatz 8) und (Ignaz) Schmirl (Hsnr. 72/Marktstraße 12), vorsaßen. Was war geschehen: „Anton Hastreiter, Bürger und Bäckermühlner derorten (Hsnr. 46/Bäckermühle 1 u. 2), hat sich in der Gastgebsbehausung des Andrä Kilger (Hsnr. 58/Blumengasse 2) erfrecht, den 4. Herrn Magistratsrat Joseph Korherr (Kufner auf Hsnr. 71/ Großaigner Straße 2) einen Lumpen zu schimpfen, welches er auch vor Magistrat heute nicht in Abrede stellen konnte“. Hastreiter fügte an, „es sey ihm diese Injurie (Beleidigung) leider in der Trunkenheit ausgebrochen“. Dem Hastreiter wurde sein Tun „allen Ernstes verwiesen“ und ihm empfohlen „für hinkünftig eine höhere Achtung, und bescheidenes Betragen aufzutragen.“ Zusätzlich wurde er gewarnt, „daß man einen weiter solchen Vorfall hohen Orts anzeigen, und zur empfindlichen Bestraffung überschreiben werde.“ Hastreiter musste zur Strafe 1 Gulden entrichten und „ad fundus Paup(erum), an die Armenkasse, 28 Kreuzer. Das Urteil unterschrieben Hastreiter (des Schreibens unkundig) mit einem Handzeichen und Joseph Korherr.

    Am 13. Januar 1821 beschwert sich vor dem für polizeiliche Verhandlungen zuständigen Ratsgremium, gebildet aus dem Bürgermeister Schreiner und den Magistratsräten Bartl, Schmirl und Korherr, der bürgerliche Metzger Joseph Scheppel (Hsnr. 34/Marktstraße 5), „daß Johann Leuthermann, bürgerlicher Insasse (sich) unterfangen habe große Rinder Vieh zu schlachten und auszupfunden“. Der so Beklagte stellte den Vorwurf nicht in Abrede. Es wurde ihm sein „Anmaßen strengstens verwiesen“ und mit einer Strafe in Höhe von 1 Gulden 24 Kreuzer belegt. Am gleichen Tag wurden im Markt auch die von den Krämern angebotenen „Victualien“ (Lebensmittel) überprüft, ebenso die Maße und Gewichte und sämtliche Prüfobjekte insgesamt. Alles wurde für in Ordnung befunden.

    Die Jugend am Tanzboden

    Am 25. Januar 1821, auch damals wurden bereits Faschingsveranstaltungen abgehalten, mussten Übertretungen geahndet werden: „Wiewohl am letzten Sonntag gehörig und öffentlich bekannt gemacht worden war, daß keine Feiertagsschüler (heute der Berufsschüler) unter 16 Jahren und Mädchen unter 14 Jahren bei einer Tanzmusik sollen sich blicken lassen, und im Übertretungsfall die nachläßigen Eltern“ bestraft würden, „so haben sich Joseph Fischer und Georg Pfeffer, Bürgerssöhn […] um 7 Uhr Abends beym Wirth Joseph Spaeth (Hsnr. 5/Further Straße 3) tanzend betreten lassen“. Deshalb wurde den beiden und auch ihren Eltern ihr Vergehen „strengstens verwiesen“. Auch wurde den Eltern aufgetragen auf ihre Kinder „mehr wachsame Augen zu haben“. Zur Strafe mussten die beiden Burschen je 15 Kreuzer an die Marktkasse entrichten.

    Am 20. Juni wurde der Metzger Scheppel selbst zum Beklagten. Zum Vorwurf wurde ihm gemacht, dass er am Freitag, den 15. Juni ein großes Rind schlachtete, „ohne hinzu den Polizeydiener und den Bankknecht (Bediensteter der Fleischbank) beigezogen zu haben und vom Victualien Komißar (die Schlachtung) zugleich besichtigt worden zu seyn“. Eine Geldbuße war die Folge.

    Am 1. September wurde die Baderswitwe Rosalia Grauvoglin (Hsnr. 7/Kleinaigner Straße 3) erntlich gerügt, sie habe in ihrem Backofen, welcher „mit keinem eisernen Schupp (Ofentüre) versehen“, Flachs gedörrt und dieser ist dabei „brennend geworden“. Sie sorgte selbst für rasche Abhilfe, daher fiel die Strafgebühr in Höhe von 30 Kreuzern noch milde aus. Gerade das Dörren von Flachs in Privat- und nicht in den abseits der bürgerlichen Bebauung liegenden Brechhäusern war oftmals Ursache für verheerende Schadensfeuer.

    „Die im Dienst zu verweisen seyende ledige Weibspersonen“, war stets auch Aufgabe des Magistrats. Dieser stellte im November 1821 folgendes fest: „es schleicht sich der Unfug ein, daß mehrere ledige Weibspersonen, die allerdings zum Dienen geeignet, […] dem Dienen (als Magd oder Hausbedienstete) sich entziehen, wodurch man über ihr sittliches Betragen nicht hinlänglich versichert ist. Magistratseits hat man nun die Verfügung getroffen und die Beschreibung dieser Weibspersonen, als auch der groß erwachsenen unehelichen Kinder angeordnet“, um ein Verzeichnis darüber an das Königliche Landgericht weiterleiten zu können. Ebenso wurden die „Wanderbüchel“ (Beschäftigungsnachweise) registriert, um diesen Personenkreis „beim nächsten Heiligen Lichtmeß anno 1822 in (den) Dienst zu schaffen“. Eine wirklich wirksame Abhilfe konnten diese Maßnahmen mangels ständiger Beaufsichtigung nicht sein, wie letztlich die zahlreichen unehelichen Geburten beweisen. Noch lag in weiter Ferne das erst zum 1. Januar 1876 eingeführte Gesetz, das die Ehefreiheit grundsätzlich allen sozialen Schichten garantierte.

     

    Werner Perlinger

  • Aus alten Protokollen des Handwerks – der Willkür war oft Tor und Tür geöffnet

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    Eschlkam. In den archivischen Sammlungen finden sich zahlreiche Niederschriften, die sich mit der Konzession befassen, im Markt ein Handwerk ausüben zu dürfen. Das Prozedere war stets gleich. Der Antragssteller, fast immer ein Nachkomme eines noch tätigen Handwerkers, bittet den Marktrat um die Genehmigung in die Fußstapfen des Vaters oder Onkels treten zu dürfen. Vorgelegt dafür wurden eine Ausbildungsbestätigung, ein in der Regel in attraktiver urkundlicher Form abgefasster Nachweis der abgeleisteten Militärpflicht, dann vor allem ein Attest, dass der Antragssteller sich einer Pockenschutzimpfung unterzogen hatte. Mit dem Begriff >Pocken< oder auch >Blattern< genannt, bezeichnet man eine für den Menschen gefährliche und lebensbedrohliche Infektionskrankheit, woran früher viele Menschen starben, daher die Impflicht. Von entscheidender Bedeutung war daneben das „Leumundszeugnis“, ausgestellt bei einem Sohn des Marktes von der Ortsbehörde selbst oder von der Behörde woher der Bittsteller kam.

    Der Marktrat, bestehend aus ansässigen Bürgern, gehörend zur wirtschaftlich besser gestellten Schicht, die als Ökonomiebürger nebenher selbst ein Handwerk ausübten, prüften die eingereichten Unterlagen. Vor allem wurde großer Wert darauf gelegt, dass bei Erteilung von Eheerlaubnissen, der Ansässigmachung und damit verbunden mit der Ausübung eines Handwerks oder sonstigen Gewerbes künftig der „Nahrungsstand gesichert ist“. Der Bittsteller musste beispielsweise darlegen, wieviel an Heiratsgut er oder die künftige Ehefrau als Grundvermögen mit in die Ehe bringen, oder ein Elternteil bürgte für eine gesicherte wirtschaftliche Zukunft.

    Nicht selten wurden die Anträge auf Heirat oder Gewerbeausübung so mancher Bittsteller abgewiesen mit dem genannten Argument des „nicht gesicherten Nahrungsstandes“.

    Und so kamen meist die noch jungen Leute in unliebsame Nöte. Oft nannte das heiratswillige Paar bereits ein oder zwei, ja manchmal drei Kinder sein eigen. Und wiederholte Bitten auf die Erteilung einer Heiratserlaubnis wurden oft unisono, manchmal sogar schroff formuliert, verweigert.

    Mögliche Konkurrenz ausgeschaltet

    Das galt auch für die Arbeitserlaubnis von einfachen Tagelöhnern oder eben auch für angehende Handwerker. In diesem Fällen wurde meistens darauf verwiesen, dass gerade auf diesem Sektor der Handwerkszweig bereits voll ausgelastet sei. Aber stimmte das auch?

    Wir müssen eines wissen: Die Entscheider übten meist selbst ein Handwerk aus oder waren Krämer oder Händler, und diese Schicht fürchtete die an die Tür des Marktes klopfende Konkurrenz. Aus den zahlreichen Unterlagen sei daher beispielhaft für eine unbedingt gewollte aber letztlich doch nicht durchsetzbare Abweisung der Fall des „concessionierten Schreiners“ Joseph Blab angeführt:

    Zur Vorgeschichte: 1822 erhielt Blab vom Landgericht Kötzting die Zulassung als Schreiner im Markte Eschlkam und dazu vom Marktrat auch das Bürgerrecht. Am 26. November 1825 berichtet Blab an die der Marktbehörde vorgesetzte oberste Behörde, der „Königlichen baierischen Regierung des Unterdonaukreises, Kammer des Innern“ mit Sitz in Passau, er müsse sich verehelichen, da er als „Gewerbemann…u.a. der weiblichen Arbeit nicht vorstehen könne“. Er habe daher die Marktbehörde um die nötige Heiratslizenz gebeten, was diese aber bisher verweigert. So bat er nun als bürgerlicher Schreinermeister von Eschlkam diese hohe Behörde um richterliche Hilfe. Zwei Monate später, am 28. Januar 1826 erklärte die Marktbehörde die Verweigerung gegenüber Blab mit den Hinweisen, „daß Blab nur ein gutes Auge besitzt, ferner als Marktmusikant“ für die Ausübung des Gewerbes er sich „mehr in geschwächter, als gesunder Leibesconstitution befindet“. Deshalb könne die Zusage zur Verehelichung nicht gegeben werden. Sämtliche Markträte, neun an der Zahl und allesamt Handwerker, unterschrieben diese Entscheidung.

    Pfarrer Albert Wagner hilft

    Die Situation für Blab erschien aussichtslos, da mischte sich der Ortspfarrer Albert Wagner ein. Er galt als ein Priester von tiefer moralischer Gesinnung und stand der Pfarrei von 1811-1828 vor. Seine für den Leser sehr interessante Stellungnahme lautet: „Sonderbar! Wie man von Seite der Bürgerschaft und ihrer Vertreter den unsittlichsten und heillosesten Menschen, als z. B. einem Anton Pach und einem Michel Hastreiter die Heuraths-Bewilligung ohne Bedenken ertheilet: ordentlichen Menschen aber, und sittlichen guten, z.B. dem Joseph Blab dieselben abschlägt, oder ihnen, was einem Schullehrer Dobler wiederfahren ist, Hindernisse über Hindernisse entgegensetzt!!!

    Das einzig gesunde Auge des Jos. Blab und sein vorgeblich geschwächter Gesundheits-Zustand sind gesuchte Vorwände. Blab hat mit einem Auge bisher arbeiten können: wird es ferner können, hat auch auf Doktor und Apotheke noch keinen Kreuzer verwendet. Die wahre Ursache (für die Ablehnung) läßt sich leicht errathen; es ist der leidige Brodneid von Seite der übrigen Schreiner; weil sie die schönen Arbeiten, welche Blab liefert, nicht machen können.“ (gez.) Wagner, Pfarrer.

    Die Worte des Pfarrers schienen nicht wirkungslos gewesen zu sein. Am 12. April 1826 entschied der Regierungsbeamte Mulzer von der Behörde in Passau, dass der Marktrat „aus ganz ungültigen Gründen die Erlaubnis zur Verehelichung versagte“. Auch rügte Mulzer, dass die Marktführung „eine so auffallende Willkür und ausdrücklichste Vernachlässigung des Gesetzes an den Tag gelegt“ habe.  Joseph Blab, geb. 1792, Sohn des Eschlkamer Bürgersleute Georg und Therese Blab, hatte gewonnen. Er durfte am 29. Mai 1826 seine Braut, die Häuslerstochter Anna Seiderer heiraten – „eine Person von guter Aufführung und die auch nicht ohne Vermögen ist“. 1828 erbaute Blab auf einer von Joseph Bartl gekauften kleinen Wiese unmittelbar neben dem Torhaus ein eigenes Haus, die Nr. 74, heute Kirchstraße 6. Zehn Jahre später, 1836, verstarb Blab. Seine Witwe heiratete sechs Jahre später, 1844, den Straßenwegmacher Johann Messerschmied aus Regen.

     

    Werner Perlinger

  • Als in Eschlkam die Turmuhr streikte – Mesner Zirngibel wehrt sich entschieden gegen Vorwürfe

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    Eschlkam. Im Gegensatz zu heute, wo jeder Haushalt über eine oder mehrere Zeitmesser verfügt, waren in frühen Zeiten für die Bewohner einer Stadt, eines Marktes oder auch eines Dorfes Uhren, angebracht in luftiger Höhe an den Kirchtürmen, eine weit größere Bedeutung. Wenn heute nur mehr vereinzelt, so richteten früher die Menschen immer wieder ihren Blick auf die Uhr im Turm, ob sie nun direkt davor standen oder sich gerade entfernt auf freiem Gelände befanden. Umso mehr wurde darauf geachtet, dass diese Uhren, Werke metallmechanischer Kunst, stets einigermaßen genau die Zeit vermittelten. Das brachte es aber mit sich, dass Reparaturen häufig nötig waren. So erhielt im Jahr 1748 Wolfgang Stauber, Uhrmacher und bürgerlicher Inwohner in Eschlkam, 3 Gulden für Reparaturen an der damaligen Uhr im Kirchturm. 1761 erst konnte er für sich und seine Familie im Markt mit Nr. 22 ein eigenes Haus erwerben.      

    Gut 100 Jahre später, am 7. Januar 1856, beklagte sich der Magistrat unter Bürgermeister Simon Moreth gegenüber der Kirchenverwaltung (im Folgenden: KV): „seit den Sommer-Monaten vorigen Jahres macht man die Wahrnehmung, daß die hiesige Kirchenuhr bald zu früh, bald zu spät geht und manchmal ganz und gar steht“. Unverständnis äußerte der Magistrat deshalb, weil die Uhr vor nicht langer Zeit von dem Chamer Uhrmacher Steidl repariert worden sei und von der KV sogar ein Sextant „behufs richtiger Stellung der Uhr angekauft wurde“. Daher nahm der Magistrat an, dass der Sextant nicht benützt, die Uhr „entweder nicht fleißig aufgezogen, oder aus irgend einer Absicht bald vorgetrieben, bald zurückgehalten wird“. Die sofortige Beseitigung dieses Missstandes wird gefordert, sonst müsste „dem jetzigen Uhraufzieher dieses Geschäft abgenommen und dasselbe einem anderen hierzu tauglichen Individuum übertragen werden“. Der „Uhraufzieher“ war seit Jahren der Mesner Joseph Zirngibel. 

    Einen Tag später antwortet Pfarrer Karl Pittinger als Vorstand der KV, der Sextant werde „fleißig benützt wenn die Sonne scheint und die gemachten Wahrnehmungen würden dann dem Mesner gesagt, um sowohl seine Zimmer-Uhren, als auch die Thurm-Uhr darnach zu regulieren wie dies mit den Uhren im Pfarrhause geschieht“. Auch der Uhrmacher Steidl werde bald kommen und nach der Ursache forschen. Ein Sextant, als Gerät besser bekannt bei der Seefahrt für die Lagebestimmung, dient der Feststellung der wahren Mittagszeit, nämlich dann, wenn die Sonne am höchsten steht. In diesem Moment hatte der Mesner die Turmuhr genau auf 12 Uhr einzustellen.

    Schon im März 1843 seien die gleichen Probleme aufgetreten. Sogar die „Titl. (titulierten) Herren Hauptzollamtsbeamten haben zur Zeit der Titl. Herren Oberinspectoren Vogl und Rehm das öftere unrichtige Gehen und Schlagen der Kirchthurm-Uhr mündlich (mitunter 1 Mal auch schriftlich) getadelt“. NB. (Nota bene) meinte Pfarrer Pittinger, der Sextant sei dem Mesner einige Wochen lang samt den Instruktionen über seinen Gebrauch in seiner Wohnung gelassen worden um mit dessen Hilfe die Uhren darnach zu regulieren. Pittinger glaubte eher, Zirngibel habe das Gerät nicht benutzt.

    Der streitbare Mesner

    Zur Person: Josef Zirngibel, geb. am 21. Januar 1783, wohnte als Mesner im sog. Mesnerhaus Nr. 27/Kirchstraße 3.Seit 1808 war er verheiratet mit Anna Maria Januel, Lehrerstochter von Rimbach. Als Witwer will er 1844 Therese Stauber, Bräumeisterstochter (28 Jahre alt) heiraten. Die Genehmigung wird ihm vom Marktrat zunächst versagt, da er als „veraltert und abgekarpfet“ gilt. Auf seinen Einspruch hin erlaubte das Landgericht Kötzting als höhere Instanz schließlich die Heirat. Nomen est Omen - der Name „Zirngibel“ bedeutet sprachetymologisch den „Raufbold“, eben einen streitbaren Menschen. Der Begriff >Mesner< leitet sich ab von dem lateinischen Wort „mansorius“, was so viel heißt wie „Hausverwalter, Hausmeister“, in unserem Fall für die Pfarrkirche.

    Zirngibel erkannte, dass man ihm die Schuld an dem Malheur zuschieben wolle und deshalb bezog er zu den erwähnten Vorwürfen am 12. Januar ausführlich Stellung: Nicht er sei schuld an dem „unregelmäßigen Gang“ der Uhr, „sondern daß bei der heurigen großen Kälte kein Schall-Laden vor den Fenstern“ im Gegensatz zu früher angebracht sei. Darüber hinaus wirke sich die Zugluft auf die Uhr höchst nachteilig aus. Gleiche Probleme gebe es auch in Furth, so Zirngibel. Gleichzeitig monierte er, „dass die Wechselstangen durch starke Winde ausgehoben wurden“, er aber diesen Schaden selbst bereinigt habe. Diese Gestänge sind die Verbindungen zu den vier Zifferblättern. Letztlich meint der Mesner, ich „darf aber auch hoffen, daß man für einen 74 jährigen Mann etwas Schonung haben möchte“, da er in kurzer Zeit 50 Dienstjahre erreichen werde. Zirngibel unterschrieb als Pfarrmesner und Cantor, denn leitete er auch den Kirchenchor.

    Am 16. Januar nimmt Zirngibel erneut Stellung zu drei Fragen der KV: Demnach seien an der jeweils auftretenden falschen Zeitangabe – die Uhr geht einmal vor und dann wieder nach – der starke Wind und die große Kälte schuld, umso mehr als vor den sehr großen Schallfenstern keine schützenden Läden angebracht seien. Auch möge hinsichtlich der Vorwürfe die Uhr „von unparteiischen Kennern untersucht werden“. Und sollte ihm der kleinste Fehler angelastet werden, wolle er sich einen „Verweis gefallen lassen. Jedoch behalte ich mir das Aufziehen bevor, wie seit meiner Anstellung“.

    Auf die dritte und letzte Frage, ob er „ein taugliches Individuum vorschlage oder nicht, antwortete Zirngibel selbstbewusst: „Keineswegs, ich will und werde meine Pflichten erfüllen, und nicht das geringste von (des) Dienstes Erträgnissen ablassen, wohl mein Nachfolger kann thuen was er will“. Mit diesen Aussagen Zirngibels endet der Akt. Man hatte es dabei bewenden lassen. Wahrscheinlich wurden wegen der Kälte schützende Maßnahmen ergriffen, damit beispielsweise die Öle im Gangwerk nicht verhärteten oder in den heißen Sommermonaten verharzten und eintrockneten. Denn gerade diese technisch bedingten Umstände hinderten den genauen Gang der Kirchturmuhr im Markte Eschlkam.

     

    Werner Perlinger

  • Die alte Schule wurde erst im Jahre 1896 erbaut – kein Hinweis im Archiv

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    Eschlkam.Wer von Furth kommend die Anhöhe zum Marktplatz hochfährt, dem fällt ein an der Gabelung Waldschmidtstraße/Marktstraße stehendes wuchtiges Gebäude auf. Im Gegensatz zu den anderen Bürgerhäusern zeigt es drei Etagen und lässt an seinem Äußeren leicht erkennen, dass es sich hierbei nicht um ein herkömmliches Bürgerhaus handeln kann. Tatsächlich diente das Gebäude bis zum Jahr 1959 als Volksschule. Interessant dabei ist, dass die bisher in chronikalen Abhandlungen stets genannte Bauzeit 1824 nicht stimmt.

    Vorerst aber einiges aus der Eschlkamer Schulgeschichte, jedoch nur punktuell angeführt: So wird in der Generalvisitation der Diözese Regensburg vom Jahre 1590 erstmals das Schulwesen im Markte erwähnt mit dem Hinweis: „Schuelmaister allda mit Namen Wilhelm Ottenseel; er hält allein im Winter Schule. Ein Verzeichnis der defectn (Mängel) wurde dem Herrn Pfleger übergeben. Wie im benachbarten Furth auch, gab es im Markt bereits eine Schule, wenn auch die Einrichtung (vielleicht bauliche) Mängel aufweise.  

    Der Hinweis anlässlich der Hausübergabe von Nr. 69, jetzt Großaignerstraße 7, im Jahr 1754: „nach Wissen ältester Bürger stand dort einst das „gemainer Markts Schuller Häusl“, lässt die Vermutung zu, dass an nahezu gleicher Stelle wohl schon vor dem Dreißigjährigen Krieg (siehe 1590) das erste Schulhaus von Eschlkam anzusiedeln wäre.  Einen Beweis für seine Existenz liefert auch ein amtlicher Bericht vom Jahr 1616. Darin wurde ein besserer Besuch der Schule angemahnt, da die Kinder nur im Winter in die Schule geschickt würden und im Sommer aber „dahaimb bei der Arbeit behelt (würden)“; und dies obwohl die „Khinderlehr (Religionsunterricht) gehalten würde und auch die Schuell bestellt (in Ordnung) sei“. Nach den massiven Zerstörungen im Dreißigjährigen Krieg (besonders im Jahr 1634) fand der Unterricht dann über eine lange Zeit sehr häufig im Mesnerhaus, oder auch im Hause der einzelnen Lehrer statt, z. B. in Nr. 64, nun Großaigner Straße 11, allein von 1734-1824.        

    Am 6. August 1688 erhielt den Lehrerposten der Mesner Wolfgang Khininger mit Wirkung von Michaeli (29. September) an. In den Sommermonaten zuvor entfiel in der Regel der Schuldienst, da die Kinder für die vermehrt anfallenden landwirtschaftlichen Arbeiten oft unentbehrlich waren – ein Trend, der bis in unsere Zeit herein spürbar war. 1691, am 4. März bittet Hans Wolf Tenzl um die Übertragung der Schulmeisterstelle. Als Qualifikation bringt er vor, er habe das 6. Schuljahr absolviert und deshalb sei er im Rechnen, Lesen und Schreiben entsprechend erfahren. Der Rat stimmte dem Antrag zu. 1724 hieß der Schullehrer im Markte Liborius Greß. Ausgezeichnet unterrichte er bereits drei Jahre an der Schule, so ein Bericht des damaligen Pfarrers Michael Oberschwender an die Diözese Regensburg.

    Einführung der Schulpflicht

    Es sollte fast noch ein Jahrhundert dauern, als am 23. Dezember 1802 durch Verordnung des Kurfürsten Max IV. in Bayern die >Allgemeine Schulpflicht< und ein Jahr später ein allgemein verbindliches Lehrerbildungsgesetz eingeführt wurden. Mit der einsetzenden Lehrerausbildung kamen neue Ideen und konkrete Lehrmethoden in die Schule. Erstmals konnten die Kinder die doch so notwendigen Schulbücher benützen. Im Laufe der nächsten Jahre kamen die Markträte zur Erkenntnis, es müsse nun endgültig ein geeignetes Schulhaus gebaut werden. Dafür wählte man einen im Markt von den Straßenführungen her zentral liegenden Platz. Es war dies der, wo damals das „Metzger-Flore-Haus“ Nr. 24 stand. 1824 erwarb nun der „Schulsprengel Eschlkam“ das für die Schulkinder günstig gelegene Anwesen für ein künftiges Schulhaus von dem Metzger Riederer. Dieser kaufte sich aus dem Verkaufserlös das Anwesen Nr. 61, heute Großaigner Straße 1. Die lange schon gewünschte Schule mit Lehrerwohnung konnte endgültig gebaut werden.

    Der Staat wird aktiv

    Im Plan der Erstvermessung vom Jahr 1840 ist das Schulhaus eingezeichnet als ein von der Fläche her verhältnismäßig kleines Gebäude, baulich sich anlehnend an das Nachbaranwesen Nr. 23 (Marktstraße 2). Im Westen wie auch südlich zu den Straßen hin waren kleine Gartenflächen vorgelagert. Diese gezeichnete Bausituation entspricht aber keineswegs dem vorhandenen mächtigen Baukörper der sog. „alten Schule“. Im Marktarchiv findet sich jedoch kein Hinweis auf eine spätere Baumaßnahme. Man steht vor einem Rätsel. Erst ein Blick in die Kataster-Umschreibe-Hefte im Staatsarchiv Landshut schuf Klarheit. Am 7. April 1896 kaufte der Staat, nicht mehr der Schulsprengel bzw. die Gemeinde, die zwei anliegenden freien Grundflächen und die nächste Schule konnte nun in den uns sichtbaren Dimensionen gebaut und in Betrieb genommen werden, heute die „alte Schule“.

    Am 2. Oktober 1955 wurde der Grundstein zur jetzigen dritten Schule am Ortsrand gelegt und diese am 12. Februar 1957 eingeweiht. Aber erst 1959 schloss das mächtige Haus im Marktzentrum endgültig seine Pforte, und die heutige Schule an der Schulstraße nahm ihren vollen Betrieb auf.

     

    Werner Perlinger

  • Umrittsprotokolle – ein Zeugnis überörtlicher Prüfungen

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    Eschlkam. Wie heutzutage der Bayerische Kommunale Prüfungsverband die Tätigkeit der Kommunen regelmäßig prüft, so geschah dies gründlich auch schon vor Jahrhunderten. Sie nahm der „Rentmeister“ vor. Im 15. Jahrhundert lautete der Titel „Landschreiber“. Unter ihm stand die Gesamtverwaltung der äußeren Ämter und Gerichte als obere Aufsichtsbehörde. Als Inspektionsbeamter seines ganzen Rentamtsbezirkes - für den Hohenbogen-Winkel war es Straubing - hatte er bei den jährlichen „rentmaisterlichen Umbritten“ (Inspektionsreisen) die Prüfberichte über sämtliche ihm unterstellten Pflegsbeamten einzureichen, Untersuchungen über Beschwerden anzustellen, auch persönliche Bitten und Vorstellungen entgegenzunehmen.  Die Situation „Umritt“ erinnert an das mittelalterliche Wanderkönigtum. Der jeweilige Herrscher im Reich, ob Kaiser oder König, hatte keinen festen Regierungssitz, sondern er „durchritt“ mit seiner königlich-kaiserlichen Gesellschaft das Reich und sorgte an den einzelnen Pfalzen, wo er jeweils kurze Zeit verblieb, für Recht und Ordnung in der Region.  

    Und so hat sich auch im Marktarchiv Eschlkam ein Akt über Umrittsprotokolle erhalten. Er beinhaltet „über den Churfürstlichen Marckht Eschlkhamb von annis (Jahren) 1719 bis 1730 und zum thaill ao: 1731“ ausschließlich die Prüfung der von der Marktschreiberei geführten Bücher. Ausgiebig werden darin zunächst die Mängel bei der Führung der Rats- und Verhörsprotokolle von 1719 bis 1733 durch den Marktschreiber aufgezeigt, wie beispielsweise, dass das eine oder andere Ratsprotokoll noch ungebunden vorgelegt worden sei. Vor allem aber wurden Fehler in der Rechtsprechung des Marktgerichts aufgezeigt, erörtert und bei einzelnen Fällen rechtliche Belehrungen erteilt.    

    So hatte z. B. Hans Georg Peter, Schneider, 1723 zugezogen aus Furth, für die Erlangung des Bürgerrechts und die Ausweisung eines Platzes (wohl für den Hausbau = Nr. 44; nun Kleinaignerstraße 25) 3 Gulden zu bezahlen. Gerügt wurden die mangelnde Begründung für die Hergabe des Platzes und die im Akt fehlenden Grundstückskosten. Gestraft wurde auch der Zimmermann Wolfen Hastreiter, weil er wider des obrigkeitlichen Verbots eine „Ferchen“ (Föhre) gefällt hatte. Bei einer Rauferei hatte der Sattler Martin Neumayr (Haus Nr. 22) dem Andre Fleischmann (Großaigner Straße 15) einen „Daumben=biß“ zugefügt. Geregelt wurde die Bezahlung der dafür in Geld verhängten Strafen. Auch wurde erachtet, dass bei Aufnahme von Tagwerkern und Inwohnern als Bürger die Gebühr von nur zwei bis drei Gulden zu gering sei. Hauptsächlich fürchtete man, dass so „unvermögliche Inwohner, welche gemainiglich mit Kündern versehen seint…“ später im Alter „der Burgerschafft mit der Unterhaltung auf den Hals fallen“ (der Gemeinde zur Last werden).

    Geheime Sitzungen verboten

    Besonder gerügt wurde von der Kommission, dass bei den amtierenden oder auch Vicebürgermeistern  „vill Extra : oder Stubenrhät gehalten worden“ (sog. ortspolitische „Kanapee-Sitzungen“ in Privathäusern). Befohlen wurde, dass sämtliche „Burgerl. Händl“ (Angelegenheiten der Bürger) künftig nur mehr im Rathaus zu behandeln seien und sie „kheine Stuben-Rhat mehr halten sollen“.

    In „Commissions auftrag“ hätten Bürgermeister und Rat auch die „Kürchenrechnungen“ aus den Jahren 1719 bis 1733 vorlegen sollen. Der Marktschreiber, der seit jeher wie andernorts auch, zugleich als „Kürchenschreiber“ diese Rechnungen für das Gotteshaus bis zur Säkularisierung der Kirchengüter im Jahre 1803 führte, brachte entschuldigend vor, dass die Rechnungen, verfasst bis zum Jahr 1728, zusammen mit den sog. „Verificationen“ (Belege für Ausgaben) stets an die Regierung in Straubing geschickt worden seien. Seitdem sei von dort keine Rechnung mehr eingefordert worden. Aufgrund dieser erheblichen Mängel konnte auch keine „Zächschrein visitation“ vorgenommen werden. Der „Zechschrein“ war früher eine im Pfarrhof deponierte, besonders bruchsichere Truhe, in welcher der vorhandene Kirchenschatz an Geld, Kleinodien, Urkunden und Bücher verwahrt wurde. Deshalb wurden Bürgermeister und Rat ernstlich ermahnt und aufgefordert, die fehlenden Rechnungen der Jahre 1729 bis 1733 innerhalb von 6 Wochen in „vollkhombenen Stand“ zu setzen und an die Regierung einzuschicken. Letztlich wurde der Marktschreiber aufgefordert, künftig die Kirchenrechnungen sorgfältig abzufassen, ansonsten werde ihm die „Kürchenschreiberey nebst dem Genuß (Verdienst daraus) abgenommen“.

    Bei „Erinnerung in geistlichen Sachen“ wurde der Pfarrer Michael Oberschwendter 1730/31 schriftlich erinnert, dass er vier Jahre keine Kirchenrechnung verfasst habe, obwohl der „Kürchenschreiber Georg Andre Aicher (zugleich der Marktschreiber) von den Kürchenpröbsten (Kirchenverwaltung) bezalt worden“ sei.

    Die Ratsherren gerügt

    Gerügt wurde, dass die „Raths Verwandten“ (die Markträte) an den Sonn- und Feiertagen – ausgenommen an den „höchsten Festtäg“ - während der Gottesdienst seit kurzem nicht mehr „in ihren gehörigen Kürchstüell“ sitzen, sondern sich „ohne Mantl (eigene Tracht für die Ratsherren) unter die Burger mischen“. Dagegen sitzen in den für die Ratsherren vorgesehenen Bankplätzen lauter „Künder und Bueben, über welches die Pfarrkhünder (die Gläubigen) lachen“. Dem Bürgermeister und seinem Rat wurde daher befohlen mit einem guten „Exempl vorzuleichten und an den Sonn: und Feyrtägen in gezihmenter Ehrbarkheit pr. Mantl, und in ihren Stühlen zu erscheinen“…und neben sich weder Kinder noch andere „gemaine Burger zu geduldten“. Ernstlich wurde die Marktführung auch ermahnt, an den „Frauen: und Apostl: dann andern hochen Festtägen“ Tanzveranstaltungen zu untersagen. Geduldet wurde das bisher nur, weil solche Veranstaltungen den „Pier Verschleiß“ förderten. Bei weiteren Zuwiderhandlungen drohe als empfindliche Strafe die Abschaffung des „Preuen und Pierschenkhen“.

    Viele uneheliche Kinder

    Letztlich zeigte man Verständnis für die Beschwerde, nämlich dass viele Bauern gleich nach der Frühmesse sich in die Wirtshäuser begeben, daher den „hohen Gottesdienst und die Predigt (Hochamt um 9 Uhr) nit anhören, auch in der Fruehe schon sich volltrünkhen“, was die bürgerliche Obrigkeit „der örgernus halber auf kheine Weis gedulten solle“. Beklagt wurde die Zunahme der Unmoral, da viele uneheliche Kinder geboren wurden, woran die Eltern und Hausväter selbst daran schuld seien, weil sie ihre Häuser und Schlafkammern „nicht recht verspöhren, ia woll gar die Ehehalten unverspöhrter nit weith voneinander liegen“. Auch wurde gerügt, dass sie die Eltern „die Kinder und Ehehalten bis in die spate Nacht hinein beim Danz gedulden.“ Da erkannt wurde, dass in der Gemeinde die „Leichtferttigkheit stärkher als in andern Ohrten dieses Rentamtbts in Schwung ist“, wurden der Bürgermeister und der Rat „bey schwerer Verantwortung vor Gott und hoher Obrigkheit“ ermahnt, die diesbezüglich erlassenen Mandate einzuhalten und beispielsweise bei der üblichen „Rauchfang Beschau“ zugleich die Lage der Schlafstätten für die Kinder und Ehehalten zu prüfen; auch das „nächtliche Cammerfenster- und Gäßl gehen“ zu unterbinden.

    Bei Durchsicht der Kammerrechnungen (Rechungsbücher der Kämmerei) für die Jahre 1719 bis 1730 wurde von der Umrittskommission die Art der Rechnungsführung genau unter die Lupe genommen; vor allem auf die Führung der Bücher nach Einnahmen und Ausgaben das Augenmerk gelegt. So rügte die Kommission beispielsweise, dass im Jahr 1719 für das verliehene Bürgerrecht an den Metzger Leonhard Regner, der aus Furth auf das Anwesen Marktstraße 2 zugezogen war, nur 3 Gulden verlangt worden waren, den gleichen Betrag aber auch Johann Stroppel (Strobl) zu zahlen hatte, der nur für einen Inman (Inwohner) ohne eigenes Haus als Bürger aufgenommen worden war. Erst im Jahr 1728 erwarb dieser das Anwesen Blumengasse 1 von Barbara Kerscher. Insgesamt aber hielten sich für die einzelnen Jahre die Rügen an der Führung der Kämmerei-Bücher in Grenzen.

    Bürgermeister und Rat als Notariat

    Auch wurden die Briefprotokolle der Jahre 1719 bis 1731 geprüft. Das Protokoll für diese Zeitspanne zeigte sich „unfolirt und unein gebundten“. Eine Ermahnung an den Marktschreiber folgte. Verschiedene Verbriefungen und Niederschriften über Haus- und Grundstückskäufe wurden beanstandet und dazu rechtliche Belehrungen erteilt. Beispielsweise war im Jahr 1725 der Bürger Johann Hastreiter „auf die Gandt“ gekommen. Mit Einwilligung seiner „Creditoren“ (Gläubiger) wurden das Haus (Marktstraße 7) und weiteres Vermögen an den Bürgersohn Wolfgang Spät „ex officio“ (von Amts wegen) um 440 Gulden verkauft.  In diesem Fall wurde hart gerügt, dass „die Laudemia (zu entrichtende Gebühren bei Besitzveränderung) oder Kaufrechten nicht eingebracht oder überschrieben“ wurden. Johann Andre Chorherr, Kufnerssohn, hat nach Wien geheiratet. Hinterfragt wurde, ob er das „landesherrschaftliche Freygelt zum Pfleg Gericht Közting entrichtet“ habe. Die Tatsache „unterstehen sich Burgermaister und Rhat, dem Franzen Schmirl, Burger und Gastgebern (heute Gasthof Penzkofer) ainen Consens zue Verschreibung seiner churfrstl. Erbrechts Gütter umb 300 Gulden anlehen zu ertheilen“ wurde nicht gutgeheißen, „da ansonsten die Creditoren (Gläubiger) Schmirls in eine unverantwortliche Gefahr gerieten“.

    Durchgesehen wurden von der Umrittskommission auch die sog. „Inventurbücher“ aus den Jahren 1720 bis 1730. Es war üblich, nach dem Tode eines Bürgers bei Erbstreitigkeiten das gesamte hinterlassene mobile und immobile Vermögen schriftlich aufzunehmen und dann nach rechtlichen Gesichtspunkten unter die Erben zu verteilen. Diese Inventurbücher sind insoweit interessant als sie uns nach Jahrhunderten einen Einblick geben, wie unsere Vorfahren lebten – eine erschöpfend berichtende Quelle über die Wohnkultur unserer Altvordern. Bei dieser Prüfung wurden nur formale Fehler in den Niederschriften beanstandet; aber auch, dass z. B. „der Burgermaister und Rhat, von einer Inventur, und der Verthaillung“ zu hohe Gebühren von den Hinterbliebenen eingefordert hätten. Eine neu aufzustellende „Taxordtnung“ (Gebührensatzung) wurde ernstlich aufgetragen. Letztlich erfolgte noch die Prüfung der sog. Vormundschaftsrechnungen vom Jahr zuvor.

    Karge Löhne für die „Nachtwachter“

    In diesen Prüfberichten werden 40 Jahre später auch die Einkünfte einzelner Marktbediensteter aufgelistet. Mehrere erhaltene Quittungen dafür sind abgelegt unter dem Titel „Verificationen (Belege, bzw. Beweiszettel) zur Kammer Rechnung für den Churfstl. Gränz Bann Markt Eschlkam pro anno 1771“.

    So quittierten im Beisein des „Ehrnvestn, und Wohlweisen Herrn Andreas Meidinger, derzeit Ambtsburgermeister“ am 31. Dezember 1771 die Bürger Johann Sünger und Wolfgang Heislmayr dafür dass sie das ganze Jahr hindurch die „Nachwacht versehen, und die Uhr ausgeruffen den Empfang von 16 Gulden, für jeden 8 Gulden Lohn“. Damals verdiente ein Handwerker (Maurer oder Zimmermann) pro Woche etwa 2 Gulden. Johann Reiser erhielt als Marktdiener für das gleiche Jahr 20 Gulden. Mit eingeschlossen darin waren für ihn 4 Gulden Pfandgeld sowie die umsonst geleisteten Botendienste, ungefähr ½ Meile Wegs (knapp 4 km). Im gleichen Jahr erhielt Franz Anton Schmirl 2 Gulden 28 Kreuzer Reisegeld erstattet, da er als Vertreter der Gemeinde Eschlkam in Kötzting an der Beerdigung des kurfürstlichen Pfleg- und Landgerichtsschreibers Joseph Schultes teilgenommen hatte. Die Petschaft Schmirls im Archivale zeigt einen aufsteigenden Löwen nach links gerichtet. Am 2. März 1774 erhielt Michael Grauvogel, „burgerlicher Chyrurgus“ (damals ein Wundarzt – er praktizierte im ehemaligen Badhaus, Kleinaigner Straße 3) 8 Gulden 48 Kreuzer erstattet für „Pier und Brod“, das er bei „Übergebung“ des Bürgermeisteramtes ausgegeben hatte. Wolfgang Hausladen, Gastgeber (Haus Nr. 21), erhielt am 15. März 2 Gulden 39 Kreuzer für Bier und Brot, was die „Ratsfreunde“ (Markträte), die Viertelmeister (Markträte) und der Ratsdiener verzehrt hatten, als sie in allen Häusern die „Rauchfang Visitation“ (Prüfung der Kamine) vornahmen. Am letzten Tag des Jahres 1774 erhielt der Nachtwächter Andre Fleischmann 2 Gulden „Herbergsgeld“ (Mietzuschuss) ausbezahlt.

    Resumee:

    Auch damals schon, vor nahezu 300 Jahren, geben die hier erwähnten Protokolle einen direkten und ungeschönten Einblick in die Verhältnisse zwischen den Marktbewohnern und der Obrigkeit. Ausführlich lesen wir von den alltäglichen Problemen, den kleinen Differenzen zwischen der geistlichen und weltlichen Obrigkeit, auch von denen der Bürger untereinander – Angelegenheiten, die sich in gleicher oder ähnlicher Art und Weise bis in unsere Zeit stets wiederholen.

     

    Werner Perlinger

  • Bewerbungen um die Marktschreiberstelle im Jahr 1857

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    Eschlkam. Eine zentrale und gehobene Stellung in einer Stadt oder einem Markt hatte über die Zeiten hinweg- wie in unserer Reihe schon mehrfach erwähnt - stets der jeweilige Stadt- oder Marktschreiber, der stets eine für das zu bewältigende Amt ausgerichtete, juristisch orientierte Ausbildung genossen hatte. In heutiger Zeit nennen wir ihn den „geschäftsleitenden Beamten“ einer Gemeinde, ob Stadt oder Markt.

    Seit dem Jahr 1847 versieht als Marktschreiber Joseph Anton Beutlhauser seinen Dienst. Geheiratet hatte er - wie im letzten Beitrag erörtert - im April 1849 Anna Serve, die Tochter des Glashüttenverwalters von Herzogau bei Waldmüchen. Zehn Jahre nach dem Beginn seiner Tätigkeit in Eschlkam kündigte er unerwartet und ohne Angaben von Gründen der Marktführung sein Amt mit Schreiben vom 8. Juli 1857 auf. Darin heißt es: „Verehrlicher Markts-Magistrat, ich zeige demselben hiermit an, daß ich vom Magistrat Eggenfelden als Marktschreiber gewählt und als solcher durch hohe Entschließung der k(öniglichen) Regierung von Niederbayern de dato am 25. Juni bestätigt worden bin.“ Nachdem er bis zum 20. Juli dort antreten solle, bittet Beutlhauser um die Aushändigung eines Zeugnisses über „meine Geschäftstätigkeit und mein moralisches und politisches Verhalten“ in Eschlkam. Der Bürgermeister, seine Markträte und auch die Bürger waren offenbar sehr überrascht, wenn nicht sogar verärgert. Dennoch billigte man den Abgang des scheidenden Beamten. Wahrscheinlich wollte dieser sich finanziell verbessern, nachdem der Markt Eggenfelden unweit Pfarrkirchen an Einwohnern und vorgegebener Infrastruktur weit vor Eschlkam rangierte. 1902 erhielt diese Kommune den Status einer Stadt.

    Als übergeordnete Behörde forderte das Landgericht Kötzting am 21. Juli 1857 Eschlkam auf, dass der somit „erledigte Marktschreiberdienst zur Bewerbung öffentlich (in den öffentlichen Blättern) auszuschreiben ist, indem eine Verleihung ohne diese Ausschreibung unthunlich ist“. Außerdem erhielt die Gemeinde den Auftrag, „wegen Besorgung der currenten (laufenden) Geschäfte ein Provisorium zu treffen“. Dafür war ab 10. August als „Dienstverweser“ für die laufenden Geschäfte der Verwaltung der Marktschreiber Grafenauer aus Neukirchen b. Hl. Blut für monatlich 16 Gulden verpflichtet worden. Am 29. Juli kam die Gemeinde dem Ansuchen nach und informierte künftige Bewerber, dass der Dienst in Eschlkam „mit einem fixen Jahresgehalt von 300 Gulden und freier Wohnung“ verbunden sei. Auch sollten sich nur Bewerber melden, die die ausbildungsmäßigen Voraussetzungen erfüllten.

    Ein charakterfester Mann gesucht

    Außerdem informierte am 19. August 1857 die Gemeinde hinsichtlich künftiger Gehaltsvorstellungen des Nachfolgers von Beutlhauser, dass u.a. die Witwe des ehemaligen Marktschreibers Franz de Paula Pach, Anna, noch lebe und alljährlich als „Alimentation“ (Rente) 65 f (Gulden) aus der Kasse der Marktkammer beziehe „und hierwegen der künftige Marktschreiber keine Leistung haben soll“. Ergänzend erklärte die Kirchenverwaltung, dass „die Schreibergeschäfte der Kirchenverwaltung nur dann dem künftigen Marktschreiber übertragen werden sollen, wenn sich die Kirchenverwaltung die Überzeugung verschafft hat, daß dieser ein charakterfester Mann sei“.  

    Obwohl am nordöstlichsten Bereich von Niederbayern liegend, kamen bereits ab Anfang Juli acht Anfragen um die freie Stelle, sogar bis aus Landshut. Gesuche reichten ein: der Advokatenscribent Pongner aus Kötzting; der Skribent (lat. für Schreiber) P. Reindl aus Landshut, der Schulprovisor Michl Meidinger von Schwarzenberg, der Franz Xaver Vötterl aus Straubing, der Landgerichtsskribent Josef Hartl von Kötzting, der Landgerichtsoberschreiber Joseph Reitinger von Mallersdorf und letztlich noch ein Andreas Neumeier, ebenfalls aus Mallersdorf.

    Unter den Bewerbern wurde vom Magistrat schließlich Joseph Reitinger ausgewählt. Seine vorgelegten Zeugnisse überzeugten, vor allem aber, dass er in der Lage sei, eine Kaution in Höhe von 1000 Gulden zu leisten. Am 13. Februar 1858 bestätigte die Regierung von Niederbayern mit Sitz in Landshut die vom Magistrat und den Gemeindebevollmächtigten getroffene Wahl. Gebilligt wurden auch die 300 Gulden Jahreslohn aus der Gemeindekasse, die Übernahme der Kosten für die jährlich anfallenden Schreibutensilien, auch eine jährliche Vergütung von 8 Gulden für die Beheizung der Amtslokalitäten (hier das Dienst/Schreibzimmer) sowie die freie Wohnung im Rathause. 1 Gulden von damals entsprach im Wert etwa 13 Euro von heute. Zum gering erscheinenden Gehalt sei erklärt, dass damals die täglichen Bedürfnisse weit weniger kosteten als heute.

    Feierlich ins Amt eingeführt

    Im Beisein der Magistratsräte und der Gemeindebevollmächtigten wurde am 30. März 1858 der neue Marktschreiber von Eschlkam, Joseph Reitinger, im Rahmen einer kleinen Feierstunde ausführlich über seine Pflichten und auch über sein künftiges dienstliches Verhalten aufgeklärt, wie z. B. amtliches Stillschweigen. Grundsätzlich verboten waren unbefugte Mitteilungen an Parteien, Privatkorrespondenz in Amtssachen, Annahme von Geschenken und unberechtigte Benutzung amtlicher Notizen und Materialien für öffentliche Schriften etc. Vor allem aber musste er versprechen, nicht an geheimen oder dem Staatszwecke zuwiderlaufenden und vom Staate nicht gebilligten Gesellschaften teilzunehmen. Gemeint ist hier z. B. die geheime Gesellschaft der „Freimaurer“. In dieser Hinsicht wurde Reitinger „gehörig belehret“.

    Drei Punkte umfasste die zu sprechende Eidesformel wie: Treue dem König, Gehorsam dem Gesetze gegenüber und Beobachtung der Staatsverfassung, wie auch der Schwur, dass er „zu keiner geheimen Gesellschaft oder zu irgend einer Verbindung deren Zweck dem Staate unbekannt, von demselben nicht gebilligt, oder dem Interesse des Staates fremd ist, gehöre, noch je in Zukunft gehören werde so wahr mir Gott helfe und sein heiliges Evangelium“. Nach dem abgeleisteten Eid folgte die Stabung, „daß mir die vorstehenden 3-fachen Verpflichtungen umständlich (hier genau) erörtert und genau vorgetragen wurden, bestätige ich hiermit unter dem feierlichst abgelegten Eide durch eigenhändige Unterschrift“, Jos. Reitinger. Somit war Reitinger im Jahr 1858 der neue Marktschreiber von Eschlkam geworden.

     

    Werner Perlinger

  • Marktschreiber Beutlhauser erhält die Heiratserlaubnis – der Zöllner Schifferl nicht

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    Eschlkam. Vom Mittelalter bis weit in das 19. Jahrhundert hinein gestatteten in Städten und Märkten der Magistrat nur demjenigen die Ehe und damit die Gründung einer Familie, der aufgrund von Vermögen oder Einkommen in der Lage war, eine Familie zu unterhalten. Im 18. und 19. Jahrhundert galt die einfache Lohnarbeit mithin nicht als ausreichende Grundlage für eine Ehe, da meist „der Nahrungsstand nicht gesichert sei“, so die häufig amtlich verwendete Sprachformel bei den Ablehnungen. Ehebeschränkungen führten zu einem Anstieg des Heiratsalters und einer größeren Zahl ledig bleibender Männer und Frauen. Deshalb häuften sich die unehelichen Geburten vor allem in der Schicht der Tagelöhner, Knechte und Mägde.  Endlich wurde zum 1. Januar 1876 dank des Reichskanzlers Otto von Bismarck (1871-1890) durch das „Gesetz über die Beurkundung des Personenstands und der Eheschließung“ grundsätzlich die Ehefreiheit eingeführt. Kritik dagegen kam anfänglich aus konservativen und kirchlichen Kreisen. Seitdem führen die Gemeinden, wie die Kirchen bereits seit dem Konzil von Trient ab dem Jahr 1563, die Personenstandsbücher (Geburts-, Ehe-, und Sterbebücher).  

    Wir schreiben das Jahr 1849: Am 31. März stellt der Marktschreiber von Eschlkam, Joseph Anton Beutlhauser, ein Bittgesuch um „Verehelichungsbewilligung mit der herrschaftlichen Verwalterstochter Anna Serve von Herzogau“ betrff. Dazu muss man auch wissen, dass der Schreiber eines Marktes wie Eschlkam in der Regel die einzige Persönlichkeit war, der die Geschäftsführung im Rathaus oblag (siehe letzten Artikel über Marktschreiber Pach). So war er gerade vom vielseitigen Aufgabenbereich her über die Jahrhunderte in einer Gemeinde mit die wichtigste Person. Heute spricht man vom „geschäftsführenden Beamten“ in einem Rathaus. Aber auch diese Person hatte sich bei Belangen bzw. Anträgen in eigener Sache den jeweils dafür geltenden Vorschriften zu unterwerfen. Beutlhauser stellte deshalb folgendes Gesuch: „Zwei Jahre schon versehe ich den hiesigen Marktschreiberposten und habe während dieser Zeit stets meine aufhabenden Pflichten erfüllt, so daß niemand gegen mich auch nur mit der geringsten Klage auftreten kann. Ich bin gesonnen, da ich weiß, daß ich von dem größerern Theile der hiesigen verehrlichen Bürgerschaft gelitten bin, noch mehrere Jahre, vielleicht für immer nemlich bis zu meinem Tode, hier zu verbleiben. Da ich aber des gegenwärtigen Einsiedlerlebens schon ganz überdrüssig bin, so möchte ich mich verehelichen…“. Damit bat er den Magistrat von Eschlkam um die „Bewilligung der Verehelichung“.

    Verehelichung genehmigt

    Die Glashüttenverwalterstochter Anna Serve, wie er seine Braut bezeichnete, „hat zwar nicht viel an Vermögen, aber ist gut und christlich erzogen… mein Gehalt ist gar nicht groß, aber genügend, daß eine Familie sich darob bei einiger Einschränkung ernähren kann und so hoffe ich, daß meiner dießfalligen Bitte auf gnädige Willfährde zu Theil werde“, so der bittende Beutlhauser.

    Die Gemeindebevollmächtigten „ertheilten die Verehelichungsbewilligung“  mit ihrer persönlichen Unterschrift. In diesem Jahr 1849 waren dies (in Klammern die früheren Hausnummern): Simon Moreth (42), Georg Wenisch (15), Joseph Römisch (68), Franz Rötzer (19), Michl Dachauer (6), Joseph Lemberger (37), Andre Plötz (58), Andre Späth (63 oder 45 ½ = wäre Moosbauer) und Joseph Pfeffer (59 oder 65).

    Der Magistrat, bestehend aus dem Bürgermeister Sämmer (44) und den drei Mitgliedern Pfeffer (59 oder 65), Schmirl (41 oder 72) und Pohmann (54), begründete seine Zustimmung wie folgt: „(der) Bittsteller ist seit zwei Jahren dahier als Marktschreiber, erfüllt seine Dienstpflichten genau und pünktlich, das jährliche Gehalt ist so gestellt, daß eine Familie davon sich nähren kann, daher demselben die nachgesuchte Verehelichungsbewilligung ertheilt werden mußte, um so mehr, als auch die Gemeinde und Armenpflege in diese willigt. Magistrat, den 2. April 1849“.

    Vier unmündige Kinder

    Weniger Glück in seinem Bestreben eine Eheerlaubnis vom Magistrat zu erhalten, hatte dagegen der Witwer J(ohann). B(aptist). Schifferl, von Beruf königlicher Unteraufschläger (Erheber der Akzisen, der indirekten Aufwandssteuern, z.B. einer Biersteuer). Am 21. Juni 1855 schilderte Schifferl, ihm sei im vorigen Jahre seine Frau verstorben und er wolle sich nun mit der Bürgerstochter Magdalena Leitermann aus Rötz verheiraten. Er selbst habe als Unteraufschläger, tätig in Regen, ein Jahresgehalt von 500 Gulden und es wäre ihm lieb, wenn seine Kinder wiederum eine Mutter bekämen, da er als Aufschlagsbeamter selten zu Hause sei. Deshalb bat der Beamte den Magistrat seiner Heimatgemeinde, „daß meinem Gesuch gütigst willfahren werde“.

    Interessanter Weise griff der eine Wiederverheiratung doch fördernde Umstand, dass vier unmündige Kinder zu versorgen seien, so möchte man annehmen, beim Marktrat nicht. Vielmehr wiesen die Magistratsräte auf die Tatsache hin, „dass Schifferl als Unteraufschläger nicht in definitiver Eigenschaft (fest) angestellt ist und sich in einem hohen Lebensalter befindet.“ Gerügt wurde auch, dass er keinerlei Privatvermögen besitze, ebenso seine ausersehene Braut aus Rötz. Obwohl er vier unmündige Kinder habe, sei er keinem Unterstützungsverein beigetreten, so dass er später in einer Notlage daraus finanzielle Hilfe hätte erwarten können.

    Der eigentliche Hauptgrund für eine Abweisung war – obwohl königlicher Beamter - sicherlich das nicht feste Arbeitsverhältnis in der Zollbehörde. Stets hatte die Marktführung Angst davor möglicher Armut im Markte Vorschub zu leisten. Ob es Schifferl gelungen ist, später doch noch eine Heiratserlaubnis zu besorgen, kündet uns dieser Akt nicht.

     

    Werner Perlinger

  • Als Franz de Paula Pach sich um die Kirchenschreiberei in Eschlkam bewarb - Vater des bekannten Kunstmalers Alois Bach diente der Gemeinde als Marktschreiber

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    Eschlkam. Ein berühmter Sohn des Marktes Eschlkam ist zweifelsohne der Kunstmaler Alois Bach, ein Zeitgenosse und Freund des weit über die Landesgrenzen hinaus bekannten Carl Spitzweg. Bach (1809-1893) gilt als Genre-, Tier- und Landschaftsmaler. Vor allem bekannt wurde Bach durch seine meisterhaften Pferdeporträts aus dem Marstall des Fürsten Thurn und Taxis in Regensburg oder auch des Prinzen Leopold von Bayern. Er wurde am 12. Dezember 1809 in Eschlkam als Sohn des königlich bayerischen Kommunaladministrators (amtlicherseits eingesetzter Gemeindeverwalter, der die Aufgaben des Bürgermeisters zu übernehmen hatte) Franz de Paula Pach geboren. Damals wurde der Name „Bach“ mit >P< geschrieben. In den nächsten Zeilen wollen wir uns dem Vater des Künstlers widmen, als dieser sich als Marktschreiber um die Stelle eines „Kirchenschreibers“ bewarb:

    In einem Gesuch vom 21. Juli 1806 stellt Franz de Paula Pach an den „Koeniglichen bairischen Administrations Rath der Kirchen und milden Stiftungen unterthänigst und gehorsamst“ die Bitte ihm als Marktschreiber zusätzlich den Posten der Kirchenschreiberei zu geben. Pach begründet sein Anliegen mit dem Hinweis, sein Vater Wolfgang Andrä Pach sei am 7. Juli verstorben und habe „eine Witwe mit 4 unversorgten Kindern“ hinterlassen. Er der älteste Sohn habe keinerlei Vermögen vom Vater zu erhoffen, „wohl aber habe ich ihm meine gegenwärtige Geistesbildung, insoweit es meine gegenwärtigen Berufsgeschäfte erfordern, einzig zu danken“. Pach informiert weiter, dass er seinem lange Zeit krank gewesenen Vater „in seinen Geschäften Aushilfe“ geleistet habe. Zudem diente er längere Zeit beim Stadtgericht in Deggendorf als Schreiber. Darüber legte Pach ein „Attestat“ vor. Fachlich gut gerüstet erhielt er in seinem Heimatort die Marktschreiberstelle. Da mit diesem Posten bisher stets auch die Kirchenschreiberstelle verbunden war, „so sehe ich mich verpflichtet bei dem Königlichen-Kirchen-Administrationsrath um die allergnädigste  Verleihung dieser Kirchenschreiberstelle“ zu bewerben.

    Auch wenn diese Aufgabe mit nur einem geringen Gehalt verbunden ist – „allein wenn man bedenkt, daß die Marktschreibens Bedienstung zu Eschlkam 400 Gulden (pro Jahr) abwirft“, so sei es verständlich „zur Befriedigung der Lebensbedingtniße…nach einem Zuschuß zu trachten“. Letztlich bittet Pach, ihm „diese Kirchenschreiberstelle zu Eschlkam in der Eigenschaft wie selbe mein Vater zu genüßen gehabt“, zu verleihen.

    Die Antwort des „Königlichen Administrations Rath“ in München erfolgte sehr bald. Bereits am 25. Juli schrieb diese für kirchliche Angelegenheiten in Bayern höchste Stelle an das königliche Rentamt in Kötzting als Unterbehörde, „daß bereits unterm 9. Dezember 1803 (…) auf eintretende Sterbefälle gedachter Kirchenschreiber dieser Platz nicht mehr ersetzt werden sollte“. Zudem wies die Behörde das Rentamt in Kötzting an, die „sohin bezogenen Gratialien und Addition vom heurigen Etatsjahr 1805/06 einzuziehen und dies mit „dem einschlägigen Pfarrer zu besorgen“.

    Säkularisation der Kirchengüter

    Der Leser wird sich nun fragen wieso damals amtlicherseits mit einer solchen Härte verfahren wurde. Sie erklärt sich aus der Säkularisation der Kirche und ihre Güter im Jahre 1803. Dazu folgendes: Unter den zahlreichen reformerischen Maßnahmen, die der damalige bayerische Innenminister Maximilian Graf von Montgelas (Amtszeit 1799-1817) durchführte, ragte die Säkularisation heraus, das heißt die Beseitigung der staatlichen Herrschaft kirchlicher Würdenträger sowie die Verstaatlichung und Enteignung von Kirchengut – eine für die damalige Kirche schwerwiegende Maßnahme, die seit ihrem Inkrafttreten am meisten der Kritik ausgesetzt war, ja und auch heute noch ist. Vorangegangen waren die Nationalisierung allen Kirchenguts in Frankreich durch die Revolution im Jahr 1789, in Österreich Endes des 18. Jahrhunderts die Aufhebung von allein 700 Klöstern durch Kaiser Joseph II. aus dem Hause Habsburg.

    In Bayern erfolgte sie aufgrund eines Reichsgesetzes, nämlich des „Reichsdeputationshauptschlusses“ vom 25. Februar 1803. Im Reichsdeputationshauptschluss wurde festgesetzt, dass die weltlichen Fürsten für ihre linksrheinischen Gebietsverluste an Frankreich abgefunden werden sollten. Dies geschah durch Säkularisation kirchlicher sowie durch Mediatisierung (Auflösung) kleinerer weltlicher Herrschaften bisheriger Reichsstände rechts des Rheins.

    Pach ein Opfer der Reform

    Bayern wurde gründlich säkularisiert. Viel wertvolles Kulturgut ging dabei leider verloren, geistige Zentren wurden zerstört. Der Staat wollte daraus finanziellen Gewinn ziehen, was aber im Großen und Ganzen gründlich misslang.  Bei uns blieb lediglich das Kloster Neukirchen b. Hl. Blut davon verschont, denn es wurde landesweit als sog. „Absterbekloster“ für nun heimatlose Franziskanermönche ausersehen.

    Der eigentliche Beweggrund für die Säkularisation bei uns war aber der, dass die Kirche seit Jahrhunderten eigentlich ein Staat im Staate war. So besaßen um 1800 in Bayern die Klöster mehr als die Hälfte des Bodens. 56 % der Bauern zahlten ihre Steuern an kirchliche Einrichtungen. Das wollte man unbedingt abschaffen. An diese Steuergelder wollte man ran.

    Im Falle der Kirchenschreiberei in Eschlkam bedeutete dies, dass künftig nur das Rentamt in Kötzting diese Dienste leisten solle. Aber der nunmehrige Marktschreiber Franz de Paula Pach, Vater des oben genannten Kunstmalers, gab nicht auf. Am 2. September schreibt er erneut an die oberste Kirchenverwaltung in München. Die abschlägige Antwort sei für ihn „äußerst niederschlagend“ und er begründet einen erneuten Vorstoß in einzelnen Punkten damit, dass „ein Kirchenschreiber in loco aus nachstehenden Ursachen unumgänglich nothwendig ist“. So zählt Pach auf, die Ortskirche habe viele ausstehende Kapitalien zu verwalten, ebenso die Aufsicht über den vorgegebenen beträchtlichen Zehent, außerdem habe der jeweilige Kirchenprobst (Kirchenpfleger) nie die für die Verwaltung des Kirchengutes nötigen Kenntnisse, ebenso erkenne er nicht die Probleme, die bei „Baufällen“ (Baumaßnahmen) der Kirche entstünden. Pach führt noch weitere persönliche Gründe an, wie dass er zudem für „unversorgte Brüder“ aufkommen müsse, wobei einer sich „in Studiis“ befinde. Doch die Antwort aus München war eindeutig, nämlich dass „der Bittsteller wiederholter abgewiesen werde“. Somit war auch die „Kirchenschreiberei“, in Eschlkam bisher erledigt vom Marktschreiber,  für die nächste  Zeit beseitigt.

     

    Werner Perlinger

  • Die Kommunalgebäude - eine Beschreibung aus dem Jahr 1809

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    Eschlkam. Die kommunalen Einrichtungen bildeten seit jeher im Markt die Anlaufstelle der Bürger. Hier wurden Anliegen der Bürger angehört und bearbeitet, Entscheidungen über Angelegenheiten des Marktes vom Marktrat getroffen und letztlich auch die Finanzen der Kommune verwaltet. Zentrales Gebäude dafür war und ist auch heute noch das Rathaus. Erhalten hat sich im Archiv ein Bericht über den Zustand dieses Gebäudes und seine Einrichtungen in napoleonischer Zeit, also vor gut 200 Jahren. Es heißt da:

    „Das  Rathaus ist eingädig gemauert (d.h. nur das Erdgeschoß, darüber der obere Stock als hölzerner Blockbau) und mit einem Dachstuhl von Legschindeln versehen. Zu ebener Erde wohnt der königliche Kommunaladministrator und im oberen Stock ist das „Rathsessionszimmer“ (Sitzungsraum der Markträte) nebst einem Gewölbe zu der Registratur, welch oberes Stockwerk nach mehreren allergnädigsten Kreiskommissariats Entschließungen provisorisch, bis ein Schulhaus hergestellt sein wird, gegenwärtig benützt werden darf; hingegen den schulpflichtigen Gemeinden obliegt, für das Lokal der Schule und Wohnung des Schullehrers zu haften und keineswegs das Kommunalvermögen geschmälert werden darf“. (Grundlage dazu bildete die alle Gemeinden bindende Verordnung des Kurfürsten Max IV. in Bayern vom 23. Dezember 1802, wonach die allgemeine Schulpflicht im Lande zwingend eingeführt wurde). Anbei befindet sich ein kleiner Stadel und (eine) Stallung nebst einem sehr kleinen Höfl“. Der Wert dieses öffentlichen Gebäudes wurde mit 800 Gulden bewertet.

    Das Markt, oder Amtsdienerhaus (früher Nr. 62): Dieses ist durchaus gezimmert (Waldlerhaus) und mit einer sehr kleinen Stallung und Scheune versehen samt den dabei befindlichen Haus- und Wurzgärtchen ad (zu) 1/16 Tagwerk. Die Anlage wurde mit 100 Gulden bewertet.

    (Die) „Fleischbank, und Brodhaus“: (Die Einrichtungen) liegen zwischen dem Rathaus (Nr. 33) und des Wolfgang Stauber(s) Uhrmacherwohnung (Nr. 22); ist gemauert mit 2 Fleischbänken und mit einer Dachung von Legschindeln versehen. An Pachtschilling zahlen die Metzger im Jahr 9 Gulden; die Bäcker vom Brothaus 4 Gulden. Diese Einrichtungen wurden auch mit 100 Gulden bewertet.

    Das „Hirtenhaus (Nr. 49-auch Armenhaus) ist gezimmert und hat auch ein sehr kleines Hausgärtchen ad 1/16 Tagwerk“; insgesamt geschätzt auf 150 Gulden.

    Als Gesamtwert errechnet sich der Wert allein der kommunalen Gebäude in Eschlkam auf 1050 Gulden.

    Unter den sog. „Dienstwiesen“ (für den Unterhalt gegeben an die Marktbediensteten) sind aufgeführt ein „Wiesel, zweimähdig beim Oelbrunn, benutzt solches der Schullehrer und ist ½ Tagwerk groß“, geschätzt auf 35 Gulden. „Ein Wiesel in der Paint (Point) wird auch vom Schullehrer benützt, nur ¼ Tagwerk haltig“, Wert 15 Gulden

    Letztendlich erwähnt ist die „Nutzwiese des Wasenmeisters“, gelegen am Chambfluss, ebenfalls nur ¼ Tagwerk groß; Wert 15 Gulden. Der Wasenmeister übte den Beruf des Abdeckers aus. Er beseitigte die „gefallenen“ (zu Tode gekommenen) Haustiere indem er sie weit ab von der nächsten Siedlung begrub.

    Die Endabrechnung ergab schließlich für den immobilen Besitz der Gemeinde den Betrag von 1115 Gulden. In dieser Zeit kostete ein Schaff (Scheffel zu 222 Liter) Korn 20 Gulden, die gleiche Menge Weizen 24 Gulden, ein Kalb 7 Gulden. Der Tageslohn für einen Zimmermann betrug ca. 20 Kreuzer (60 Kreuzer ein Gulden).

     

    Mit zu den wichtigsten Tätigkeiten der Marktverwaltung gehörte die notarielle Beurkundung von Hausübergaben, niedergeschrieben und somit der Nachwelt erhalten geblieben in sog. Briefprotokollen. Ein Beispiel sei angeführt: 

    Übergabe eines „Burger Heusl“

    Am 7. Januar 1722 traf Maria, Witwe des ehemaligen Müllers und Ratsherrn Johann Lärnbecher von der „Bäckermühle“ eine notarielle Verfügung. „Auf geleisteten Beistand“ durch den Ratsherrn Georg Denzl übergibt sie ihrer Tochter Maria das „bisher ruhig ingehabt, genuzt und genossene Burgers Heusl am Schloßgraben, gleich neben dem Markhts Rhathaus entlegen“. Von der Lagebeschreibung her war es das jetzige Anwesen „Textilwaren Brey“, Waldschmidtplatz 1. Sie hatte dieses kleine Anwesen am 4. Februar 1707 „durch Kauf an sich gebracht“. Der Schätzwert von nur 35 Gulden erscheint gering, auch wenn es sich nur um ein „Heusl“ handelte. Jedoch war mit der Übergabe eine wichtige Bedingung verknüpft dergestalt, dass die neue Eigentümerin, hier die leibliche Tochter, ihre Mutter als die Übergeberin, ob gesund oder und krank, „mit aller Notdurft versehe, sie nach ihren Absterben christcatholischen Gebrauch nach zur Erden bestattigen lassen wolle und solle“. Zeugen dieses Vertrages waren der Schuhmacher Hans Hastreiter und der „Peck“ Hans Vogl, „beede Burger alhier“.  Diese Vereinbarungen stellen einen frühen Modus einer sog. >Leibrente< dar. Die Müllerswitwe wollte sich mit dieser so getroffenen Vereinbarung bis zum Lebensende absichern.

     

    Werner Perlinger

  • Die Polizeibehörde – einiges aus ihrem Aufgabenbereich im 19. Jahrhundert

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    Eschlkam. Im Bereich des Marktes und der bürgerlichen Gründe besaß der Marktrat auch die Polizeihoheit. Daher hatte er stets energisch gegen Trunkenbolde, Spieler und auch gegen Personen vorzugehen, die es mit der Moral nicht genau nahmen. Es sei ein besonderer Fall erörtert, der vor 180 Jahren seine Kreise bis in die Landeshauptstadt München zog.

    Eschlkam, gelegen an der „Kommercialstraße“ (Handelsstraße) nach Klattau, war von 1834 bis 1854 deshalb Sitz eines Hauptzollamtes und damit lebten Zollbeamte im Markt und verrichteten ihren Dienst. So waren im Jahr 1842 die Marktbehörde und das Landgericht Kötzting mit einer Hauptzollamtsassistentsgattin namens Anna Dörr in strafrechtlicher Hinsicht beschäftigt. Diese Frau hatte zwei Jahre zuvor, 1840, den Vorgesetzten ihres Mannes, den Zolloberkontrolleur von Eschlkam, Joseph Dürr, als dieser an ihrer Wohnung vorbeiging, vom offenen Fenster herab übel beschimpft und ihn einen „schlechten Kerl und Spitzbuben“ geheißen. Es kam zur Anzeige und die Dörr erhielt wegen dieser Beschimpfung „24 stündigen Arrest, welche Strafe dieselbe auch schon erstanden (abgesessen) hat“. Wahrscheinlich wurde sie einen Tag im Rathaus in einer eigens dafür geschaffenen Arrestzelle „verwahrt“. Dies erklärt, warum die Dörr Jahre später, auch wegen gemachter Schulden, amtlich als eine Person mit „zweifelhaften Ruf“ angesehen wurde. Bei dem an und für sich noch geringfügigen Vergehen der Beleidigung blieb es aber nicht.

    Deshalb sei ein pikanter Fall geschildert, den Jahre später die Marktführung zu bearbeiten hatte: Es handelte sich um den „verdächtigen Umgang des Sebastian Würz von Eschlkam mit der Hauptzollamtsassistentengattin Doerr von da“. Unter dem Titel „Mießiggang“ betreff. brachte die ansässige Gendarmeriestation am 14. Juli 1847 bei der Marktbehörde zur Anzeige, dass der ledige Totengräbersohn Sebastian Würz, dienst- und beschäftigungslos, sich bei seinen mittellosen Eltern aufhalte und „sich mit der nicht im besten Rufe stehenden Zollamtsassistentengattin Anna Dörr auf eine bereits auffallende Art herumtreibt.“ Allein schon aus der Sorge für arbeitsscheue Personen später einmal aufkommen zu müssen, handelte die Marktbehörde unter Bürgermeister Anton Sämmer sofort und lud den Sebastian Würz am 17. Juli vor.

    Keinen „Umgang“ gehabt

    Dieser aber brachte zu seiner Entlastung hinsichtlich des vorgeworfenen Müßiggangs vor, dass er „durch Uhrrichten, Musik, Malen einen schönen Verdienst habe und sich dadurch hinlänglich ernähren könne“. Bezüglich des „Umgangs mit der Anna Dörr“ betonte er, „daß ich mit dieser Person keinen Umgang habe“, sondern seine Besuche in der Wohnung nur dem Beamten Dörr gelten würden. Er sei diesem besonders „verbindlich, weil er mir versprochen, daß er für mich Sorge tragen werde und er mich in einer Kanzlei als Schreiber oder sonst wie unterbringen will“.

    Der Marktrat ließ sich jedoch nicht beirren und schenkte seinen Ausführungen bezüglich seines Verhältnisses zu der Frau Dörr keinen Glauben. Die Ratsherren verfügten, dass Würz „bei Vermeidung der Ausschaffung (hier Ausweisung) aus dem Markt Eschlkam den Umgang mit dieser Frau aufgebe“. Das Gremium beließ es mit dieser eindringlichen Warnung und belegte Würz lediglich mit einem „Verweis“. Als relevanter Grund wurde angegeben: „Es ist aber auch notorisch (hier: offenkundig), daß er mit der Anna Dörr einen vertrauten Umgang gepflegt hat“. Deshalb wurde ihm unter Berufung auf einschlägige gesetzliche Vorgaben, stammend noch vom 21. Januar 1763 und 7. November 1787 „der Umgang mit dieser Person untersagt und verboten“. Zur verhängten Strafe gehörte auch die Auflage die „Protokolltaxe“ des Marktes in Höhe von 36 Kreuzer und 17 Kreuzer als „Anzeigengebühr“ für die Gendarmerie zu entrichten. Zur Sache nicht vernommen wurde der offenbar doch „gehörnte Beamte“, wie wir sehen werden.

    Musisch begabt

    Dagegen wurde für Würz positiv erkannt, dass er mit „Musikmachen, Malen, Uhrrichten und sehr viele mechanische Arbeiten, worauf er sich gut versteht, einen schönen Verdienst hat“ und er somit seinem alten Vater nicht zur Last falle. Die Totengräberfamilie Würz wohnte damals am Friedhofseingang unmittelbar neben dem Kobel in Anwesen Nr. 29. Heute befinden sich dort die WC-Anlagen für die Kirch- und Friedhofsbesucher.

    Zum Schluss wurde der Totengräbersohn noch belehrt, er könne gegen diesen Entscheid bei der königlichen Regierung von Niederbayern, Kammer des Innern, innerhalb von acht Tagen Berufung einlegen. Diese Möglichkeit nutzte Würz sicher nicht, denn am 24. August 1847 stellte ihm der Marktrat ein sehr positives Leumundszeugnis aus. Beantragt hatte er dieses, da er sich um eine „Thurnerstelle“ (als Türmer) bewarb. Es wurde bezeugt, „daß er während seines ununterbrochenen Hierseins sich immer mit Musik beschäftigte und als erster Violinspieler auf dem hiesigen Kirchenchor bedienstet war; auch pflege er eine gute Aufführung“. Ob sein beruflicher Wunsch in Erfüllung ging, kann nicht gesagt werden. Laut Aussage eines Kopulationsattests (Heiratsurkunde) vom 3. Oktober 1857 hatte Würz gut zehn Jahre später die Tochter des Bräumeisters vom Kommunebrauhaus, Katharina Stauber. Soviel vorerst abschließend zur Person des musikalisch begabten Totengräbersohnes.

     

    Interessant für den Leser ist der weitere Verlauf der Angelegenheit, die Person Anna Dörr betreffend:

    Am 27. Juli 1847 erfahren wir, dass der Ehemann Franz Seraph Dörr genau an dem Tag, als die Vernehmung des Würz stattfand, am 17. Juli verstorben ist. Da dieser, so die Akte, „nicht definitiv“ angestellt war, hatte die Witwe keinen Anspruch auf eine Pension. „Zum Behufe der Erlangung eines Gnadengehalts von der königlichen Generalzolldienstadministration“ erbat nun die Witwe Dörr von der Marktführung ein Leumundszeugnis, was sie auch erhielt.

    Im Attestatenbuch (eigentlich ein Kopularbuch mit Abschriften von ausgestellten Urkunden) von 1846/47 findet sich im Marktarchiv abschriftlich das Zeugnis. Demnach attestierte die Marktbehörde am 27. Juli 1847, „daß sie sich durch ihr Betragen, welches sie seit einigen Jahren an den Tag legte, nicht das beste Lob erwarb, daß sie schon einige Male polizeilich abgestraft wurde und namentlich auch nach höchsten Erkenntnissen der K(öniglichen) Regierung von Niederbayern, Kammer des Innern, vom 8. Mai vorigen Jahres wegen verschiedener Angelegenheiten in Untersuchung war, deswegen gestraft und ihr Name öffentlich bekannt gemacht wurde. Übrigens steht sie auch wegen leichtfertiger Schuldenmacherei in üblen Rufe“.

    Mit diesem Inhalt verständlicherweise äußerst unzufrieden, „kam sie im größten Sturm auf das Rathaus, schimpfte arg. Dessen nicht genug, besuchte sie den Bürgermeister in seiner Wohnung und warf dort das Zeugnis - zerrissen in mehrere Stücke – diesem vor die Füße“. Daraufhin beschlossen der Bürgermeister Sämmer und sein Marktrat, die Dörr, „da sie wegen leichtsinniger Schuldenmacherei im üblen Ruf stehe, und weil sie sich öfters gegen den Magistrat Rohheiten erlaubte, sich binnen drei Tagen aus dem Markt zu entfernen“.

    Der Bürgermeister und seine Markträte hatten wohl Angst vor diesem Weibe, denn am 31. Juli baten sie die hiesige Gendarmeriestation um Hilfe bei der „Ablieferung in ihren Heimatorth Amberg, da diese als gefährliche Person bekannt ist und sich daher bei der Arretierung durch einen Landwehrmann voraussichtlich widersetzen würde“. Der Landrichter in Kötzting lehnte das Gesuch um „Gendarmerie Assistenz“(Hilfe) mit dem Hinweis ab, dass „der Magistrat mit dem nöthigen Polizei Dienstpersonal selbst versehen ist“. Vielmehr missbilligte die vorgesetzte Behörde das Abschiebeverfahren gegen die Dörr, da seit dem Tode ihres Mannes erst wenige Wochen verflossen seien und die Dörr „nach eigener Versicherung ohnedies demnächst Eschlkam verlassen wird“, so dass eine „Zwangseinschreitung durch Ablieferung“ sich erübrige.

    Eine Urkundenfälschung?

    Wenig später jedoch muss die Ausweisung aus Eschlkam erfolgt sein, denn vier Wochen später, am 1. September 1847, wandte sich die königliche Polizeidirektion der Haupt- und Residenzstadt München an die Marktbehörde, die Dörr befinde sich derzeit in München und habe ein Führungszeugnis übergeben, worin der Markt Eschlkam ihr „ein Zeugniß über ausgezeichnet gute Aufführung“ ausgestellt habe. Um die Echtheit des Führungszeugnisses prüfen zu können, bat die Direktion die Gemeinde ihr ausgestelltes Zeugnis „gütigst übersenden zu wollen“. Die Angelegenheit zog sich über Jahre weiter hin. So wird am 10. September 1857 geschildert, dass obiger Sebastian Würz und Simon Spät von Eschlkam für den 3. November 1854 zu einer Schwurgerichtsverhandlung in München vorgeladen wurden. Beide reisten daher bereits am 27. Oktober um 5 Uhr früh ab um München rechtzeitig zu erreichen. Wenige Stunden später, um 8 Uhr, erreichte den Markt die Nachricht, dass die Verhandlung auf den 9. November vertagt worden sei. Es war daher für die Marktbehörde „unumgänglich nothwenig“, einen Boten eilends nachzuschicken, um die Prozessbeteiligten von der Terminänderung zu benachrichtigen. Daraufhin wurde dem Würz und dem Späth ein „Zeugnis ausgefertigt, daß sie die Reise bis Straubing und zurück umsonst gemacht haben“, so der Bericht an das Landgericht in Kötzting. Über den weiteren Verlauf und den Ausgang dieser gerade für die Anna Dörr schwierigen prozessualen Situation in München fehlen die archivischen Unterlagen. Jedenfalls wird die Dörr eine ihr zustehende Strafe erhalten haben.

     

    Werner Perlinger

  • Vor 140 Jahren für treue und gute Arbeit im öffentlichen Dienst belohnt

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    Eschlkam. „Die Verleihung einer allerhöchsten Auszeichnung an Gemeindediener Franz Pinzinger in Eschlkam“, so beginnt ein Schreiben, datiert vom 26. Juli 1880, des damaligen kgl. Bezirksamtmanns Möhrl (heute wäre das der Landrat) vom Landgericht Kötzting an den Herrn Bürgermeister von Eschlkam. „Seine Majestät der König (damals Ludwig II.) haben laut höchster Entschließung des kgl. Staatsministeriums des Innern am 21. Juli geruht, dem Gemeindediener Franz Pinzinger zu Eschlkam in allerhuldvollster Berücksichtigung der von demselben der Marktsgemeinde Eschlkam seit fünfzig Jahren mit Treue und Eifer geleisteten Dienste die Ehrenmünze des Ludwigsordens allergnädigst zu verleihen.“ Diese Ehrenmünze war für Personen niederen Ranges bestimmt, die zum Zeitpunkt der Stiftung ihr 50-jähriges Dienstjubiläum bereits erreicht hatten. Dieser Umstand traf für Pinzinger zu.

    Zugleich wurde die Marktführung beauftragt, „Veranstaltung zu treffen, daß die Aushändigung der Ehrenmünze in würdiger und feierlicher Weise stattfinden kann. Ich werde zu diesem Zwecke am Samstag, den 31. des l(aufenden) Monats nachmittags 3 Uhr in Eschlkam eintreffen, um dem Jubilar eigenhändig im Namen und Auftrage seiner Majestät, unseres allergnädigsten Königs, die ihm allerhuldvollst verliehene Auszeichnung an die Brust zu heften.“ Über diesen Akt musste der Bürgermeister „den Vorstand der Pfarrei, sowie die Mitglieder der gemeindlichen Collegien und die Bürgerschaft selbst geeignet informieren“, so die strikte Anweisung des Bezirksamtmanns.

    Viele Ehrengäste

    Erhalten dazu ist im Marktarchiv eine Niederschrift über den Hergang des für den Gemeindiener Pinzinger eigens abgehaltenen Festaktes. So wurde im „hiesigen Rathhaussaale“ im Beisein vieler Ehrengäste das Ehrenzeichen, die „Ehrenmünze des Ludwigsordens“ dem Franz Pinzinger „an die Brust geheftet und ihm das Brevet (Urkunde der Verleihung) über die Ordensverleihung ausgehändigt“, da er in der „Marktgemeinde Eschlkam seit fünfzig Jahren mit Treue und Eifer“ die Aufgaben als Marktdiener versehen hatte. Der Ehrung wohnten bei der damalige Ortspfarrer Johann Baptist Braun (er stand der Pfarrei von 1877-1897 vor), Bürgermeister Franz Pfeffer („Hoamater“ von Waldschmidtstraße 8), der Gemeindeausschuss, die „Gendarmeriemannschaft von hier“, dann die „Grenzwachmannschaft von Großaign, die Herren Lehrer der Pfarrei Eschlkam sowie eine große Anzahl an Bürgern und Angehörigen des Marktes Eschlkam und der benachbarten Gemeinden“.

    „Nach einer feierlichen Ansprache an den Jubilar und die Versammelten wurde die Feierlichkeit beendet mit einem dreifachen Hoch auf seine Majestät unseren allergnädigsten König“, so der im nüchternen Stile der damaligen Amtssprache verfasste Bericht über die große Feier für Franz Pinzinger, wo dieser wohl das erste Mal in seinem Leben öffentlich ganz im Mittelpunkte stand.

    Dem Bruder nachgefolgt

    Interessant ist es zu erfahren wie Pinzinger 50 Jahre zuvor in dieses Amt gekommen ist. Erhalten dazu hat sich in Abschrift ein Protokoll vom 11. Juni 1830. Es informiert, dass „der den 20. August 1825 auf Ableben seines Vaters als Magistratsdiener aufgenommene Baptist Pinzinger bereits vor 8 Tagen verstorben ist“. Wenige Tage später bat die Mutter die Marktführung, allein schon ihrer sieben unmündigen Kinder wegen, nun den Bruder des Baptist, Franz, dieses Amt zu verleihen. Der damalige Bürgermeister Schreiner („Hoamater“ von Marktstraße 11) und seine Markträte kamen - allein schon um einen Sozialfall in der Gemeinde zu vermeiden - der inständigen Bitte gerne nach und übertrugen die so plötzlich freigewordene Stelle an den späteren Jubilar, damals erst 2o Jahre alt.  

    100 Gulden Jahresgehalt

    Franz Pinzinger erhielt als Marktdiener 100 Gulden Jahresgehalt bei freier Wohnung im Marktdienerhäusl, Großaignerstraße 5. Mit diesem Geld musste er aber auch seine Mutter mit den „minderjährigen Geschwistern“ versorgen, für den jungen Pinzinger gewiss keine leichte Aufgabe. Und so wurde er am 11. Juni 1830 in die Pflicht genommen.

    Die zu bewältigenden Aufgaben eines Gemeinde- oder Marktdieners waren vielfältig. So musste dieser in der Gemeinde die Ausführung der gegenüber der Bürgerschaft jeweils erlassenen Gesetze und Anordnungen der Verwaltung überwachen. Dazu gehörte auch die mündliche Verbreitung amtlicher Bekanntmachungen sowie bei jedem Wetter die Überbringung von amtlichen Schreiben oder sonstigen Verwaltungsschriftstücken zu den Bürgern. Ein Gemeindediener führte in der Regel eine Glocke oder Schelle mit sich, um bei den Bekanntmachungen und Ausrufen vorher auf sich aufmerksam zu machen. Gerade und allein schon wegen dieser vielerlei Funktionen war der Gemeindediener allerorten eine allgemein anerkannte Persönlichkeit.

    Das Markt-, oder Amtsdienerhaus in Eschlkam war im Jahr 1809 „durchaus gezimmert (Waldlerhaus) und mit einer sehr kleinen Stallung und Scheune versehen samt den dabei befindlichen Haus- und Wurzgärtchen ad (zu) 1/16 Tagwerk“. Die Anlage war damals mit 100 Gulden bewertet. 1848 bereits wollte die Gemeinde das mittlerweile marode gewordene Haus versteigern. Es fand sich aber kein Käufer. Der jeweilige Marktdiener und seine Familie mussten mit dem alten und räumlich sehr beengten Bau weiterhin vorlieb nehmen.  

     

    Werner Perlinger

  • War ein Giftanschlag gegen den Pfarrer geplant?

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    Eschlkam. Wir befinden uns in der Mitte des 19. Jahrhunderts, genauer gesagt im Jahr 1853. Im Pfarrhof und auch in der Gemeinde herrscht im September große Aufregung. War ein Attentat gegen den geistlichen Herrn geplant, fragen sich die Marktbürger. Und es erfährt der hochlöbliche Magistrat, dass auf einer Wiese, die als „Widum“ zum Ökonomiepfarrhof gehörte und so der damals amtierende Pfarrer Karl Pittinger nutzen durfte, über das Gras, das täglich zum Füttern gemäht wird, das Pulver Arsen ausgestreut worden sei. Der Begriff „Widum“ bedeutet Witwengabe, oder wie in unserem Fall die Pfarrpfründe insgesamt, in Eschlkam der Haus- und Grundbesitz für den Unterhalt des jeweiligen Pfarrherrn.  

    Doch zurück zum Arsen. Dieser Stoff in Pulverform galt gerade im 19. und noch im 20. Jahrhundert bis in unsere Zeit herein als ein beliebtes Mittel für einen hinterhältig geplanten Mordanschlag mittels Gift. Noch dazu war das Arsen damals sehr leicht zu beschaffen. Auslöser dieser schwerwiegenden Vermutung war, dass ein großer Teil der besagten Wiese sich dem Betrachter durchgehend mit einem feinen weißen Staub bedeckt zeigte, daneben ebenso betroffen auch ein „großer Fleck“, der nicht zu landwirtschaftlichen Gründen der Pfarrei zählte. Die Begutachter der Wiese, das waren Pfarrer Pittinger und Vertreter des Magistrats, glaubten am 9. September, in dem Staub auf dem Gras das Gift Arsen zu erkennen.

    Höhere Behörde eingeschaltet

    Davon erfuhr einige Tage später das Landgericht Kötzting als höchste justizielle Behörde für den Bereich Hohenbogen-Winkel. Sofort erging der Befehl, das bestaubte Gras abzuschneiden und Proben davon an die Behörde zur weiteren fachlich kriminologisch ausgerichteten Untersuchung zu senden. Damit betreten wir den Bereich der Forensik - das Gebiet für wissenschaftliche und technische Arbeitsgebiete, in denen kriminelle Handlungen systematisch untersucht werden, denn Arsen war im 19. Jahrhundert als ein gerne benütztes Mordgift berüchtigt. Jahrhundertelang ließ sich Arsen chemisch nicht nachweisen. Noch um 1840 waren 90 bis 95 Prozent aller Giftmorde auf den Einsatz dieses Giftes zurückzuführen. Dazu nur ein Beispiel aus der Nachbarstadt Furth:

    Am 7. Dezember 1835 wurde Kunigunde Korherr, Binderswitwe aus Furth, wegen eines Verbrechens des Giftmordes in Cham auf der „Köpfstatt“ im Bereich des heutigen Galgenberges „mit einem einzigen zweckmäßig geführten Hieb“ mit dem Schwert von dem aus Straubing beigezogenen Scharfrichter Joseph Zangl hingerichtet. Ihr Verbrechen war, dass sie ihren Schwiegersohn Andreas Oberberger, mit dem sie häufig im Streit lag, am Ostersonntag, den 19. April des gleichen Jahres mit Arsen vorsätzlich ermordet hatte.   

    Allein von dem damaligen Wissen um einzelne Arsenmorde, die in dieser Zeit hin und wieder vorkamen, ist die Angst und Sorge Pfarrer Karl Pittingers zu verstehen. Ein arglistiger Feind plane, so vermutete er, zumindest das Futtergras für das Vieh seiner Pfarrökonomie zu vergiften. Pittinger wusste auch, dass er in der Pfarrei - er stand ihr von 1843-1859 vor - aufgrund seines manchmal sehr angespannten Verhältnisses mit dem Marktrat nicht nur Freunde hatte.

    Behördliche Anweisungen erteilt

    Der Amtsarzt des Landgerichts Kötzting, Dr. Müller, gab nun am 14. September die strikte Anweisung vorerst Sicherheitsmaßnahmen durchzuführen. So sei das mit dem weißen Staub bedeckte Gelände gründlich umzugraben, ein Stangenzaun herum zu errichten und Warnzeichen aufzustellen. Zugleich wurde angeordnet, in dieser Sache das Personal des Ökonomiepfarrhofes zu vernehmen. Befragt wurden der Großknecht Peter Obermeyer, die Großdirn Theres Kiefl und die Pfarrersköchin Barbara Adam. Ihre Aussagen überliefert uns der Akt jedoch nicht.

    Einige Tage verstrichen und am 23. September konnte nach eingehender chemischer Untersuchung der eingeschickten Substanz der Königliche Landrichter Kraus an den Magistrat von Eschlkam entwarnend berichten, dass auf die der Widumswiese benachbarten Grasfläche lediglich fein gemahlener Kalk zur Düngung ausgestreut worden sei und nicht das gefürchtete Gift Arsen. Offenbar hatte der Wind den pulverisierten Kalk auf die Wiese des Pfarrers geweht. Kalk ist nicht nur ein wichtiger Pflanzennährstoff, sondern auch ein unverzichtbarer Bodendünger, was viele Bauern im Hohenbogen-Winkel damals wahrscheinlich noch nicht wussten. 

    Dem Pfarrer Pittinger und auch den anderen damit befassten Personen dürfte ein großer Stein vom Herzen gefallen sein. Trotzdem: man hätte nur den angrenzenden Nachbar als den wohl eigentlichen Verursacher fragen müssen, und es hätte die ganze Aufregung und die geschilderten Abläufe erst gar nicht gebraucht.

     

    Werner Perlinger    

  • Eine Lateinschule für Eschlkam?

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    Wir schreiben das Jahr 1829. Da erreichte am 30. Mai 1829 den Markt ein Schreiben der Regierung des Unterdonaukreises mit der Anfrage, ob es möglich wäre im Markt eine Lateinschule zu errichten. Lateinschule (lateinische Schule), seit dem ausgehenden Mittelalter jede gelehrte Schule, deren Hauptlehrfach und Unterrichtssprache das Lateinische war. Bis zur Säkularisation im Jahre 1803 fanden sich in Bayern diese Schulen hauptsächlich in den zahlreichen Klöstern. Als diese aufgelöst waren wurde der Mangel solcher Einrichtungen allzu offenkundig. Die Stadt Cham besaß seit dem 16. Jahrhunderte eine Lateinschule. Auch in Neukirchen b. Hl. Blut existierte im Franziskanerkloster eine solche Anstalt hauptsächlich als Vorbereitungseinrichtung für einen folgenden Gymnasialbesuch. Es war König Ludwig I. - er regierte von 1825-1848 - der nicht nur manche seit 1803 säkularisierten Klöster wieder reaktivierte, wie z. B. in den Jahren 1830 Metten und 1838 das wittelsbachische Hauskloster Scheyern, sondern auch die Entstehung von Lehranstalten wie die Lateinschulen auf breiter Ebene förderte.

    Es war der 30. Mai 1829, da erreichte vom Landgericht Kötzting aus den Markt ein Rundschreiben der Regierung des Unterdonaukreises, ausgestellt in Passau, ob in diesem Fall in Eschlkam eine lateinische Schule von drei, zwei oder wenigstens einem Kurse errichtet und fundiert werden könne. Dafür habe die damit zu beglückende Gemeinde ein „angemessenes Lokal hierfür auszuwählen sowie die Mittel, wodurch der Gehalt der Lehrer und die nothwendigen Kosten auf Unterhaltung des Gebäudes“, sicher bereit zu stellen. Außerdem habe der Magistrat über die Vorteile zu informieren, die eine solche Einrichtung gerade auch in einer kleineren Marktgemeinde für die Bürger mit sich bringe. Unterschrieben hat diesen Rundbrief der Regierung der (Staats)sekretär Sartorius.

    Die Eschlkamer Bevölkerung wurde über diese Pläne der Regierung informiert und bereits am 11. Juli verfasste der Marktschreiber ein zur Sache ausführliches Protokoll. Es ist „aufgenommen worden in Versammlung der gesamten Bürgerschaft des Marktes Eschelkam bey Ablesung des erschienen neuen Studienplanes lediglich wegen Errichtung lateinischer Schulen in Städten und Märkten“. Vom Gemeinderat waren anwesend: Bürgermeister Schmirl und die Markträte Michael Kaufmann, Anton Riederer, Georg Schreiner und  als Marktschreiber Wolfgang Pach. Hinsichtlich der auf den Markt zukommenden Kosten, sollte sich eine solche Bildungseinrichtung etablieren, wurden die Bürger ausführlich unterrichtet.

    Der erste Punkt der Stellungnahme lautet: „Allein, wiewohl der Nutzen und Vortheil in mehrfacher Beziehung darin zu ersehen ist, so kann man hierorts dennoch nicht sofort den Gebrauch machen eine lateinische Schule zu errichten, weil es hiesigen aus 78 Häusern bestehenden Marktes an (dafür) nachzuweisenden Mitteln gebricht und an und für sich schon zu unkräftig und schwach ist“ (wirtschaftlich einfach unmöglich eine solche Einrichtung zu finanzieren). Dieses Protokoll unterzeichneten eigenhändig folgende Bürger: Joseph Weber, Joseph Schneider, Michael Maidinger, Joseph Pfeffer, Ignatz Koller, Joseph Römisch, Wolfgang Korher, Joseph Fleischmann, Jakob Fischer, Franz Leuthermann und Joseph Scheppel.

    Am gleichen Tag noch, den 11. Juli, schickte der Marktmagistrat von Eschlkam an das Landgericht Kötzting die sich wiederholende protokollarische Erklärung „mit dem Anfügen, dass man hierorts zu unkräftig und schwach ist, eine solche (gemeint ist die Lateinschule) errichten zu können“.

    Dazu sei angemerkt, dass der Markt erst einige Jahre zuvor, das „Metzger-Florehaus“ (Nr. 24 - heute Waldschmidtstraße 1) angekauft und es zum ersten regulären Schulhaus eingerichtet hatte. Eine neue Einrichtung wie eine Lateinschule hätte andererseits aber für den Markt als zentral gelegener Ort im Hohenbogen-Winkel eine erhebliche Aufwertung bedeutet. Allein die Möglichkeit scheiterte daran, dass die mit dieser weiteren Schuleinrichtung entstehende zwangsläufig neue ökonomische Situation den Markt und seine Bürger schlicht überfordert hätte.

    Eigentlich tat sich in solchen Angelegenheiten der damalige Staat leicht. Ohne entsprechende finanzielle Hilfen in Form von geeigneten Zuschüssen animiert er Städte und Märkte wegen der bildungspolitischen Folgen, entstanden durch die Aufhebung der Klöster ab dem Jahr 1803, die Bildung im Lande zu forcieren und anzuheben. Andererseits sei festgestellt, dass der damalige bayerische Staathaushalt stets in Engpässen verharrte, da neben den vielen allgemein zu erledigenden Aufgaben die vom König ohne Rücksichtnahme auf die Belange der Bevölkerung initiierten Prachtbauten in der Landeshauptstadt und nicht zuletzt die meist aufwendige Hofhaltung der wittelsbachischen Regenten das vorgegebene Haushaltbudget stets gar arg belasteten.

     

    Werner Perlinger

  • Als der Zollbeamte Adalbert Schmidt von Eschlkam sich auf Freiersfüßen befand

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    Dem Vater von „Waldschmidt“ wurde die Heiratserlaubnis zunächst nicht gewährt.

    Es ist kaum zu glauben, dass der Zollbeamte in gehobenen Dienst, Adalbert Schmidt, in Eschlkam, seinem Dienst- und Wohnort, vom Marktrat – das sind die jeweils im Amte seienden Gemeindebevollmächtigen – erhebliche Probleme bereitet wurden, regulär eine Ehe eingehen zu können.

    Wir schreiben das Jahr 1828: Am 19. Oktober wendet sich der königliche Zollbeamte Schmidt an den Magistrat mit dem Hinweis, er habe am 29. August  um die „Verehelichung Licenz“ mit der hiesigen Bäckerstochter Katharina Kilger (damals Haus Nr. 58 – nun Blumengasse 2) nachgesucht, was am 1. September auch bewilligt worden war. „Nachdem es aber der Katharina Kilger gefallen hat“, so Schmidt, „diese eingeleitete und sehr mit gediehenen Heuraths-Angelegenheit gänzlich zu annullieren, so ist der Unterzeichnete hierdurch veranlasst den hochlöblichen Magistrat um gefälligen Aufschluss zu bitten, ob die ihm  mit der obgenannten Katharina Kilger ertheilten Heurats Licenz auch dan(n) geltend gemacht werden könne, wenn der Unterzeichnete ein anderes nicht aus Eschlkam gebürtiges Frauenzimmer zu ehelichen Absicht hätte, oder ob für einen solchen Fall eine besondere Licenz erforderlich wäre. Einer bald gefälligen Rückäußerung sieht entgegen, der mit aller Hochachtung bestehende  K(önigliche) Zollbeamte Schmidt.“

    In der Biographie des berühmten Sohnes von Schmidt, dem Schriftsteller Maximilian Schmidt, wird der Vater Adalbert als Zollinspektor geführt. Er war also in führender Position am damaligen Zollamte in Eschlkam beschäftigt.

    Der Marktrat reagierte auf das Ersuchen des ortsansässigen Zollbeamten erstaunlicher Weise nicht. Schmidt wandte sich deshalb am 13. Januar 1829 erneut an den Magistrat zunächst mit dem Hinweis, zwölf Wochen seien bereits verstrichen, „ohne daß ich über meine Anfrage ein Resultat erhielt“. Er bat erneut um Antwort und ergänzte, „daß mein gegenwärtiger Heuraths Gegenstand Fräulein Caroline Karg (sei) die Tochter eines verstorbenen Fürst Kemptischen Hofraths und bayerischen Kasten(Steuer) Beamten gleichen Namens ist (Johann Jakob von Karg, Hof- und Kabinettsrat).“ Schmidt führt noch an, dass die Braut nicht ohne Vermögen sei und „ein gebildetes Frauenzimmer mit dem besten Leumuth (Leunmund) versehen“ sei.

    Schmidt bittet die anfänglich schon erklärte Heiratsbewilligung auch für „meine gegenwärtige Braut gültig zu erklären“, u.a. auch deswegen weil „Staatsbedienstete einer Gemeinde nie zur Last fallen, daher der Magistrat in dieser Beziehung nichts zu befürchten hat, und die Ertheilung der Heuraths Licenz für k(önigliche) Beamte blos als eine gesetzliche Formalität zu betrachten ist.“

    Sollte der Magistrat einen Entschluss fassen, so Schmidt weiter, bittet er bei einer abschlägigen Antwort um deren Begründung. Auch mahnt der Zollbeamte dass Heiratsanfragen „nach allerhöchster Bestimmung längstens binnen 6 Wochen erledigt werden müßen, und ich gegen diese höchste Anordnung schon 12 Wochen von dem löblichen Magistrat in meiner Sache hingehalten wurde, die schon längst im Reinen sein könnte.“

    Erst am 4. Februar, drei Wochen später, antwortete der Magistrat des Königlich baierischen Marktes Eschlkam mit dem Hinweis, „daß, nachdem die Gemeindebevollmächtigen hirzu nicht gut gesagt (zugestimmt) haben, (der) Bittsteller mit seinem Gesuche abgewiesen sey.“ Eine Begründung dafür lieferte die Marktbehörde nicht. Und damit endet der Akt.

    Man stelle sich die Situation in Eschlkam vor: Einmal die aus welchen Gründen auch immer nicht zustande gekommene Ehe mit einer ortsansässigen Bürgerstochter. Der Beamte Schmidt, der in Zollangelegenheiten oft mit der Marktbehörde zu tun hatte und dazu die Bewohnerschaft, die wohl gerne mehr Hintergründiges in einer solchen Angelegenheit erfahren hätte. Die Gerüchteküche war wohl am Brodeln. Dennoch nahm die Angelegenheit ein offenbar gutes Ende. Der Zollinspektor Adalbert Schmidt heiratete Caroline Karg, aber, so die Auskunft der Ehematrikel, nicht in Eschlkam. Nachdem sich die Lage beruhigt hatte, erblickte drei Jahre später am 25. Februar 1832 Maximlian Schmidt, der spätere gefeierte Literat, genannt „Waldschmidt“, das Licht der Welt.

     

    Werner Perlinger

  • Der Handelsmann Karl Müller - sein Schicksal in Eschlkam und in Furth im Wald

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    „Polizeiliche Untersuchung gegen die Schreinerstochter Anna Maria Kaufmann von Eschlkam wegen öffentlicher Beschimpfung des Handelsmannes Karl Müller“, so lautet der Titel eines Aktes im Gemeindearchiv von Eschlkam, datiert auf das Jahr 1854.

    Was war geschehen: 1839, am 6. April erwarb Karl Müller, amtlich bezeichnet als „ein Mensch von besten Leumunde“ und geboren als Brauersohn 1818 in Egg, Pfarrei Böbrach, Landgericht Viechtach, durch „Gandtkauf“ um 4000 Gulden das Bürger- und Krameranwesen der Johann Pöschl’schen Eheleute (Nr. 25, heute Waldschmidtplatz 8) mit den dazugehörigen landwirtschaftlichen Gründen. Vor der Familie Pöschl war Besitzer Josef Breu. Müller war Neubürger und hatte es in den nächsten Jahren in seiner Eigenschaft wohl nicht leicht als Krämer vor allem aber auch als Mensch mit den Marktbürgern zurecht zu kommen. Er scheint sich Feinde geschaffen zu haben: So habe im Mai des Jahres 1854 die ledige Tischlerstochter Anna Maria Kaufmann im Markte das Gerücht „ausgestreut, daß der Krämer Karl Müller von hier in der Prozeßsache des H. Pfarrers Karl Pittinger gegen Katharina Schmirl wegen greller Beschimpfung, in welcher Müller als Zeuge kürzlich beim kgl. Landgericht Kötzting vernommen worden ist, einen falschen Eid deshalb abgelegt habe, weil er, Müller, in seiner Vernehmung angegeben, daß er den H. Pfarrer Pittinger einmal abends um ½ 10 Uhr auch im Kaufmann’schen Hause dahier gesehen habe.“ Es ging also um zwei für eine Gemeinde, wo jeder jeden kennt, sehr brisante Angelegenheiten die schnell Thema des allgemeinen Tratsches wurden: Einmal um Meineid, dann vielleicht auch um ein „verdächtiges Verhalten“ des damaligen Ortspfarrers Pittinger in einem Privathause.

    Müller saß irgendwie in der Klemme. Er klagte beim Vermittlungsamte des Marktes gegen die Kaufmann wegen „Ehrenbeleidigung“. Ein anberaumter „Vergleich“ (Sühneversuch) im Rathause scheiterte, da die Kaufmann „nicht nur nicht zu einem Widerrufe zu bewegen war, sondern fest behauptete, daß Karl Müller in der oben erwähnten Prozeßsache (des Pfarrers Pittinger gegen Katharina Schmirl) einen falschen Eid abgelegt habe….“ Da dem Müller, seinen Mitbürgern und vor allem dem Magistrat „alles daran gelegen ist, daß der Bürger, Gemeindebevollmächtigte und Kirchenpfleger Karl Müller von der großen Beschuldigung des Meineides offiziell gereinigt werde“, wurde die Angelegenheit an das Landgericht Kötzting weiter geleitet mit der Bitte, eine strafrechtliche Untersuchung „einleiten zu wollen“.

    Die Sache kam ins Rollen. Auf Anfrage des hohen Gerichts meldete der Markt, dass die Kaufmann „auf dem Waschplatze zunächst der Penzkofer Mühle in Gegenwart mehrerer Wäscherinnen am Bach der Magd des Müller, Helene Hornik, ohne eine Veranlassung zugerufen habe, „sage es deinem Dienstherrn, daß er und Herr Pater Capistran (vielleicht aus Neukirchen b. Hl. Blut beigezogen) falsch geschworen haben …“. Auch der Vater der Kaufmann, Schreinermeister Michael Kaufmann, soll im Gastraum des Wirtschaftspächters Kolbeck unter Anwesenden geäußert haben, dass Müller, „der schlechteste Kerl zu Eschlkam ist, weil er falsch geschworen habe“. Das Landgericht forderte am 20. Juli von der Marktführung hinsichtlich der Kaufmanns ein „genaues und umfängliches Leumunds- und Vermögenszeugnis“.

    Der Akt des Marktarchives endet unvermittelt am 3. März 1855 mit der Vorladung des Schreinermeisters Michael Kaufmann und seiner Tochter vor das „Appellationsgericht“ in Kötzting. Wie die Sache für Müller vor dem Landgericht in Kötzting ausgegangen ist, vermittelt uns der Akt nicht.

    Karl Müller verkaufte laut Brief am 29. Januar 1858 sein Anwesen an Joseph Lackerbauer und verließ noch im gleichen Jahr mit seiner Familie Eschlkam und nahm seinen Wohnsitz in der Stadt Furth im Hause Bayplatz 4 (heute Raiffeisenbank), wo er ebenfalls eine Krämerei mit Gasthaus betrieb.

    Aber auch hier konnte sich Müller auf Dauer nicht halten: 1863, am 29. Juni zerstörte ein großer Brand völlig die östliche Hälfte der Stadt vom Gasthof „zum Bay“ hinauf bis zur Bahnbrücke. Wohl aufgrund der vergangenen Vorfälle in Eschlkam und Querelen mit einem seiner Nachbarn wurde er der Legung u.a. auch des großen Stadtbrandes verdächtigt. Der angrenzende Nachbar, der Müller Simon Eberl beschuldigte Müller einen späteren Brand am 27. Oktober 1863 in dessen Anwesen gelegt zu haben. In den Sammlungen des Staatsarchivs Amberg hat sich das Urteil gegen Karl Müller erhalten. Demnach erkannte am 24. Januar 1865 das königliche Bezirksgericht Neunburg vorm Wald in Sachen Karl Müller, Wirt von Furth wegen Brandstiftung zu Recht: „Karl Müller, katholisch, 46 Jahre alt, verheirateter Gastwirt von Furth, ist schuldig des Vergehens einer (einmaligen) strafbaren Bedrohung (die Anklage beinhaltete zunächst drei Vergehen gefährlicher Bedrohung  durch Auslegung von drei Branddrohbriefen), verübt an den Bewohnern der Stadt Furth und wird mit Gefängnis von einem Jahre und sechs Monaten bestraft.“ Ein Motiv für die Abfassung eines Brandbriefes war, dass Müller wegen ständiger Auseinandersetzungen mit seinem Nachbarn, dem Müller Eberl, Angst schüren und sich auf diese Weise rächen wollte. Vom Vorwurf der vorsätzlichen Brandstiftung, vor allem der Legung des Stadtbrandes im Jahr 1863 und anderer folgender Brände, das sei an dieser Stelle ausdrücklich betont, wurde Karl Müller freigesprochen. Müller verstarb am 16. Juli 1878 in der Grenzstadt in Anwesen Stadtplatz 3.

     

    Werner Perlinger

  • Ein Großbrand in Eschlkam im Jahr 1852

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    In der Nacht vom 16. auf den 17. Mai 1852 suchte den Markt ein Großbrand heim. Betroffen davon waren die Anwesen des Joseph Neumaier (Gasthof Penzkofer) und des Georg Leitermann (Miethaner). Durch das Feuer vernichtet wurden dabei nicht nur einzelne Wirtschaftsgebäude; vielmehr waren auch die Wohngebäude sehr stark in Mitleidenschaft gezogen, wie es einzelne Akteninhalte uns offenbaren.

    Gerade wegen damals neuerer baulicher Auflagen der Regierung und den damit verbundenen weit höher als vorgesehen entstehenden Kosten gestaltete sich der Wiederaufbau für Neumaier mehr als schwierig. Dazu kam, dass der Schadensersatz von der Landesversicherungsanstalt mangels Vertragsinhalte mit dem Brandleider nicht in dem Maße geleistet werden konnte wie es wegen der von der Genehmigungsbehörde angeordneten Auflagen zunächst nötig gewesen wäre. Daher stellte der Gastwirt Joseph Neumaier als Brandleider am 12. Juli 1852 im völligen Einvernehmen mit der Marktbehörde an die Königliche Regierung von Niederbayern, hier an die Kammer des Innern, ein „Baudispensationsgesuch“ (Befreiung von Bauvorschriften). Auf 19 eng beschriebenen Seiten, verfasst in Anwesenheit des Bürgermeisters Moreth vom damaligen Marktschreiber Joseph Anton Beutlhauser, lässt Neumaier, der gegen die baurechtliche Vorgaben „Berufung“ eingelegt hatte, seine durch den Brand schlimme wirtschaftliche Lage erklären, um so von einzelnen Bauauflagen befreit zu werden. Inhaltlich erfahren wir so, dass um die Mitte des 19. Jahrhunderts das Wohnhaus und die Stallung gemauert, das Wohnhaus mit Schneidschindeln gedeckt, der Stall mit Legschindeln und der Stadel „durchaus von Holz erbaut und mit einer Dachung von Legschindel versehen“ waren.

    Dazu: die älteste Schindelform ist die Legschindel. Sie wurde einfach auf die Lattung gelegt und zur Befestigung mit Stangen und Steinen beschwert. Eine Spalt- oder Schneidschindel wird hergestellt, indem eine Rohschindel von einem geraden, feinwüchsigen und astfreien Holzblock mittels Schindelmesser und Schlägel abgespalten und mit dem (Reif)messer auf der „Heinzelbank“ nachbearbeitet wird.

    Neumaier wollte dann den Stadel „von Stein erbauen“ und den Viehstall mit Legschindeln wieder eindecken. Das Wohngebäude versprach er „mandatsmäßig herzustellen“(entsprechend den amtlichen Vorgaben). Seine Berufung gründete er auf seine nunmehrige ökonomische „Unvermögenheit zur besseren Bauausführung“ und vor allem auf den Umstand, dass „in hiesiger Gegend großer Mangel an Ziegelmaterial ist“. Dennoch sollte er die Dächer sämtlicher Wirtschaftsgebäude gleich dem Wohnhause mit Ziegeln eindecken, da er auch im Besitze eines Ziegelofens sei. Zunächst listet er seine Vermögensverhältnisse auf. So sei sein Anwesen 13.000 f (Gulden) und das in Schwarzenberg 10.000 f wert. Dagegen stünden Hypothekenschulden in Höhe von 14.000 f und die Currentschulden (laufende Schulden) betragen 3.000 f. Dagegen waren seine Immobilien aber nur mit 800 f versichert, „weil das uralte Gemäuer des Gasthauses größtentheils nur mit Lehm und Bruchsteinen aufgeführt war“. Gar nicht versichert waren bei der Landesversicherungsanstalt seine „Mobiliarschaft“. So betrachtet war Neumaier insgesamt gesehen enorm unterversichert.

    Möbel mussten neu angeschafft werden, ebenso die Einrichtung seiner Gästezimmer. Auch gingen die Kleider und die Wäsche gänzlich verloren, „bis auf das einzige Hemd, welches ich (während des Brandes) am Leibe trug“. Neumeier erklärt auch, dass seine große Ökonomie – dazu gehört auch die Einöde Kuchelhof, von wo er im Jahr 1839 nach Eschlkam zog und sich dort einkaufte - auf Grund des rauhen Klimas bei weitem nicht die Erträge bringe, um damit auch nur einigermaßen die kommenden Kosten des Wiederaufbaus zu tragen. Völlig ungeeignet für die Herstellung der nötigen Dachtaschen sei auch der von seiner Kapazität her erwähnte Ziegelofen: Straubing sei für den Bezug von Dachziegeln zu weit (18 Stunden Transportzeit). Von der Stadt Taus habe er wohl für das Wohnhaus mehrere tausend Dachtaschen erhalten. Aber wegen des kürzlichen Großbrandes in Neumarkt (Vseruby) – 34 Häuser gingen dabei zugrunde – könne Taus nicht mehr nach Bayern liefern. Ebenso spricht Neumaier den Mangel an geeigneten Kalk an. Vier Maurer habe er für den Wiederaufbau des Wohnhauses beschäftigt, aber mangels Kalk sei er gezwungen, den Weiterbau einzustellen, da er aus Kötzting und von den Helmhöfen (bei Rittsteig) wegen der allgemeinen großen Nachfrage keinen Kalk mehr bekäme. Allein zur Bedachung seiner Ökonomiegebäude würde er 80.000 Stück Ziegelplatten brauchen, was ihm allein 1240 f kosten würde. Müsste er streng nach den vorgegebenen amtlichen Richtlinien die niedergebrannten Gebäude wieder herstellen, „wäre es mir nicht möglich, dieses große Opfer zu bringen: ich wäre gezwungen, Haus und Hof und alles zu verlassen und dann als Bettler abziehen“, so Neumaier abschließend.

    Uneingeschränkt unterstützt von der Marktführung erhielt er am 22. August 1852 schließlich die gewünschte, teilweise „Baudispensation“. Er durfte seine Ökonomiegebäude, bestehend „in Stadel, Stallung und Schupfe“ im Gegensatz zum Wohn- und Gasthaus aufgrund seiner durch den Großbrand verursachten angespannten finanziellen Lage nun doch mit „Legschindeln decken, daß jedoch der Stadel und Stall mit Feuermauern und die Schupfe mit einer Giebelmauer versehen werden“.

    Stark mitgenommen vom Brande war auch sein Nachbar Georg Leitermann. Das Wohnhaus war nur im Erdgeschoß gemauert. Den ersten Stock bildete ein herkömmlicher Blockbau aus Holz. Für seine Wirtschaftsgebäude – der Stadel war gezimmert und mit Schneidschindeln gedeckt - musste er wegen der jeweils nahe angrenzenden Nachbarsgebäude verschiedentlich sog. Brandmauern hochziehen.

    Mit den heute üblichen, damals jedoch als sehr streng erachteten neuen Vorschriften, vor allem für die Eindeckung der Dächer, wollte die Landesregierung aufgrund der vielerorts anzutreffenden Holzbauweise immer wiederkehrende Großbrände ein für alle Mal verhindern. Bestes Beispiel dafür wie verhängnisvoll geschindelte Dächer sein können, bietet die Stadt Furth: Am 29. Juni 1863 brannte die ganze Osthälfte der Stadt nieder. Nur zwei Gebäude blieben verschont, da sie bereits eine Ziegeldachung hatten. Es waren dies das 1862 erbaute Amtsgericht und das Bürgerhaus Mondscheinstraße 1.

     

    Werner Perlinger

  • Als einst in Eschlkam Recht gesprochen wurde

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    Aus den Rats- und Verhörsprotokollen von 1685 und 1687

    Im Archiv des Marktes Eschlkam finden sich unter den älteren Vorgängen neben den Kammerrechnungen auch Rats- und Verhörsprotokolle. Es ist ein reichhaltiger Fundus, der uns teils sehr anschaulich das Leben der Bürger im Markt vor über 300 Jahren vor Augen führt.

    Das älteste Protokoll des Marktes, in dem die Thematik und der Verlauf von Ratssitzungen verzeichnet sind, stellt sich dem Leser als ein dicker in Schweinsleder gebundener Foliant vor, der die Niederschriften mehrerer Jahre beinhaltet. Das erste Protokoll über eine Ratssitzung datiert vom 25. Juni 1683. Die innere Titelseite trägt den Hinweis: Deß Churfürstlichen Marckts Eschlchmab angefangen den 25. Juni anno 1683. Die Eintragungen enden mit der Ratssitzung vom 12. Dezember 1695.

    Aus diesem Fundus mit insgesamt 381 Doppelseiten seien an dieser Stelle einige Inhalte vorgestellt, um so in das Leben der Marktbürger und die Alltagsprobleme vor über 300 Jahren einen Einblick zu erhalten. Wir wollen zunächst einige Vorgänge aus dem Jahr 1685 vorstellen. In der neuen Ortsgeschichte vom Jahr 2010 war das Jahr 1686 gewählt worden.

    Der Sitzung vom 5. Juli 1685 standen vor der „Ambts Burger Maister“ Wolf(gang) Stephl, Wolf Sighart Altmann und Andre Hastreiter des Inneren Rats; dann Valentin Haidlfinger, Hans Fleischmann, Wolf Späth, der Jüngere und Peter Oswaldt als Mitglieder des Äußeren Rats. 

    Ein Thema unter vielen war die „Abstrafffung mit dem Stockh im Markhthaus“. Demnach hatte Stephan Mauser, „Baader Jung“ (Lehrling), gegenüber dem Wundarzt von Viechtach, Joachim Jung „unzimbliche Röden (Beleidigungen) ausgesprengt“. Dafür wurde er zur Strafe zu 12 Stunden in den Stock „condemnirt“ (bestraft). Demnach wurde der Sträfling meist von 12 Uhr mittags bis 6 Uhr abends in den Stock gespannt. Der Stock war entweder im Rathause selbst oder öffentlich davor auf Marktgrund aufgestellt. Jeder, der vorbeikam, konnte so den mit Füßen und Händen jeweils zwischen zwei Balkenriegeln eingespannten Delinquenten hänseln und verspotten.

     

    Bildtext: Diese Stockstrafe, wo ein oder gleichzeitig mehrere Delinquenten öffentlich in den „Stock“ gespannt waren, wurde in allen Kommunen, die über die >Niedere Gerichtsbarkeit< verfügten, in der Regel bei Ahndung von Beleidigungen und Raufhändeln angewendet. Vor den Verurteilten steht das Gericht mit dem Richter, der eben das Urteil verkündet und begründet. Als Symbol für Gerechtigkeit, aber auch als Zeichen für den Eintritt der Rechtskraft hält er ein großes Schwert in seiner rechten Hand.

     

     

     

     

     

    (Bildnachweis: Gefangene im Stock, aus Tenglers Laienspiegel, 15. Jahrhundert)

     

    Ein neuer Kelch für den Gottesdienst

    Auf Bitten des Pfarrers beschloss der Marktrat für das „St. Jakobi Gottshaus weillen solches zur Ehr Gottes geraicht“, für 30 bis 36 Gulden einen silbernen Kelch anfertigen zu lassen, der dann vergoldet wurde. Da im Dreißigjährigen Krieg, vor allem im Jahr 1634, Eschlkam von den Schweden gar arg heimgesucht worden war, konnte nun 50 Jahre später erst diese Investition für die Kirche getätigt werden.  

    Im gleichen Jahr erhielt Hans Zilkher, Schuster und Inwohner, die Erlaubnis auf einer vorhandenen „Prantstatt“ (Brandstätte wohl noch vom Schwedenkrieg her) eine bürgerliche Behausung zu erbauen. Die endgültige Genehmigung zog sich jedoch noch eine gewisse Zeit hin.

    Rüge für Lehrer Wilhelm Hager

    Dem Lehrer wird vorgeworfen, er verrichte seinen Schuldienst sehr nachlässig, so dass die Jugend „mit Lesen und Schreiben schlechtlich, mit dem Rechnen gar nit unterwissen worden“. Abhilfe wurde gefordert. In den Jahren 1670 und 1681 ist in Furth als „Schulmaister und Organist“ ein Ignatius Hager nachweisbar. Beide werden wohl zueinander verwandt gewesen sein, vielleicht waren sie sogar Brüder.

    Zwei Jahre später, in der Sitzung vom 13. Januar 1687 fordern die Kufner Wolf Korherr und Georg Harpfinger in ihrer Eigenschaft als Viertelmeister, dass Andre Hastreiter als Bürgermeister sein „Schuehmacher Handtwerch würklich“ aufgebe. Widrigenfalls wolle die gesamte Bürgerschaft es dem Bürgermeister und den Markträten überlassen, ob sie Hastreiter ohne Verrichtung des Bürgermeisteramtes noch im sog. Innern Rat (die Geschworenen) belassen wollen. Hastreiter bittet, sein Handwerk erst in einem Vierteljahr aufgeben zu dürfen. Daher ersuchte er den bisherigen Bürgermeister Wolf Sighart Altmann (Besitzer eines Hoametrhofes-heute Penzkofer) bis dahin das Amt zu versehen.

    Der „Schüzenmaister“ (der Name ist nicht genannt; Ausbilder für die Mitglieder der Grenzfahne am Ort) fordert, dass die Bürger Hans Hastreiter, Schuhmacher; Peter Lährnbecher, Weißbäcker; Wolf Zilkher, Schneider und Peter Thirankh, Weißbäcker obrigkeitlich angehalten werden, an den Schießübungen teilzunehmen. Es war damals hinreichend bekannt, dass die Bürger gerne oft die Exerzierstunden versäumten. Georg Vaist bittet, dass ihm zu seinem „Hauswurzgarten“ (Gemüsegarten) „noch ain Örtl (kleine Fläche) auf Gemainen Markhts Grundt“ gegeben werde. Nach vorgenommen Augenschein durch die Markträte wurde seine Bitte genehmigt.

    Wiederaufnahme des „Preumaisters“

    Hainrich Spätt, Bürger und Prauner Preumaister (im Kommunebrauhaus), bittet den Marktrat ihm künftig den „Preudienst widerumben zuüberlassen“. Die Bürgerschaft selbst hatte aber vorbringen lassen, dass sie aufgrund zahlreich eingegangener Beschwerden mit ihm „gar übel zufriden seint“. Nach längerer Aussprache dazu wurde er dann (wohl mangels geeigneten Ersatzes) doch wieder mit der Bierherstellung im Kommunebrauhaus beauftragt.

    Am 27. August 1687 wurde der Inwohner Hans Vogl sechs Stunden im „Markhthaus condemniert“ (eingesperrt - Gefängnisraum im Rathaus), da „er sich fräventlich understandten“ ein Mutterschwein unter die „Herdt zetreiben“; auch hat er ein Schwein im Markt herumlaufen lassen. Außerdem wird ihm klar erklärt, dass er als Inwohner (nur Mieter – kein Hausbesitzer) kein Schwein austreiben dürfe.

    Den „Würthen und Pierzäpflern“ (Inhaber der Taferngerechtsame) wird bei einer Strafe von 2 Reichstalern verboten, die Gäste noch nach 9 Uhr nachts – „er möge sein wehr er wolle“ – „zächen“ zu lassen. Ausgenommen wurden nur „Landtraisstige“ (durchreisende Personen).

     

    Am 12. Dezember 1687 klagt der Inwohner Wolf(gang) Vogl den Bürger und Hufschmied Georg Altmann an, dieser habe sein „Söhnl auf dem veldt ohne gegebne Ursach mit ainen Stekhen dergestalten tractiert, das der Bueb als principal (nahezu gänzlich) ganz verschwollen gewesen“. Nach längerer Beweisaufnahme wurde Altmann, da er dem Buben „ainen Straich über den Kopf zuegefüget“ und es ihm nicht gebührt „selbst aigener Richter zu sein“ von 12 bis 4 Uhr im Rathaus eingesperrt.

    Das sind nur einige Fälle, mit denen sich der Marktrat als Gerichtsbehörde zu befassen und dann abzuurteilen hatte.

     

    Werner Perlinger

  • Die erneute Übergabe des „Schmirl“-Anwesens in Eschlkam

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    Als „Austrägler“ mit der Kutsche gerne unterwegs

    Berichteten wir im letzten Beitrag über den Besitzerwechsel des derzeitigen Gasthofes „zur Post“ im Jahr 1747, so stand gut 25 Jahre später erneut die „Übergab“ der gleichen „burgerlichen Gastgeber Behausung“ der Familie Schmirl an, seit 1955 im Besitz der Familie Penzkofer.

    Aus dem Übergabevertrag lesen wir:
    So übergeben „der Edl Veste und Wohlweise Herr Frantz Antoni Schmirl Burgermaister alhir zu Eschlkam“ und seine Frau Anna Maria am 10. Mai 1776 unter Beistandsleistung von Michael Grauvogl, „burgerlichen Baadern“, ihre am 6. Februar 1747 durch „obrigkeitlichen Ankonfts Titl an sye (sich) gebrachte … burgerliche Gastgebs Behausung“ ihrer „geliebten eheleiblichen Jungfrauen Tochter Maria Anna, noch ledig“. Genannt wird auch deren künftiger Ehemann Josef Weber, Sohn des Wolfgang Weber, „gewesten Bauern am Sternberg (der nach 1946 abgegangene große Sternhof bei Rothenbaum), Cameral Unterthan in Böhmen“ (steuerlich zur böhmischen Hofkammer in Prag gehörig).

    Weiter sind in der Niederschrift des Briefprotokolls aufgeführt die Stallung, Stadel, Wurz- und Grasgarten, Felder und Wiesengründe; ferner 4 Zugpferde, 24 Stück Rindvieh – „außer es ergebete sich eine sonderheitliche Vieh Seuche, welches Gott gnädlich verhindern wolle“. Zur Übergabe zählten noch zwei „Schweins Mütter“ (Muttersauen), 2 Dutzend zinnerne Teller, 1 Dutzend gleiche Schüsseln, „3 Gastbetter“ (für die Übernachtung von Reisenden) samt übrigen „Haus- und Paumanns Vahrnuß“ (häusliches Mobiliar und landwirtschaftliche Gerätschaften).

    Erinnern wir uns unter welchen finanziellen Schwierigkeiten Franz Anton Schmirl den Besitz seiner Eltern im Jahr 1747 übernehmen musste, so kann bei jetziger Übergabe festgestellt werden, dass Schmirl in den knapp 30 Jahren überaus gut gewirtschaftet hatte. Der Wert der gesamten Immobilie mit Zubehör wurde nun auf stolze 8000 Gulden geschätzt. „Siglzeugen“ dieses Vertrages waren die Bürger des Marktes Thomas Stauber, Uhrmacher und Stefan Hastreiter, Schmied von Eschlkam.

    Am gleichen Tag, dem 10. Mai, wurde für das Ehepaar Schmirl auch ein „Ausnahms Brief hierauf“ ausgefertigt. Darin versprach das junge Ehepaar den Schwiegereltern „ad dies vitae“ (zeitlebens) nachfolgenden Austrag: 

    1. Den Bau einer „Ausnahmswohnung“ (entweder musste für die übergebenden Eltern im vorhandenen Hauskomplex als Altenteil eine Wohnung neu eingerichtet oder gar ein eigenes Ausnahmshaus erworben oder gebaut werden).
    2. An Getreide 4 Ell (1 Ell oder „oel“ entsprach als Getreidemaß ½ Scheffel=111 Liter oder ca. 1,5 Zentner) Weizen, 10 Ell Korn, 2 Ell Gerste, 6 Ell „Habern“ und 2 Viertl (= 1 Metzen=ca. 35 Liter) „Arbes“ (Erbsen)
    3. Jährlich 36 Köpf (1Köpf=3/4 Liter) Schmalz, an Milch vom 1. Mai an bis Jakobi täglich 2 „Maaß“ und von Jakobi bis wiederum 1. Mai täglich 1 Maß, und zwar vom „Stahl aus“ (frisch gemolken); ferner an Kraut 5 Schock (1 Schock=60 Stück) „Hauel“ (wohl Häupel); von beiden Gattungen Rüben 2 Ell, also 4; dann 4 Ell „Erdapfl“, 12 „Bischl Spän“ (Kienspäne für die Beleuchtung) und 15 Klafter Holz gratis und letztlich täglich 2 Maß „Pier“.
    4. Auch müssen die Übernehmer 3 Mutterschafe samt deren Lämmer mit den ihrigen füttern und auf die „Waid“ (Weideplatz) ein- und ausgehen lassen.
    5. Ferner dürfen die Übergebenden im „Wurzgarten“ den dritten Teil der Beete nützen. Auch erhalten sie vom Baumgarten den dritten Teil des geernteten Obstes. Gewährt wurde auch der freie Zutritt zum Brunnen (und die Nutzung des) Back = der „Köstloffen“ (Backofen, versehen zusätzlich mit einem seitlich eingebauten eisernen „Höllhafen“ zum Kochen von Kartoffeln). Zur Verfügung musste auch ein Krautbottich gestellt werden, ebenso ein Platz im Keller für die Rüben und Kartoffel; ebenso genügend Platz für die „aufhängung der Wesch“ und im „Hühner Stübl“ für die „hinterbringung des Gfliehs“ (Geflügel).
    6. Wollten die Austrägler eine Reise unternehmen, waren „ein Pferd und der Gutscher ohnentgeltlich“ zur Verfügung zu stellen.

    Endbetrachtend kann gesagt werden, dass bereits damals der Kartoffelanbau im Hohenbogen-Winkel eingeführt war. Gerade dieser Umstand trug dazu bei, arge Hungersnöte wie beispielsweise in den Jahren 1771/72, ausgelöst durch klimabedingte Missernten bei Getreide, künftig auszuschalten. Nicht allein der mit 8000 Gulden hoch veranschlagte Wert des zu übergebenden Anwesens zeigt im damaligen Markt Eschlkam die ökonomisch gehobene Stellung der Familie Schmirl, vielmehr auch der Umstand, dass das Austragsehepaar – in dieser Zeit für den bäuerlichen Stand gewiss selten – gerne  „ausfuhr“ und hierfür die besitznachfolgende  Tochter stets eine Kutsche mit Pferd zur Verfügung stellen musste.

     

    Werner Perlinger

  • Die Übergabe des späteren Gasthofs Penzkofer

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    Die Übergabe eines großen Gutes in wirtschaftlich schwieriger Zeit

    Handelte der letzte Beitrag von der Übergabe der sog. Penzenmühle am Ortseingang von Eschlkam, so sei – fortsetzend unsere Reihe über interessante Inhalte im Marktarchiv von Eschlkam – nun ein Besitzerwechsel des Gasthofes Penzkofer dargelegt, den vor über 250 Jahren die Familie Schmirl innehatte. Diese geräumige Hofanlage ist der im Markt topografisch höchstgelegene der sog. „Hoamater-Höfe“, die sich entlang der Straße nach Neukirchen b. Hl. Blut am Berg aneinanderreihen.

    Im 13./14. Jahrhundert waren es nach Aussage des herzoglichen Urbars (Steuerbuch) im Markt Eschlkam zunächst zwei Altsiedel- oder Urhöfe, sog. Fron- oder Herrenhöfe auf Herzogs- und Königsgut. Die Silbe „vron“ oder „fron“ bedeutet in mittelhochdeutscher Sprache dem Herrn zugehörig. Sie waren dann ein Teil des „Aigen ze Eschenkambe“ in der markgräflichen Epoche und kamen schließlich nach dem Jahr 1204 in wittelsbachisch-herzoglichen Besitz.

    Diese ursprünglich zwei Höfe dürfen im Markt derzeit mit vier Anwesen in Verbindung gebracht werden:
    Gemeint sind damit die Anwesen Gasthaus zur Post (beim Obermeier-Xaver Penzkofer), Josef Pfeffer (Hoamater), Xaver Späth (beim Späth`n) und der „Brücklbäck“ (früher Elektro-Seiderer- jetzt Ernst und Stefan Fenzl). Die ersten drei liegen an der Straße nach Neukirchen in einer Reihe am Berg, der vierte leicht abseits an der den Markt durchquerenden Straße nach Neumark/Vseruby, das heutige Anwesen Fenzl. Diese vier Anwesen sind aufgrund besonderer Gegebenheiten aus den beiden in den Steuerbüchern des 14. Jahrhunderts genannten Altsiedelhöfen gewachsen. Die beiden Fronhöfe waren siedlungsgeschichtlich von Anfang an da. Daher rührt auch der sinngebende Hausname „Haimater“ oder „Hoamater“, dem die Begriffe „Heim“ bzw. „Heimat“ zugrunde liegen. Diese Güter besaßen auch die besten Grundstücke im landwirtschaftlichen Umgriff des Marktes.

    Im 18. Jahrhundert gehörte der damalige Gasthof mit ausreichender Ökonomie der Familie Schmirl. Nun stand im Jahr 1747 ein Besitzerwechsel an. Nach dem Ableben von Franz Paul Schmirl, „geweßter resignirter Burgermaister und Gastgeber“, stellten am 6. Februar der Bürgermeister und seine Markträte für den noch ledigen Sohn Franz Anton Schmirl einen sog. Ankunftsbrief (Urkunde über Besitzeinweisung, bzw. Besitztitel) für die Übernahme des Anwesens aus. Der Hof mit allen dazugehörenden Gründen wurde dabei auf 7742 Gulden geschätzt, ein damals in unserer Gegend sehr hoher Betrag. Auslöser für diese Maßnahme war ein am 27. Januar erlassener Befehl der kurfürstlichen Regierung in Straubing „zur Vermeydtung der vor Augen gestandtenen Gandt Formierung“, zugleich aber auch dafür, dass die Gläubiger ihre Ansprüche nicht verlören.
    Das gesamte Erbgut wurde von verpflichteten „Schätzleiten“ begutachtet. Es waren dies die zwei „Haimbetern“ (Hoamater) Hans Preu und Hans Georg Schreiner (beide Nachbarn), ferner der Lederer Hans Paumbgartner und der Müller Josef Müller.
    Ausgehend von einer Schätzsumme von 7742 Gulden musste der junge Schmirl allein an den Grafen Alexander von Lerchenfeldt auf Gebelkoven, den Hauptgläubiger der Familie, an „heyrige Ostern“ 1000 Gulden bar erlegen und im Folgejahr 1508 Gulden. (Die Herren von Lerchenfeld gehören zum altbayerischen Uradel. Wir treffen sie immer wieder als Inhaber hoher Ämter in den einzelnen bayerischen Regierungen. Zweige der Familie bestehen bis heute). Wieso Schmirl gegenüber dem Grafen so hohe Schulden hatte ist vorerst näher nicht erläutert. Die Gläubiger mit „klaineren Schuldtposten“ seien mit Grundstücken zu „contentiren“ (befriedigen). Letztliche Schulden mussten hypothekarisch abgesichert werden.
    Es war für den jungen Schmirl, der 1752 Anna Maria Mauser heiratete, eine über längere Zeit hin schwere Bürde, die er aber im Laufe der nächsten Jahre zu meistern hatte.

    In einem Vertrag vom 1. Juli 1747 wird betont, dass die Familie Schmirl in den „jüngst verflossenen Kriegszeiten durch die viele zu prostieren gehabte Anlag (Kriegsanleihen) und Quartirs in eine solchen Schuldenlast verfallen“ sei. Gemeint sind die enormen Belastungen, die der Österreichische Erbfolgekrieg (1740-1742) infolge Einquartierungen und sonstiger Kriegsleistungen für die besitzenden Bürger im Hohenbogen-Winkel mit sich brachte. Die Kosten für die Einquartierung und Verpflegung von Soldaten wurden vom Staat meist nicht mehr ersetzt. In diesem gleichen Vertrag verpflichtete sich der Gutsübernehmer auch für seine drei Geschwister insgesamt 1050 Gulden auszuzahlen, verständlicherweise aber in kleinen Raten. Genannt werden der Bruder Johann Nepomuk, bedienstet beim Salzamt in Straubing, ferner seine Schwester Anna Catharina Späth, Frau des Wirts Veith Späth von Großaign (Wirtshans) und Theresia, Frau des Franz Bittig. Dieser war vorher Corporal bei den Graf Fuggerischen Dragonern. Laut Inhalt des Briefprotokolls vom gleichen Jahr war der junge Schmirl gezwungen, etliche Grundstücke zwangsweise zu verkaufen um sein Gut nicht zu verlieren. In den Besitz dieses Anwesens war der Vater Franz Paul Schmirl am 7. Juli 1715 durch Einheirat in die Familie Altmann gekommen. Diese Familie war lange im Besitz dieser Hofanlage.

     

    Werner Perlinger

  • Als sich der Räuber Michael Heigl im Hohenbogen-Winkel herumtrieb

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    Viele Bewohner des Hohenbogen-Winkels kennen so manche Begebenheit aus dem Leben des Räubers Michael Heigl vom Kaitersberg, denn oftmalen ist über ihn schon geschrieben worden. Geboren im Jahr 1816 in Beckendorf bei Kötzting, war der Sohn eines Tagelöhners zunächst Hütejunge bei einem Bauern und begann dann eine Ausbildung zum Schlosser in Furth bei dem Schlossermeister Peter Aunzinger, der 1830 aus Kötzting in die Grenzstadt zugezogen war. Als er im Further Pfarrhof das Schloss einer Truhe reparieren sollte, fand er darin einen stattlichen Beutel voll Geld, ließ seinen Meister in Stich und flüchtete damit aus der Stadt. Wegen dieser Tat und anderer Umtriebe stand Heigl seit 1841 unter Polizeiaufsicht. Nachdem er in Kötzting als fahrender Händler ohne Gewerbeschein verhaftet wurde, floh er 1843 aus einem Straubinger Gerichtssaal in den Bayerischen Wald. In den Folgejahren beging der Einzelgänger seine Raubzüge hauptsächlich in der Kötztinger und Viechtacher Gegend wie auch im Hohenbogen-Winkel und er kam bei seinen Streifzügen sogar bis in die Gegend von Landshut. Mehrere Jahre verbrachte Heigl auch im damaligen Ungarn (heute die Slowakei).

    Als häufiger Aufenthaltsort und Versteck diente ihm die sogenannte Räuber-Heigl-Höhle auf dem Kaitersberg unterhalb des Kreuzfelsen. Da Heigl bei seinen Streifzügen vor allem reiche Bauern und auch Pfarrhöfe heimsuchte, erfreute er sich bei den ärmeren Volksschichten großer Sympathie und breiter Unterstützung. Doch durch den Verrat eines früheren Kumpanen entdeckte man sein Höhlenversteck. Am 18. Juni 1853 wurde er dort gefasst und 1854 in Straubing zum Tod durch Enthauptung verurteilt. Nach einem Gnadengesuch wandelte König Max II. die Todesstrafe in eine lebenslange Kettenstrafe um. Wegen guter Führung wurde er nach einem Jahr vom Zuchthaus in Straubing nach München ins Gefängnis in der Au verlegt. Aufgrund seines vorbildlichen Verhaltens erhielt er 1856 dort eine Aufpasser-Stelle übertragen. Durch Kooperation mit dem Gefängnispersonal war er bei mehreren Mitgefangenen unbeliebt geworden. Deshalb erschlug ihn am 5. Januar 1857 ein Mithäftling mit der Kugel einer Fußkette, die diesem ein Zellengenosse überlassen hatte. Der Mörder und sein Mittäter wurden zum Tod verurteilt und im April 1857 in München mit dem Schafott hingerichtet. Heigl‘s Skelett bewahrte die Anatomie in München auf, wo es 1944 ein Bombenangriff zerstörte und so verloren ging. Soviel zur Person Heigls.

    Tatsächlich beinhaltet auch das Marktarchiv Eschlkam Unterlagen, die sich mit der Person Heigl’s befassen. So wandte sich das Landgericht Kötzting am 19. November 1852 an die Marktbehörde in Sachen „Die flüchtigen Verbrecher Michael Heigl und Michael Reimer betreffend“. Eingehend auf das jüngst erst vorgekommene „Raubverbrechen zu Eckelshof und das so schauderhafte Verbrechen des Raubmordes zu Hinterhudlach (gelegen am Kaitersberg), seien dies ebenso traurige als lautsprechende Beweise von dem tieferschütterten Zustande der öffentlichen Sicherheit“, so der Landrichter Carl von Paur in Kötzting. „Wenn auch der Raubmörder der Bäuerin von Hinterhudlach bereits in den Händen der Justiz ist“, so seien auf freien Fuße noch „die Räuber Michael Heigl von Beckendorf und Michael Reimer von Ansdorf“, teilte die Behörde in dem Markt Eschlkam mit. „So lange diese beiden Verbrecher nicht aufgegriffen sind, ist es unerlässlich nothwendig, daß die bekannte Verordnung über die Nachtwachen, über die Dorfwachen an Sonn- und Feiertagen während des Gottesdienstes und über die Bewachung der Einöden durch Zuhausebleiben >wehrhafter Mannspersonen< erneuert und in strengen Vollzug gesetzt werde“. Beauftragt wurde der Bürgermeister von Eschlkam, diese Verordnung sofort bekannt zu machen. Geldstrafen wurden angedroht, sollte man nicht Folge leisten, und auch eine Belohnung wurde ausgesetzt für denjenigen, der über den Verbleib beider gesuchten Räuber verlässliche Auskunft geben könne. Anzunehmen ist, dass von den Pfarrern gerade das Zuhausebleiben von Familienmitgliedern während der Gottesdienste von der Kirche wohl nicht gerne gesehen wurde. Jedoch wurde die Vermeidung räuberischer Überfälle höher bewertet.   

    Erhalten ist auch ein Schreiben des Kötztinger Landrichters Carl von Paur vom 3. Juni 1853 mit dem Titel: Dem flüchtigen Heigl für Störung der öffentlichen Sicherheit betreffend; Demnach würden erfahrungsgemäß die Sommermonate Juni, Juli und August und September „von Michl Heigl, seinen Genossen und anderem Diebsgesindel zur Ausführung von Diebstählen und Raubverbrechen benutzt“. Gerade ein Diebstahl von 150 Gulden in Geld und Geldeswert in der Nacht des 1. Juni beweise dies. Insbesondere wurden im Juni 1847 von Heigl und seinen Genossen „7-8 Raubverbrechen“ verübt. Der Landrichter weist darauf hin, dass mehrere dieser Taten „an Sonntagen während der vormittägigen Gottesdienste verübt, wo nur Weibspersonen zu Haus gelassen wurden“, wie dies der Raub in Simmerleinöd am Kaitersberg beweise.

    Landrichter von Paur appellierte an die Bevölkerung von Eschlkam dringlichst, „nächtlicher Weile die Hausthüren sorgfältig zu schließen und sich gegen einen allenfallsigen Überfall zu rüsten“. Ferner werden die Tag- und Nachtwachen „strengstens eingeschärft und die vielfach in dieser Beziehung erlassenen Verordnungen ernstens wieder ins Gedächtnis aller Gemeindemitglieder zurückgerufen“. Die Gendarmerie, das Gerichtsdienerpersonal und die Gemeindediener wurden auch in Eschlkam beauftragt, die Einhaltung dieser Verordnungen strengstens zu überwachen. Diese amtliche Bekanntmachung wurde am 15. Juni in Eschlkam sämtlichen „Gemeindegliedern vorgelesen“, was diese am Protokoll durch ihre eigenhändige Unterschrift bezeugten. Was der Landrichter noch nicht wusste, wenige Tage später, am 18. Juni wurde Heigl mit seiner Gefährtin nahe seiner Höhle am Kaitersberg gefasst und für immer in Gewahrsam genommen.

    Ebenso wenige Tage vor der Festnahme von Michael Heigl wurde am 11. Juni 1853 eine Verordnung über den verbotenen „Hausierbrodhandel“ erlassen, denn man hatte festgestellt, dass der „flüchtige Verbrecher Michl Heigl von sogenannten Brodhändlerinnen Unterstützung erhielt“. Deshalb wurde „allen jenen unansässigen, obrigkeitlich mit einer Licenz zum Brodhandel nicht versehenen Personen ohne Ausnahme der Brodhandel“ verboten“. Dass diese „Hausiergeschäfte“ blühten beweist die Tatsache, dass „ganze Dorfschaften ohne Bäcker“ seien, so die amtliche Feststellung, und deshalb ihr Brot „von auswärts kommen lassen“ mussten.  Auch war damals die Lage die, dass im Hohenbogen-Winkel viele Bewohner in den Einöden und die Häuselleute im Gegensatz zu den Bauern mangels der nötiger Grundmittel und auch geeigneter Backöfen nicht in der Lage waren ihr eigenes Brot zu backen.

    In Eschlkam lebt bei manch älteren Mitbürgern noch die Überlieferung fort, dass Heigl bei einer Verfolgung durch die Gendarmerie in der Heuhofer Mühle sich unter dem drehenden Mühlrad verstecken und sich so vor dem Zugriff bewahren konnte.

     

    Werner Perlinger

  • Als Anna Schneider in Eschlkam den Hebammendienst antrat

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    Hebammen verrichteten sehr früh schon im Hohenbogen-Winkel ihren nicht leichten Dienst. Er war sehr verantwortungsvoll, da damals Frauen häufig im „Kindsbett“ verstarben. Ignatz Semmelweis, ein ungarisch-österreichischer Arzt, der den Umstand, dass Bakterien, ausgelöst durch ungereinigte medizinische Geräte, für die nahezu immer tödliche Erkrankung der Frauen verantwortlich waren, hatte gerade erst um die Mitte des 19. Jahrhunderts diese Ursachen klar erkannt und auch in Fachkreisen veröffentlicht. Seine Erkenntnisse wurden lange Zeit nicht akzeptiert. Umso wichtiger waren in dieser Zeit für die Kleinstädte, Märkte und das Land gut ausgebildete Hebammen, die es verstanden, hygienisch sauber zu arbeiteten und den gebärenden Frauen in ihrer schweren Stunde Hilfe leisten konnten. Dazu vorerst noch ein Blick zurück.

    Das frühe Hebammenwesen – weise Frauen helfen

    Das Hebammenwesen ist alt. Sog. „weise Frauen“, die sich auf vielerlei Heilverfahren und medizinische Mittel dazu verstanden und vor allem eine entscheidende Hilfe bei Geburten geben konnten, gab es zu allen Zeiten. Sprachgeschichtlich alt ist daher auch der Begriff „Hebamme“. Ihm liegt die altgermanische Wortverbindung „heba amma“ zugrunde. Er entwickelte sich etwa seit dem 9. Jahrhundert aus dem althochdeutschen Wort „Hefihamma, Heuima, Heuammen“ für die Geburtshelferin. Das Wort wurde volksethymologisch an das geläufige Wort „Amme“ für die Nährmutter angelehnt, das seinerseits ursprünglich ein Lallwort der Kindersprache ist.
    Die Geschichte der Geburtshilfe reicht weit zurück in die frühe Menschheitsgeschichte. Dem Ursprung nach ist Geburtshilfe eine solidarische Hilfe, die sich Frauen gegenseitig leisten. Bereits im Alten Testament wird unterschieden zwischen Hebammen, die für die eigentlichen Geburten verantwortlich waren und Ärzten, die die Komplikationen nach der Geburt behandelten. Mitte des Zwanzigsten Jahrhunderts gab es wohl den größten Wandel in der Geschichte der Geburtshilfe. Die Ursache dafür war die Verlagerung des Geburtsgeschehens in die Klinik und die Etablierung einer eigenständigen Geburtsmedizin.

    Beginnen die archivalischen Nachrichten über ein geordnetes Hebammenwesen im Markt Eschlkam erst vor der Mitte des 19. Jahrhundert, so scheint es die Einrichtung von Hebammen im Gemeindebereich schon weit früher gegeben zu haben.

    Wir schreiben das Jahr 1841: Am 18. September berichtet ein Protokoll, dass die bisher im Markt tätige Hebamme Theres Pach – verwandt mit dem Kunstmaler Alois Bach – unlängst gestorben ist. Demnach wurden sämtliche Gemeindevorsteher des sog. Hebammen-Distrikts Eschlkam vorgeladen um über eine Wiederbesetzung des nun vakanten Distrikts zu beraten. Eine Lösung schien sich in der Person der Hebamme Katharina Überreiter abzuzeichnen. Diese stammte aus Neukirchen b. Hl. Blut, wo ihre sehr betagte Mutter ebenfalls noch als Hebamme tätig war. Das Landgericht Kötzting, eingeschaltet in die ganze Angelegenheit, hatte gegen die Aufnahme der Überreiter als Hebamme in Eschlkam keine „Erinnerung“ (Einwand), verwies jedoch auf die Tatsache, dass beim Tode der Mutter dem Markt Neukirchen ein Einberufungsrecht gegenüber der Überreiter zustehe. Letztlich ordnete die Behörde an, dass die Katharina Überreiter zur Verpflichtung in Eschlkam am 23. Oktober 1841 in Kötzting zu erscheinen habe.

    Am 28. Juni 1842 berichtet der Magistrat Eschlkam, dass die Katharina Überreiter bereits am 18. September 1841 als Hebamme des „allhiesigen Distrikts“ aufgenommen worden sei, der Gemeinde Neukirchen wohl das „Einberufungsrecht zustehe“, diesem aber die neue Hebamme, würde ihre Mutter sterben, „förmlich des Distrikts entsagte.“ Vielmehr sollte den Neukirchner Bereich künftig ihre Schwester Anna Überreiter, auch eine ausgebildete Hebamme, übernehmen. 

    Einige Jahre später waren die Bewohner des Distrikts Eschlkam mit der Arbeit der Hebamme nicht mehr zufrieden und man suchte nach einer neuen Lösung, um die Überreiter los zu werden. Festgestellt wurde am 14. Juli 1845, dass sie in Eschlkam nur provisorisch aufgenommen worden sei, auch nütze sie wenig und die Bevölkerung hätte kein Vertrauen in sie. Vor allem wurde moniert, dass die „jetzige Hebamme Katharina Überreiter eine unzüchtige mit 3 unehelichen Kindern versehene Weibsperson ist“. Besser wäre es, sie täte ihren Dienst in ihrem Herkunftsort Neukirchen, da diese Gemeinde „ihrer Annahme nichts im Wege legt“. Dahinter steht selbstverständlich auch die Überlegung der Nachbargemeinde, dass sie deren Ausbildung finanziert habe, diese nun aber für Eschlkam zum Tragen komme.

    Zugleich war für den Hebammen-Distrikt Eschlkam eine neue Situation entstanden. Der Magistrat wollte auf Dauer eine aus dem Marktbereich stammende Hebamme, und so bot sich nun eine Lösung in der Person von Anna Schneider an. Am gleichen Tag, den 14. Juli 1845 meldet der Magistrat an das Landgericht Kötzting: „Anna Schneider junge und ehrbare Burgers Tochter hat sich um den Hebammendistrikt Eschlkam als eintretende Hebamme bey der Magistratur Eschlkam angemeldet, indem die jetzige Hebamme Katharina Überreiter nur provisorisch aufgenommen und für die Marktgemeinde Neukirchen als eintretende Hebamme bestellt ist, worüber keine Widerrede nicht vorliegt. Der Anna Schneider ihre löblichen Zeugnisse, bestehend aus 6 Produkten, werden in Urschrift gehorsamst vorgelegt und selbe Bestands empfohlen.“

    Offenbar genügte die Ausbildung der höheren Behörde noch nicht, denn am 23. Juli 1845 wird berichtet, dass die neue Hebamme Schneider „in die Lehre nach München geschickt wird.“ Für die „Erlernung dieser Kunst…schoß der Hebammen Distrikt Eschlkam 100 Gulden vor“. Diese mussten „gefälligst (sofort) an den Vorstand der Hebammen Schule in München“ überwiesen werden. Am 9. August musste „die Hebammskandidatin Anna Schneider, Bürgerstochter aus Eschlkam“, sich dem Landrichter in Kötzting vorstellen. Noch am 10. Januar 1846 musste der Markt 20 Gulden an die Schule in München nachzahlen. Ein weiteres Schulgeld in Höhe von 36 Gulden wurde als „Sustentations-Beitrag“ (Unterstützung) je nach wirtschaftlicher Lage als „Repartition“ (anteilsmäig) auf die Gemeinden Eschlkam, Schwarzenberg, Großaign, Stachesried, Warzenried und Kleinaign umgelegt. Grundlage dafür war das jeweilige Steueraufkommen, wobei Großaign mit einem Steueraufkommen von 688 Gulden (fl) mit 8 fl den höchsten Betrag lieferte, dahinter Schwarzenberg (637 fl zu 7 fl), Eschlkam (475 fl zu 5 fl) und Stachesried (420 fl zu 5 fl) und letztlich Warzenried (404 fl zu 4 fl) und Kleinaign (363 fl zu 4 fl).

     

    Werner Perlinger

  • Großaign und Eschlkam im Streit um den Bau eines „Krankenhauses“

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    Auch früher hatten die Gemeinden soziale Aufgaben zu erfüllen / Christliche Nächstenliebe auf dem Prüfstand !

    „Gemeinde zu Großaigen gegen die von Kötzting wegen Aufrichtung eines Krankenhauses etc. de Annis 1688 – 1690 etc.“, so lautet der Titel eines Aktes. Was war geschehen, dass sich die Dorfgemeinde Großaign am 3. Dezember des Jahres 1688 ganz „underthenig, flechentlichsten bithen“ (mit flehentlichsten Bitten) ausdrücklich an ihren Landesherrn, den Kurfürsten Max Emanuel in München wandte. Dazu folgende Vorinformation: Der Dreißigjährige Krieg war gerade mal 40 Jahre vorbei. Dagegen war eine kriegerisch virulente Bedrohung des christlichen Europa durch die Türken Jahrzehnte nach dem Dreißigjährigen Krieg in hohem Maße gegeben. Im großen Türkenkrieg, der von 1683-1699 dauerte, wehrte Österreich und mit ihm das Abendland, teilweise mit reichs-, päpstlicher und polnischer Hilfe die Angriffe ab und ging selbst zum Angriff über. Gerade unser Land Bayern war in diese Kriege immer wieder stark eingebunden. Es war deshalb kein Wunder, dass auch der Hohenbogen-Winkel, durch dessen Territorium alte Fernwege verliefen, unmittelbar an der Grenze zu Böhmen davon indirekt betroffen war.

    So waren bereits 1687, im Jahr vor dem Sturm auf Belgrad, kranke Soldaten aus Ungarn beim Heimmarsch aus den Kriegsgebieten in das Dorf Großaign gebracht worden. Sie wurden zunächst in das gemeindeeigene Hüthaus gelegt, und der Dorfhirte musste sich vorerst eine andere Herberge suchen. Mittlerweile waren im Hüthaus fünf Soldaten verstorben

    Ob dieser Vorgänge entstand Unruhe, die Bauern gerieten in große Sorge und lehnten den weiteren Verbleib kranker Soldaten in ihrem Dorfbereich kategorisch ab. So lasse sich das Hüthaus zu einem „Khrankhenhauss nit machen“, so die Begründung der Großaigener Bewohner. Mit dem deutlichen Hinweis, dass dagegen das Hüthaus des Marktes „Öschlcamb bei der Prukh“ für ein Krankenhaus einst gehalten worden sei, bittet am 3. Dezember 1688 die ganze „Dorfsgemain zum Grossaigen“, die kurfürstliche Durchlaucht möge dem Pfleggericht Kötzting befehlen, die kranken Soldaten nicht mehr zuzuführen, gleichwohl sollten für diese beim Markt „Öschlcamb (ein) Underhalt (eine Unterkunft) geschaffen werden“.

    Sofort erging am 7. Dezember von der Regierung Straubing an das Pfleggericht Kötzting der Befehl, dass, sollten wieder neue kranke Soldaten „ankhommen“, dafür das „Khranckhenhaus zu Eschlcamb bey der pruckhen aufgericht werden solle“, um sie dort einzulegen. Damit war es aber nicht getan: Die Eschlkamer widersprachen vehement, dass es im Marktbereich je ein Krankenhaus gegeben habe. „So würde doch dies ihrer...Peurischen einbiltung (der Großaigener Bauern)  nach  dahin nit zu applizieren (möglich) sein, die aus Ungarn ankommenden und mit gefährlichen Krankheiten behafften Soldaten aufzunehmen“. Der Markt wehrte sich entschlossen gegen den Vorschlag der Großaigner, ein eigenes, wenn auch sehr bescheidenes „Krankenhaus“ zu bauen.  

    In dem von der Regierung zu diesem Thema eingeforderten Bericht vom 28. März 1689 erwähnt der Pfleger von Kötzting, Johann Jakob Poyssl zu Loifling nach Anfrage bei der Dorfgemeinde Großaign, ob „bey der Pruckhen vor dem Markht Eschlcamb“ einst ein Krankenhaus des Marktes gestanden sei, die Dorfgemeinde gebe einhellig vor, mittels alter Bürger von Eschlkam selbst zu beweisen, dass früher dort ein Krankernhaus gestanden und vom Markte erbaut und unterhalten worden sei. Deshalb erwarte er dazu die weitere Entscheidung der Regierung, was zu tun sei.

    Grundsätzliche Frage war nämlich, ob das Krankenhaus bei der Brücke allein nur für die Bürger des Marktes, oder auch beispielsweise für die aus Ungarn, oder „anderen Ländern mit ankhlebigen (ansteckenden, gefährlichen) Khrankheiten behafft gewesene...fremde Persohnen angesehen, und erpauth gewesen seye“ Alle befragten Bürger sagten aus, es sei bei der Brücke (wohl an der Seite auf Eschlkam zu) einst ein kleines Heusl, gestanden, zerstört aber im Schwedenkrieg. Zwei alte Leute hätten dort gewohnt.  Niemals aber seien damals Bürger noch kranke Soldaten in diesem Haus untergebracht gewesen. Auch habe eine Nachschau in den Marktrechnungen aus dieser Zeit dafür keinen einzigen  Hinweis erbracht. Daraufhin forderte am 2. Juni die Regierung vom Pfleger in Kötzting und von den Großaignern in dieser Sache einen weiteren Bericht.

    Die Angelegenheit zog sich hin. Erst am 11. August 1690 berichtet Pfleger Poyssl, dass er die „aydliche“ Erfahrung eingeholt habe.  Voraussetzung für die Auswahl der zu befragenden Personen war, dass diese einen „ehrlichen Leimueth“ (guten Leumund) hatten.
     
    Die „aidliche erfahrung“

    Als erste Persohnn wurde Georg Spätt, Burger und Gastgeb zu Eschlcamb, über 80 Jahre alt, vernommen. Demnach sei vor 60 Jahren innerhalb der „Pruckhen zu Eschlcamb ein Armes Haus“ (Armenhaus) gestanden und eine Arme, das „Stelzenweib“ genannt, habe dort gelebt. Damals habe es weder kranke Soldaten noch andere kranke Leute gegeben. Daher wisse er nicht, ob es für die Kranken erbaut worden sei. Auch wisse er nicht, welches Haus im Schwedenkrieg abgebrannt und seither nicht mehr aufgebaut worden sei. Die inhaltlich gleiche Aussage machten der 75 Jahre alte Bürger und Schreiner Wolf Zilckher und der Schuhmacher Hans Preu, 83 Jahre alt.  

    Wolf Pongraz von Stachesried, 70 Jahre alt, bestätigte, dass innerhalb der Brücke bei Eschlkam ein „Heusl“, genannt das „Pruckh Heusl“, gestanden sei. Darin hätten damals ein armes Weib und der „Todtengraber“ gewohnt. Der (schwedische) Feind habe es niedergebrannt. Den früheren Zweck des Hauses kenne er nicht.

    Als fünfte Persohn sagte Wolf Pongratz aus, 72 Jahre alt. Er erinnerte sich an das kleine Häusl innerhalb der Brücke. Darin hätten die Armen und „Petlleith“ gewohnt, „die man hin.: und wider gefihrt, hinein gelegt“. Damals war es wie andernorts auch üblich, wandernde Bettelleute, denen ein längerer Aufenthalt in der Gemeinde nicht erlaubt wurde, im sog. Armenhaus für kurze Zeit, oft nur einen Tag, unterzubringen. Aber eine Nutzung für kranke Personen wisse er nicht. Der über 70 Jahre alte Paulus Prändl von Großaign erinnerte sich an das ehemalige Stelzenweib und auch an die sogenannten „Pruckhmädl als arme . 2 . Weiber (die sich dort) aufgehalten, auch an die Petlleith, wanns von ainem Orth zum andern geführt worden, seien diese in dieses Haus gebracht worden, was auch die meisten Bettler wünschten, da sie dort von dem Pruckkmedl oder (der) Margarethin, welches gar ein fleissiges Weib gewest, gefihrt werden khönnen“. Ob aber diese Einrichtung damals als ein Krankenhaus genutzt worden sei, wisse er nicht, sondern nur die Zerstörung im Dreißigjährigen Krieg.

    Mit diesen Ausführungen schließt unvermittelt die Akte. Wahrscheinlich verzichtete die Regierung darauf, diese Angelegenheit weiter zu verfolgen. Offenbar endete bald auch die Belastung der Dorfgemeinde Großaign mit durchziehenden, kranken Soldaten aus dem Türkenkrieg.

    Resümee

    An die 320 Jahre sind diese Vorkommnisse her. Zwei Parteien haben wir vor uns: Einmal die Bauernschaft von Großaign, dann die Bürger des Marktes Eschlkam. Früher war es üblich, dass die einzelnen Gemeinden aus dem christlichen Gebot der Nächstenliebe heraus den Ortsarmen, auch kranken Personen ohne Ansehen der Person eine Wohnung und auch eine soweit wie mögliche Verpflegung wenigstens für eine kurze Zeit zu gewähren hatten. Die Ortsarmen, die damals keine Gemeinde gerne haben wollte, mussten aus der Kommunalkasse unterhalten werden. Verstarb dann ein Bettler oder eine der Gemeinde zugewiesene völlig mittellose Person, so hatte die Gemeinde letztlich auch für eine Grabstelle und ein einfaches christliches Begräbnis zu sorgen.

     

    Werner Perlinger

  • Übergabe der Penzkofer-Mühle 1747

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    Das Archiv des Marktes Eschlkam darf sich eines reichen Fundus an Urkunden, Akten und auch Protokollen aus früher Zeit erfreuen. Daraus sollen in dieser und den folgenden Abhandlungen verschiedentliche Inhalte dem Leser angeboten werden, die in der 2010 vom Verfasser erstellten Geschichte des Marktes allein aus Platzgründen nicht berücksichtigt werden konnten.

    Zunächst einige einleitende Ausführungen zum Markt Eschlkam selbst: Eine zentrale und gehobene Stellung im Markt hatte neben dem Bürgermeister der jeweilige Marktschreiber, der meist eine für die Zeit herkömmliche, ja teils juristische Ausbildung genossen hatte. Mit ihm, der sämtliche Ratssitzungen protokollierte, fungierte die Führung des Marktes auch als Urkundebehörde und erledigte so die Aufgaben der heutigen Notariate. Sämtliche Kaufverträge und Übergaben der Häuser und Grundstücke, Heiratsverträge und Testamente, Bürgschaften und Leihverträge wurden vom Marktschreiber abgefasst, niedergeschrieben und gesiegelt. Mit dem Siegel des Marktes erlangten sie die amtliche Gültigkeit. Überliefert sind uns diese vielen zivilrechtlichen Verfügungen in den sog. Briefprotokollen. Von Eschlkam sind sie uns ab dem Jahr 1719 mit Unterbrechungen bis 1807 erhalten.

    Vorgestellt werden zunächst in Briefprotokollen des 18. Jahrhunderts niedergeschriebene Übergaben einzelner für den Markt bedeutender Gebäude. Wir beginnen zunächst mit einer Mühle.

    Zu den ältesten Gewerben, ausgeübt seit jeher im Marktbereich, zählt das Handwerk der Getreidemüller. Sie haben in der sozialen Struktur des Marktes einen festen Platz und einen bedeutenden Stellenwert.

    Als erster Fall sei die Übergabe der sog. Penzenmühle behandelt. Dazu einige Nennungen von Namen dieser Einrichtung in den letzten Jahrhunderten. So heißt sie im Jahr 1659 auf der „Palbersdorfermil“; 1686 „Druckhen- oder anietzo Lährnbecher Mihl“; 1688 „Truckhenmüll...DruckhenMihl“; 1694 „Pentzkhoverische Mill“; 1695 „Hannsen Pentzkhover Millern uf der Truckhenmill“; 1739 „auf der Penzkhofermihl“; 1747 „Penzenmill“; 1780 „Andrae Penzkofer Mühler auf der Truckenmihl“; 1840 „Pratzmühle, Penzenmühle“.

    Das Bestimmungswort des Erstbelegs gehört zum Familiennamen „Balbersdorfer“; dieser zum Ort Balbersdorf  bei Waffenbrunn. Die Bezeichnung „Truckenmühle“ (mundartlich „drucka“-trocken steht im Gegensatz zum Namen „Naßmühle“ – der unweit gelegenen Bäckermühle). Lernbecher ist der Name einer damaligen Bürgerfamilie in Eschlkam. Nicht behaupten konnte sich der Name „Pratzmühle“ (zu mundartlich „brods“ für Frosch). Seit 1694 erscheint der Familienname Penzkofer als Bestandteil des Mühlennamens wobei „Penz/Benz“ dazu eine Kurzform darstellt.

    Nun einzelne Inhalte aus der Übergabe der Mühle am 11. September 1747:

    Um den Steuerwert der Mühle und damit auch die sog. Notariatskosten berechnen zu können wurde sie damals mit allem Zubehör und den dazu gehörenden Gründen auf 1745 Gulden geschätzt. Im Vergleich zu anderen Anwesensübergaben eine hohe Summe; kostete doch nur Jahrzehnte später ein Kalb ca. 6-7 Gulden, ein Scheffel (222 Liter) Weizen etwa 20 bis 24 Gulden. So hatte „Maria Lährnbecherin, burgerliche Wittib (Witwe) und Müllerin auf der sog. Truckhmüll des alhiesigen Churfürstlichen Pannmarkhts Eschlcamb so aber Alter- und Leibszerbrechligkeit halber…nit selbst erscheinen können“. (Unter dem Begriff „Bannmarkt“ ist ein Markt mit eigenem Magistrat und eigener Jurisdiktion innerhalb des Burgfriedens zu verstehen, wobei der Burgfrieden hier den fest umgrenzten Gemeindebereich bedeutet).

    Vertreten wurde sie, ausgerüstet mit aller Vollmacht, von dem „Beyständter“ Caspar Penzkhofer. So übergibt sie ihre am 19. Oktober 1734 „ihr allein haimbgefallene (wohl durch den Tod des Mannes) sogenandte Trukhmühl mit den 3 Mahlgängen samt dem sehr zusambgefallenen Haus, Stadl, Stallung, Wurzgärtl item der halben Altwisen aufn untern Pernfurhrt, die Wiese vom Hausstadel bis an die Straß zwischen dem Alt- und Müllbach entlegen; dann  das Feld neben dem Staudtenweyer und dem Wisl daneben, item das sog. Peimblfeld nebst dem Spättschen Gärtl“. Zur Übergabe gehörten auch die „Haus- und Paumannsfahrnis“ (letztere sind sämtliche Geräte für den Betrieb der Landwirtschaft), das sämtlich vorhandene Vieh und das Mihlwerchzeig“ (Gerätschaften für den Müller) ihrem geliebten Tochtermann (Schwiegersohn) Wolfgang Schmaus des Rats und derzeit Ambts Burgermaister und seiner Ehefrau Catharina, ihrer Tochter“.

    Eigens wurde auch „die Ausnamb hierauf protokolliert“. Demnach erhielt die übergebende Mutter Maria Lährenbecherin  „ad dies vite“ (zeitlebens) die Herberg auf der Stuben“, (im Stall) „ein Pläzl für eine Khue und dem erforderlichen Ohrt zur Huetterey“ (Wiesengrund als Weide für die Kuh). Sollten sich die Parteien miteinander nicht vertragen können, so wäre der Schmaus „obligirt (verpflichtet) der Ausnemberin, dann (für die) Stallung und (den) Huetterplaz jährlich 4 Gulden Zins an dessen statt zu veraichen“; außerdem erhielt sie noch 4 Klafter (12 Ster) Holz für die Heizung ihres Ofens im Stübl. Zuletzt wird darauf verwiesen, dass die „Schmaus’schen Eheleutth“ verpflichtet sind, ihrer Mutter „alles das jenige zu verraichen“, was punktuell in dem Übergabebrief vom 19. Oktober 1734 bereits vereinbart wurde. Diese notarielle Niederschrift ist nicht vorhanden.

    Im Vergleich zu den heutigen Lebensverhältnissen erscheint die „Ausnamb“ der Maria Lährnbecher zunächst eher ärmlich. Sie darf aber wegen der durch die infolge vorangegangenen Kriege bedingten schweren Zeiten noch als gut vertretbar gelten. Auch sollten angesichts des baulich ruinösen Zustands der Mühle die Nachfolger wohl wirtschaftlich nicht zu sehr belastet werden. (Quellen und Literatur beim Verfasser vorbehalten)

     

    Werner Perlinger